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Raimund Brichta

Freitag, 20. August 2010

Raimund Brichta

Wir führen uns in die Irre

Raimund Brichta

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Warum machen wir an der Börse eigentlich so viel falsch? Warum lassen wir zum Beispiel gerne unsere Verluste laufen, während wir Gewinne begrenzen, obwohl eine alte Börsenregel doch genau zum Gegenteil rät? Ganz einfach: Weil unser Gehirn uns oft daran hindert, Chance und Risiko klar zu erfassen.

Machen Sie doch einmal einen Selbsttest: Nehmen wir an, Sie hätten die Wahl zwischen einem sicheren Gewinn von 1.000 Euro und einem Gewinn von 2.500 Euro, der aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eintritt. Für welche Alternative würden Sie sich entscheiden? In Experimenten handeln viele Leute nach dem Motto "lieber den Spatz in der Hand…." und ziehen den sicheren Gewinn der unsicheren Variante vor. Bei rein vernünftiger Überlegung müsste man sich in diesem Fall aber eigentlich für die unsichere Taube entscheiden. Denn sie verspricht – rein statistisch - einen Erwartungswert von 1.250 Euro (0,5 mal 2.500) und damit ein Viertel mehr als der Spatz, der nur auf 1 mal 1.000 Euro kommt. Zugegeben, die 1.250 wird man nie bekommen, denn entweder man kriegt null oder 2.500, aber die Höhe des Erwartungswertes hilft einem kühlen Rechner trotzdem, die statistisch attraktivere Variante herauszufinden.

Wer allerdings grundsätzlich keine Risiken mag, wird sich trotz aller Rechnerei für den sicheren Spatz entscheiden. Daraus könnte man schließen, dass viele Leute einfach risikoscheu sind, sonst nichts. Aber das stimmt nicht. Denn erstaunlicherweise verhalten sich dieselben Leute in einer anderen Situation ganz anders. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie hätten die Wahl zwischen einem sicheren Verlust von 1.000 Euro und einem Verlust von 2.500 Euro, der aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% eintritt. Wie würden Sie sich nun entscheiden? Hätten Sie etwa soviel Bammel davor, überhaupt Verlust zu machen, dass Sie alles daransetzen würden, ihn zu vermeiden? Genauso geht es jedenfalls vielen Mitmenschen. Dieselben Leute, die sich vorher für den sicheren Spatz entschieden haben, wählen im Test jetzt die Risiko-Variante - obwohl hier ein Verlust-Erwartungswert von 1.250 Euro (0,5 mal 2.500) droht, der um ein Viertel höher liegt als der Verlust von 1.000 Euro bei der sicheren Version.

Das heißt: Dieselben Leute, die bei der Aussicht auf Gewinn noch risikoscheu waren, werden plötzlich überaus risikofreudig, wenn es darum geht, einen Verlust zu vermeiden. Aus lauter Angst, Geld zu verlieren, lassen sie Verluste laufen und setzen damit noch mehr Geld aufs Spiel, statt einfach einen Schlussstrich zu ziehen. Dabei kann gerade dieser Schlussstrich wohltuende Erleichterung bringen.

Oft hindert uns unser Unterbewusstsein also daran, an der Börse vernünftig zu handeln. Und selbst wenn wir es uns bewusst machen, sind wir noch lange nicht davor gefeit, beim nächsten Mal wieder das Falsche zu tun. Also sollte man sich dieser Gefahr doch lieber gar nicht erst aussetzen, sondern einfach konsequent nach festen Regeln anlegen, ohne von Fall zu Fall entscheiden zu müssen. Denn nur wer dem Unterbewusstsein keine Chance gibt, kann von ihm auch nicht in die Irre geführt werden, meint Ihr

Raimund Brichta

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Raimund Brichta: Wir führen uns in die Irre

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Kommentare
Stephan Caon sagt:
21.08.2010 05:54

