Drei Namen, drei geldpolitische Welten: Axel Weber, Jean-Claude Trichet, Ben Bernanke (von links, Archivbild).
(Foto: Reuters)
Dienstag, 11. Oktober 2011
Die Busch-Trommel
Das Ende der Glaubwürdigkeit
von Friedhelm Busch
Der gute Ruf der Europäischen Zentralbank ist schwer beschädigt: Nach mehr als drei Jahren Krise ist die einstige Trutzburg der Stabilität zu einem "Steinbruch der Politik" verkommen, schreibt Börsenkommentator Friedhelm Busch. Was steht Europa nach dem Wechsel an der EZB-Spitze bevor?
Im Grunde kann einem der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet leidtun. Aus den Kreisen der Finanzmarktspekulanten wird sein Abgang mit Häme begleitet, und die besorgten Sparer machen ihn für die wachsenden Inflationsgefahren im Euroland mitverantwortlich.
Dass die Finanzinvestoren ihm keine Träne nachweinen, ist verständlich, war es doch Trichet gewesen, der sich noch im Mai 2008, also nur vier Monate vor dem Zusammenbruch der Lehman-Bank, mit einer Erhöhung der europäischen Leitzinsen auf über 4 Prozent aus Angst vor der Inflation gegen die Politik des billigen Geldes seitens der US-Notenbank gestemmt hatte. Die Finanzspekulanten waren damals empört, deutsche Sparer und Rentner erleichtert.
Nach der Lehman-Pleite am 15. September sah sich dann allerdings auch Trichet genötigt, ohne Rücksicht auf Inflationssorgen das Ruder herumwerfen, also die Leitzinsen in der Eurozone drastisch zu senken und die Geldschleusen der EZB zu öffnen; denn ein dramatischer Vertrauensverlust der Banken untereinander drohte das internationale Kreditgeschäft und damit die Basis allen wirtschaftlichen Handelns durch fehlende Liquidität zu lähmen. Liquidität konnte zu diesem Zeitpunkt nur noch von den Notenbanken kommen.
Die Fed funktioniert anders
Doch Trichet folgte lange Zeit nur höchst unwillig seinem amerikanischen Kollegen Bernanke. Mit gutem Grund, denn schließlich war und ist die überstaatliche europäische Notenbank in ihrer Geldpolitik – dem guten Geist der deutschen Bundesbank folgend – vor allem der Stabilität der europäischen Währung verpflichtet und erst danach der Wirtschaft in Europa.
Ganz anders die US-Notenbank. Als private Gründung amerikanischer Banken sieht sie ihre vornehmste Pflicht darin, für einen reibungslosen Konjunkturaufschwung in den USA zu sorgen. Aktuell kommt sie ihrem Gründungsauftrag mit Leitzinsen bei 0 Prozent und einer schier unerschöpflichen Versorgung der Finanzmärkte mit frischem Geld nach.
Zwar ist die EZB mit von der Partie, wenn auch nicht mit derselben Begeisterung wie die US-Notenbank. Trichet hat aber hin und wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, diese Geldflut eines Tages wieder abschöpfen zu müssen, um inflationäre Gefahren erst gar nicht entstehen zu lassen. Was die Finanzinvestoren, für die das billige Notenbankgeld Manna vom Himmel bedeutet, natürlich zutiefst verärgert, die Verfechter einer stabilen Währung hingegen vorübergehend beruhigt.
Doch seitdem sich die Bankenkrise – auch oder gerade wegen der staatlichen Milliardenhilfen für die Banken – zu einer weltweiten Staatsschuldenkrise gemausert hat, hat sich auch die Gemengelage um den EZB-Chef dramatisch verändert, ist es zum entscheidenden Sündenfall der europäischen Notenbank gekommen.
