Kolumnen

Raimund Brichta: Dax-Agenda 2010

Wie geht es weiter mit dem Dax? Der Markt stecke derzeit in einer Problemzone, so Telebörse-Moderator Raimund Brichta. Jetzt sei entscheidend, wann und ob er sie verlassen könne.

(Foto: dpa)

Nachdem der Dax im letzten Jahr meiner "Regieanweisung" gefolgt ist (Achtung: Scherz!), stellt sich nun die Frage nach seinem Fahrplan für dieses Jahr. Hier können Sie erst einmal nachlesen, falls Sie es nicht schon getan haben, wie wichtig die jetzt erreichte Zone zwischen 6.000 und 6.200 Punkten ist. Aus diesem Grund kann ich für 2010 nur eine Wenn-dann-Prognose machen: Wenn er es schafft, diesen Bereich zu durchstoßen, dann… ja, was dann? Und was ist, wenn nicht? Dazu habe ich drei Pläne in der Schublade.

Raimund Brichta
Raimund Brichta

Am wahrscheinlichsten ist für mich aus heutiger Sicht Plan A: Der Dax dürfte seine Problemzone nicht in einem Rutsch überwinden, sondern erst einmal in ihr stecken bleiben. Das wäre durchaus normal. Denn nach 24 Prozent Jahresgewinn - und sogar 66 Prozent Plus seit dem März-Tief – bietet sich eine Ruhepause förmlich an.

Wann soll er sich diese gönnen, wenn nicht hier? Auch nach der Kehrtwende im Jahr 2003 gab es 2004 schließlich einen Verschnaufer. Der zoooooog sich sogar richtig lange hin, bevor der Dax erst 2005 wieder Dampf unterm Hintern bekam.

Selbst die Bullen könnten zufrieden sein, wenn es so käme. Denn eine langweilige Börsen-Phase nach einem starken Anstieg deutet in der Mehrzahl der Fälle darauf hin, dass es anschließend weiter nach oben geht. Ein Jahr zum Gähnen wäre also eine gute Voraussetzung dafür, dass 2011 umso munterer verläuft. Und selbst wenn wir lange gähnen müssten, könnte 2010 noch ein kleines Plus herauskommen. Die augenblicklichen Gewinnschätzungen für die Dax-Firmen in diesem Jahr rechtfertigen sogar einen Dax-Stand von 6.900 bis 7.000 Punkten, sofern sie eintreffen. Das wäre noch einmal ein Plus von gut 15 Prozent und alles andere als langweilig. Ob es erreicht wird, hängt aber davon ab, ob und wann der Dax seine Problemzone hinter sich lassen kann. Dazu melde ich mich wieder, wenn es soweit ist.

Plan B würde greifen, wenn der Dax den nachhaltigen Durchbruch wider erwarten relativ früh im Jahr schafft. Dann wären auch Ziele weit über 7.000 Punkte erreichbar. Nicht auszuschließen, aber für mich aus den besagten Gründen weniger wahrscheinlich.

Und Plan C? Was ist, wenn der Durchbruch gar nicht gelingt? Wenn der Dax wieder scharf einbricht und Panik aufkommt? Auch dieses Szenario ist zwar grundsätzlich möglich, es steht für mich aber erst an dritter Stelle. Es käme vor allem dann in Betracht, wenn ein momentan noch nicht vorhersehbares Ereignis die Erholung seit März grundsätzlich zunichte macht. Da ein solches Ereignis aber unvorhersehbar ist, kann man es auch nicht prognostizieren.

Also favorisiere ich für dieses Jahr die Langweiler-Variante. Zu Recht könnten Sie jetzt fragen, warum ich es trotzdem für angebracht halte, irgendwo in der erreichten Problemzone die Ernte erst einmal einzufahren und das Risiko herauszunehmen. Wieso eigentlich, wenn es doch nach dem Gähnen vermutlich wieder Grund zum Jubeln gibt? Ganz einfach um zu verhindern, irgendwann Grund zum Heulen zu kriegen! Denn falls es sich der Dax wider Erwarten doch überlegen sollte, wieder abzutauchen, dann bieten sich Zonen wie die erreichte zur Umkehr geradezu an. Das war bei der wichtigen Zone um 8000 nicht anders. Und alle, die damals diese Vorsichtsmaßnahme ergriffen hatten, sind jetzt sicherlich dankbar dafür. Sollte der Dax später tatsächlich zeigen, dass er weiter nach oben will, gibt es noch ausreichend Gelegenheit, um wieder mitzumischen.

Betrachten Sie die Ernte also einfach als eine Art Versicherung gegen heftige Heulkrämpfe. Und lassen Sie sich 2010 trotz allem nicht einschläfern,

wünscht Ihnen Ihr wachsamer

Raimund Brichta

Quelle: n-tv.de

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