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Mittwoch, 16. Februar 2011

Raimund Brichta

Buba-Bettvorleger

Die Bundesbank bekommt einen neuen Präsidenten. Und der kommt aus der Politik. Früher kein Problem - da war die Bundesbank noch ein Tiger mit Zähnen. Heute sei sie aber nur noch ein Bettvorleger, findet Telebörse-Moderator Raimund Brichta.

Raimund Brichta

Raimund Brichta

Es gab Zeiten, da hätte man auf einer Pressekonferenz der Bundesbank eine Stecknadel fallen gehört. Wie gebannt hingen Journalisten aus aller Welt an den Lippen des Präsidenten, um nur ja keinen entscheidenden Satz zu verpassen. Und wenn ein solcher fiel, stürmten die Agenturkollegen sofort aus dem Saal, um draußen hastig ins Telefon zu brüllen, damit sich die Nachricht schnell verbreitet. Damals war die Bundesbank eben der Nabel der geldpolitischen Welt.

Zu jener Zeit machte es auch überhaupt nichts aus, wenn eine Bundesregierung Leute aus dem eigenen politischen Stab ins Präsidentenamt bei der Buba bugsierte. Denn in der Frankfurter Zentrale herrschte - im Bewusstsein der eigenen geldpolitischen Macht - eine Art Korpsgeist, dem sich kein Ankömmling entziehen konnte. Er wurde von der Stabilitätskultur, die überall spürbar war, sofort gefangen genommen. Selbst Präsidenten wie Karl Otto Pöhl oder Hans Tietmeyer, die aus der Politik kamen, wurden somit schnell zu unabhängigen Zentralbankern im wahrsten Sinne des Wortes.

Von zahnlosen Tigern und Bettvorlegern

Damals war die Bundesbank aber noch ein Tiger mit Zähnen. Heute ist sie nur ein Bettvorleger. Ihr Präsident hat im Rat der Europäischen Zentralbank  eine einzige Stimme, und zwar eine von 23. Ein Leichtgewicht also. Und deshalb ist es etwas gänzlich anderes als früher, wenn politische Beamte an die Bundesbankspitze befördert werden, wie das nun mit Jens Weidmann geschieht. Er wird nicht so selbstverständlich, wie das bei früheren Politik-Kandidaten der Fall war, zum unabhängigen Stabilitätspolitiker werden, weil der Geist in der Frankfurter Zentrale inzwischen ein vollkommen anderer ist. Die Bundesbank ist zur Verwaltungsstelle degradiert und keine Einrichtung mehr, die die geldpolitische Marschrichtung vorgibt.

Das wird auch an der neuen Vize-Präsidentin deutlich, die Angela Merkel im Doppelpack mit Weidmann an den Main entsendet. Sabine Lautenschläger soll die Quotenfrau an der Bundesbankspitze werden, mit der Merkel vermutlich einen Wink geben will: Seht her, ihr Wirtschaftslenker, wir können Frauenquote! Und was könnt ihr? Frau Lautenschläger ist mir noch aus ihrer Zeit als Pressesprecherin der Finanzaufsicht Bafin in Erinnerung.

Und bei allem Respekt vor ihren Fähigkeiten: Mit geldpolitischer Sachkenntnis ist sie noch nie aufgefallen. Das macht allerdings auch nichts, weil in der Bundesbank ohnehin keine Geldpolitik mehr gemacht wird. Es ist nur ein weiteres Zeichen für ihren Niedergang,

meint

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Kommentare
h.hansen sagt:
17.02.2011 07:05

"Was könnt ihr?" Bei allem Respekt vor Ihren Fähigkeiten, Herr Brichta, glaube ich kaum, dass Sie in der Lage sind über dieselbigen einer Frau Lautenschläger zu urteilen. Ich glaube nicht an die Frauenquote, aber ein Brustgetrommel wie dieses lässt mich an meiner Meinung zweifeln.


Hundeshagen sagt:
17.02.2011 09:18

Es ist schön, dass es noch Kommentatoren gibt, die sich trauen ihre ehrliche Meinung zu sagen! Man wird schon zu oft von weichgespülten Lippenbekenntnissen und überzogenem Gebrüll auf Hartz IV Niveau berieselt. Auch Inhaltlich ist die Meinung von Herrn Brichta durchaus berechtigt. So wäre die Bundesbank sicher mit Leuten besser bedient, die verstehen was sie dort arbeiten sollen. Ausgebildete Parteisoldaten, die nie wirklich gearbeitet haben sind eine schlechte Wahl. Schade, dass Norbert Walter im wohlverdienten Ruhestand bleiben wird. Das wäre ein Mensch, dessen Sachkenntis an dieser Position von Nutzen gewesen wäre.