Mit ihrem langjährigen und erfolgreichen Einsatz für die Stabilität des Euro ist der EZB in ihrer Geldpolitik immer wieder ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit von der Politik attestiert worden. Doch mit ihrer Entscheidung, Staatsanleihen überschuldeter Länder der Eurozone unterhalb der Marktkonditionen aufzukaufen, hat die EZB nicht nur gegen den EU-Vertrag verstoßen, wonach es ihr untersagt ist, maroden Staaten der Eurozone finanziell unter die Arme zu greifen. Sie hat dadurch, wie ein gehorsamer Büttel der Politik, den Regierungen überschuldeter Staaten geholfen, ihre Ausgabeorgien auf Pump fortzusetzen, ohne die Bestrafung der Finanzmärkte durch höhere Zinsen befürchten zu müssen.
Der Krise den Boden bereitet
Darüber hinaus ist sie ohne größere Bedenken den Banken zur Hilfe gekommen, indem sie ihnen Milliardenkredite zu extrem niedrigen Zinsen und für einen immer längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt und die minderwertigen Staatsanleihen hochverschuldeter Euromitglieder als Sicherheit akzeptiert hat. Auf diese Art entwickelt sich die EZB allmählich zur Mülldeponie der Finanzinvestoren und Regierungen. Zweifellos wird sie auch in Zukunft der Steinbruch sein, aus dem sich die Politiker bedienen, wenn sie neue Euro-Milliarden benötigen für die Rettung Europas. Von einer grundlegenden Korrektur dieser großzügigen Geldpolitik ist aus Kreisen der EZB nichts mehr zu hören.
Zu Recht hat Trichet in seiner Abschiedsrede auf die Staatsverschuldung als die Wurzel allen Übels hingewiesen, doch hat er dabei unterschlagen, dass die Notenbank selbst mit ihrer expansiven Geldpolitik hierfür den Boden aufbereitet hat.
Wenn die EZB jetzt wieder ihre reichhaltige und wohlfeile Auswahl an Rettungsprogrammen für Banken und Stabilitätssünder offen ins Schaufenster stellt, darf sie sich nicht wundern, wenn eine wirkliche Reform der Finanzmärkte nur in Fensterreden stattfindet, genauso wie eine tatsächliche Konsolidierung der Staatshaushalte.
Warum sollte sich etwas ändern, wenn am Ende doch die EZB als bereitwilliger Retter in die Bresche springt? Als Erfüllungsgehilfe der Politik und der Banken hat Trichet bei den Bundesbürgern seine Glaubwürdigkeit als Stabilitätsapostel eingebüßt. Und mit ihm auch die EZB als Institution.
Die `Weißheit´ unserer Politiker hat die Euro-Idee voll vor die Wand gefahren: Jahrelange Schlamperei, kaum Regeln und Schulden ohne Ende. Jetzt soll mit irgendwelchen wilden Aktionen der Zusammenbruch verhindert werden, weil angeblich die Europäische Idee auf dem Spiel steht. Ist dieses Europa noch zu retten? Dieses vielleicht nicht, aber die europäische Geschichte zeigt ganz deutlich, dass manche gute Ideen mehr Zeit, und manchmal mehrere Anläufe brauchen, bis sie richtig funktionieren. Wenn die Euro-Idee so gut für alle ist, so wird sie kaum sterben nur weil unsere Politiker gerade vor den Scherben ihrer Unfähigkeit stehen.
Mir ist schleierhaft, wie ausgerechnet eine konservativ - liberal geführte Regierung dem unrechtmäßigen Ankauf von Staatsanleihen in aller Seelenruhe zuschaut, anstatt dafür Sorge zu tragen, dass Herr Trichet sofort des Amtes enthoben und vor Gericht gestellt wird. Aber vielleicht steckt dahinter auch nur eine hinterhältige Strategie, die ich nicht durchschaue. Vielleicht will die Bundesregierung aus dem Euroverbund austreten und befürchtet mit der Ankündigung eines solchen Schrittes Europa an den Rand eines Krieges zu bringen. Also setzt man so lange Vertreter aus dem Club-Med an die Spitze der Zentralbank bis der Euro Geschichte ist. Ein Italiener als Nachfolger auf dem Chefsessel der EZB könnte dem Euro den Todesstoß versetzen...
