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Montag, 19. Juni 2017

Welt-Handelsindex: Globaler Handel hellt sich auf

Von Markus C. Zschaber

Das Gesamtbild im Welthandel ist weiterhin auf einem solidem Fundament gebaut. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Weltindustrieproduktion und damit der globale Investitionsgüterzyklus.

Mit Blick auf das zweite Quartal des Jahres 2017 kann festgehalten werden, dass die Nachfragen in den wichtigsten Binnenwirtschaftsräumen wie der EU, Nordamerika, China und Indien eine sehr robuste und breite Dynamik anzeigen. Gleichzeitig konnten aber auch die Wirtschaftsräume, welche vor allem an der Performance des Weltmarktes partizipieren, starke Ergebnisse erzielen. "Wenn ich mir unsere Detailergebnisse bezogen auf die globale Handelsaktivität vergegenwärtige, dann quantifizieren wir derzeit die beste Performance im Welthandel seit vielen Jahren. Der Güter- und Dienstleistungsumschlag, welchen wir aktuell innerhalb der Wirtschaftsräume mit der höchsten ökonomischen Relevanz, aber auch grenzübergreifend feststellen, ist wirklich außergewöhnlich hoch. Mir kommt es so vor, als würden alle Wirtschaftssubjekte, welche am globalen Handel teilnehmen, also die Unternehmen, die Konsumenten und die Staaten, die Lethargie der letzten Jahre endlich abstreifen und befreit nach vorne schauen", konstatiert Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung aus Köln, welche monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

Ein gutes Beispiel für die höhere Zuversicht bei den Konsumenten sind zum einen die jüngsten PKW- Zulassungszahlen, beispielsweise für Deutschland. Diese stiegen um 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an. In Spanien stiegen sie um 11,2 Prozent und in Frankreich um 8,9 Prozent zum Vorjahresmonat. Nicht zuletzt kann die gute Ausgangslage im Welthandel auch an den ansteigenden Transportkosten auf den wichtigsten Handelswegen (LKW, Zug und Flugzeug) festgestellt werden. Ausgenommen ist weiterhin die Schifffahrt, die unter der eigenen strukturellen Krise leidet. "Zusammengefasst: Der Handel verlief im zweiten Quartal 2017 deutlich besser als erwartet und auch besser als in gleichen Zeiträumen in den Vorjahren. Die gute Nachricht hierbei ist, die vorausschauenden Daten lassen einen ähnlichen Trend auch für das dritte Quartal erwarten", prognostiziert Zschaber.

Die aktuellsten Daten zeigen ein moderates Wachstum in der Konjunkturdynamik mit durchaus erhöhten Expansionskräften, vor allem wenn die saisonalen Effekte herausgerechnet werden. Gerade im verarbeitenden Gewerbe sollten im Laufe des weiteren Kalenderjahres Wachstumspotenziale auftreten. "Der zyklische Rückenwind und die daraus resultierende Performance, welche die Weltindustrieproduktion gerade aus China, Deutschland, einigen weiteren Staaten aus der EU und Japan erhält, ist enorm. Dieses sollte die Entwicklung der weltweiten Waren- und Investitionsgüterströme nochmals positiv beeinflussen in den kommenden Monaten. Ich schließe mit einem isolierten Blick rein auf fundamentalen Daten ein wirkliches Sommerloch aus, so der Experte weiter. Weiterhin existiert auch kein wirklicher Inflationsdruck, so dass die Leitzinsen der großen Notenbanken bis auf weiteres auf niedrigen Niveaus verharren dürften, trotz der Zinsänderungsstrategie in den USA.

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Daraus resultiert aus gesamtwirtschaftlicher Sichtweise ein positives Klima sowohl für private als auch staatliche Investitionen. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Jahr 2017 die Wachstumshürde von 3,5 Prozent übertreffen. Gerade was den globalen Investitionszyklus betrifft sehe ich weiteren Spielraum, vor allem wieder in den USA, aber auch in Europa sowie in Asien. Nach wie vor existieren hier Untersättigungseffekte. Ich sehe gute Chancen, dass sich diese in den kommenden Monaten abbauen, welches dem Welthandel durchaus nochmal einen Schub versetzen könnte", stellt Zschaber fest. "Ganz besonders gefällt mir die weitere Entwicklung der Güterströme aus und nach Europa. Es sieht so aus, als würden wir einen konjunkturellen Impuls endlich in Europa erleben. Ich rechne mit einer Belebung im globalen Logistiksektor in den kommenden Monaten", ergänzt er.

Ausblick für Deutschland: In Deutschland sollte aufgrund der breiten Wertschöpfungsketten und den flexiblen Fertigungstiefen in nahezu allen Industriesektoren die höchste operative Performance im Vergleich zum Rest der EU verzeichnet werden. Daraus ergibt sich die Erwartung, dass höhere Investitionen angestrebt werden können. "Ein wichtiger Faktor, welcher hinsichtlich des deutschen Exportmodells zu sehr vernachlässigt wird, ist neben der hohen Güterqualität und der effizienten Produktions- und Prozessketten, die Entwicklung der Währung. Hintergrund ist, dass all die Umsätze und Gewinne, welche unsere heimischen Unternehmen außerhalb der Eurozone erwirtschaften schlichtweg in Euro gerechnet viel mehr Wert sind als noch in den letzten Jahren.

