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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Vom Jobbringer zum Jobkiller?: Autoindustrie droht dramatischer Umbruch

Von Helmut Becker

Das Auto von morgen hat E-Antrieb und fährt autonom. So sagen es Experten voraus. Aber was bedeutet das für die Arbeitsplätze in Deutschlands Schlüsselindustrie? Droht ein Kahlschlag? Ist er noch abwendbar?

"Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." (Victor Hugo) Die 4. industrielle Revolution in Form der Digitalisierung ist in vollem Gang. Und schlägt voll in der Automobilindustrie auf. Gottes Werk oder Teufels Beitrag? Wie sind die Folgen für Märkte, Menschen und Maschinen?

Helmut Becker schreibt als Autoexperte und Volkswirt für teleboerse.de und n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt.
Helmut Becker schreibt als Autoexperte und Volkswirt für teleboerse.de und n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt.

In "Autoindustrie vor neuem Wachstumszyklus" wurde der positive Beitrag für die Branche geschildert. Teufels Beitrag folgt nun gewissermaßen. Es geht um die Produktion und die Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette, angefangen beim kleinsten Zulieferer bis hin zum Autohersteller selbst. Es bleibt - bildlich gesprochen - keine Schraube auf der anderen!

Verdrängen Roboter den Menschen?

Die Automobilindustrie hat bislang drei Revolutionen in der Produktion erlebt:

  • 1. die Umstellung auf die Fließbandproduktion durch Henry Ford,
  • 2. das sogenannte Toyota-Produktionssystem und
  • 3. die Roboterisierung und Elektronisierung der Fertigungsprozesse und der Produkte.

Das Ergebnis war jedes Mal eine gewaltige Erschütterung bestehender wirtschaftlicher wie sozialer Strukturen am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Die technischen Innovationen haben auch die gesellschaftlichen Strukturen nachhaltig verändert. Das zeichnet sich jetzt bei der 4. Industrierevolution in Form der Digitalisierung von Prozessen wie Produkten in der Autoindustrie erneut ab. Und das in zweierlei Hinsicht.

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Da wäre der gesamte Fertigungsprozess entlang der automobilen Wertschöpfungskette, von Einkauf und Logistik über die Produktion und den Vertrieb bis hin zum Recycling. Alles wird durchrationalisierter, menschliche Arbeit wird durch Maschinen, Chips und Silizium ersetzt.

Gleichzeitig wird durch Vernetzung, Autonomisierung und vor allem Elektrifizierung des Antriebs in großem Umfang menschliche Wertschöpfung vernichtet. Dazu nur ein Beispiel: Ein Batteriesatz im E-Auto verschlingt 20 Prozent der Wertschöpfung, der Ersatz des Verbrennungsmotors durch den E-Antrieb ersetzt 35 Prozent der heutigen menschlichen Wertschöpfung. Getriebe-Weltmarktführer ZF hat errechnet, dass von den heute global vorhandenen 134.000 Arbeitsplätzen durch Digitalisierung und Elektrifizierung etwa 120.000 verloren gingen. Viel bliebe da also nicht mehr übrig.

Es bleibt Zeit zur Anpassung

Für die ganze deutsche Automobilbranche mit ihren 850.000 Beschäftigten wurden Jobverluste von bis knapp die Hälfte errechnet. Viele der heutigen automobilen Wohlstandsregionen wie Sindelfingen, Dingolfing, Leipzig oder Ludwigsburg fielen ins Nichts - wenn es denn so käme mit dem Erfolg der E-Autos und der Autonomisierung des Autos.

Aus der Vergangenheit wissen wir aber, dass die industrielle Revolution eine lange Inkubationszeit von 50 Jahren und mehr hatte. Die Gesellschaft hätte also Zeit, sich anzupassen. Aufhalten kann sie den Technologietrend sowieso nicht mehr!

Zum ersten Teil: Autoindustrie vor neuem Wachstumszyklus

Quelle: n-tv.de

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