Die EZB ist doch eigentlich weiter der monetaristischen Linie in Tradition von Milton Friedman gefolgt und hat an anderer Stelle Geldmenge M3 abgeschöpft. Die Gefahr liegt dann nicht so sehr bei drohender Geldentwertung. Die Kursschwankungen der Devisen haben nur wenig mit Geldwert zu tun sondern mehr mit Spekulationen von Großinvestoren und den Operationen von deren Computern, mit deren Strategie, die EZB zu Zinssenkungen zu zwingen. Die Gegenstrategie der deutschen Politik zur Stärkung der EZB ist nicht eindeutig auszumachen, muss aber wahrscheinlich existieren. Der Nebelschleier wird sich irgendwann auflösen und sichtbar, was als Kompromiss herauskommt. Der Haircut der Griechenlandanleihen wird auch kein einziges Problem lösen, weil das Primärsaldo des Staatshaushalts weiter negativ ist und damit weiter kreditfinanziert werden muss.
irgendwann hat jeder mal recht, die Zeit wird knapp villeicht noch 3 wochen höchstens der Staudamm ist zu hoch gebaut kann man ja berrechnen wann die Fundamente nachgeben,
Wer sagt eigentlich, daß eine Finanzierung von Staatsschulden über die EZB so schlecht ist. Wenn man die Staatsschuldenfinanzierung von den Finanzmärkten abkoppelt, müssen jedenfalls nicht ständig Banken bei Schuldenschnitten gerettet werden und es wäre für den Steuerzahler billiger. Eine Inflationsgefahr sehe ich nicht. Das ist auch mal wieder eine der vielen überholten volkswirtschaftl. Theorien, die nicht stimmt.
Ja, wenn man der größte sein will in Europa, danke Herr Kohl, dann muss und wird man zahlen, zahlen... Ich brauchte den Euro nicht und für die Wirtschaft gab es ihn schon lange davor. Danke Herr Kohl; ein Hohn, wenn sie den Friedensnobelpreis bekommen hätten. MFG - M.
1. Die Banken müssen begreifen, dass es eine risikolose Anlage nach volkswirtschaftlicher Theorie nicht gibt und die dahinter stehenden Paradigmen schlicht falsch sind. 2. Banken kassieren hohe Renditen für Staatsanleihen gefärdeter Länder und wollen dann das Ausfallriskiko auf die Steuerzahler übertragen. Das ist einfach lächerlich! 3. Wenn die europäische Zentralbank Staatsschulden von Banken aufkauft und damit Verluste erwirtschaftet, dann zahlen diese zunächst die nationalen Zentralbanken und damit jeder einzelne Euro-Staat nach seinem Anteil an der EZB. Im Falle Deutschlands sind das 18,9373. Am Ende zahlt also der Bürger wieder die Zeche. Würde alles über das Drucken frischen Geldes finanziert, verliert der Sparer einen Teil seiner Einlagen an die Inflation und es trifft wieder eine ähnliche Bevölkerungsgruppe. Am Ende zahlt also immer der Bürger für die Profitgier der Banken und niemand macht etwas dagegen. Grund: Die Perversion des Lobbyismus, auch Korruption genannt.
Bitte - Bitte - Lieber Herr Busch im Zusammenhang Politik und Finanzwirtschaft bitte nicht von Glaubwürdigkeit sprechen. Die gab es noch nie - die gibt es nicht und die wird es auch nie geben.
Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind für immer dahin,wenn die Menschen nicht auf den Kopf gefallen sind dann glauben sie nicht mehr den käuflichen Organisationen. Vertrauen das war das wichtigste für eine Wirtschaft und das sollte für immer dahin sein. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Lauft keiner Gewerkschaft hinter her,denn die haben in der Vergangenheit nichts getan ausser Lohn-Zurückhaltung das aber hat die Sache nur verschlimmert. Wirtschaft ist Krieg im Frieden erst wird der Konkurrent und der mögliche KonkurrentArbeitnehmer bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu Gewinnen gibt,folgt der Satz “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln” M.f.G Habnix
Die sogenannten Euroskeptiker um Prof. Hankel haben ja schon vor 10 Jahren das Drehbuch vorgelegt. Es ist schon atemberaubend, wie genau diese Herren die gegenwärtige Situation schon vor sehr langer Zeit beschrieben haben. Deutschland wird der lender of last resort sein. Die französischen Banken kacken gerade ab... wir stehen aufgrund des Euros in Deutschland und Europa vor der größten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Katastrophe seit 1945. Zu verdanken einem politischen Projekt, das an Überheblichkeit und Größenwahn ohne Beispiel ist. Der Preis wird hoch: Der deutsche Staatsbankrott ist nicht mehr zu verhindern, da die blinden deutschen Politiker den gesamten Wohlstand der deutschen Bevölkerung auf dem Altar Europas opfern werden. @Dagobert Duck Das, was Sie vorschlagen, hat die Deutsche Reichsbank 1923/24 gemacht. Das Ergebnis ist bekannt. Wenn Staatsschulden monetarisiert werden, dann führte das bislang - ein Blick in Geschichtsbücher hilft! - immer zu einer Hyperinflation! Wenn man mit dem Drucken von Geld reich werden könnte, dann wäre Zimbabwe das reichste Land der Welt.
Das Anwachsen der Staatsschulden konnten die Bürger schon in der Vergangenheit betrachten. Mahner gab genug. Keiner konnte oder wollte begreifen, das das ein falscher Weg ist. Aber, jeder sollte auch beachten, dass es in heutiger Situation fatal wirkt, wenn jeder Analyst, jeder kundige Marktfachmann mit seinem Stimmungsbild Öl ins Feuer gießt und missachtet dass viele negative Prognosen Vertrauen und Werte vernichten. Der eigene Marktwert ist die verantwortungslose Triebfeder für viele Wortmeldungen. Rezessionsängste werden herbeigeschrieben bis miese Stimmung auch gesunde und klug geführte Unternehmen beschädigt.
@die gute Tilly: Geschichte wiederholt sich nicht, Analogien sollte man trotzdem bilden, ja. Doch geht es in der monentanen Situation, wie auch 2008, nicht nur darum Banken zu retten. Es geht, wenn auch indirekt, darum, eine Deflation zu verhindern. Eben das hätte uns geblüht, wenn es die Politik des leichten Geldes nicht gebeben hätte. Und was eine Deflation bewirkt, das hat uns Uncle Sam in den 1930ern bewiesen. Und an alle Euro-Kritiker: Ohne dem Euro, hätten wir aktuell einen Devisenkurs von 1:2 anstatt von 1:1,36 und damit verbunden einen weitaus gereningeren Export, weniger Produktion und nach Schätzungen bis zu 15 Prozent mehr Arbeitslose. btw: Danke Herr Kohl für die Einheit, Danke Herr Jacques Chirac für den Euro - mit Anspielung auf den Kommentar von Mistelzweig.
Schön langsam sollte man sich wirklich die Frage stellen ob ein Euro Austritt entgegen so mancher Prognosen nicht doch die sinnvollere Variante wäre. Der Euro wird so oder in seiner jetzigen Form nicht überleben.
Wer behauptet und sich im Recht wähnt, dass die EZB vertragswidrig oder rechtswidrig handelt, darf gerne den Beweis antreten und eine Klage ins Rollen bringen!! Unsinn. Nirgendwo steht, dass die EZB keine Staatsanleihen kaufen darf. Es ist in den europäischen Verträgen nur geregelt, dass die EZB und die Zentralbanken der Eurozone Staatsanleihen nicht mehr direkt vom Staat erwerben dürfen um deren Verschuldung zu finanzieren. Quasi als Gelddrucker der Nation wie in Amerika. Es ist sicher bedenklich, dass die Liquiditätsmengen immer wieder erhöht werden müssen. Dies sieht man meines Erachtens in der EZB selbst sehr kritisch und versucht immer wieder die Liquidität schnellstmöglich zu reduzieren. Durch Gegengeschäfte an den Finanzmärkten. Und Herr Busch sollte es eigentlich besser wissen, als wie er schreibt. Die Geldmenge wird nur dann zur Inflation, wenn diese Preiswirksam wird. Die hohen Geldmengen sind aber seit vielen Jahren Ergebnis sich ändernder Anlagepräferenzen. Und anders als behauptet, wird der neue EZB-Chef ebenfalls die Tradition des Hauses fortsetzen. Ich erinnere nur an den Amtsantritt von Trichet, dem man damals ebenfalls eine aufgeweichte Geldpolitik a la France vorwarf. Herr Trichet und die EZB sind sicher nicht verantwortlich für die Schulden der einzelnen Staaten. Schon frühzeitig und immer wiederkehrend hat die EZB darauf hingewiesen. Vergebens. Die EZB räumt halt jetzt den Müll weg. Eigentlich nicht ihre Aufgabe. Da damit aber unsere gemeinsame Währung betroffen ist, sehr wohl im Aufgabenbereich der EZB. Vielleicht ist die EZB die einzigste handlungsfähige Institution in Euroland, die noch den Überblick hat. Herr Busch hat ihn scheinbar auch nicht mehr. Schade.