Daraus resultieren sogenannte positive Terms of Trade bzw. Skaleneffekte bei den europäischen aber explizit auch bei den deutschen Unternehmen, was nichts anderes bedeutet als ein erhöhtes Gewinnpotenzial in der Heimatwährung - dem  Euro", konstatiert der Vermögensverwalter. Auch das hat sicherlich in den letzten Monaten die Bereitschaft der deutschen Unternehmen zu höheren Investitionen nochmals erhöht. Ein ganz entscheidender Faktor wird aber mittelfristig sein, dass die befürchteten Handelshemmnisse gerade mit Großbritannien und den USA, keine Eskalation erleben. Die Zuversicht an den Weltmärkten ist groß, dass endlich nach Jahren der unterproportionalen Entwicklungen, gemessen am Potenzial der Weltwirtschaft, wieder ein Niveau erreicht wird, welches den Welthandel zurück in ein wirkliches expansives Umfeld führen könnte.

Wären da nicht die die großen Unsicherheitsfaktoren und die inhärente Instabilität an den Märkten. "Politische Risiken sind Gift für den Welthandel. Diese Lernkurve dürfte jeder Analyst des Welthandels in den letzten Jahren gemacht haben. Es stehen viele Herausforderungen diesbezüglich an. Die Richtung der politischen Maßnahmen die gegenwärtig getroffen werden und deren letztendliches Ziel sind im höchsten Maße unsicher. Auch die Auswirkungen besagter politische Maßnahmen, wie beispielsweise im geld- und währungspolitischen Kontext auf die Weltwirtschaft und die Märkte können nicht stabil extrapoliert werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der mögliche "Hard-Brexit"-Antrag, den die britische Regierung einreichen will. Oder schauen wir auf den US-Präsidenten: Donald Trump möchte neben den wahnwitzigen Neuverhandlungen des globalen Klimaabkommens auch die Handelsabkommen mit der EU und anderen Volkswirtschaften neu verhandeln. Ergebnis offen", fasst der Vermögensverwalter den Status Quo zusammen.

Natürlich waren die Wahlausgänge in den Niederlanden und in Frankreich gute Signale und ein erneutes Verlängern des Zeitfensters, in dem endlich Maßnahmen getroffen werden müssen, wieder mehr politische Stabilität zu induzieren. "Gerade in punkto Digitalisierung, Technologie und staatliche Subventionen müssen hier mehr Freiheiten für die Unternehmen geschaffen werden, und die Integration des europäischen Marktes muss voranschreiten", so Zschaber weiter. Der positive Trend im Welthandel sei ein zartes Pflänzchen und sollte gut behütet werden.

Das Gesamtbild im Welthandel ist somit weiterhin auf einem solidem Fundament gebaut. Davon profitieren nicht zuletzt auch die angesprochene Weltindustrieproduktion und damit der globale Investitionsgüterzyklus. "Wenn unsere Analyse richtig liegt, sollten sich die Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe weiter erhöhen. Der jüngste Anstieg der Auftragseingänge in der Industrie in vielen Regionen der Welt lässt erwarten, dass die Industrieproduktion in den kommenden Monaten wieder anzieht. Dies ist als Reaktion auf die robuste Nachfrage entlang der gesamten internationalen industriellen Wertschöpfungskette zu verstehen und damit als die wichtigste Beweisführung für den ordentlichen Status in der Weltwirtschaft", konstatiert der Experte.

Zusammengefasst: Der sich weiter aufhellenden Trend bestätigt auch das aktuelle Ergebnis von 75,2 des "Welt-Handelsindex", welches besagt, dass das Tempo der Zuwächse im vergangenen Berichtszeitraum, gemessen an den handelsspezifischen Konditionalitäten wie Bestellmenge, Lagerbestände, Produktionsvolumen, Warenumschlagshäufigkeit und Handelsaktivität einer sehr solide Verfassung dokumentieren. Die Perspektive des Welthandels und der Weltwirtschaft gelten somit als positiv.

Was bedeutet dieses für den Anleger: Mit Blick auf unser Investmentszenario, welches wir unter anderem aus den Analyseergebnissen des "Welt-Handelsindex" ableiten, ist dieses derzeit darauf ausgelegt, bei größeren Kurskorrekturen die Aktienquoten konsequent wieder hochzufahren. Hierfür sehen wir eine Cashquote innerhalb einer Portfolioallokation aktuell als sinnvoll an. Die Weltwirtschaft befindet sich aktuell auf Kurs. "Fakt ist, deutsche Unternehmen sind ein Investment auf die Weltwirtschaft, ich bleibe wirklich zuversichtlich für den Dax und den MDax im aktuellen Jahr. Hier halten wir bereits seit langer Zeit in unseren Portefeuilles übergewichtige Engagements. Sollte größere Volatilitäten an den Weltbörsen auftreten, bedingt durch politische Ereignisse, ist der deutsche Markt sicherlich weiterhin einer meiner Favoritenmärkte zum Nachkaufen", so Zschaber. Dadurch, dass der "Welt-Handelsindex" ein dynamisches Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETF's auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu und den Gedankengängen bei der Auswahl der Anlageklassen finden Sie unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal, sprich auf Höhe des Potenzialwachstums. Unter Potenzialwachstumsraten werden die Zuwachsraten, mit dem der Welthandel mittel- bis längerfristig unter normaler Ausnutzung aller Kapazitäten wachsen wird, verstanden. Konjunkturelle Schwankungen werden zur Berechnung des Potenzialwachstums absichtlich nicht berücksichtigt. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem „manager-magazin-online“ und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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