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Mission Paper Plane: Boeing ist König der Lüfte

Boeings NewGen. Das "Original" und die Fälschung.
(Foto: n-tv.de-Collage (Reuters / Edith Ochs, Pixelio.de))

Freitag, 25. Februar 2011

Mission Paper Plane

Boeing ist König der Lüfte

ein Kommentar von Diana Dittmer

Der Milliardenauftrag für die Tankerflotte der Air Force ist weg. Die Krone des Siegers gebührt Boeing. Die Amerikaner haben sich gegen die Europäer durchgesetzt. EADS muss die Niederlage wegstecken. Alles andere macht keinen Sinn.

Es ist so gekommen, wie es kommen musste. Amerika setzt auf Amerika. Nicht EADS, sondern Boeing wird der Air Force 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar liefern. Mit Folgeaufträgen könnten daraus 100 Milliarden werden. Das ist ein  dicker Fisch, der dickste in der Luftfahrtgeschichte. Was für Boeing ein strammer Gewinn ist, ist für EADS ein schwerer Verlust, zumal sich der Konzern eigentlich für dieses Jahr auf die Fahne geschrieben hatte, die Rüstungsparte auszubauen. Daraus wird jetzt erst einmal nichts. Andere Projekte können diesen Verlust nicht aufwiegen.

Was hat den Ausschlag gegeben? Genaues weiß man noch nicht. Die Erklärung zur Entscheidung erfolgt erst in ungefähr einer Woche, wenn EADS North America zum "Debrief" bei der Air Force geladen ist. Aber die nationale Karte dürfte bei der milliardenschweren Tankerausschreibung eine erhebliche Rolle gespielt haben. Amerika steht wirtschaftlich angeschlagener da als Frankreich und vor allem Deutschland. Die Obama-Administration hätte sich schwer getan, eine andere Entscheidung vor der amerikanischen Öffentlichkeit zu vertreten. In Zeiten der Krise hält man zusammen und vergibt keine Aufträge ins Ausland.

Vermutlich hat auch der Preis "bestochen". Die Preisnachbesserung von EADS auf den letzten Metern hat das Ruder auf jeden Fall nicht mehr herumreißen können. Bei Boeing kann man das Glück im Moment wahrscheinlich noch gar nicht fassen. Hundert Prozent vorhersehbar war der Ausgang des Kopf-an-Kopf-Rennens nämlich nicht. Denn während Insider hier in Europa eher skeptisch für EADS waren, hieß es in den Flüsterräumen in den USA, im Pentagon habe sich eine neue "globale Denke" breit gemacht. Eigentlich sollten das die Vorboten eines Entscheids pro EADS gewesen sein. Das hat sich nun nicht bewahrheitet. Die Wahrheit ist, im Pentagon weht kein frischer globaler Wind.

Nur der Preis ist heiß

Fest steht auch, es hat nicht das bessere Flugzeug gewonnen. Dass die KC-45 von EADS der NewGen von Boeing überlegen ist, daran haben viele Experten im Vorfeld keinen Zweifel gelassen. Weltweit fliegen verschiedene Armeen bereits mit der Maschine von EADS. Statt auf Bewährtes zu setzen, entscheiden sich die Amerikaner nun für ein "Paper Plane", ein reines Konzeptflugzeug, das vorerst nur auf dem Papier besteht. Was daraus wird, ob es bis 2017 fertig und einsatzbereit ist, ob aus der "Mission Paper Plane" eine "Mission Possible" wird, steht in den Sternen. Für die Amerikaner besteht hier ein großes Risiko. Es dürfte noch spannend werden. Irgendwann wird die Zeit auch drängen, die Flotte aus der Eisenhower-Zeit zu ersetzen. Vielleicht werden am Ende die Letzten noch die Ersten sein? EADS stünde sicherlich 2018 oder 2019 bereit.

Von technischer Seite kann man die Entscheidung also auf jeden Fall nicht als fair bezeichnen. Nach Adam Riese müsste die Air Force nächste Woche deshalb mit dem Preis argumentieren. Über ihr nationales Anliegen wird sie wohl eher kein Wort verlieren.

Bei EADS gibt man sich derweil erstaunlich entspannt. Bis dato wird die Ausschreibung als fair und transparent bezeichnet. Keines der beiden Unternehmen sei begünstigt worden, heißt es. Vielleicht sollte EADS sich endgültig zurücklehnen, der gute Verlierer sein, und in diesem zehnten Jahr des Ausschreibungsmarathons einen Punkt machen. Eine weitere Neuauflage der Ausschreibung wird nichts ändern. EADS muss lernen, die Zeichen zu lesen.

