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An der Wall Street ist die Stimmung verhalten.
An der Wall Street ist die Stimmung verhalten.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 16. Juni 2017

Dax honoriert Griechenland-Deal: Amazon-Investition trifft Konzerne hart

In den USA sorgt Amazon für einen Paukenschlag: Der Online-Riese kauft die US-Lebensmittelkette Whole Foods. Diesen beiden Konzernen kommt die Investition zugute. Den Konkurrenten eher nicht.

Nach den Kursverlusten vom Vortag haben einige Anleger am Hexensabbat die Gelegenheit zum Wiedereinstieg genutzt. Für Zuversicht an den Börsen am großen Verfall an den Terminbörsen vor allem die Einigung zwischen den Euroländern und Griechenland über die Auszahlung von weiteren Milliardenhilfen für das schuldengeplagte Land.

"Diese Vereinbarung kommt an den Märkten gut an, weil sie Unsicherheit aus dem Weg räumt", sagte Händler Markus Huber vom Brokerhaus City of London Markets. Normalerweise sind die Kurse zu den Verfallsterminen sehr volatil. Kurse sind dann vor allem von den unterschiedlichen Interessen der Marktteilnehmer an den Terminbörsen abhängig, strategische Investoren verharren an den Seitenlinien.

Am Freitag zeigten sich die Indizes aber relativ robust. Dax und EuroStoxx50 nahmen ein Plus von 0,4 bzw. 0,5 Prozent mit in den Feierabend - die Schlusstände: 12.752 und 3538 Punkte.

Am Mittwoch war der Dax erstmals über 12.900 Punkte geklettert und hatte bei 12.921 Zählern eine weitere Bestmarke erreicht. Anschließend setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein, die ihn am Feiertag zeitweise bis auf 12.620 Punkte abrutschen ließen.

Etwas stärker aufwärts ging es an der griechischen Börse. Der Athex-20 stieg 0,7 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit gut anderthalb Jahren markiert. Die Aktien der griechischen Banken gewannen zwischen gut 3 und gut 5 Prozent.

Das hochverschuldete Land erhält weitere Finanzhilfen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro. Zudem bleibt der Internationale Währungsfonds an Bord der Geldgeber. "Der Deal sollte den Weg ebnen, griechische Papiere in das EZB-Kaufprogramm aufzunehmen", urteilten die Experten der Bank HSBC. Das wäre ein wichtiger Schritt bei der Rückkehr zur finanziellen Eigenständigkeit. Derzeit sammelt die Europäische Zentralbank (EZB) an der Börse Anleihen der Euro-Länder im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro ein, um die Konjunktur anzukurbeln und die Inflation in die Höhe zu treiben.

Andere Experten zeigten sich in der Griechenland-Frage weniger optimistisch. "Das hilft Athen für den Moment, löst aber das Problem nicht", warnte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. "Griechenland will 2018 zurück an den Kapitalmarkt. Das dürfte ohne einen Schuldenschnitt kaum möglich sein." Denn offen ist nach wie vor, ob Griechenland Schuldenerleichterungen erhält. Darüber wollen die Euro-Partner erst 2018 entscheiden. Auch Commerzbank-Analysten äußerten sich skeptisch. "Die Gläubiger geben die weiteren Mittel vor allem deswegen frei, weil sie zur Zahlung der eigenen Forderungen benötigt werden. Sonst müsste man den eigenen Landsleuten ja erklären, dass die Mittel tatsächlich verloren sind."

Die Rendite der zweijährigen griechischen Titel fiel dennoch auf ein Sechseinhalb-Monats-Tief von 4,677 Prozent. Die fünfjährigen Bonds rentierten mit 4,806 Prozent sogar so niedrig wie zuletzt vor gut zweieinhalb Jahren.

Am deutschen Aktienmarkt griffen die Investoren vor allem bei Technologiewerten zu, die am Donnerstag vom Kursrutsch ihrer US-Konkurrenten besonders stark gelitten hatten. Die Aktien des Halbleiter-Herstellers Infineon gewannen 2,4 Prozent. Der Chip-Designer Dialog Semiconductor gab Gewinne wieder ab und schloss 0,6 Prozent leichter.

Unter Beobachtung stand weiter Air Berlin. Der Präsident des Flughafenverbands ADV, Michael Garvens, hält eine Übernahme der angeschlagenen Fluglinie durch den Lufthansa-Konzern für wahrscheinlich. Für größere Bewegung in der Lufthansa-Aktie sorgte die Aussage aber nicht. Lufthansa habe bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht, an einer Übernahme der Fluggesellschaft Interesse zu haben, so ein Händler. Allerdings nur unter Bedingungen. Insbesondere geht es um die Entschuldung von Air Berlin - hier müsste aber Großaktionär Etihad mitspielen. Air Berlin verloren 0,9 Prozent und Lufthansa schlossen 0,1 höher.