Herr Brichta ! Kompliment. Da haben Sie mitgedacht, wenn auch nicht detailliert genug, aber dann hätten Sie wahrscheinlich zehnmal soviel schreiben müssen. Ich frage mich, von wem Sie sprechen, wenn Sie WIR sagen ? Meinen Sie den Langzeitanleger, den Mittelfristanleger, den Kurzfristanleger oder gar den Daytrader ? Für die genannten Anlegertypen gelten unterschiedliche Maßgaben und Strategien. Mal unabhängig von den Börseneinbrüchen wie in 2003 und 2008, wird z.B. ein Langzeitanleger 4 bis 5 Jahre, der sein Kapital in dieser Zeit etwa in Bluechips investiert, am wenigsten Probleme haben. Mehr Rendite als bei Sparzinsen macht er hier allemal. Schwieriger ist es da schon für den Trader, der an der Börse mehr Geld verdienen will oder muss. Da seit geraumer Zeit fast alle gängigen Regeln der Börse ausser Kraft sind, ist das Begrenzen von Verlusten besonders schwierig. Ich halte es da allerdings mit Kostolany: Wer keine Aktien hat, wenn Sie fallen, der hat auch keine, wenn sie steigen. Wie auch immer, jeder Anleger muss sich bewusst sein, dass auch exzellent bewertete Titel zwischenzeitlich schon mal um minus 15 fallen können. Das mit dem SCHLUSSSTRICH ist deshalb so eine Sache. Oft ist das noch verlustreicher als das Halten: Nehmen wir an, Sie haben in einen viel versprechenden Titel 20.000, Euro netto investiert. Im Durchschnitt kommen dann noch Bezugs- und Verkaufskosten Provision, Börsenplatzgebühr und ggf. Aufschlag für Namensaktien von über 200, Euro dazu. Schon in den nächsten drei Handelstagen fällt der Kurs wegen akut negativer Gerüchte dann um 10 und bleibt auf dem Niveau stehen und zwar länger als Ihnen lieb ist. Jetzt trennen Sie sich von der Aktie mit einem realisiertem Verlust inkl. Gebühren von minus 2.200, Euro. Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder mit dem Restkapital von 17.800, Euro an der Seitenlinie auf bessere Zeiten warten oder damit wieder neu investieren. Sagen wir, Sie entscheiden sich für den Neukauf einer anderen Aktie. So, und nun kommt Murphys Gesetz: Während die neu gekaufte und sicher geglaubte Aktie nur seitwärts verläuft, hat sich bei der vorherigen Aktie das schlechte Gerücht als haltlos herausgestellt, und sie steigt binnen weniger Tage wieder um plus 14 und weiter … Dieses ist - weiß Gott - kein Sonderfall, sondern leider oft die Realität an der Börse. Apropos Realität: Ihr Beispiel über den Spatz in der Hand mit den sicheren 1.000, Euro sollten Sie noch einmal überdenken, zumindest was das Geschehen an der Börse angeht.


Michael sagt:
21.08.2010 14:21

Entschuldigen Sie, wenn ich das sage: Wo sind nur Ihre guten Kolumnen geblieben? Für mich ist das ein Wischi-Waschi-Beitrag, eine allgemeine Weisheit, ohne konkret auf etwas Bezug zu nehmen. Bei Ihrer diesjährigen DAX-Prognose haben Sie drei mögliche Szenarien angegeben und wollten sich hier an dieser Stelle wieder melden, um die Richtung genauer anzugeben. Wir haben jetzt bald September und wo bleibt der Vollzug zu Ihrer damaligen Ankündigung. Ich habe Ihre Beiträge immer gerne gelesen, auch weil Sie sich im Gegensatz zu anderen Kolumnisten immer mit kritischen Kommentaren offensiv auseinandergesetzt haben. Aber die letzten Kolumnen brachten für uns Leser nicht viel. Deshalb bin ich schon etwas enttäuscht.