übrigens wer glaub, dass die EZB in Schieflage gerät, sollte sich einmal deren Bilanz anschauen. Daraus wird ersichtlich, dass die Währungshüter speziell in den vergangenen Jahren erhebliche Rückstellungen aus den Gewinnen vorgenommen haben, um evtl. Wertverluste aufzufangen. Die Höhe dieser Rückstellungen ist meines Erachtens nach mehr als ausreichend. Wenn alle Banken derart vorsichtig agieren würden, hätten wir keine Bankenkrise!
Bravo, Bravo, Bravo. Dem ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Allenfalls noch eine Anmerkung zur Zinspolitik bzw. Inflation und der Politik generell: Eine derart lange Zeit der Nullzins oder eigentlich schon Negativzinspolitik in Verbindung mit zusätzlichem Notenbankgeld Stichwort: Fiat Money muss zwangsläufig irgendwann zu einer hohen oder sogar Hyperinflation führen. Diese Geldmenge lässt sich auch nicht mehr Abschöpfen, wie das so schön heist. Irgendwann kommen die Sparer eben darauf, das ihr Geld immer weniger Wert wird. Spätestens dann flutet dieses Geld auf die Gütermärkte und heizt so die Inflation an. Die Dummen sind dann jene Leute, die in Lebensversicherungen, Rentensparpläne oder ähnlich langfristigen Sparformen eingesperrt sind. Denn diese, bis zu diesem Zeitpunkt angesparten Kapitalien werden sich dann kaskadenartig entwerten. Aber bitte dann nicht jammern, sondern jene Leute sollten sich dann bei den Politikern bedanken, die sie seit Jahrzehnten immer und immer wieder wählen, ohne zu hinterfragen, ob hier überhaupt noch irgendeine politische, wirtschaftliche, monetäre oder sonstige Kompetenz vorhanden ist !
Warum bin ich zurückgetretten ?
@Ganzsoistesnicht: Das mit der Aufwertung wird bei weitem übertrieben. Man muss berücksichtigen das viele Vorprodukte importiert werden und dadurch das Endprodukt wieder billíger wird. Nicht zu vergessen der Kaufkraftzugewinn jedes Bürgers der wahrscheinlich auch den Binnenmarkt ankurbeln wird. Außerdem war soweit ich weiß Deutschland auch vor der Euroeinführung mit der harten D-Mark Exportweltmeister.
Eurorettung oder -ausstieg, die Wahl zwischen Euro-Stabilität und Bankenrettung ist die zwischen Pest und Cholera. Solange alle grossen Industrienationen USA China, Euroland, Japan eine Politik monetären Wettrüstens zum Niederdrücken des Wechslkurses der eigenen Währung verfolgen wird sich die Geldmange weiter global aufblähen und keiner wirds merken, da die Wechselkursproportionen insgesamt ja gleich bleiben. Auf längere Sicht wird kein Weg an einem neuen Wechselkursesystem etc. vorbeigehen. Es ist aber traurig, dass man keinen Masterplan hat wie man Banken unbeschadet pleite gehen lassen kann, indem man sie zur Fortführung des Zahlungsverkehrs verpflichtet und Neugründungen von Banken ermöglicht die das Kreditgeschäft weiterführen können. Hier ist mehr Kreativität gefragt. wer sich schon mal um Kredite bemühte weiss: Banken sind letztlich doch die am leichtesten ersetzbare Expertise in der Wertschöpfungskette, sie sind borniert, schlicht und doof solange es nicht um die Organisation von Politik geht: da sind sie gerissen !