Elena sagt:
17.02.2011 11:06

Hallo Herr/Frau Hansen, Ich bin Frau, und finde Herr Brichta hat nichts gegen Frauen oder Frau Lautenschläger gesagt, weil sie eine Frau ist. Er hat von ihrer bisherigen Leistungen berichtet. Und auch nicht schlecht, nur nicht gut genug,...so wie ich es verstanden habe. MfG


topsen sagt:
17.02.2011 11:31

@ h.hansen. Bei allem Respekt vor Ihren Fähigkeiten Herr Hansen in den Mendien haben wir genug Speichellecker die seit 40 Jahren ihren jornalistischen Pflichten nicht mehr nachkommen und den Mainstream übernehmen ohne zu denken. Wenn Herr Brichta schreibt sehe ich einen Jornalisten der seine Arbeit macht. Danke dafür. Wenn ich aber Herrn Brichta im Fernsehen sehe, dann ist dort der Mainstream Mann. Das finde ich schade. Danke Herr Brichta für Ihre Schriftlichen Artikel.


Raimund Brichta sagt:
17.02.2011 17:32

Lieber h.hansen, ich verstehe gar nicht, was Sie mit Brustgetrommel meinen. Dass Frau Merkel mit diesem Schachzug ein Zeichen in der aktuellen Frauenquotendiskussion setzen will, ist für mich offensichtlich. Und dass Frau Lautenschläger noch nie, ich betone noch niemals, geldpolitische Sachkenntnis an den Tag gelegt hat, das ist nicht nur für mich, sondern für jedermann offensichtlich. Sie hat schlichtweg noch nie in ihrem Leben etwas mit Geldpolitik zu tun gehabt Jura-Ausbildung, BaWe- und Bafin-Pressestelle, Abteilungsleiterin Bafin. Ich habe sogar betont, dass dies inzwischen keine große Rolle mehr spiel, weil die Bundesbank ohnehin keine geldpolitische Entscheidungsgewalt mehr hat. Ich hätte aber auch noch weiter gehen können: Was ist zum Beispiel, wenn Frau Lautenschläger als Vize einmal den Herrn Präsidenten bei geldpolitischen Entscheidungen im EZB-Rat vertreten muss? Und ich habe auch nicht geschrieben, dass Frau Lautenschläger seit 2005 beim Bafin die Abteilung „Aufsicht über Großbanken und ausgewählte Kreditbanken“ geleitet hat. Welche klägliche Rolle die Bankenaufsicht in der Finanzkrise gespielt hat, dürfte wohl auch Ihnen bekannt sein. Und ausgerechnet diese Dame soll jetzt die Bankenaufsicht bei der Bundesbank unter ihre Fittiche bekommen! Sie sehen, ich hätte sogar noch viel mehr Kritikpunkte in der Hinterhand.


Raimund Brichta sagt:
17.02.2011 17:37

Lieber Hundeshagen, ja, selbst ein Norbert Walter wäre eine bessere Besetzung als Frau Lautenschläger. Aber leider ist er keine Frau …


Raimund Brichta sagt:
17.02.2011 18:37

Lieber topsen, es gibt keinen Unterschied zwischen dem Fernsehmann Brichta und dem schreibenden Journalisten. Man hat nur im Fernsehen gar nicht die Zeit, so zu kommentieren wie beim Schreiben. Nur das ist der Unterschied.


Raimund Brichta sagt:
17.02.2011 19:03

Liebe Elena, meine Kolumne das hat erst einmal gar nichts mit guten oder schlechten Leistungen der Frau Lautenschläger zu tun. Sie ist schlichtweg ahnungslos auf dem Gebiet der Geldpolitik. Mehr nicht. Aber genauso bin ich ahnungslos auf dem Gebiet der Chemie, oder Physik oder wo auch immer. Das ist doch nicht schlimm. Man kann schließlich nicht auf allen Gebieten Bescheid wissen. Aber dann sollte man auch nicht dort arbeiten, wo es auf ein solches Wissen ankommt. In Bezug auf die Bankenaufsicht bin ich allerdings durchaus der Meinung, dass Frau Lautenschläger schlechte Leistungen gebracht hat siehe meine Antwort an h.hansen. Und ja, Sie haben recht: Ich habe überhaupt nichts gegen Frauen, mir kommt es in diesem Fall nur auf die Qualifikation an.


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