Raimund Brichta sagt:
23.08.2010 21:04

Lieber Michael, Sie sind aber undankbar! Von wegen wischiwaschi, nur weil in einer Kolumne mal keine konkrete Prognose enthalten ist. Ts, ts, aber gut, damit muss man leben, wenn man sich öffentlich positioniert. Zugegeben, meine letzte Kolumne liegt schon ein Weilchen zurück, aber kritisch war sie doch – oder nicht? http://www.teleboerse.de/kolumnen/kolumnen_brichta/Liebe-Angela-Merkel-article886628.html Und dass ich in der neuen Kolumne hier oben jetzt einfach einmal eine der am weitesten verbreiteten Anlegerschwächen aufspieße, sei mir doch erlaubt. Aber sei’s drum: Ich werte Ihren Kommentar positiv in dem Sinne, dass Sie von mir noch Zugespitzteres gewohnt sind. Was meine DAX-Prognose vom Jahresanfang betrifft, so hatte ich geschrieben, dass ich mich dazu wieder melde, sobald es Neues zu vermelden gibt. Dies ist aber noch nicht der Fall, weil alles nach Plan in meinem favorisierten Szenario läuft. Konkret: Ein hartnäckiges Festkeilen in der von mir damals beschriebenen Widerstandszone. Genau das ist in den vergangenen 8 Monaten passiert, was wollen Sie also mehr? Und erst vor zwei Wochen habe ich in einer Börsenreportage am Frankfurter Parkett gesagt, dass der DAX erst noch einmal nach unten gehen dürfte, wenn er den Ausbruch über 6.300 nicht schafft. Auch das ist inzwischen geschehen, das Tief dürfte noch nicht erreicht sein. Also warten Sie doch jetzt einfach weiter ab. Es gibt noch keinen neuen Handlungsbedarf. Erst wenn der von mir erwartete Ausbruch kommt, vermutlich im Herbst, gibt es wieder was zu vermelden. Dann werden Sie garantiert auch von mir hören!


Raimund Brichta sagt:
23.08.2010 21:25

Lieber Stephan Caon, mit WIR meine ich uns alle, egal ob kurz-, mittel- oder langfristig orientiert. Denn das aufgezeigte Verhalten gilt in jeder Frist. Wobei der Langfristige natürlich am anfälligsten dafür ist. Denn der kann sich ja immer damit rausreden, dass es schon wieder wird, wenn er die Aktie nur lange genug hält. Sehen Sie sich dazu mal die Sky-Aktie an früher Premiere, die vor 5 Jahren noch bei 30 Euro lag jetzt 1 Euro. Wird schon wieder, ja ja, Und zu Ihrem Beispiel: Klar kann das passieren, genauso gut kann es aber auch anders herum laufen. Sich von einer Verlierer-Aktie zu trennen, heißt auch immer, sich einzugestehen, dass die ursprüngliche Kaufentscheidung falsch war. Und dies fällt UNS in der Regel besonders schwer.


Stephan Caon sagt:
24.08.2010 04:41

Hallo Herr Brichta ! Also, an dieser Stelle muss ich schon sagen, dass Sie das Börsengeschehen sehr naiv und simpel darstellen. Ihre Kernaussage, dass Aktien bis zum Totalverlust fallen können, könnte von meiner Oma stammen, nach dem Motto: Pass auf Junge, sonst verbrennst du dir die Finger… Das ist für mich extreme Schwarz-Weiß-Malerei und für einen Börsenjournalisten fast schon peinlich. Mit dieser Denkweise sprechen Sie bestenfalls inkompetente Sparanleger an, die sich nicht um ihr Depot kümmern. Also, der einigermaßen versierte Anleger wartet doch nicht, bis seine Aktie in sechs Jahren von 30 auf 1 fällt, während andere Aktien in dieser Zeit womöglich um 600 Prozent oder mehr steigen. Ich kenne niemanden, der so handeln würde, und ich kenne viele. Anders ausgedrückt: Ihr indirekter Ratschlag, sich von einer Verlustaktie OHNE WEITEREN PLAN zu trennen, ist schon fast fahrlässig: Ihr Anleger würde also auf seinem Verlust sitzen bleiben … und Pech gehabt. Entschuldigung, aber so ein Beitrag würde normalerweise nur einem Kolumnisten in der billigen Boulevardpresse einfallen. Herr Brichta, sagen Sie mir bitte, dass Sie das nicht so gemeint haben, bevor ich mein Vertrauen völlig in die Telebörse verliere.