Einer der größten Verlierer im Dax waren Siemens mit einem Kursabschlag von bis zu 2,9 Prozent. Zuletzt notierte der Kurs 0,9 Prozent niedriger. Händlern zufolge äußerte sich Firmenchef Joe Kaeser bei einer Investorenkonferenz in London über einen harten Preiskampf in der Energiesparte.

Positive Analystenkommentare verliehen den Aktien von RWE und HeidelbergCement Schwung. RWE gewannen 1,9, HeidelbergCement 0,8 Prozent.

Wall Street: Amazon bewegt die Kurse

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Die US-Börsen haben sich zum Wochenschluss kaum bewegt. Technologie-Werte gaben nach dem jüngsten Kursrutsch dagegen weiter nach. Die Sorge vor allgemein zu hohen Kursen für Aktien aus dem Bereich hatten bereits zuletzt zu Verkäufen geführt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent höher auf 21.384 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 trat bei 2433 Zählern auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,2 Prozent auf 6151 Punkte.

Das dominierende Gesprächsthema an den Börsen war die knapp 14 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Lebensmittelhändlers Whole Foods durch Amazon. Der Einstieg des Online-Riesen in die Branche erwischte die traditionellen Handelskonzerne kalt - deren Aktien gingen auf Tauchstation. "Durch Amazons Markteintritt bekommen die Einzelhändler eine starke Konkurrenz", sagte Analyst Jauke de Jong vom Broker AFS Group.

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Wal-Mart-Aktien brachen fast fünf Prozent ein. Kroger fielen mehr als neun Prozent. Sie hatten schon am Donnerstag 19 Prozent verloren. Kroger hatte wegen steigender Pensionskosten im Quartal deutlich weniger verdient und vor einem Rückgang des Jahresgewinns gewarnt. Amazon gewann dagegen 2,4 Prozent, Whole Foods 29 Prozent.

Zu den Verlierern gehörten die Papiere von Nike, die 3,4 Prozent nachgaben. JPMorgan hat das Rating und das Kursziel für den Adidas-Rivalen gesenkt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,17 Milliarden Aktien den Besitzer. 1653 Werte legten zu, 1220 gaben nach und 196 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,98 Milliarden Aktien 1281 im Plus, 1567 im Minus und 215 unverändert. Die US-Kreditmärkte legten leicht zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 2/32 auf 101-30/32. Die Rendite sank auf 2,1549 Prozent.

Asien: Gedämpfte Stimmung

Die Kursverluste an der Wall Street haben am Freitag die Börsen in Asien belastet. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 0,1 Prozent schwächer. Gegen den allgemeinen Trend schloss allerdings in Tokio der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,6 Prozent im Plus auf 19.943 Punkten.

Anleger zeigten sich erleichtert, dass die japanische Notenbank keine Anzeichen für einen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik lieferte. Die Zentralbank bekräftigte vielmehr ihren bisherigen Kurs und signalisierte Vertrauen in die zunehmende wirtschaftliche Erholung.

Zu den Gewinnern zählten insbesondere Finanztitel. Mitsubishi UFJ Financial Group legten 1,1 Prozent zu, Nomura Holdings 2,9 Prozent. Auf der Verliererseite standen dagegen Technologiewerte, nachdem der Sektor zuvor bereits an den US-Aktienmärkten wieder Federn gelassen hatte. Tokyo Electron sanken 1,1 Prozent, TDK Corp 0,4 Prozent.

Devisen: Keine nennenswerte Impulse

Am Devisenmarkt notierte der Euro leicht fester bei 1,1190 Dollar. Größere Impulse zeichnen sich im weiteren Tagesverlauf nicht ab.  Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1166 (Mittwoch: 1,1203) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8956 (0,8926) Euro gekostet.

Die geldpolitische Entscheidung der japanischen Notenbank bewegte derweil nicht größer - der Yen neigte etwas zur Schwäche. Die Bank of Japan hält wie erwartet an ihrer lockeren Geldpolitik fest.

Rohstoffe: Gold und Öl erholt

Der Goldpreis stabilisiert sich nach den starken Verlusten der vergangenen Tage, als vor allem die falkenhaften Aussagen der US-Notenbank belastet hatten. Die Feinunze kostet 1254 Dollar und damit 1 Dollar mehr als am späten Donnerstag.

Eine Erholung gibt es am Ölmarkt, der Preis für die US-Sorte WTI stieg um 0,4 Prozent auf 44,64 Dollar. Damit hält sich der Preis auf niedrigem Niveau, da die marktüblichen Sorgen wegen Überangebots seit langem das Sentiment bestimmen.

Unter Druck stehen die Ölpreise vor allem deshalb, weil die Zweifel an der Fähigkeit der Opec wachsen, die hohen Rohölvorräte der Industrienationen mit Förderbegrenzungen zu reduzieren. Denn bei fallenden Preisen geraten die Mitglieder des Ölkartells selbst unter Druck. Klettern die Preise, droht die ohnehin steigende US-Ölförderung weiter zuzulegen und das bestehende Überangebot auszuweiten. Nicht wenige Fachleute sehen die Opec daher in der Zwickmühle.

Quelle: n-tv.de

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