Dienstag, 27. Juli 2010
Fleischfresser werden keine Vegetarier
BP bleibt sich treu
Jan Gänger und Nikolas Neuhaus
Auch mit einem neuen Konzernchef bleibt BP nicht der Weltöffentlichkeit, sondern seinen Aktionären verpflichtet. Die künftige Unternehmensstrategie ähnelt der alten.
BP bekommt einen neuen Chef. Endlich, möchte man sagen. Schließlich hat sich Tony Hayward, der gegenwärtige Konzernlenker, als fleischgewordenes PR-Desaster entpuppt. Sein Umgang mit der Ölpest im Golf von Mexiko zeichnete sich durch Beschwichtigungen und Verharmlosungen aus. Das Image von BP litt ebenso stark wie der Aktienkurs, der auf dem Weg nach unten lange kein Halten kannte.
Dass sich BP von Hayward trennt, war daher nur eine Frage der Zeit. Warum, so fragt man sich, hat BP so lange damit gewartet?
Weil der Aufsichtsrat Machiavelli gelesen hat, der sich zweifellos mit Machtpolitik auskannte. Hayward hat sich ein solch mieses Image erarbeitet, das sich auf absehbare Zeit nicht wieder signifikant verbessern lässt. Also hat BP Hayward so lange an der Spitze des Konzerns gelassen, bis die Flut an Katastrophenmeldungen endlich abriss. Hayward wird in alle Ewigkeit das Gesicht der Ölpest bleiben. Sein Nachfolger Robert Dudley soll dagegen für die Wiedergeburt des Energieriesen stehen.
Nun also ist das Bohrloch zumindest provisorisch geschlossen, ein neuer Chef wird installiert. Der wird – so hofft BP – in den nächsten Wochen und Monaten mit zahllosen Erfolgsmeldungen auf sich aufmerksam machen.
Sibirien statt Golf von Mexiko
Währenddessen ist Hayward symbolisch nach Sibirien verbannt und muss sich in den kommenden Monaten als Aufsichtsrat des Öl-Unternehmens TKP-BP mit russischen Oligarchen herumärgern. Wie unangenehm dieser Job sein kann, davon kann der neue BP-Chef Robert Dudley ein Lied singen. Er hatte das britisch-russische Joint-Venture geführt – bis die Russen ihn absägten und eine neue Führungsstruktur durchsetzten, um mehr Einfluss zu gewinnen. Dudley hatte sich lange gewehrt, doch russische Behörden hatten das Gemeinschaftsunternehmen mit Razzien und Strafverfahren überzogen. Schließlich knickten die Briten ein.
Doch Hayward wird es einfacher haben. Die Machtfrage ist geklärt, sein Gehalt bleibt üppig, er wahrt sein Gesicht. Kurzum, sein größter Wunsch wird wahr: Er bekommt sein altes Leben zurück.
Und Dudley? Er hat viel vor.
Seine Aufgabe wird zunächst sein, vom ramponierten Image des Konzerns zu retten, was zu retten ist. Ein leichtes Unterfangen wird das nicht, denn von einer grünen Zukunft, die BP in früheren Zeiten gerne von sich malte, ist der Ölmulti denkbar weit entfernt.
Dudley wird in den kommenden Wochen und Monaten viel über neue und bessere Sicherheitsstandards bei riskanten Ölprojekten reden, wird Gutwetter in Washington machen und wird sich demütig der US-Öffentlichkeit stellen. Der Farbeimer, mit dem der neue BP-Konzern verbal frisch gestrichen werden wird, steht schon bereit. All das ist aber nur Kosmetik. Hinter der Konzernfassade warten bereits neue riskante Tiefsee-Projekte, etwa vor der Küste Libyens. In Kanada wird der Konzern weiter munter Öl aus den Teersanden pressen und dabei eine sichere ökologische Katastrophe hinterlassen.
Das Bohren geht weiter
So sehr die zornigen Augen nach der – noch lange nicht ausgestandenen – Katastrophe im Golf von Mexiko nun auch auf Dudleys ersten Schritten ruhen, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Mit Dudley bleibt auch der neue BP-Chef in erster Linie nicht der Weltöffentlichkeit, sondern seinen Aktionären verpflichtet. Eine rasche Erholung des Aktienkurses von BP dürfte nach dem drastischen Kurssturz der vergangenen Monate auf der Agenda Dudleys dabei weit oben stehen. Nur so kann der künftige BP-Chef eine drohende feindliche Übernahme abwenden.
Gerne würde man BP nun empfehlen, an diesem tragischen Wendepunkt nicht nur seinen untragbaren Konzernchef ins Exil zu schicken, sondern mit ihm auch die bisherige Konzernstrategie. Diese besteht darin, Energievorkommen überall auf der Welt ohne Rücksicht auf Verluste zu geringsten Kosten auszubeuten. BP dieses Verhalten auszutreiben wäre jedoch wohl ein ähnlich hoffnungsloses Unterfangen wie die Umerziehung eines Greifvogels zum Vegetarier. Solange das Öl irgendwo auf der Welt sprudelt und die schier grenzenlose Nachfrage nach dem schwarzen Gold nicht abbricht, wird kein Ölkonzern auf der Welt auf dieses Geschäft freiwillig verzichten. Daran wird weder das Desaster im Golf von Mexiko noch der nun angekündigte Chefwechsel etwas ändern.