Raimund Brichta sagt:
24.08.2010 17:32

Lieber Stephan Caon, wollen Sie mich nicht verstehen oder tun Sie nur so, als ob? Zwischen meiner Erklärung, warum WIR Verluste viel zu lange laufen lassen, und Ihrer unterstellten Aussage „Aktien können bis zum Totalverlust fallen“, liegen Welten. Sollten Sie dies wirklich nicht erkennen, müssten Sie sich tatsächlich Sorgen um sich machen. Ich habe auch überhaupt nicht von irgendwelchen weiteren Plänen gesprochen, denn der Ausstieg ist davon zunächst einmal unabhängig. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang nur die Frage nach der Wahrscheinlichkeit dafür, dass die betreffende Aktie in nächster Zeit steigt. Nur wenn diese Wahrscheinlichkeit ausreichend hoch ist, wäre dies mit einem eventuellen alternatives Investment und dessen Gewinnerwartungswert zu vergleichen. Überwiegt dagegen die Verlustwahrscheinlichkeit beim momentanen Investment, und genau um diesen Fall ging es, dann kann die Entscheidung nur lauten: raus, selbst wenn man das Geld zunächst nur aufm Konto lässt und kein alternatives Investment parat hat. Ich wundere mich wirklich, dass Sie solch elementare Regeln nicht zu kennen scheinen. Sagen Sie mir also, dass dies nur ein Missverständnis ist, sonst verliere ich das Vertrauen in die Kompetenz unserer Zuschauer und Leser.


Weidner Karlheinz sagt:
24.08.2010 17:54

Hallo Herr Brichta! Als kurzfirstiger Trader von Hebelprodukten kann ich ihren Ausführungen voll zustimmen. Ich mache die bekannte Aussage der Börsenwelt Gier frisst Geld Selbst nach Jahre langem Traden verfällt man leider des öfteren dazu die Verluste nicht angemessen zu begrenzen! Gerade bei Turbo Produkten Knock-Out beim Einstieg setzt man wohl einen StopLoss, und lässt sich manchmal dazu verleiten, das Minus zu erweitern.


Georg sagt:
24.08.2010 21:48

Hallo Herr Brichta, meiner Meinung nach treffen Sie in Ihrer Kolumne sehr genau ein wichtiges psychologisches Defizit der Kleinanleger. Erstaunlicherweise würde man bei anderen Vermögensgegenständen anders reagieren. Häufen sich die KFZ-Reparaturen, muß das Auto weg. Läuft das Investment gen Süden, halte ich daran bis zum bitteren Ende fest ?. Da hilft nur im Vorfeld eine intensive Recherche und eine eigene Analyse für das selbst gemachte Gesamtbild. Oder wie Sie kurz und treffend sagen: „kühles Rechnen“. Für den weiteren Verlauf ist immer wieder die Überprüfung mit „Ihrem“ Selbsttest zur Gehirn-Kontrolle angesagt. An dieser Stelle würden mich überaus die Grundprinzipien der Wischi-Waschi-Interpreten und Schlussstrichneurotiker interessieren. Nur die statistische Betrachtungsweise kann ich für mich nicht anwenden. Das hängt zu sehr am persönlichen Chance/Risiko-Ratio. Wenn ich mit Herrn Buffett am Tisch säße, wäre auch ich ein Milliardär in diesem Zimmer. – rein statistisch -


manfred R. sagt:
24.08.2010 23:51

Hallo, Herr Brichta, warum so dünnhäutig? Warum glauben Sie, sich unbedingt verteidigen zu müssen? Ihr Beitrag provoziert doch geradezu kritische Stimmen, so allgemein bekannt, ohne Neuigkeiten, wie er ist. Gruss - M.R.


