Mittwoch, 04. November 2009
Annette Eimermacher
Hinterher sind alle schlauer
Reingelegt und angeschmiert? Nach dem einjährigen Überlebenskampf des Autoherstellers Opel kommt der Beschluss wie eine eiskalte Dusche: GM will Opel nun doch nicht verkaufen.
Die Bundesregierung schafft es kaum, ihre Betroffenheit zu verbergen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle kippt bei seinem ersten Statement vor der Presse fast die Stimme vor Entrüstung. Und was Angela Merkel - noch im Freudentaumel ihrer USA-Reise – gedacht oder gesagt hat, als sie die Nachricht erfuhr, darüber können wir nur spekulieren. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch reagiert erzürnt und, und, und…
Der Betriebsrat geht auf Konfrontationskurs. „Wir haben uns monatelang im Kreis gedreht und am Ende ist der Arsch doch hinten“, so der deftige Ausspruch eines Opel-Mitarbeiters gegenüber n-tv.
Hinter den Kulissen aber gibt es einige, die da sagen, so überraschend sei das Ganze nun auch nicht. Schließlich hätten die Verhandlungen sich auffallend und quälend lange hingezogen. Außerdem: Warum sollte GM Europa einfach fallen lassen? Warum sich den Marktzugang in Asien verbauen? Warum mit Russen kooperieren. Warum, warum, warum…?
Wie gesagt, hinter den Kulissen gibt es einige, die es gewusst haben wollen. Eigentlich erstaunlich viele! Logisch, hinterher ist man immer schlauer.
Und was heißt das jetzt für die deutschen Arbeitsplätze? „Panik sollte man nicht verbreiten“, so ein Experte. „Aber sicherer sind die Arbeitsplätze bei uns in Deutschland dadurch bestimmt nicht geworden.“ – Nein ganz bestimmt nicht!
* Annette Eimermacher ist auch Kolumnistin der Sparkassenzeitung