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Raimund Brichta: Bloß nicht verkaufen!

Da macht die Eule große Augen: Schwere Schulden lasten auf Athen.
(Foto: dpa)

Montag, 04. Juli 2011

Raimund Brichta

Bloß nicht verkaufen!

von Raimund Brichta

Das Sparpaket ist durch, die nächste Tranche kann fließen: Zusätzlich soll Athen sein gesamtes Tafelsilber verscherbeln. Telebörse-Moderator Raimund Brichta hält das für einen schweren Fehler. In einem offenen Brief an den griechischen Ministerpräsidenten zeigt er Alternativen auf.

Lieber Giorgos Papandreou!

Raimund Brichta

Raimund Brichta

Nun ist für Sie und Ihr Volk wieder ein Care-Paket auf den Weg gebracht worden. Besser gesagt ein Päckchen. Die darin enthaltenen 12 Mrd. Euro reichen ja nur für ein paar Wochen. Zwar dürfen Sie außerdem mit einem weiteren, fast zehnmal so großen Paket rechnen, aber auch damit werden Sie vermutlich nur das nächste Jahr überbrücken. Danach dürfte das Gezeter und Gezerre um Milliarden von Neuem beginnen. Deshalb frage ich mich, warum niemand auf die Idee kommt, Ihnen etwas Beständigeres anzubieten. Ich hätte jedenfalls etwas für Sie.

Ihr größtes Problem liegt doch darin, dass Sie neue Kredite am freien Markt nur noch zu Zinsen bekommen, die so hoch sind, dass Sie diese nicht mehr zahlen wollen oder können. Ihr wichtigstes Problem sind zurzeit also die Zinsen, nichts anderes. Wären diese noch so niedrig wie vor zwei oder drei Jahren, kämen Sie nach wie vor ohne Schwierigkeiten an Geld, und niemand käme auf die Idee, von einer Schuldenkrise zu reden. Denn erst seitdem Ihre Zinsen steigen, stecken Sie im Schlamassel. Und der verstärkt sich auch noch von selbst: Je höher die Zinsen, desto schlechter wird über Griechenland geredet, und je schlechter geredet wird, desto weiter steigen die Zinsen.

Zeit für neue Ansätze

Aus dieser Spirale gibt es nur einen Ausweg: Ihr Zins muss runter! Aber wie? Ganz einfach, man muss der Ursache auf den Grund gehen. Ihre Zinsen sind doch allein deshalb so hoch, weil die Kreditgeber Angst haben, dass sie ihr Geld nicht wieder kriegen. Und diese Angst wird dummerweise umso größer, je weiter die Zinsen steigen, weil dadurch die Last für Griechenland immer drückender wird. Auch das ist eine Spirale, die es zu durchbrechen gilt. Und hier die Lösung: Nehmen Sie Ihren Kreditgebern einfach diese Angst, lieber Herr Papandreou! Ja, Sie können das, und es ist einfacher, als Sie denken. Sie brauchen Ihren Gläubigern nämlich nur SICHERHEITEN anzubieten. Daran kann sich ein Gläubiger schadlos halten, wenn ein Schuldner seinen Zahlungspflichten nicht nachkommt.

So funktioniert es auch, wenn man in der Privatwirtschaft Schulden macht. Den Kredit für mein Haus zum Beispiel hätte ich niemals gekriegt, wenn ich meiner Bank nicht das Recht eingeräumt hätte, sich im Fall der Fälle meine Immobilie anzueignen und sie zu verkaufen. In der Wirtschaft sind solche Sicherheiten Gang und Gäbe, nur bei Staatskrediten sind sie es nicht. Bei diesen verlassen sich die Gläubiger in der Regel auf die bloße Floskel, dass letztlich das gesamte Volk mit seinen Steuern für die Schulden gerade stünde, was in letzter Konsequenz allerdings ein leeres Versprechen ist. Denn selbst wir Deutschen könnten für unsere gesamten Staatsschulden von mittlerweile zwei Billionen Euro niemals mit unseren Steuern aufkommen. Wir würden im Ernstfall von der Steuerlast erdrückt. Und was für uns gilt, gilt für Ihr Land erst recht, lieber Herr Papandreou.

Warum wagen Sie also nicht einmal etwas vollkommen Neues? Bieten Sie Ihren Gläubigern statt leerer Floskeln doch einfach handfeste Sicherheiten an! Dann käme auch Ihr Land wieder günstig an Geld, denn der Zinssatz würde sich in diesem Fall an den Sicherheiten orientieren und nicht etwa daran, wie verschwenderisch Sie, pardon Ihre Vorgänger, in der Vergangenheit mit Geld umgegangen sind. Selbst wenn Sie einen Teil Ihrer alten Schulden nicht zurückzahlen sollten, wäre das kein Beinbruch. Sie könnten dann trotzdem zu vernünftigen Konditionen an neue Kredite kommen, denn die Geldgeber bräuchten wegen der Sicherheiten ja keine Angst zu haben. Nur die alten Gläubiger hätten eben Pech gehabt - selbst schuld, sie hätten ja auf einem Pfand bestehen können.