Oder die klaren Worte besser zu hören. Boeing Jim McNerney hatte seiner Bewerbung Nachdruck verliehen durch die Worte, es handele sich hier um eine Angelegenheit nationaler Sicherheit. Verteidigungsminister William Lynn hat diese Aussage jetzt noch einmal verstärkt, indem er unmissverständlich und bereits vorsorglich zu verstehen gegeben hat, dass es keinen Grund für EADS gebe, Einspruch einzulegen. Die Zeit ist reif loszulassen. Das Projekt ist tot. Es lebe das Projekt.

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Kommentare
Contenance sagt:
26.02.2011 01:02

Schade ist es nur um das viele Geld, das EADS in diese Geschichte gesteckt hat, obwohl der Ausgang von vornherein klar war. Die USA ist ein Freund des freien Welthandels - aber nur, solange US-Konzerne die Profiteure sind...


AAR sagt:
26.02.2011 10:09

Die Militärsparte stärken? Wollen wir Europäer das wirklich? Vielleicht sollte man bei EADS lieber wieder die alten Pläne von einer zivilen Nutzung der Luftbetankung aus der Schublade ziehen. In der Einzelbetrachtung sind Riesenmaschinen wie die A380 im Betrieb vielleicht profitabler, aber zyklisch betrachtet wären Airlines mit einer flexibel einsetzbaren Flotte kleinerer Maschinen eindeutig besser bedient. Wer weiß schon, wann die nächste Business-Class-Flaute kommt? Und Langstrecke braucht keine Riesentanks: Fliegende Tankstellen über den Ozeanen sind für Militärpiloten Alltag. Die Frage wäre nur, wer die Kosten im zivilen Bereich übernimmt. Aber Allianzen & Kooperationen sind Lufthansa & Co ja nicht ganz fremd!


W.Pabst sagt:
26.02.2011 10:54

Krokodilstränen verbieten sich. Die Amerikaner haben sich aus Gründen der nationalen Wirtschaft für das schlechtere Flugzeug entschieden. Das ist unklug, aber ihre Entscheidung. Die Europäer haben dasselbe vor kurzem zu Gunsten von EADS gerade hinetr sich gebracht. Sie haben mit dem A 400 ein unterlegenes Transportflugzeug zu überteuertem Preis gekauft, das am St. Nimmerleinstag geliefert wird, obgleich sie besseres in der Ukraine oder den USA schon vor Jahren günstiger hätten kaufen können. Lächerlich, den Amerikanern jetzt dasselbe vorzuwerfen. Beim Transporter haben die Europäer nicht einmal ein Ausschreibung in Erwägung gezogen.


Francois sagt:
26.02.2011 14:53

Noch gibt es eine Chance! Wenn die Formalien nicht 100przentig ok sind, muss es natürlich eine vierte Runde geben, wäre nicht neu, Eads sollte den Ball nicht so schnell aufgeben.


tom1972 sagt:
26.02.2011 23:55

eads north america hört sich nicht so an, als ginge es hier um europäische oder deutsche arbeitsplätze. Papier flieger ist ein flieger, der von grundauf neu konzepiert werden muss. Das boeing konzept basiert auf der b767, die seit den 80er jahren fliegt. Die militärversion fliegt u.a. in japan als nachfolger der e3a. Das gejammere kann ich nicht nachvollziehen. Bei ntv kann ich seit 2003 von den angriffskriegen der verhassten amis lesen, und auf einmal sind die amis wieder gut genug um ausgerechnet mit einem rüstungsauftrag unsere kassen zu füllen.


CF_2012 sagt:
27.02.2011 10:53

Der Mann hat recht!


herm1212 sagt:
28.02.2011 09:59

Es lohnt sich generell mal einen Blick auf die Industriepolitik zu werfen: Da spielen Grenzen und Wahlkreise immer noch eine riesige Rolle. Ich erinnere ausdrücklich auch an das Gezeter aus Paris sobald die deutsche Bahn an den Kanaltunnel ran will. Allen Beteuerungen zu Abstimmnung, freiem Warenverkehr und Welthandel zum trotz! Echte Kooperation sieht wohl anders aus. Im krieg und wenn es um Geschäfte geht, endet wohl die Liebe zu unseren *amerikanischen Freunden*...


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