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Wall Street schließt im Minus: Banken beenden Dax-Aufwärtstrend

Nach fünf Handelstagen mit Aufschlägen setzen die Anleger am deutschen Aktienmarkt auf das Gesetz der Serie und den Ifo-Index. Was folgt sind ein neues Jahreshoch und ein Ende der Gewinnsträhne. Schuld sind die Banken.

Der Widerstand bei 10.800 Punkten hat am Dienstag dem Dax deutlich zugesetzt. Der Leitindex schraubte sich zunächst bis auf ein neues Jahreshoch von 10.827,72 Punkten. Danach setzten Gewinnmitnahmen ein bis auf ein Tagestief von 10.738 Stellen. Am Ende schloss der Dax nahezu unverändert, nur wenige Punkte schwächer als am zum Wochenstart. Ein Grund dafür war die Schwäche der Bankenwerte. "Vor den Quartalszahlen der Deutschen Bank ist der Markt vorsichtig", sagte ein Händler.

Der Dax verabschiedete sich mit 10.757 Punkten kaum verändert aus dem Handel. Am Montag war er bei 10.761 Zählern aus dem Handel gegangen. Der MDax schloss 0,7 Prozent im Minus bei 21.271 Punkten. Der TecDax verlor 0,5 Prozent auf 1758 Zähler.

Konjunktur: Ifo-Index liefert (nicht ganz)

Die Stimmung am Markt blieb positiv. "Der Optionsverfall am Freitag hat wie ein Befreiungsschlag gewirkt", sagte ein Händler. Bis zu diesem Stichtag hätten Positionen am Terminmarkt einen Ausbruch nach oben verhindert. Dieses Hemmnis sei beseitigt.

Der Aufschwung werde auch fundamental getragen. "Die Einkaufsmanagerindizes gestern waren klasse", meinte ein anderer Marktexperte. Und auch der deutsche Ifo-Index schlug die Erwartungen der Volkswirte. Mit einem Anstieg auf 110,5 Punkte legte er einen Punkt gegenüber dem September zu. "Der Aufschwung in Deutschland gewinnt an Fahrt", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Allerdings waren viele Anleger bereits vor Veröffentlichung von einem starken Zuwachs ausgegangen, sodass der Dax kaum frischen Ifo-Schwung erhielt.

Rückenwind lieferte vielmehr die US-Berichtssaison, die bislang gut gelaufen ist. Bislang hatten mehr als 120 Unternehmen aus dem S&P-500-Index ihre Quartalsdaten vorgelegt, davon übertrafen 78 Prozent die Erwartungen. Das liege deutlich über dem historischen Durchschnitt, hieß es am Markt.

USA: Berichtssaison als Impulsgeber

Enttäuschende Konjunkturdaten und Quartalszahlen, die nicht in allen Punkten überzeugten, haben die Stimmung an der Wall Street gedämpft. Der Dow Jones verlor 0,3 Prozent auf 18.169 Punkte. Der S&P-500 fiel um 0,4 Prozent zurück und der Nasdaq gab um 0,5 Prozent nach. Umgesetzt wurden 839 (Montag: 797) Millionen Aktien. Dabei wurden 1.185 Kursgewinner und 1.813 -verlierer gesehen, während 129 Titel unverändert schlossen.

Die jüngste Runde der US-Bilanzsaison brachte neben positiven Überraschungen auch einige herbe Enttäuschungen, unter anderem vom Adidas-Konkurrenten Under Armour. Der Sportartikelhersteller hatte seine Wachstumserwartungen zurückgeschraubt, was die Aktie um gut 13 Prozent abstürzen ließ.

Auf der anderen Seite hatte der Chemie-Konzern Dupont gute Zahlen vorgelegt und die Ergebnisprognose nach oben genommen. Dies liege jedoch zum Teil an Effizienzmaßnahmen, so ein Teilnehmer. Der Volumenanstieg von 3 Prozent im dritten Quartal habe aber im erwarteten Rahmen gelegen. Zudem könnte sich die Fusion mit Dow Chemical etwas länger als erwartet hinziehen. Die Dupont-Aktie gewann 0,4 Prozent.

General Motors hat im dritten Quartal angetrieben von starken China-Verkäufen den Gewinn mehr als verdoppelt. Zudem erzielte der Auto-Konzern einen Rekordumsatz. Doch signalisierte General Motors auch Schwierigkeiten infolge des britischen Referendums zum Austritt aus der Europäischen Union. Die Aktie reduzierte sich um 4,2 Prozent.

