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Frank Meyer

Dienstag, 19. April 2011

Frank Meyer

Wenn das Top-Rating ein Loch hat ...

Lieber Barack, was dann? Das AAA-Rating der USA ist also in Verruf gekommen. Welches Rating eigentlich? Kommt dieses Wort von Raten? Wahrscheinlich.

Frank Meyer

Frank Meyer

Standard & Poor's zweifelt an der uneingeschränkten Bonität der US-Amerikaner, ihre Schulden zu begleichen und senkt den Ausblick auf negativ. Wie lächerlich! Es bedeutet, dass die USA in den kommenden zwei Jahren um eine bis drei Stufen auf der nach unten offenen "Ratingskala" herabgesetzt werden könnte. Na und?

Ratingagenturen sind nicht unbedingt dafür bekannt, gut zu arbeiten. Blind wegen finanzieller Verstrickung mit Banken und taub ob der politischen Nähe zur Regierung, haben sie in der Vergangenheit keine sonderlich gute Arbeit abgeliefert. In den letzten Monaten waren sie sehr mit Europa beschäftigt und setzten mit ihren Abstufungen Stiche und Schläge. Zeitliche Zusammenhänge mit einem schwächeren US-Dollar waren sicherlich zufällig, aber auffällig. Jedes Mal, wenn sie ein Land herabgestuft hatten, stieg die US-Währung, denn die Lehrbücher erzählen immer noch, der US-Dollar wäre eine Fluchtwährung. Streichen Sie das "t". Diese Lehrbücher beinhalten ziemlich abgewetzte Fabeln.

Immenser Schuldenberg

Neu ist, dass S&P jetzt auch mal vor der eigenen Haustür gekehrt hat. Zeit wurde es. Der offizielle US-Schuldenberg von 14 Billionen US-Dollar ist ohnehin niemals zurückzuzahlen. Die nicht in der Rechnung auftauchenden Billionen betragen ein Vielfaches der offiziellen Schuldsumme. Wer bis drei zählen kann (1,2,3), weiß, dass das "AAA" für die USA politisch motiviert ist und eigentlich auch nichts zu sagen hat. Von daher ist diese Herumraterei als politisch motiviertes Taktieren zu verstehen. Seltsamerweise stieg der Dollar nach der Schlagzeile magisch an, gerade, denn der kleine Credit-Chrunch saugte viel Geld in den heimischen US-Markt zurück.

Die USA haben hinsichtlich ihrer Verschuldung das Niveau von Griechenland erreicht, war neulich zu lesen, mit dem Unterschied, dass Griechenland mangels eigener Druckerpre$$e kein Geld produzieren kann und bei der EZB oder anderen betteln gehen muss. Das Geld, das die US-Regierung braucht, bestellt sie bei Ben Bernanke, dessen Druckerpre$$en rund um die Uhr rotieren.

Taschenrechner sind hilfreich

Es könnte sein, dass man S&P nicht wirklich ernst nehmen muss, sondern nur den eigenen Taschenrechner, etwas Prozentrechnung und vor allem den gesunden Menschenverstand. Der Berg an neuen US-Dollars in der Zukunft wird die Welt überschwemmen. Mit jedem neuen Dollar werden die anderen weniger wert. Auf dem Gipfel des Schuldenbergs wird vorerst weiter das AAA-Rating thronen. Finanzminister Geithner will das so. Die USA werden ihr Top-Rating niemals verlieren, sagte er.

Vielleicht rüttelt S&P später noch etwas an diesem "AAA", irgendwann, wenn der Rest der Welt längst weiß – diese ganzen Schuldscheine und auch der US-Dollar sind ohnehin nur Toast. Das mit dem Top-Rating ist eine Sache wie mit den Top-Models. Mit der Zeit brauchen beide immer mehr Schminke und Kleister. Und letztendlich jagt man sie dann von der Bühne.

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von Frank Meyer

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Kommentare
Kurt Schmidt sagt:
19.04.2011 09:54

Diesem Beitrag ist außer, daß die USA schon lange Pleite sind, nichts mehr hinzuzufügen - Danke für die offenen Worte.


