09.02.2012 03:47 Uhr Frankfurt 02:47 Uhr London 21:47 Uhr New York 11:47 Uhr Tokio
Suche
Raimund Brichta

Mittwoch, 13. Mai 2009

Kolumne von Raimund Brichta

Ungeheuerlich

Erst war er für alle der King, jetzt ist er fast der King Kong. Wendelin Wiedeking demonstriert eindrucksvoll, wie man vom Überflieger zum Ungeheuer werden kann. Jemand, der die Welt so sehr aus den Angeln hebt wie er, der es schafft, mehr Gewinn zu machen als Umsatz, bringt so etwas eben doch nur zustande, indem er sich ungeheuerlicher Methoden bedient. Dies ist eine Erkenntnis, die sogar beruhigt. Denn sie bestätigt eine uralte Regel, an der ich schon zu zweifeln begann: Große Chancen eröffnet man sich nur, indem man auch große Risiken eingeht.

Dieses eherne Gesetz wollte Wiedeking mit seiner Zockerei von Zuffenhausen außer Kraft setzen. Er und sein Stellvertreter Holger Härter, den ich schon für ein Finanzgenie hielt, wollten uns Glauben machen, Milliardengewinne aus dem Nichts, nämlich aus reiner Finanzjonglage, wären möglich, ohne entsprechende Risiken zu schultern. In einer wahren Orgie aus Options- und Kreditgeschäften machten sie Porsche zu einem Hedge-Fonds mit angeschlossener Sportwagenabteilung. Dafür strichen sie kurzfristig exorbitante Gewinne ein. Die langfristigen Risiken kommen erst jetzt langsam zum Vorschein. Im Prinzip unterscheiden sich die beiden Manager damit kaum von jenen Bankern, die in den letzten Jahren für eigene kurzfristige Erfolge ganze Unternehmen aufs Spiel gesetzt haben.

Ahnungsloser Aufsichtsrat?

Ihre Strategien, mit denen Wiedeking und Härter mal hier Kaufoptionen gleichzeitig kauften und verkauften, mal dort Kaufoptionen kauften und im selben Moment Verkaufsoptionen verkauften (wer kann da noch folgen?), hüteten sie als strenges Geheimnis - in einem Kasten, der so schwarz war wie der berühmte Gorilla auf der Leinwand. Selbst der eigene Aufsichtsrat tappte im Dunkeln. Porsche-Aufseher Ferdinand Piech outete sich erst jetzt: Er wisse auch nicht, wie hoch die Risiken aus den Optionsgeschäften sind. Das ist wieder mal typisch. Solange alles gut geht, macht niemand den Mund auf. Erst wenn es zu spät ist, wird gejammert.

Erst jetzt also poltert Piech gegen den Porsche-Boss. Erst jetzt, wo auch Zuffenhausen seine hausgemachte Kredit-Krise hat, stellt er den Poker-König in Frage. Wiedeking, den sich einst die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsbosse sogar als Kanzler wünschte, ist damit endgültig zum Abschuss freigegeben. Am Ende wird er zwar nicht vom Wolkenkratzer geschossen wie der Riesenaffe im Film, aber stürzen dürfte auch er. Nur gut, dass ein weiches Polster auf ihn wartet. Denn sein Gehalt von mehr als hundert Millionen Euro allein für die letzten beiden Jahre wird es dem Porsche-Lenker ermöglichen, bis zu seinem Lebensende hinter Porsche-Lenkrädern zu sitzen, meint

Ihr Raimund Brichta

Raimund Brichta

Raimund Brichta

Kursinformationen

Artikel versenden

Kolumne von Raimund Brichta: Ungeheuerlich

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.