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Auch der US-Pharmakonzern Merck & Co hat im dritten Quartal mehr verdient als erwartet. Zudem hob das Unternehmen die Prognosen für das Gesamtjahr leicht an. Die Aktie stieg um 2,0 Prozent. Dagegen hat Eli Lilly die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal verfehlt. Der Kurs schaffte ein kleines Plus von 0,2 Prozent.

Auch Caterpillar hat mit den Quartalsergebnissen enttäuscht und den Ausblick für das Gesamtjahr gesenkt. Für das zweite Halbjahr rechnet Caterpillar mit einer Stagnation bei Neuaufträgen für Baumaschinen. Die Verkäufe von Ausrüstungsprodukten werde unter den Erwartungen liegen, warnte das Unternehmen. Die Aktie büßte 1,8 Prozent ein.

Visa profitierte im vierten Geschäftsquartal von höheren Kreditkartenumsätzen. Gewinnmitnahmen ließen die Aktie aber um 1,4 Prozent nachgeben. Der Chipkonzern Rambus hat im dritten Quartal ebenfalls die Prognosen übertroffen und einen Ausblick über den Erwartungen geliefert. Seine Aktie verteuerte sich um 4,3 Prozent.

Dax: T-Mobile-US als Kurstreiber

Titel der Deutschen Telekom bleiben bei den Dax-Einzelwerten im Fokus: "Die Aktie hatte die Hälfte der Gewinne nach den starken T-Mobile-US-Zahlen gestern Mittag wieder abgegeben, das war zu viel", sagte ein Händler. Die Kursrally der T-Mobile-Aktie von 9,5 Prozent im US-Handel am Montag sollte nicht spurlos an der Telekom vorbeigehen. "Das war eine korrekte Reaktion auf den Gewinnsprung und unterstreicht, dass die Telekom hier ein richtiges Schätzchen im Portfolio hat", so ein anderer Händler. Telekom-Papiere gewannen rund 3,5 Prozent und waren damit Topgewinner im Dax.

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Eine Analyse von Morgan Stanley, nach der bei der Deutsche Bank zum Erreichen einer Kernkapitalquote von 13 Prozent etwa 8,5 Milliarden Euro fehlten, schickte die Papiere auf Talfahrt. Deutsche Bank verloren etwa 1,7 Prozent. Auch Commerzbank bü0ten mit zeitweise knapp 2 Prozent deutlich ein. "Die Gewinnmitnahmen bei den Banken bremsen auch den Gesamtmarkt", sagte ein Händler.

Etwas unter Druck standen auch Adidas mit einem Minus von etwa 1 Prozent. Händler verwiesen auf einen Kurseinbruch des US-Konkurrenten Under Armour, der die Ziele nach unten genommen hatte. 

MDax: Zahlen machen Kurse

Nach gut ausgefallenen Geschäftsdaten setzten bei Covestro Gewinnmitnahmen ein. Die Papiere hatten sich seit Jahresbeginn in etwa verdoppelt und notierten in der Nähe des Allzeithochs. Der bereinigte Gewinn habe klar die Erwartungen übertroffen, der Ergebnisanstieg um 22 Prozent sei stark, hieß es im Handel. Die DZ-Bank hatte nach den Zahlen die Kaufempfehlung für die Aktie bestätigt. Covestro gaben fast 4 Prozent nach.

MTU-Aero-Papiere schlossen etwa 3,5 Prozent leichter. Auch hier machten Marktteilnehmer Gewinnmitnahmen verantwortlich. Der Konzern hatte zuvor dank lukrativer Wartungsaufträge zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose angehoben. Das bereinigte Ebit soll demnach nun rund 500 Millionen Euro betragen. Im dritten Quartal steigerte MTU das operative Ergebnis auf 139,7 Millionen Euro von 120,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Europa: Zahlen satt

Linde-Konkurrent Air Liquide sei im dritten Quartal etwas hinter den Umsatzerwartungen seines Hauses zurückgeblieben, sagte ein Händler. Kursstützend wirke sich allerdings die Bekräftigung des Ausblicks aus. Eine positive Überraschung sei auch das mit 5,2 Prozent überraschend hohe Umsatzplus in der Sparte Gesundheit. Air-Liquide-Titel zogen rund 0,5 Prozent an.