Einer Inflation oder auch Hyperinflation kann man sich entgegen stemmen, indem man in Aktien investiert! Und zwar nicht über eine Versicherung, einen Fonds oder Dritt- und Viertvermittler - sondern direkt. Aktien auf das eigene Depot einkaufen, bei stark gefallenen Kursen nachkaufen und jährlich die Dividende kassieren. Bevor ich mein Geld aus lauter Angst vor einer Inflation verkonsumiere, investiere ich lieber alles in große Dividendenwerte! Euer Onassis
Lieber Herr Busch, liebe Kommentatoren, ganz so leicht ist die Sache nicht: Zentralbanken haben weniger Einfluss auf die Inflation als oft behauptet, da sie das Fiat-Geld nur an die Banken weitergeben, die es dann per Kredit in den Wirtschaftskreislauf einspeisen. Wenn die Banken von diesem zusätzlichen Geld aber nichts verleihen, wächst die entsprechende Geldmenge nicht und es kann auch keine Inflation geben. Wäre dem nicht so, müssten die USA zur Zeit eine gigantische Inflation haben, so viel Geld wie Bernanke in den Markt gepumpt hat... Historisch folgt auf eine durch Schuldenüberhang verursachte Wirtschaftskrise eher eine Deflation als eine Inflation - es wird wenig konsumiert, weniger produziert, weniger investiert. Sich in dieser Situation auf Inflationsabwehr und Schuldenverringerung zu konzentrieren ist do etwa das Dämlichste, was man tun kann - Brüning und die Dreißiger Jahre lassen grüßen. Und wer über die Staatsschuldenkrise lamentiert, der möge sich daran erinnern, woher der letzte große Schuldenschock kam - von der Bankenrettung. Nicht nur die Politik hat die aktuellen Probleme heraufbeschworen, sondern vor allem die Finanzmärkte. Und Herr Buschs Ausgabenorgien finden eher im Kopf als in der Realität statt. Hätten wir noch die Steuersätze von 1998, würde der deutsche Staat Überschüsse erzielen. Aber nein, wir mussten ja mit Gewalt Unternehmens- und Spitzensteuern senken...
Ich schreibe Ihnen in dem Bewusstsein, dass sie diese Nachricht nicht lesen werden. Aber ich muss mir meinen beginnenden Ärger über die gegebenen Umstände Luft machen. Ich lebe in Wien und habe insgesamt 6 Jahr in Deutschland gelebt. So habe ich doch etwas Einblick in die politischen Ereignisse in Ihrem Land. Was mich schon sehr verwundert, ist die Tatsache, dass man sehr oft lesen muss, Merkel trifft Sarkozy, Sarkozy trifft Merkel, usw.….! Man berät über dies, man legt diese Richtung für die EU fest, man plant gemeinsam jenes für die EU, man bereitet einen Gipfel vor…! Diese Liste lässt sich lang und weiter fortsetzen. Nun komme ich zu meinem Punkt. Ich ging immer davon aus, dass die EU eine „Gemeinschaft“ verschiedener Staaten ist, die unter „demokratischen“ Gesichtspunkten zusammenarbeitet und alle die gleichen Rechte und Pflichten haben. Ich stelle aber mit Erschrecken fest, dass wenn alle Staaten gleichberechtigt sind, doch zwei Staaten gleicher sind als die Anderen. Nämlich „Deutschland und Frankreich“! Wer gibt Ihnen, Deutschland und Frankreich, das Recht einen Führungsanspruch innerhalb der EU zu übernehmen? Haben wir dafür nicht eine Kommission in der EU? Oder ist der Geltungsdrang von Deutschland und Frankreich so groß gegenüber den anderen Staaten? Oder ist es einfach die Angst, das die Banken in Deutschland und Frankreich, die doch sehr viele der faulen Staatsanleihen in ihrem Besitz wissen, pleitegehen könnten. Es gab einen berühmten Schriftsteller, Victor Hugo ein Visionär und seiner Zeit weit voraus, plädierte ebenfalls für ein vereintes Europa aber unter anderen Voraussetzungen die ein gleichberechtigtes Europa in allen Fragen beinhaltet. Somit schließe ich mein Schreiben und gebe Ihnen etwas auf den Weg mit, der Sie vielleicht etwas nachdenken lässt. Die Geschichte von Europa hat uns eines gelehrt. Das der Versuch ein vereintes Europa zu schaffen immer in Katastrophen geendet hat, weil immer jemand dachte ein Führer sein zu müssen!!