Brunzi sagt:
19.04.2011 10:41

Sie haben mir Ihrem Kommentar zwar vollkommen recht, nur nützt das niemanden was. So sehr sicherlich Viele der USA ein Scheitern wünschen, und sie hätten es ja auch durchaus verdient, so sehr müssen wir alle leider genau dieses Scheitern fürchten, ob wir nun wollen oder nicht. Wenn die USA in die Knie gehen, glaubt denn tatsächlich irgend jemand, daß wir dann hier in Deutschland einfach nur Zuschauer sind ? Ein wirtschaftlicher oder finanzieller Zusammenbruch der USA bedeutet, daß nicht nur der Dollar, sondern Geld als solches an Glaubwürdigkeit verliert. Die Konsequenz wird die schlimmste Geldentwertung der Geschichte sein, an derem Ende auch wir Deutsche nur noch das haben, was man anfassen kann: Die Immobilie, vielleicht etwas Gold und ein Auto oder so. Aber Sparbuch: Ade ! Fonds: Ade ! Bausparvertrag: Ade ! Sparbüchse: Ade ! Es wird zu dramatischer Verarmung und dadurch zu dramatischen sozialen Unruhen kommen. Und das kann ja niemand wollen. Also: Drücken wir lieber die Daumen, daß die USA sich noch möglichst lange so durchmogelt ! Und Kommentare, die lediglich anprangern, warum nicht längst allen klar ist, daß wir alle pleite sind, ohne Lösungen für dieses Problem zu haben, sind kein bischen hilfreich !


gebeu sagt:
19.04.2011 11:06

Das Szenario in den USA erinnert mich stark an den Streit zwischen den Langohren und Kurzohren auf den Osterinseln. Diese haben es fertig gebracht ihre Inselwelt im Kampf zu ruinieren. Regierung und Opposition in den Staaten scheinen diesen Insulanern es nachmachen zu wollen. Wieder ein Negativ-Beispiel, wie Politik die Welt ruiniert!


hugin sagt:
19.04.2011 11:08

Was läuft da seit einigen Jahren immer schneller ab? Politiker aller Farben haben erkennbar nur eines im Sinn: Machterhaltung um jeden Preis.Mit Finanzspritzen und Unterstützung von starken Medien werden sie gelenkt. Eine Finanzlobby - mit vertrauten Namen - lenkt in dem so erkauften Freiraum, Geld- und Kapitalströme zielgerichtet und abgestimmt, ohne das der Staat voran die USA, gefolgt von England, Frankreich, Deutschland eingreift. Willige Mitläufer - Personen an der Spitze von Banken die nicht unbedingt zum vorgenannten Kreis gehören- lassen sich vor den Karren spannen, völlig geldgierig und schamlos. Werte werden umgeschichtet und transferiert, die Länder USA und Europa ausgelündert,ihre Staaten in den Bankrott getrieben. Da wütet Krebs - naja: die dümmsten Kälber suchen sich ihre Metzger selber.


Lysias sagt:
19.04.2011 11:09

Schön zu lesen das wenigstens einer das alles durch schaut und denen nicht auf den Laim geht, Ich habe mir schon ernsthaft sorgen gemacht. Ich hoffe das spätestens in 100 Jahren dieser Länder und letztlich Menschenfeindliche Kapitalismuss entlich vorbei ist den jetzt zahlen die falschen drauf und wir lassen uns von vorne bis hinten verarschen. mfg


Dieter sagt:
19.04.2011 11:26

Gratulation für diese klasse Einschätzung!! Erstaunlich genug, dass die Börsen weltweit überhaupt auf diese Ratings reagieren.


hugin sagt:
19.04.2011 12:09

Lieber Dieter, auch die Börsen werden manipuliert!Es gibt nur einige wenige Player die alles regeln. Anlegergelder sind heutzutage zumeist in Investmentfonds angelegt, das erspart den Banken aufwändige Beratung und schont vor Kritik. Die Fonds spielen die Positionen hin und her und kassieren noch die Provisionen. Zusatzgeschäft: Mit Aktienanleihen ein perverses Unwortwerden Anleger ohne es zu wissen!zu Stillhaltern und Fonds verkaufen per Termin Aktien. Gleichzeitig werden Anlegern neue Anteile verkauft!! In der Zwischenzeit reiten sie auf diesen Spekulationen herum.Es gibt 5-6 große Hedgefonds vielleicht 4 USA, 1 Schweiz, 1 in einem anderen Land... das sind die Strippenzieher. Die FED wird sie dann schon rechtzeitig informieren...


Hermann sagt:
19.04.2011 12:41

Ich verstehe immer eines noch nicht. Bis in die 90er Jahre gab es überhaupt keine Ratingagenturen. Man ist auch ohne diese ausgekommen, und die Wirtschaft hat mehr oder weniger gut funktioniert wie heute auch. Mir ist das absolut unverständlich dass diese Agenturen so eine Macht haben, nur weil sie ein Land einschätzen. Entschuldigung aber das könnte ich auch machen. Anscheindend diktiert die Wirtschaft, insbesondere die Banken wie es uns geht und wie die Wirtschaft in einem Land sich darstellt. Aber im Endeffekt verdient sowieso wieder nur das Kapital, egal ob eine Wirtschaft gut da steht oder schlecht. Ich finde diese Ratingagenturen sind nichts anderes als Wettbüros und das Kapital kann je nach dem darauf setzen ob ein Land pleite geht oder nicht. Die Politik hat da sowieso nichts mehr zu sagen. Das ist ein schrecklicher Zustand, wie ich finde. Aber die Welt hat sich ja nun mal den Kapitalismus ausgesucht. Selber schuld!!


