09.02.2012 09:47 Uhr Frankfurt 08:47 Uhr London 03:47 Uhr New York 17:47 Uhr Tokio
Suche
Herman Kutzer

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Kutzers Corner

Ein bißchen Zufriedenheit

Kapitalmarkt-Kommentator Hermann Kutzer

Kapitalmarkt-Kommentator Hermann Kutzer

Leben = lernen. Gilt das nicht auch für Menschen, die mit Geld Geld verdienen wollen – als Verkäufer, Händler oder Käufer von Kapitalanlagen? Gewiss, aber kritische Geister bestehen nicht erst seit heute auf dem zweifelnden Fragezeichen, wenn es ums Geld geht. Die zurückliegenden Jahre boten besonders viel Lernstoff, für alle Beteiligten. Ob die Finanzindustrie tatsächlich die Lehren aus bis dahin unvorstellbaren, selbstverschuldeten Fehlentwicklungen und dramatischen Kursschwankungen gezogen hat, wird nicht nur von Wissenschaft und Politik sondern selbst von involvierten Branchenrepräsentanten in Frage gestellt.

Es wäre fatal, wenn gesetzgeberische Maßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks die einzige Reaktion blieben. Zum Jahreswechsel, der ja gerne für eine Rück- und Neubesinnung genutzt wird, seien die Finanzmarktakteure an zwei Tugenden erinnert, die den beiden Hauptantriebskräften Gier und Angst dringend beigemischt werden sollten: Demut und Zufriedenheit. Wie viele Blasen und wie viel Blasen-Platzen brauchen wir eigentlich noch, damit Rendite nicht mehr automatisch  mit zweistelliger Vermehrung gleichgesetzt wird? Die Antwort muss offen bleiben.

Hilfreich, ja vielleicht sogar zielführend wäre eine Rückkehr zur Langfristigkeit, wie man sie bis zu den Jahren vor dem 90er Börsenhype interpretierte: „Langfristig“ – die Jüngeren werden es kaum glauben – bedeutete früher in der Regel mindestens 10 Jahre Laufzeit  und nicht etwa bis zum Ende des Quartals. Und mancher Alt-Börsianer blickt wehmütig zurück, als mit „kurzfristig“ 1 bis 3 Jahre gemeint war – und nicht bis übermorgen. Damit keine Missverständnisse entstehen: Dies ist keine Absage an die kurzfristige Spekulation, und noch weniger ist es Kritik an den zunehmend beliebter werdenden Formen  des systematischen „Tradens“ mit modernen Instrumenten. Würden aber alle diejenigen wirklich langfristig im klassischen Sinn investieren, die behaupten langfristige Anleger zu sein, dann wäre dies ein wichtiger Beitrag zur Solidität der Kapitalmärkte. Deshalb sollten die unterschiedlichen Strategien auch getrennt dargestellt und bewertet werden – eine Aufgabe nicht zuletzt für die Medien: Was heißt langfristiges Sparen, was ist unter aktivem (eher mittelfristigen) Anlegen zu verstehen, wie unterscheidet sich das von kurzfristigem Trading?

Es gibt kein Zurück, mag man argumentieren. Aber ich will ja nicht für servile Demut und permanente Zufriedenheit plädieren, sondern zur Rückbesinnung auffordern, ob solche Tugenden nicht wieder Bestandteil von Geldanlagestrategien werden sollten. Ich behaupte: Nie haben mehr Anleger (irrtümlich) geglaubt, sie könnten besser sein  als der Markt! Deshalb: Erfahrung sollte mehr respektiert werden als es heute der Fall ist!

Dazu die Kurzfassung einer Anekdote aus den glanzvollen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts:

Fragt der junge Journalist den berühmten Bankier nach dem Geheimnis seines Erfolgs.

Antwortet der greise Bankier: „Dafür brauche ich nur zwei Worte: richtige Entscheidungen!“

„Aber wie treffe ich richtige Entscheidungen?“

„Diese Frage kann ich sogar noch kürzer beantworten: Erfahrung!“

Fragt der junge Journalist aufgeregt zum Schluss: „Ja, und wie sammele ich Erfahrung?“

Antwortet der Bankier: „Dafür brauche ich wieder zwei Worte: falsche Entscheidungen!“

Ich finde, viele Banker und andere Finanzindustrielle, aber auch die privaten Anleger  haben inzwischen genügend falsche Entscheidungen getroffen …

Artikel versenden

Kutzers Corner : Ein bißchen Zufriedenheit

Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.