Es fehlt in der Aufzählung der Verfehlungen der EZB noch die Tatsache, dass mit dem Aufkauf von Staatsanleihen überschuldeter Staaten im Falle des sehr wahrscheinlichen Ausfalls oder eines möglichen Haircuts bei diesen Anleihen den Steuerzahlern der noch solventen Ländern der Eurozone - und nur die kamm man ja noch anzapfen - ohne jegliche demokratische Legitimation eine Schuldenübernahme aufgebürdet wurden. Das ist eine unerträgliche Aushöhlung der Demokratie, die vor allem von Trichet betrtieben wurde und die ursächlich zum Rücktritt von Weber und Stark geführt haben.
Vielleicht ist die ganze Krise für eines gut. Die in den meisten OECD-Staaten viel zu geringen Steuerabgaben im Verhältnis zu den Staatsausgaben, wird durch den Zinsdruck nun vielleicht entgültig behoben - und zwar global. Der ewige Wettlauf um günstigere Steuern führt in den USA zu faktisch Null-Unternehmenssteuern trotz Multi-Millarden-Gewinnen. Wie soll ein Land seine Ausgaben finanzieren, wenn die Politik derart dämlich die Basis der Ausgabenfinanzierung untergräbt. Hier liegt die eigentlich Problematik. Auch Griechenland hat genau jenes Problem. Die Leute zahlen einfach zu wenig oder gar keine Steuern - und es kümmert niemand weil es alle tun. Und nun hat man den Schuldenberg. Aber eine Hoffnung bleibt. Die Steuerbasis ist in allen OECD-Ländern hervorragend. Man müsste nun einfach einmal die Steuern bei Ihr erheben. Da geht sicher nicht ohne Wachstumsdelle. Aber die haben wir aktuell auch schon - weltweit. Und mit dem Wegfall der Null-Zinsen an den Märkten steigt endlich auch wieder die Wahrscheinlichkeit von notwendigen IPOs an den Aktienmärkten um die ungebundene Liquidität einzusammeln, statt auf billiges Fremdkapital zu setzen. Unterm Strich kann es nur ein Ziel geben - international die Bilanzsummen bei Unternehmen und Banken und Staaten, die durch Fremdkapital aufgebläht wurden, zu kürzen. Die Schweiz ist hier übrigens am deutlichsten vorangegangen um ihre Bankenwelt zu stabilisieren.
Mikew: Die alte DM vor 2002 und die DM, die wir im Falle des Euro-Scheiterns erhalten würden, sind nicht zu vergleichen. Noch vor wenigen Jahren waren wir Deutschen, was Wachstum und Haushaltsführung angeht, das schwarze Schaaf, nicht nur Europas. Heute, in einer Zeit, wo wir Deutschen als europäische Wachstumslokomotive gelten und das Staatsdefizit weitaus geringer ausfällt, schenken uns Investoren auch weitaus mehr Vertrauen als A. damals und B., und das ist noch entscheidender, mehr als den meisten anderen Nationen. Kurzum: Die anzunehmende Aufwertung einer heutigen DM, wäre wahrscheinlich noch weitaus höher als angenommen!! - Je mehr Investoren, desto stärker die Währung.