Kolumnen
Raimund Brichta, n-tv Telebörse
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Raimund Brichta: Dax-Ziel 50.000 Punkte

Telebörse-Moderator Raimund Brichta hat ein utopisch klingendes Kursziel des Dax vor Augen. Dabei hatte er vor Kurzem noch eine Korrektur bis unter 6000 Punkte erwartet. Warum die neue Zuversicht dennoch konsequent ist, erklärt er hier.

Für Tunnelbauer ist es ein Ereignis, das sie euphorisch feiern: Der Durchbruch oder Durchstich, der die letzten Hindernisse beseitigt und den Weg zum Ziel endlich freimacht. An der Börse ist ein großer Durchbruch ähnlich wegweisend und er passiert deshalb nicht allzu häufig.

Dem Dax war dieses Kunststück – zurückgerechnet – zuletzt im Jahr 1983 gelungen, als er die Marke von 600 Punkten durchbrach, an der er vorher über mehr als zwei Jahrzehnte immer wieder hängen geblieben war. Damals markierte dieser Durchbruch den Beginn eines neuen Aufschwungs, in dem sich das Börsenbarometer über einen Zeitraum von 17 Jahren hinweg auf gut 8000 Punkte mehr als verdreizehnfachte.

Und jetzt? Jetzt befindet sich die Börse in einer ähnlichen Lage. Im vergangenen Jahr hat der Dax die Marke von gut 8000 Punkten durchbrochen, an der er vorher mehr als zehn Jahre lang hängen geblieben war. Seit letztem Herbst ist dieser Durchbruch nach meiner Einschätzung auch als nachhaltig zu betrachten, obwohl ich damit - wie viele von Ihnen wissen - noch gar nicht gerechnet hatte.

Welche Konsequenzen kann das haben? Ich weiß: Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie reimt sich - und das gilt ganz besonders für die Börse. Denn hier gibt es immer wieder langfristige Zyklen von Aufschwüngen und anschließenden Phasen des Luftablassens. Eine der letzteren Sorte haben wir nun offensichtlich hinter uns gebracht: Sie dauerte 13 Jahre und hat dem Dax außer heftigen Schwankungen keine neuen Terraingewinne gebracht.

Das neue Ziel steht

Doch damit dürfte jetzt Schluss sein, denn wenn wir tatsächlich am Beginn eines neuen langfristigen Aufschwungs stehen, wird sich der Dax in den nächsten 10 bis 15 Jahren vermutlich erneut vervielfachen. Vielleicht nicht gerade auf das Dreizehnfache wie beim letzten Mal, denn schließlich war diesmal auch die vorangegangene Verschnaufpause deutlich kürzer als damals. Aber selbst wenn man nur etwa die Hälfte des letzten Anstiegs veranschlagt, also eine Versechs- bis Versiebenfachung, kommt man auf rund 50.000 Punkte in zehn bis 15 Jahren. Dies ist auch mein neues Dax-Ziel bis in die zweite Hälfte des kommenden Jahrzehnts hinein. Das Rennen ist also eröffnet.

Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Einwand, die jetzige Lage sei fundamental nicht mit der in den 80-er und 90-er Jahren vergleichbar. Ähnliches höre ich immer wieder. Klar, die fundamentalen Rahmenbedingungen unterscheiden sich immer, wenn so viel Zeit dazwischen liegt. Und trotzdem haben die Börsenkurse stets nur dieselben drei Möglichkeiten: Sie können steigen, fallen oder seitwärts tendieren. Sonst nichts. Das Umfeld mag also noch so unterschiedlich sein, es läuft immer wieder auf diese drei gleichen Trends hinaus.

Gerade dies macht sich die Chartanalyse auch zunutze. Sie kann fundamentale Überlegungen außer Acht lassen und sich darauf konzentrieren, dass Börsenkurse von Menschen gemacht, also hauptsächlich von der Massenpsychologie bestimmt werden. Nach dem letzten Ausbruch etwa Anfang der 1980er Jahre gab es keinen Analysten, der vorausgesehen hätte, dass sich die Börsenkurse aus diesen oder jenen fundamentalen Gründen vervielfachen werden. Chartanalysten aber, die den Ausbruch erkannten, hatten wenigstens eine grobe Vorstellung davon, was damals bevorstand. So scheint es  auch diesmal wieder zu sein.

Und wer partout schon jetzt nach fundamentalen Gründen für einen möglicherweise vor der Tür stehenden Langfrist-Aufschwung sucht, dem kann ebenfalls geholfen werden: In meinem Buch "Die Wahrheit über Geld" sind sie zu finden.

Anstieg, Einbruch, Anstieg, ...

Selbstverständlich dürfte aber auch die bevorstehende Aufwärtsentwicklung wieder von Einbrüchen und Crashs unterbrochen werden - genauso wie dies beim letzten Mal der Fall war. Wichtig ist nur, dass der Dax danach immer wieder höher steigt als davor. Genau dadurch zeichnet sich eine solche Börsenklettertour schließlich aus: Anstieg, Einbruch, Anstieg usw.

Einer der nächsten Einbrüche könnte den Dax sogar noch einmal in die Region bei 8000-plus zurückwerfen. Das jedenfalls wäre ein Verlauf wie aus einem Lehrbuch für Chartfans: Nach einem Ausbruch ein Rückfall auf das Ausbruchsniveau, um von dort aus wieder nach oben abzudrehen. Dass es so kommt, ist durchaus möglich, es ist aber kein Muss, meint Ihr

Raimund Brichta

P.S.: Wenn Sie mit mir über die Börsenentwicklung diskutieren möchten, können Sie das gerne hier tun: https://de-de.facebook.com/Raimund.Brichta

Quelle: n-tv.de

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