Novartis-Aktien verloren dagegen rund 3 Prozent nach der Vorlage der Drittquartalszahlen. Der schweizerische Pharmakonzern hatte im dritten Quartal 2016 trotz US-Generikakonkurrenz für seinen Blockbuster Gleevec besser abgeschnitten als erwartet. Das operative Kernergebnis ging im dritten Quartal zwar um 3 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar zurück, doch Analysten hatten mit einem stärkeren Minus auf 3,3 Milliarden gerechnet,

Positiv kamen die Geschäftszahlen von Orange an. "Bei den Gewinnen lief es leicht besser als erwartet und der leichte Umsatzrückgang war geringer als befürchtet", sagte ein Markteilnehmer. Für Orange-Papiere ging es zeitweise fast 5 Prozent nach oben. 

Rohstoffe: Brent fällt

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Mit Abgaben zeigten sich die Ölpreise. Hier standen erneut die Spekulationen im Fokus, ob es zu einer Begrenzung der Fördermenge durch die Opec kommen wird. Bislang ist unklar, welche Länder sich an einer Begrenzung beteiligen wollen. Für ein Barrel der US-Sorte WTI wurden zum Settlement 49,96 Dollar aufgerufen, ein Abschlag von 1,1 Prozent. Brent gab um 1,3 Prozent auf 50,79 Dollar nach.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank dürfte der Ölpreis in den kommenden Tagen eher fallen. "Die Abwärtsrisiken nehmen zu", hieß es in einem Marktkommentar. Die Experten begründeten dies mit der Haltung des Irak in der Frage einer möglichen Begrenzung oder Kürzung der Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec). "Der Irak wird einer Kürzung seiner Ölproduktion bei der Opec-Sitzung Ende November kaum zustimmen."

Devisen: Euro dreht ab

Der Euro erholte sich im Gegenzug von seinem Tagestief bei 1,0850 Dollar und kletterte im späten Handel auf 1,09 Dollar. Unterstützung erhielt die Gemeinschaftswährung auch vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank: Mario Draghi hatte gesagt, die EZB zöge es vor, wenn die Zinsen nicht zu lange negativ blieben. Draghis Worte seien zwar nicht gerade als "falkenhaft" zu deuten, aber auch nicht als "taubenhaft", kommentierte Marvin Loh, Analyst bei BNY Mellon die Aussage des EZB-Chefs. Da aber die nahende Fed-Zinserhöhung im Dollar eingepreist sei, genüge schon ein neutraler Kommentar, um dem Euro Auftrieb zu geben.

Der chinesische Yuan steht indes zunehmend unter Druck. Am Montag erreichte die Währung im für ausländische Investoren wichtigen sogenannten Offshore-Handel ein Rekordtief zum US-Dollar und fällt am Dienstag noch weiter. Zwischenzeitlich kostet ein Dollar 6,7885 Yuan. Verantwortlich für die Yuan-Schwäche ist laut Händlern unter anderem die Erwartung steigender Leitzinsen in den USA. Die Entwicklung deutet nach Einschätzung der Devisenexperten der Commerzbank zudem darauf hin, dass trotz der Kontrollen immer noch Kapital aus China abfließt.

Asien: Schwierige Gemengelage

Die ostasiatischen Aktienmärkte warteten mit keiner einheitlichen Tendenz am Dienstag auf. So schloss der Nikkei-Index 0,8 Prozent fester bei 17.365 Zählern. Der S&P/ASX200 in Sydney kletterte 0,6 Prozent auf  5443 Stellen. Der japanische Eisenbahnbetreiber Kyushu Railway feierte indes ein fulminantes Börsendebüt gefeiert. Am ersten Handelstag nach dem knapp 3,7 Milliarden Euro schweren IPO kletterte die Aktie um 15 Prozent. Sie profitierte von der starken Nachfrage nach einem stabilen Papier, das regelmäßige Dividenden abwirft.

Weniger freundlich sah es an die chinesischen Börsen aus. Während ein Rückgang des Yuan etwas belastete, stützten festere Rohstoffwerte den Markt. Das neuerliche Sechsjahrestief der chinesischen Währung befeuerte Sorgen, dass sich die Devise auf einem anhaltenden Abwärtspfad bewegt mit der Gefahr, Liquiditätsabflüsse nach sich zu ziehen.

In Seoul fiel der Kospi 0,5 Prozent, nachdem das BIP im dritten Quartal 2,7 Prozent gestiegen war - nach einem Plus von 3,3 Prozent in der Periode zuvor. Dennoch lag das Wachstum damit höher, als von Experten mit 2,5 Prozent im Jahresvergleich erwartet.

Quelle: n-tv.de

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