Stephan Caon sagt:
25.08.2010 05:49

Entschuldigung Herr Brichta, aber da muss ich doch noch mal insistieren. Sie sagen: … Denn der kann sich ja immer damit rausreden, dass es schon wieder wird, wenn er die Aktie NUR LANGE GENUG HÄLT. Sehen Sie sich dazu mal die Sky-Aktie an früher Premiere, die vor 5 Jahren noch bei 30 Euro lag jetzt 1 Euro … Kein vernünftiger Anleger - besser Trader - wird so eine Aktie halten und denken, das wird schon wieder, zumal die Sky-Aktie seinerzeit linear gefallen ist und darüber hinaus schlechteste Benotungen seitens der Analysten hatte. Der gewiefte Investor geht hier spätestens bei 27 raus und legt bei nächster Gelegenheit in eine Gewinner-Aktie an und lässt sein Kapital nicht auf dem Konto schmoren. Also, der besonders schlaue Anleger hätte Ende Mai 2005 Sky bei 27 verkauft und wäre sofort z.B. in Solarworld rein. Schauen Sie sich doch einmal die Charts zu dieser Zeit an. Weiterhin sagen Sie: … Ich habe auch überhaupt nicht von irgendwelchen weiteren Plänen gesprochen, denn der Ausstieg ist davon zunächst einmal unabhängig … Genau das ist ja Ihr Problem und meine Kritik dazu. Sie reden lediglich vom Ausstieg und eben nicht von einem weiteren Plan. Also, wer A sagt muss auch B sagen: Jeder interessierte Börsianer hat, bevor er aussteigt, bereits eine rentable Alternative parat. Genau deshalb ist Ihr Ratschlag unvollständig, unprofessionell und führt zu nichts. Also, noch mal gegen unser Missverständnis: Ich kritisiere nicht den Ausstieg aus einer Verlierer-Aktie, sondern, dass Sie danach keine Alternativen aufzeigen. Denn schließlich wollen wir doch an der Börse Geld verdienen und nicht Geld verlieren.


Raimund Brichta sagt:
25.08.2010 17:55

Lieber Weidner Karlheinz, genau das war der Hintergrund für meine Kolumne. Keiner, auch ich nicht, ist vor dieser Psycho-Falle gefeit. Und ich halte es einfach für sinnvoll, dass man es sich von Zeit zu Zeit vor Augen führt. Freut mich, dass Sie den Mut haben, es einzugestehen. Damit sind wir schon zwei, grins


Raimund Brichta sagt:
25.08.2010 20:34

Lieber Georg, mit Ihnen sind wir schon drei, die sich dazu bekennen. Und den Selbsttest kann man tatsächlich nicht oft genug empfehlen.


Raimund Brichta sagt:
25.08.2010 20:48

Lieber manfred R., Sie missverstehen das völlig. Von Dünnhäutigkeit ist keine Spur. Im Gegenteil: Mir macht es riesigen Spaß, Klartext zu schreiben, ohne große Schönrednerei. Ich freue mich, wenn das die Leute hier tun, und ich freue mich vor allem, wenn ich darauf genauso antworten kann. Also weiter so, gerade auch mit Kritik! Zum Thema Neuigkeiten: Es ist gar nicht meine Absicht, in einer Kolumne solche zu verbreiten, sondern in einer Kolumne spießt man bestimmte Sachverhalte ganz einfach unter einem besonderen Aspekt auf. Da mag für den einen etwas Neues dabei sein, für den anderen nicht. So ist das eben.


Raimund Brichta sagt:
25.08.2010 21:23

Lieber Stephan Caon, insistieren Sie nur. Ich freue mich darüber, wie ich oben schon geschrieben habe, und entschuldigen brauchen Sie sich dafür auch nicht. Zur Sky-Aktie: Na bitte, genau das schreibe ich doch, darin sind wir uns also einig! Aber genau dies ist für viele das Problem, die eben nicht bei 27 ausgestiegen sind, und bei 20 auch nicht, weil es dann ja schon zu spät war, und bei 10 war dann alles egal. Glauben Sie mir, ich weiß worüber ich schreibe. Solche Anleger fragen mich dann auf meinen Vortragsveranstaltungen, was sie denn nun tun sollen. Das kommt häufig genug vor, es ist gelebte Realität! Ich sage den Leuten dann: Jetzt können sie gar nichts mehr tun, aber sie können daraus für die Zukunft lernen. Und zu Ihrem Plan-Argument: Sorry, genau Ihre Vorgehensweise ist unprofessionell, denn wer aus einer Verlierer-Aktie nur deshalb nicht aussteigt, weil er momentan keine Idee für eine Gewinneraktie hat, begeht einen Kardinalfehler. Denn selbst die Bargeldhaltung ist besser, als in einer Verliereraktie engagiert zu bleiben. Wer Sky z.B. bei 27 verkauft hat, ohne eine Idee für eine bessere Aktie zu haben, verfügt jetzt immer noch über 27 Euro plus eventuelle Zinsen und nicht nur über einen Euro. Oder er hat dafür seine Angebetete ins Kino eingeladen und konnte sogar noch ne Tüte Popcorn und ne Cola springen lassen. Auch das war besser. Im Übrigen setzen Sie sich als Anleger einem unnötigen Stress aus, wenn Sie sagen, Sie dürften nur verkaufen, wenn Sie gleichzeitig eine bessere Aktie parat haben. Sie müssen dann nämlich gleich zwei Entscheidungen gleichzeitig treffen. Für viele Anleger ist aber die Verkaufsentscheidung alleine schon schwierig genug. Siehe oben.


