Montag, 14. Dezember 2009
Frank Meyer
Ein Leben ohne CO2
Frank Meyer
Ich bin verwirrt. Was soll man von all den Botschaften aus Kopenhagen halten? Fünf Millionen Eisbären sind am Wochenende an Schweißausbrüchen gestorben. Climategate geht in dieser Woche in die entscheidende Runde. Wenn das so weitergeht, glaube ich auch noch dran. Und an den Weihnachtsmann sowieso ...
Ich bin außer Atem. Die Nachrichten aus Kopenhagen hatten mich erhitzt. Als ich deswegen am Wochenende eine Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure öffnete und die Perlen aus dem Glas empor stiegen, bekam ich ein schlechtes Gewissen und rief den Kampfmittelräumdienst. 115 - Sie wissen schon. Vergifte ich mich mit dem Wasser und auch noch den, der neben mir sitzt? Bin ich jetzt Terrorist? Werde ich dafür bald mit einer Steuer bestraft? Mit einer Sprudel-Steuer? Ist Sprudel überhaupt noch gesund? Bestimmt nicht!
Es war zwar kalt und es hat geschneit, obwohl ich mindestens 25 Grad Plus mitten im Dezember erwartet hatte, doch ich traute mich gar nicht mehr auf das Fahrrad, um mit klimaschädlichen Emissionen gebackene Brötchen zu kaufen und dabei gleichzeitig noch CO2 in die Umwelt abzusondern. Noch bin ich nicht "perfekt", aber ich übe fleißig weiter. Fitnessstudios werden wohl demnächst auch mit einem CO2-Abluftreinigungsfilter ausgestattet. Ich hoffe bloß, ich leide nie an Blähungen. Vielleicht ist morgen schon dieser komische Sauerstoff ein böses Klimagift?
Wo man hinsieht: Emissionen
Wie verrückt die Welt doch ist, dachte ich, als ich am Sonntag in einer Kirche saß und nachdenken wollte. Zuvor pustete ich natürlich alle Opferkerzen aus - der Umwelt zuliebe. Und dann verschwand ich schnell, bevor der Pfarrer mich erwischte, aber mit einer guten Tat im Gepäck und einem breiten Grinsen im Gesicht. Auf dem Heimweg zählte ich die Schornsteine, aus denen CO2 und Wasserdampf kroch. Mit einem leisen Fluchen kehrte ich in meine vier Grad kalte Wohnung zurück. Die Heizung ist seit Wochen abgestellt, wegen der Klimahilfe oder wie man die Dämonen des Kohlenstoffs heute nennt.
Lieber Gott, dachte ich fröstelnd, was hast Du vor? Im Zwiegespräch mit meinen Zimmerpflanzen kündigte ich ihnen mit ernster Mine erneut an, dass auch sie sich in Zukunft auf etwas weniger CO2 einstellen müssen. Es ist Zeit, überall die Gürtel enger zu schnallen, das Atmen zu verringern und auch die Kerzen im Küchenschrank zu belassen. "Weihnachten fällt aus!", rief ich bevor ich mit klammen Fingern eine Spendenüberweisung an einen armen, schwitzenden Eisbären im Packeis tätigte. Es ist ja Weihnachten. Ich hoffe, dass die Kontonummer richtig war ...
Das Blinken der Ewiggestrigen
Mein Bericht fällt heute etwas kürzer als sonst aus, nicht nur wegen der klammen Finger, sondern aus Angst, morgen dafür eine deftige Rechnung für zu langes Surfen und Computerbenutzung zu erhalten. Schaue ich aus meiner verdunkelten Wohnung in die Nachbarschaft, sehe ich doch diese ewig Gestrigen, die auch noch blinkende Weihnachtssterne am Fenster drapiert haben. Na wartet! Ich statte Euch jetzt wegen dieser verdammten Lampen einen unvergesslichen Besuch ab. Und wenn ich danach nach Hause komme ... Hey! ... Dann wird mir so richtig warm sein ...!
... mit einer weiteren guten Tat im Gepäck und der nötigen Bettwärme, um dann früh am Abend wohlig warm und friedlich einschlafen zu können. Bis Morgen! Morgen ist ein neuer Tag und ich bin bereit! Gute Nacht.