Kolumnen

Inside Wall Street: "Cash Mob" kämpft für kleine Läden

von Lars Halter, New York

In den USA wächst der Widerstand gegen die Monopolisierung ganzer Branchen. Sogenannte "Cash Mobs" setzen sich für die kleinen Läden ein. Der Einfluss großer Ketten wie Home Depot, Wal-Mart, Target oder Best Buy soll zurückgedrängt werden.

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Man muss ja nicht so weit gehen wie Randol Stebner. Der 53-Jährigeaus Tacoma im US-Bundesstaat Washington machte zwei kleine Feuer in einem örtlichenHome Depot. Er wolle den Baumarkt "bis auf die verf…ten Grundmauern abbrennen",sagte er später in einem Geständnis. Der Grund: Die im Dow Jones notierte Megaketteschade kleineren Läden, etwa dem Werkzeugladen seines besten Kumpels.

Diese Reaktion ist extrem, zumal Stebner weiterzündeln wollte."Ich habe ja erst einen angezündet", sagte er der Polizei. "Ich willdas aber noch ein paar Mal machen." Daraus dürfte wohl nichts werden, und auchder erste Versuch brachte nicht das erhoffte Ziel: die Feuer waren schnell gelöscht,der Betrieb ging weiter, und die jüngsten Erfolge von Home Depot - zuletzt ein Gewinnwachstumvon 28 Prozent im ersten Quartal - dürften ungebremst weitergehen.

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Der Brandstifter Stebner hat mit seinem Rachefeuer allerdingseinen Nerv getroffen. In den USA mehren sich die Proteste gegen die sogenannten"Big Box"-Läden, jene gewaltigen Einkaufszentren großer Marken, die auftausenden von Quadratmetern alle Konsumsektoren bedienen und die wegen ihrer US-weitenAusbreitung und Größe die Preise diktieren und kleine Konkurrenten vernichte.

Home Depot ist das beste Beispiel: Wo sich die Mega-Ketteniederlässt, oft in unmittelbarer Nähe zum Konkurrenten Lowe's, da haben die traditionellenHardware-Läden keine Chance. Da kaufen Hobby-Heimwerker vielleicht noch ein paarSchrauben, für die der Weg an die Stadtgrenze nicht lohnt. Die Umsatzbringer mitden hohen Margen allerdings, etwa Bohrmaschinen, Gartenmöbel und Klimaanlagen, kauftman beim Branchenriesen zum Schnäppchenpreis.

Die Baumarktketten sind nicht die einzigen, die in den letztenJahren die Einkaufslandschaft Amerikas verändert haben. Die Elektronikkette BestBuy hat die klassischen Platten- und CD-Läden vertrieben, die kleine Buchhandlungnebenan konnte mit Barnes & Noble nicht mithalten, und Spielwaren kauft manbei Toys´R´Us, dem sterilen Killer von tausenden kleiner Spielzeuggeschäfte. Wal-Martund Target wiederum haben sich in den letzten zehn Jahren flächendeckend und branchenübergreifendausgebreitet und Ladenzeilen in ganz Amerika in den Ruin getrieben.

Widerstand gegen Monopolisierung

Einige Jäger sind wohlgemerkt selbst zu Gejagten gewordenund fürchten sich vor der Konkurrenz aus dem Internet, wo Großanbieter wie Amazon.comnicht nur niedrigere Preise bieten, sondern auch steuerfrei arbeiten.

Doch langsam regt sich Widerstand gegen die Monopolisierungganzer Branchen. Präsident Barack Obama plant Steuersenkungen für die sogenannten"Mom-and-Pop-Stores", also die kleinen Familienbetriebe. Und sogenannte"Cash Mobs" - einige davon Verbündete der "Occupy Wall Street"-Bewegung- haben sich zuletzt mit barem Geld für die kleinen Läden eingesetzt. Die Idee stammtvon Andrew Samtoy, einem Anwalt aus Cleveland im Bundesstaat Ohio. Der organisiertper Facebook und Twitter ganze Horden, die sich zum Ziel setzen, an einem bestimmtenTag mindestens 20 Dollar in kleinen Läden auszugeben.

"Das war meine Idee", sagt Samtoy: "Die solljetzt aber von alleine wachsen." Ziel des "Cash Mob" sei es, nichtnur Geld auszugeben, sondern die Idee an mindestens drei andere Leute weiterzugeben- binnen einiger Wochen sollen Verbraucher in den ganzen USA angestoßen werden,nicht nur bei den Schwergewichten auf Schnäppchenjagd zu gehen, sondern wieder indie traditionellen Geschäfte zurückzukehren, die oft mehr als hundert Jahre langnicht nur Einkaufszeilen, sondern auch die lokale Kultur geprägt haben.

Erste Erfolge sind bereits zuvermelden, wenngleich sie nicht nur auf den "Cash Mob" zurückgehen. Lautdem Wall Street Journal sind bei einem Drittel der kleinen US-Einzelhändler im vergangenenQuartal die Umsätze gestiegen. Ebenfalls ein Drittel plant Neueinstellungen undrechnet folglich mit anhaltendem Wachstum.

Quelle: n-tv.de