Im Beton schlummern Milliarden

Bevor Sie mich nun fragen, wo Sie die Sicherheiten herkriegen sollen, sage ich, selbst Griechenland hat mehr davon, als Sie denken. Zum Beispiel Häfen und Flughäfen, Unternehmensanteile, Immobilien, Land - eben alles, was dem Staat gehört und im Ernstfall verwertbar wäre.

Aber stattdessen empfehlen Ihre Berater von IWF, EZB und EU das genaue Gegenteil. Sie raten, ja sie fordern geradezu, Sie sollten Ihren Staatsbesitz verscherbeln. Tun Sie das auf keinen Fall, lieber Herr Papandreou! Eine schlechtere Beratung kann ich mir kaum vorstellen. Denn wenn Sie Ihren Staatsbesitz erst einmal verkauft haben, ist er ein für allemal weg und kann Ihnen nie wieder als Kreditpfand dienen. Damit wären Sie noch abhängiger vom Wohlwollen Ihrer Geldgeber. Wollen Sie das? Wenn Sie Ihren Besitz dagegen behalten, könnten Sie ihn immer wieder als Pfand einsetzen und damit stets alte Kredite durch neue ablösen. Auch das ist in der Privatwirtschaft Gang und Gäbe.

Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem Argument, das wäre nicht praktikabel. Sicherlich wäre es aufwendig, alle Sicherheiten erst einmal zu erfassen und zu bewerten. Aber das gilt für die Kreditvergabe an Private ebenfalls. Trotzdem funktioniert es dort. Warum sollte es also ausgerechnet beim wichtigsten Kreditnehmer, dem Staat, nicht funktionieren? Wagen Sie es ruhig einmal, lieber Herr Papandreou!

Allerdings muss ich Ihnen auch sagen, dass Sie dann nicht mehr so schamlos Schulden machen können, wie Sie, pardon Ihre Vorgänger, das bisher gemacht haben. Denn die Schuldenmacherei wäre fortan durch den Wert der Sicherheiten begrenzt, die Ihr Staat bereitstellen kann. Aber so weiter machen wie bisher, das wollen Sie doch sowieso nicht mehr, nicht wahr?

Herzlicher Gruß

Ihr Raimund Brichta

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Kommentare
Johannes A. sagt:
04.07.2011 08:21

Charmante Idee, muss ich schon sagen. Und eigentlich verblüffend naheliegend, oder? Nur, eines macht mich stutzig: Was kann ein Anleiheninvestor im Zweifelsfall mit einem Anteil an einem griechischen Staatsbetrieb? Oder einem Stück Autobahn? Oder einem Flughafen? Da müsste man ja wohl ersteinmal die Ärmel hochkrempeln und ein paar Geld dazuschießen, um die Anlage lukrativ zum laufen zu bekommen. Und aus der Sicht der Griechen wären die guten Stücker doch dann auch weg, oder? Da kann sie Papandreou ja auch eigentlich gleich verkaufen. oder habe ich da was übersehen?


Realist sagt:
04.07.2011 08:28

Sehr geehrter Herr Brichta, erklären Sie uns Lesern doch bitte einmal, wie Sie Ihre Ansprüche durchsetzen wollen, wenn die Regierung sich weigert, die gegebenen Sicherheiten einzulösen. Ihr Beispiel - Finanzierung eines privaten Hauses - ist leider nicht lobenswert: Im Falle einer privaten Insolvenz würde mein Haus zwangsversteigert, im Falle einer staatlichen Insolvenz könnten meine Ansprüche trotz vorhandener Titel nicht durchgesetzt werden. Einen schönen Tag der Realist


Thomas Fränkle sagt:
04.07.2011 08:32

Hallo Herr Brichta! Die Sache haben Sie genau auf den Punkt gebracht - ohne wenn und aber! Wie immer tadellos und professionell. Können wir also nur hoffen, dass die stolzen Griechen und Herr Papandreou diesen gut gemeinten Profi-Rat auch befolgen. Hochmut kommt vor dem Fall und der Stolz der Griechen war schon immer sehr auffällig ;-


Andrzej sagt:
04.07.2011 08:36

Eine Idee die den Banken nicht gefallen kann. Auf diese weise kann die Zinsspirale unterbrochen werden und damit auch die verschwendung von Steuerngeldern. H.Papandreou ist gut beraten, Sich den Vorschlag gut zu überlegen.


