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Friedhelm Busch

Montag, 19. Oktober 2009

Die Busch-Trommel

Freie Fahrt für Spekulanten

Friedhelm Busch

Friedhelm Busch

Die Finanzmarktspekulanten leben zurzeit auf Wolke sieben. Sie können kaum etwas falsch machen: Aktien kaufen oder auch in Rohstoffe einsteigen, ein paar Tage warten, Gewinne realisieren, nach der Konsolidierung auf niedrigerem Niveau alles wieder zurückkaufen und das gleiche Spiel erneut beginnen. In diesen Wochen zeigt der Trend, vor allem an den Euro-Börsen eindeutig nach oben, dauern Kursrückgänge höchstens ein, zwei Tage.

Warum ist das so? Bestimmt nicht, weil die Wirtschaftskrise vorbei ist. Zwar steigen überall die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der weltweiten Konjunktureinbrüche, eine Rückkehr zu früheren Wachstumsraten bei Gewinn und Umsatz liegt aber noch in weiter Ferne. Mit den aktuellen Zahlen aus den Unternehmen allein sind diese Kursgewinne auf jeden Fall nicht zu begründen. Im Gegenteil! Gerade wegen begründeter Zweifel neigen ja die großen Investoren immer wieder zu schnellen Gewinnmitnahmen. Doch nach wenigen Tagen ist in der Regel diese Angst vor einem nachhaltigen Einbruch der Kurse schon wieder verflogen, denn die Taschen der internationalen Investoren sind prall gefüllt mit billigem Geld der Notenbanken und durch milliardenschwere staatliche Hilfsprogramme. Und ein Ende der Geldschwemme ist nicht in Sicht. Es herrscht also ein permanenter Anlagenotstand.

Zwar denken gegenwärtig Notenbanken und Regierungen mehr oder weniger laut darüber nach, diese Politik irgendwann zu beenden, weil sonst Inflation und Staatsbankrott drohen. Aber natürlich ist eine Umkehr erst dann möglich, wenn die Wirtschaft tatsächlich wieder Fuß gefasst hat - und keine wichtigen Wahlen mehr anstehen. Solange das nicht der Fall ist, werden die Finanzmärkte wie bisher geflutet, überlegen die Politiker weiterhin ohne Skrupel, wen sie noch alles auf Kosten der Steuerzahler beglücken können. Egal, wie sinnvoll die Finanzhilfen sein mögen. Nur nicht sparen! Das könnte die keimenden Konjunkturhoffnungen zertreten. Und potenzielle Wählergruppen verschrecken!

Im Euroraum kämpft zumindest die EZB tapfer gegen die Null-Zinspolitik ihrer Kollegen in den USA. Dort aber, auf dem größten Finanz- und Wirtschaftsmarkt der Welt sehen Regierung und Notenbank offensichtlich keinen Grund, die Geldampeln von grün auf rot zu schalten. Nicht einmal auf gelb!

Für die internationalen Investoren heißt das: Dollar-Kredite werden auf lange Zeit billig bleiben. Freie Fahrt für Spekulanten!! Damit bleibt es bei einer Strategie, die zur gegenwärtigen Katastrophe beigetragen hat: Billiges Geld leihen- jetzt sind es amerikanische Dollars und nicht mehr Yen oder Schweizer Franken- und sofort umtauschen in höher verzinsliche Währungen. Beliebt sind gegenwärtig Euros oder neuseeländische Dollars. Deren Kurse steigen und steigen, bis irgendwann die Exportwirtschaft in diesen Ländern das Handtuch wirft. Zuviel Liebe kann töten! Island kann ein trauriges Lied davon singen.

Doch das kümmert die internationalen Spekulanten wenig. Wenn das Spiel ausgereizt ist, steigen sie aus und suchen sich neue Anlagemöglichkeiten. Bis dahin aber fließt das billige Geld dorthin, wo es hohe Renditen verspricht, z.B. in europäische Aktien oder in Rohstoffe. Ein sicheres Geschäft mit doppelter Gewinnchance: Die Liquidität treibt die Kurse nach oben. Und beim Verkauf und Rücktausch in den US-Dollar winken zudem stattliche Währungsgewinne.

Sicher, irgendwann wird auch diese Blase platzen. Wird ein Geschrei anheben unter den enttäuschten Anlegern, werden die Politiker wählerwirksam wieder mit Empörung auf die gierigen Akteure an den Finanzmärkten zeigen und laut deren Ächtung fordern. Und wer ächtet die Pharisäer, die diesen Spekulanten erst die freie Fahrt ermöglicht haben?

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