Stephan Caon sagt:
26.08.2010 04:27

Also Herr Brichta, offensichtlich reden wir komplett aneinander vorbei. Während die genannten Sky-Anleger in Ihrem Auditorium offenbar keine Profis waren, rede ich durchweg von versierten Börsianern und Tradern. Ich gehöre zu einem Börsenstammtisch, dessen Mitglieder seit Jahren ausschließlich von der Börse leben, und ich habe gestern mal unser Thema zur Sprache gebracht. Ich versichere Ihnen, keiner, wirklich keiner würde so handeln, wie Sie es anraten, ohne einen PLAN B zu haben. Wer unter mehr als 300 brauchbaren, deutschen Aktien keine profitable Alternative zu Sky findet und sogar bis unter 20 diese Aktie hält, ist auf jeden Fall kein Profi und hat nur sehr wenig Erfahrung. Ein Profi, der so handeln würde, wäre entweder stinkend faul oder seelisch gestört. Also, unser Missverständnis: Sie reden von Hobby-Anlegern, und ich rede von Börsenprofis. Was ich gesamt gesehen schade finde, ist, dass die Aktien-Kolumnen in der Telebörse, seien sie von Ihnen, Herrn Meyer oder Herrn Busch, offenbar ausschließlich auf den unerfahrenen Sparanleger ausgerichtet sind. Deshalb mein einfacher Vorschlag: Führen Sie doch gelegentlich ein Forum für Trader und Profis ein. Danke.


Matthias sagt:
26.08.2010 10:22

es ist schon richtig und auch gut, dass auf diese Fehlverhaltensweisen hingewiesen wird. Leider ist die Situation leider oft nicht so, dass die Gewinn- und Verlustchancen so eindeutig zu erkennen sind wie in den besagten Beispielen. Um das Beispiel von Sky Premiere heranzunehmen... es muss bei 30 €, bei 27 €, sowie auch bei 20 und bei 10 € immer noch ein gleiches Verhältnis von Angebot und Nachfrage - nach meinem Börsenverständnis . gegeben haben. Von daher gestaltet sich das Börsengeschehen doch leider nie so einfach wie wähle zwischen a 1000 sofort oder b statistisch 1250... :- Viele Grüße


Raimund Brichta sagt:
26.08.2010 19:06

Lieber Stephan Caon, bitte sind Sie nicht so überheblich. Die Telebörse wendet sich sowohl an Profis als auch an Hobby-Anleger. Auch auf meinen Vorträgen sind immer beide Gruppen vertreten, wobei die Profis logischerweise zahlenmäßig immer in der Minderheit sind. Es gibt halt nicht so viele. Aber das ist meiner Ansicht nach auch nur ein Nebenschauplatz. Ich bleibe nämlich dabei, dass es auch für Profis angeraten sein kann, zu verkaufen, OHNE eine Aktien-Alternative zu haben. Denken Sie zum Beispiel an das Frühjahr 2008. Da wurde an den Aktienmärkten ein dermaßen eindringliches Verkaufssignal generiert, dass die Entscheidung nur lauten konnte: raus und erst einmal cash halten. Sich dann noch zu überlegen, welche Aktie vielleicht vom Crash verschont bleiben könnte, wäre einem Roulette-Spiel gleichgekommen. Im Übrigen brauchen Sie sich nur einmal den oben stehenden Beitrag von Weidner Karlheinz anzugucken: Als Trader kurzfristiger Hebelprodukte scheint er mir auch zu den Profis zu gehören, und auch er stimmt meiner Empfehlung vollumfänglich zu. Für bestimmte Trader-Profis gehört das, was ich in der Kolumne empfehle, sogar zu den grundlegenden Verhaltensregeln, ohne deren Beachtung man schnell pleite geht. Ihre plakative Unterteilung in Profis und Hobby-Anleger geht also auch in dieser Hinsicht an der Realität vorbei. Aber trotzdem finde ich es gut, dass wir darüber diskutieren, denn genau dafür ist dieses Forum ja da!


