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Raimund Brichta

Montag, 02. November 2009

Raimund Brichta

Am Berg wie an der Börse

Wer langsam geht, kommt weiter als jemand, der rennt. Denn demjenigen, der zu schnell unterwegs ist, droht auch schnell die Puste auszugehen. Diese goldene Regel gilt nicht nur für Wanderer und Bergsteiger, sondern auch für Anleger.

Raimund Brichta

Raimund Brichta

Man braucht nur einen Blick auf die Kursverläufe der Aktien­märkte in den vergangenen 100 Jahren zu werfen: Sie gleichen dem Weg zum Gipfel, den ein Bergwan­derer zurückzulegen hat. Schließlich führt auch eine Bergtour nicht nur über Gipfel, sondern ebenso durch tiefe Täler - manchmal sogar durch Schluchten -, und oft geht es auch über breite Ebe­nen. Genau dieses Bild zeigen die Kurs-Charts: Gipfel, Täler, Schluchten und Ebenen. Über die große Distanz aber ging es stetig bergauf - trotz Inflation, Deflation oder sogar Währungsrefor­men.

Diejenigen Anleger, die an den Aktienmärkten über lange Zeiträu­me mitgelaufen sind, haben ihre Ziele mit größerer Wahrscheinlichkeit erreicht als die Kurzstreckenläufer, die nur mal auf die Schnelle ihr Geld machen woll­ten. Wenn es nach dem Einstieg nämlich zunächst bergab geht, ist der Traum vom schnellen Aufstieg schnell vorbei.

Ein ausdauernder Anleger schreitet dagegen langsam voran. Er investiert Schritt für Schritt - zum Beispiel monatliche feste Beträge. Steht er dabei gera­de auf einer Kuppe - soll heißen: sind die Kurse gerade hoch -, bekommt er dafür weniger Aktien. Befindet er sich dage­gen in einem Tal mit vergleichsweise niedrigen Kursen, bekommt er mehr Aktien für das gleiche Geld. So sammelt er mit der Zeit ein Vermögen an und kommt seinem Ziel schrittweise näher. Genau so wie sich ein Wanderer Meter für Meter dem Gipfelkreuz nähert.

Ausdauer zahlt sich aus

Zwar hat der deutsche Aktienmarkt nun schon seit fast zehn Jahren keine neuen Höhen mehr erklommen, aber dafür war er davor rund 20 Jahre lang auf Rekord­tour gewesen. Nun ist er eben auf einer längeren Strecke, die keine neuen Rekorde bringt. Was soll’s? Jeder Wan­derer kennt so etwas schließlich. Aber selbst, wenn es bis zum Durchbruch auf neue Rekorde weitere zehn Jahre dauern sollte, was ich durchaus für möglich halte, wird dieser Punkt irgendwann erreicht sein. Und wer bis dahin stetig mitläuft wie ein ausdauernder Bergwan­derer, der wird auch dabei sein, wenn es soweit ist.

Allerdings ist nicht nur das richtige Tempo für den Anlageerfolg ent­scheidend. Aktiensparer sollten noch weitere Wander- und Bergsteigerregeln beherzigen. Eine Regel heißt zum Beispiel: "Marschiere möglichst früh los!" Das gilt auch an der Börse. Wer nämlich rechtzeitig mit den ersten Anlageschritten beginnt, das heißt so jung wie möglich, der kommt weiter als ande­re, die erst spät starten und bis dahin schon vieles verpasst haben.

Außerdem raten erfahrene Bergwanderer: "Verlasse die mar­kierten Wege nicht", und auch das hat seinen guten Grund. Denn im unmarkierten Gelände lauern Gefahren, die allenfalls von ortskundigen Bergführern beherrscht werden können. Für Anleger gilt das Gleiche: Für sie stellen die bekannten Standardaktien oder Fonds die Pendants zu den markierten Routen in der Bergwelt dar, abseits derer zwar durchaus große Chancen locken, aber auch erhebliche Risiken lauern. Solche Gefahren können auf Dauer nur absolute Experten in den Griff bekommen. Im Prinzip gilt dabei: Je ausgefallener und exotischer ein Anlageprodukt ist, desto größer ist die damit verbundene Absturzgefahr.

Eine weitere wichtige Bergregel lautet schließlich: "Gehe nicht allein!" Auch dies sollten sich Anleger zu Herzen neh­men, denn an den Märkten ist es wie in der freien Natur: Gemeinsam läuft man besser. Wer sein Geld zum Beispiel mit dem Geld anderer Anleger bündelt und in Fonds einzahlt, kann seine Anlage breiter streuen und auf mehrere Papiere oder sogar auf verschiedene Märkte verteilen. Sollte ein Papier floppen, kann dies von anderen, besser laufenden Papieren ausgeglichen werden. Etwa so, wie ein strauchelnder Wande­rer von seinen Begleitern gestützt wird.

Fazit: Man läuft auch an der Börse besser gemeinsam als allein.

Raimund Brichta

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