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Frank Meyer

Dienstag, 30. März 2010

Frank Meyer

Seifenblasen in Seifenopern

Frank Meyer

Frank Meyer.

Frank Meyer.

Investieren ist heute wieder kinderleicht geworden. Auf "Brenntag" folgt der Dienstag, die Börsen spielen "Joyou" und sind auch wieder "hoffnungsfroh" gestimmt, heißt es in den Kommentaren. Man sollte jetzt Aktien kaufen, denn die wirtschaftliche Schwäche liegt hinter uns, sagt der Analyst. Die nächsten Ziele für den Dax liegen bei 6.500 bzw. 7.300 Punkten, sagen Charttechniker. Notenbanker und Regierungen haben wieder mal gute Arbeit geleistet, wird man in Kürze lesen...

Die glücklichen Anleihebesitzer, Zinssparer und Halter von Versicherungen kamen fast stressfrei durch die letzten Monate. Zwei Prozent nach Steuer waren sicherer als dieser ganze Heckmeck um den Dax. Dem geht es richtig gut, sagt ein Börsenreporter, der wie ich täglich seinen Puls fühlt. Kein Wunder, ist der Dax indirekt an Infusionsschläuche angeschlossen, die stärkendes Elixier befördern. Nicht auszudenken, wenn die inzwischen hitzige Diskussion über Ausfälle von Staatsanleihen nicht abklingt und ein 90 Billionen US-Dollar großer Markt sich auf den Weg in Richtung Sicherheit macht. Dann platzen beim Dax die Schläuche. Und man wird sagen: Sehen Sie? Die Wirtschaft kurbelt doch schon wieder....

Auch die Preise steigen wieder. Dr. Copper geht es auf seinem Jahreshoch nicht schlecht. Er gilt als Inflationswarner. Benzin an den Tankstellen wird auch dieses Jahr wieder pünktlich vor Ostern teuer und die BILD hat ihre Schlagzeile. Nach einer Beruhigung der Preise nach Ostern steht der nächste preisliche Schub für Energieträger schon vor der Tür: Pfingsten, Sommer, Reisesaison, Heizperiode, Kälteeinbruch. Weihnachten. Hohe Spritpreise lassen die Inflationsrate im März auf 1,1 Prozent klettern, meldet das Statistische Bundesamt. Und wer lässt die Ölpreise steigen? "It`s inflation, Dummkopf", schrieb Greenspan einst in einem Kommentar. Doch wie ist das mit den 1,1 Prozent? Entweder die Zahlen spinnen, oder ich. Und es ist verwirrend, wurde doch von den Wirtschaftsweisen eine ganz bösartige Deflation an die Wand gemalt - wie ein Graffiti am Busbahnhof.

Siegeszug der Mogelpackungen

Doch was ist das? Die Inflationsrate in den USA steigt auf 9,1 Prozent, meldet John Williams von Shadow Stats, während die Kreditvergabe stagniert. Stagflation? Also in Simbabwe hat es funktioniert. Manche unterstellen Williams ja Verschwörungstheorien. Dabei errechnet er die Teuerung anhand der Modelle aus den 80er Jahren, als sie noch offiziell gültig waren. Ach ja, die Verschwörungstheorie von gestern ist die Realität von heute, las ich neulich.

Die US-Wirtschaft wächst wieder wie Bolle. Schon im vierten Quartal hat die Finanzindustrie dafür gesorgt, dass sie mit 414 Milliarden Dollar Gewinn das BIP um 5,7 Prozent angeschoben haben. 414 Milliarden ist etwas weniger als die 448 Milliarden USD im Rekordfrühling (Q2) 2006. Wieso sollte das erste Quartal 2010 nicht auch bombastisch ausfallen - bei einer Zinskurve, die steiler ist, als die Nordwand des Mont Blanc? Leihe billige Milliarden kurz (0,25%) und lege diese wieder lang an - und nimm den Staat als Geisel. Wow! So einfach ist das.

Und achten Sie auf den kommenden Freitag: Neben dem Herrn hängen als verspäteter Aprilscherz die US-Arbeitsmarktdaten am Kreuz, zu erkennen an den blutunterlaufenen Augen und ein paar Prellungen. Gewöhnlich werden die Zahlen zuvor etwas verprügelt und in Schraubstöcke gezwängt, bis sie passen. Frisch geschminkt geht es dann in die Öffentlichkeit. Erwartet wird eine Spanne zwischen 50.000 abgebauten und 400.000 neuen Jobs – wo auch immer. Konsens: + 200.000 geschaffene Stellen.

Je länger die Zinsen unter der Inflationsrate stehen, desto sicherer werde ich meiner Sache. Es ist vermutlich gar nicht so schwierig. Die Daten von ShadowsStats waren für Investoren eine gute Richtschnur. Solange die Zinsen unter der Inflationsrate liegen, kann man in Ruhe zuschauen. Neu in den letzten Wochen ist bloß, dass vor Anleihen gewarnt wird. In den Zeitungen wird die Qualität des als immer "sicheren Hafens" angezweifelt – kein Wunder bei dem Getöse um PIGSI-Five und den Verschuldungsorgien in Großbritannien und den USA.

Selbst japanische Anleihen werden verdächtig. 12 Prozent der japanischen Staatseinnahmen geht für Zinsen drauf, und das bei Leitzinsen von 0,1 Prozent und Renditen von 10-jährigen japanischen Anleihen von 1,40 Prozent. Stiegen diese auf 2,5 Prozent, so Robert Rethfeld vom Wellenreiter, käme Japan dem Staatsbankrott näher, würde Corporate Nippon 30 Prozent des Haushalts für den Zinsdienst aufbringen müssen. Die Diskussion wird sich in Kürze von Griechenland weg auf die wirklichen Problemländer verlagern. Nicht heute, sicher aber bald schon.

USA, Großbritannien, Japan, Europa... Die Frischzellenkur bei den alten Damen zeigt wieder Wirkung. Doch aus einer alten Dame ist noch nie ein junges Mädchen geworden - selbst wenn man sie mit Kollagen und Botox unterspritzt und künstliche Hüften einbaut. Unter der Schminke wachsen schwarze Pusteln. Ist es Gesang, was ich höre? Ist es Geschrei? Ich weiß es nicht, vermute aber, es ist eine Oper aus Seife oder einen Evergreen. Noch ein paar Sequenzen – und dann sollte auch dieser Vorhang fallen...

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Frank Meyer: Seifenblasen in Seifenopern

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