Wenn diese Einschätzung stimmt, und davon gehe ich aus, dann muss schnellstmöglich eine internationale Behörde im Rahmen der UNO gebildet werden - die Erdölbehörde. Es gibt die Atombehörde, die recht gut funktioniert - sie könnte das Vorbild sein. Diese Erdöl-Behörde muss die Standards für das Ölfördern setzen und DURCHSETZEN! Sonst wird es nicht lange dauern und wir haben die nächste, noch größere Katastrophe. Überall zeigt sich, man kann die Sicherheit nicht zum Kostenfaktor degradieren. Sicherheit ist teuer, ja. Aber sie ist unverzichtbar. Deshalb muss sie gegen die Wirtschaft, die allein auf Profit orientiert ist und gegen die Gier durchgesetzt werden. Es müssen Rahmenbedingungen für alle Ölkonzerne geschaffen werden, innerhalb derer diese Konzerne fairen Wettbewerb treiben können. Dabei darf aber die Sicherheit nie zur Disposition stehen.
Natürlich steht der PROFIT über alles,das ist eben Ungeregelter Kapitalismus. Genauso deswegen auch der deutsche Sozialstaat demontiert,damit die Profite steigen. Allerdings werden sie eines besseren belehrt werden,weil ein Land ohne Sozialstandart,genauso wie Tiefseebohrungen ohne Sicherheitskonzept,am ende ,...beides sehr sehr teuer werden wird,teurer als ein Sicherheitsstandart,oder Sozialsystem je würde. Für den PROFIT wird alles mal eben schnell über Bord geworfen,..so nach dem Motto:Ich sahne ab,nach mir die Sintflut!
Ja natürlich muss der neue Vorsitzende den Aktionären verpflichtet sein, wem denn sonst, sicher doch nicht dem Verein der Internationalen Gutmenschen. Er ist ja schließlich Angestellter der Aktionäre. Und nun gilt es den Schaden einerseits zu begrenzen, andererseits auch neue Projekte voranzutreiben, die wieder Geld bringen. Das ist er sowohl den Aktionären als auch den Mitarbeitern- die mit Masse nichts für den Unfall können- schuldig. Es wird weiterhin Öl gebraucht werden- sehr viel Öl - und das muss erbohrt werden. Wirtschaft ist kein Kindergeburtstag und kein unmittelbares Sozialprojekt.
@runner65 Eben weil es kein Kindergeburtstag ist, sollten wir einmal über folgendes nschdenken: Wir überfordern permanent die Manager und trampeln dann auf ihnen herum. Sie müssen möglichst großen Gewinn bringen, die Kosten minimieren und sind dabei auch noch für die kostenintensive Sicherheit zuständig. Man macht x Mal Sicherheitsmaßnahmen, nie passiert etwas, also spart man die teure Sicherheit ein. Und genau dann passiert etwas... siehe Golf. Und dann ist der Manager der Buhmann, weil Menschen zu Schaden gekommen sind, riesige Umweltschäden auftreten, das Unternehmen pleite geht, Milliarden weg sind... Wäre es da nicht besser, die Sicherheit durch Auflagen der internationalen Gemeinschaft zu einer konstanten Größe zu machen, die alle Unternehmen betrifft und die nicht dem Wettbewerb unterliegt? Sicher wird das Öl vordergründig etwas teurer, aber wenn man sich die Schäden weltweit ansieht - ist das im Endeffekt nicht deutlich teurer - für alle?
Aus dem Artikel: sondern mit ihm auch die bisherige Konzernstrategie ... ohne Rücksicht auf Verluste zu geringsten Kosten auszubeuten. Ähem ... ja? Ist das wirklich eine Überraschung - erwarten wir also tatsächlich was anderes von den Energiekonzernen? Gibt es ein Öl- oder Energiekonzern der tatsächlich und nachweislich nicht Maximalausbeuter ist? Nur globales Handeln mit globale Regeln über alle Nationen hinweg kann eine Besserung erzwingen. Solange es ausnahmen gibt wird es Nationen und in Folge Konzerne und Firmen geben die es auf den Weg der Maximalausbeutung durchziehen - und dazu zählt die überwiegende Mehrheit, Andershandelnde sind absolut die Minorität. Es muss und wird so kommen wie im Film Der Tag an dem die Erde Stillstand. Bis alle Nationen sich ohne Ausnahme über eine grüne zukunftsweisende Weltpolitik einigen werden die Menschen die Erde bis zum Rand der Klippe treiben und den Schaden an die Umwelt maximieren. Das ist ohne eine globale Einigung nicht zu vermeiden. Vergleich Kyoto: nicht alle machen mit - also total sinnlos! Und weil es so ist und auch so künftig kommen wird - warum sollte nicht jeder Konzern, Firma und Person in der Zeit bis dahin nicht für sich als Maximalausbeuter handeln? Schließlich wird das Ende vom Lied das gleiche sein - die Erde wird irgendwann komplett an die Wand stehen, die Umwelt wird im Eimer sein. In der Zwischenzeit, als Konzern, Firma oder Person, will man doch nicht schlechter gestellt sein als der nächste oder? Also - 100 Oktan, und weiterhin vollgas!