Raimund Brichta sagt:
26.08.2010 19:15

Lieber Matthias, Sie haben natürlich vollkommen recht. In der Anleger-Realität sind die Alternativen nie so klar in Erwartungswerte zu fassen, wie in dem erwähnten Versuchsbeispiel. Ich finde es trotzdem interessant, weil es die Psycho-Falle, in die wir gerne tappen, sehr schön aufzeigt. Deshalb sollte man sich den Sachverhalt einfach immer wieder vor Augen halten, nicht mehr und nicht weniger. Nur dies wollte ich mit der Kolumne erreichen.


Stephan Caon sagt:
27.08.2010 03:44

Herr Brichta ! Ich denke, ich bin keineswegs überheblich, wenn ich eine jahrzehntelange Anlagepraxis bei Profis und Tradern aufzeige. Wer es sich als hauptberuflicher Investor finanziell leisten kann, der soll ruhig mit einem Verlust von z.B. 5000 Euro oder mehr verkaufen und auf bessere Zeiten warten. Nur, noch mal: Das ist nicht die übliche Praxis. Herr Brichta: Bitte lesen Sie doch meine Kommentare etwas genauer. Ich habe keinesfalls gesagt, dass bei Ihren Vorträgen ausschließlich Hobby-Anleger teilnehmen. Ich habe nur die von Ihnen genannten Sky-Anleger ohne Plan abgesprochen, ich zitiere: … die genannten Sky-Anleger in Ihrem Auditorium offenbar keine Profis waren … In Sachen Empfehlung und Pleite, kann ich nur sagen, dass man nach Ihrem Rezept eher pleite ist. Denn hier besteht die Gefahr, dass man realisierte Verluste lediglich anhäuft und verschleppt. Glauben Sie mir, der Trader will seinen Verlust schnellstmöglich wieder ausgleichen und nicht auf unbestimmte Zeit einen Kapitalverlust hinnehmen. Im übrigen lohnt sich bei dem derzeitigen Zinsniveau ein Parken des Geldes auf keinen Fall. Nein, in dieser Situation geht man schnell mit dem Restkapital lieber in eine defensive Aktie mit weniger Rendite, als zu parken. Und wie ich schon sagte, die Auswahl an Alternativen ist groß genug. Die Crashs in 2003 und 2008 sind kein Normalzustand, es ist ein Phänomen, dass im Rahmen des natürlichen Konjunkturzyklus` ca. alle 5 Jahre auftritt. Und der erfahrene Börsianer weiß das und handelt entsprechend. Schade, dass auch Sie offenbar dem weit verbreiteten aber fragwürdigen Sicherheitsverständnis in unserem Land unterliegen.


Raimund Brichta sagt:
27.08.2010 19:43

Lieber Stephan Caon, Ihren neuen Ausführungen entnehme ich sogar eine Art Angst vor dem Realisieren von Verlusten. Ich zitiere: … Denn hier besteht die Gefahr, dass man realisierte Verluste lediglich anhäuft und verschleppt. Glauben Sie mir, der Trader will seinen Verlust schnellstmöglich wieder ausgleichen und nicht auf unbestimmte Zeit einen Kapitalverlust hinnehmen…. Also: Selbstverständlich will der Trader nicht nur Verluste anhäufen, aber darum geht es auch gar nicht: Sondern es geht darum, Verluste nicht laufen zu lassen, sondern zu begrenzen, z.B. durch striktes Beachten von Stops. Wenn man schon etwas laufen lässt, dann doch eher die Gewinne. Ich verstehe wirklich nicht, warum Sie sich so dagegen sträuben. Oder soll man Ihrer Meinung nach eine Stop-Marke nur deshalb nicht beachten, weil man gerade keine andere Anlagealternative parat hat? Das wäre doch irrsinnig! Auch Cash ist im Übrigen eine dieser Alternativen und eignet sich gerade zum Überbrücken schwieriger Zeiten bestens. Denn auch mit einer defensiven Aktie wird man in turbulenten Zeiten höchstwahrscheinlich weiteres Geld verlieren! Und die letzten 10 Jahre zeigen, dass diese Situation gar nicht so unwahrscheinlich ist, wie Sie unterstellen. 2000-2003 und 2008-2009 waren eben keine Ausnahmen, sondern stellen in der Börsenphase, in der wir uns befinden, eher die Regel dar.