Freiheitsfreund sagt:
19.04.2011 13:12

Vielen Dank an Herrn Meyer für die klaren Worte! @ Hermann, Sie unterliegen einer glatten Fehleinschätzung! Wir leben nicht im Kapitalismus sondern im Sozialismus, siehe die zahlreichen planwirtschaftlichen Entscheidungen von zentraler Ebene! Lediglich ein kleiner Rest von Kapitalismus in wenigen Bereichen des Lebens ist existent. Wenn unser Geldsystem befreit würde Stichwort: wettbewerbliche Geldordnung und wir Menschen damit über die Beschaffenheit unseres Geldes entscheiden könnten, gebe es die Schuldenproblematik in allen ! ungedeckten Papiergeldwährungen nicht. Wir brauchen den Mut, aus dem Euro auszutreten und als Ersatz eine wie auch immer gestaltete sachwertgedeckte Währung zu etablieren. Wenn das Monopol der Gelddruckerei durch die Zentral- und Geschäftsbanken früher das Münzrecht beseitigt wird, entstünde eine wahre freie Gesellschaft ohne die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwichen arm und reich.


daxmax sagt:
19.04.2011 13:44

Hallo, herzlichen Dank für diesen gelugenen Kolumne. Genau so einfach, pregnant und treffsicher wie die Beiträge bei Dirk Müllercashkurs.comauf der Seite.


Christian Hayn sagt:
19.04.2011 14:02

Lieber Hermann, ja, der Vergleich mit Wettbüros ist absolut zutreffend! Eigentlich braucht die Ratingagenturen kein Mensch. Zumindes kein inteligenter Mensch. Wenn aber in den Machtzentralen der Banken und der Politik das schiere Mittelmaß und da bin ich gnädig regiert, die dann solche Strohhalme brauchen, dann wundert mich garnichts mehr. Ich wünsch mir nur, dass auf den betreffenden Stühlen Menschen mit Sachverstand sitzen. Ein Wirschaftsminister muss halt Wirschaftsfachmann/frau sein usw. u.s.f. Den Ratingagenturen die Macht zu nehmen und ins Nirwana zu schicken traut sich weder Politik noch Banken ... Sie müssten ja dann selbst beurteilen


Watte sagt:
19.04.2011 16:18

Ich kann dazu nur sagen: „Helikopter-Ben, lass die Druckerpre$$e rotieren, bis sie auseinander fliegt. Somit befrei die Staaten von ihren Schulden und nehm dem kleinen Mann sein Erspartes.“


Luuser sagt:
20.04.2011 05:19

Amerika hat laut Pressemeldungen ca. 10 Billionen Euro Schulden 14,4 Billionen USD. Dies entspricht einem Gegenwert von etwa 320.000 Tonnen Gold. Es gibt aber nur 160.000... Für dieses Jahr ist eine amerikanische Neuverschuldung von 1,6 Billionen Euro vorgesehen! Die Tulpenspekulation ist Geschichte - aber die Green-Back-Bubbel ist Zeitgeschichte !


sHR00m sagt:
20.04.2011 06:45

herr freiheitssfreund, sie machen sichs doch etwas einfach mit ihrer sozialismusthese. ist es nicht so, dass der ungezügelte raubtierkapitalismus zu eben diesen zuständen geführt hat? karl marx hat genau aufgezeigt wieso es prinzipiell dazu kommen muss, wenn egoismus und raffgier die triebfedern eines systems sind. dass man das ganze dann in zeiten wie diesen durch planwirtschaft versucht zu stabilisieren, ist der gipfel der hoffnungslosigkeit und ein eingeständnis dass das system so wie es ist dem sozialismus unterlegen ist. natürlich hilft das nichts, weil nichts wirklich reformiert wird, sondern nur symptome bekämpft, wie diese unsäglichen perpetuum mobile fed methoden. die ursachen dieser zustände mit sozialismus zu begründen, könnte unzutreffender nicht sein. übrigens, auch vor der krise haben 1/3tel der menschheit die restlichen 2/3tel ausgebeutet, um im absolut dekadenten überfluss zu leben, während das unterste drittel verhungert. kann doch nicht schaden alles gerecht zu verteilen, so dass jeder etwas davon hat, anstatt aus der welt ein pyramidensystem zu machen. genau darauf muss es beim kapitalismus langfristig hinauslaufen. die 500 reichsten leute besitzen 90 des weltkapitals, dieses jahr gab es soviele neue millionäre wie noch nie. die schere kann nur weiter aufgehen!