Stephan Caon sagt:
28.08.2010 05:12

Aber, aber Herr Brichta, wer sträubt sich denn hier mit Händen und Füssen ? OK, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, wenn wir von mittel- bis langfristig orientierten Anlegern reden, die nicht von der Börse leben. Ich glaube, das ist unser größtes Missverständnis in dieser Debatte. Sofern Sie nicht langsam von meiner Renitenz genervt sind, möchte ich Ihnen mal den Börsenalltag eines DayTraders beispielhaft beschreiben. Dabei lassen wir jetzt mal Kontraktgeschäfte und Hebelprodukte außen vor: Wie Sie sicher bereits wissen, profitiert der Daytrader von den Tagesschwankungen einer Aktie. Bei der richtigen Auswahl solch einer Aktie kann der Tagesspread auch schon mal über 4Prozent betragen, und das sogar 1 bis 3 mal am Tag. In der Regel findet man diese Aktien nicht im großen Dax, sondern eher im TecDax bis zu den indexfreien Titeln oder Exoten. Neben selbstverständlichen Chartanalysen, Fundamentaldaten und Vorgaben, achte ich persönlich auf die Monatsperiode der Investitionen: Ich trade vorwiegend zwischen dem 29. eines Monats und dem 18. des Folgemonats, denn da sind die Chancen derzeit am größten. Das können Sie am besten am TecDax-Chart von Juni und Juli 2010 ablesen. Der Daytrader macht sich somit weitgehend unabhängig vom Verlauf des Gesamtmarkts. Nach dieser Strategie werde ich z.B. demnächst wieder mit Aixtron traden. Ich muss allerdings zugeben, der August war auch für Trader eine Katastrophe. Wie auch immer, der hauptberufliche Trader kann es sich in der Regel nicht leisten, sein Kapital wochen- oder monatelang ruhen zu lassen. Denn dann müsste er irgendwann an sein Kapital ran, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das wäre dann tatsächlich Irrsinn. Also, nichts für ungut, bleiben Sie bei Ihren Langzeitanlegern, ich bleibe bei den Tradern. P.S.: Der Profitrader übrigens hat IMMER eine Anlagealternative parat !


Raimund Brichta sagt:
01.09.2010 17:43

Lieber Stephan Caon, lassen Sie mich mit Ihrem P.S. beginnen: Es stützt leider meinen Eindruck des Sich-gegen-etwas-Sträubens. Und das, obwohl Ihre Zeilen davor durchaus Plausibles enthalten, schade. Ich komme mit sehr vielen Profitradern zusammen, auch mit ganz kurzfristig orientierten Daytradern, und weiß deshalb, dass für viele, gerade im hektischen Intradaygeschäft, Cash durchaus eine Alternative zu einer Aktie sein kann, und wenn auch nur kurzfristig. Sie scheinen da wirklich zu den Ausnahmen zu gehören. Aber vielleicht sollten wir es damit auch gut sein lassen, sonst drehen wir uns im Kreise. Ich stimme Ihnen ansonsten zu, dass der Druck, möglichst schnell in etwas anderes zu investieren, für jemanden wie Sie äußerst hoch ist. Denn in der Zeit, in der Sie nicht investiert sind, können Sie nicht nur nichts verlieren, sondern auch nichts verdienen. Ich wünsche Ihnen also, dass Sie diesen Druck auch in Zukunft mehrheitlich in erfolgreiche Trades umsetzen können und grüße Sie herzlich, Ihr Raimund Brichta.