Tom sagt:
04.07.2011 09:08

Jeder regt sich wegen 100 Milliarden für Greichenland auf. Schon vergessen welche Unsummen wir alleine in eine einzige HRE Bank pumpen mussten um sie zu retten. Und welche Bank ist wiedermal massiv in Griechenland investiert, natürlich unsere HRE Bank. Es ist doch für jeden offensichtlich, dass es für Staaten wie Griechenland, aber auch die USA und natürlich Deutschland vollkommen unmöglich ist, diese Schuldenberge durch Steuern jemals abzutragen. Zinszahlungen werden bald unsere grösster Haushaltsposten werden….und dann???? Dieses Schuldenmachersystem wird irgendwann kollabieren, nicht nur in Griechenland, auch bei uns! Niemand kann auf Dauer Geld ausgeben, das er nicht hat und niemals haben wir


BringFrieden sagt:
04.07.2011 09:33

Herr Brichtas Modell ist in der Wirtschaft Gang und Gebe: Neue Inestoren bekommen Vorzugsrechte und oder Sicherheiten. Das Modell vom IWF und Co basiert aud der Theorie das die Steuern entscheidend sind, nicht ob der zu entrichtende Betrieb öffentlich oder privat ist.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 10:06

Lieber Johannes A., der Punkt ist doch, dass man bei der Kreditvergabe davon ausgeht, dass der Ernstfall nicht passiert. Aber WENN er eintritt, hat man im Falle der Verpfändung einen Vermögenswert in der Hand, den man verwerten kann. Jetzt hat man dagegen gar nichts und guckt nur in die Röhre. Die Schwierigkeiten, die Sie ansprechen, mit Autobahnen und Flughäfen fließen natürlich in die BEWERTUNG der Sicherheiten ein. Das heißt, man überlegt sich vorher, was ist mir der Flughafen wert, und einigt sich dann darauf, wie hoch der Kredit sein kann. Im Ernstfall können dann die Gläubiger den Flughafen verkaufen und sich am Erlös schadlos halten. Aber das Pfand soll ja gerade dazu dienen, dass der Ernstfall nicht eintritt. Denn wenn der eine Kredit ausläuft, kann man ihn mit einem neuen Kredit ablösen, der dasselbe Pfand hat. Also kriegt man viel einfacher neues Geld. Und genau das ist der entscheidende Unterschied zu jetzt.


Helmut sagt:
04.07.2011 10:17

Das wird daran scheitern, dass gar nicht genügend Staatsbesitz vorhanden ist um für die riesigen Schuldenberge zu bürgen.


Hugo sagt:
04.07.2011 10:24

In einem Land, wo die Bevölkerung wütend auf die Straße geht, wenn etwas bisher Staatseigenes privatisiert werden soll, kann man den Wert solcher Sicherheiten nur relativ niedrig ansetzen. Insbesondere ein ausländischer Gläubiger, der mit dem Lynchen des Zwangsvollstreckers zu rechnen hat, wird über die Verwendung des Begriffs Sicherheit in diesem Zusammenhang nur schmunzeln. Brichtas Vorschlag ist eine Mogelpackung. Da war die Idee mit dem Verkauf von Inseln realistischer, oder die Einigung mit der Türkei in allen strittigen Fragen, die Türken sind nämlich gerade gut bei Kasse. Zur Not könnte man die arbeitsfähigen jungen Griechen, sofern sie das wollen, auch einfach auf andere Länder verteilen, ihnen Ausbildung und Jobs geben und ihre Löhne und Gehälter mit einer Solidarsteuer belasten.


majkusz sagt:
04.07.2011 10:29

in der tat sollte dies so gemacht werden, wie bei jedem anderen kredit auch...es kann auch schon mal die eine oder andere insel als sicherheit angeboten werden... johannes a: im falle eines falles laesst sich alles verwerten...der flughafen koennte z.b. fraport angeboten werden


Vassili Papalamprou sagt:
04.07.2011 10:35

Lieber Raimund Brichta! Die Besicherung eines Kredites ist die eine Seite der Medaille; die Begleichung der laufenden Zinsen und die Rückführung des geliehenen Betrages aus frischen, erwirtschafteten Mitteln und nicht durch die im Ausfall zu verwertenden Sicherheiten ist die andere Seite der Medaille, auf die potenzielle Kreditgeber mindestens genau so sorgsam achten. Und genau auf der anderen Seite der Medaille liegt das Problem. Ich überspitze hier bewusst: Tourismus und Oliven reichen einfach nicht aus, um die Kredite ordnungsgemäß zu bedienen! Deswegen wird es auf absehbare Zeit auch bei Stellung von - heute noch als werthaltig erachteten - Sicherheiten keine guten Zinsen für Hellas geben. Den Griechen steht insbesondere durch die Ex-Post-Wahlgeschenke der jeweiligen Regierungen an u.a. Beamte und Rentner mittlerweile ein Einkommen zur Verfügung, was ihre Produktivität nicht mal annähernd widerspiegelt. Sicherlich, die Wahlgeschenke hat es auch schon zu Drachmen-Zeiten gegeben. Dort wurden diese jedoch durch die Inflation nivelliert. Es gibt - nach meiner Auffassung - nur zwei mögliche Lösungen für Griechenland und für Portugal und für Irland und für Spanien und für Italien ich beende die Aufzählung der Länder, die bald an denselben Symptomen der Griechenpest leiden werden, hier mal lieber; denn sonst wird mir auch noch ganz mulmig. 1. Alternative: Die nicht nur auf dem Papier guten Länder hier muss tatsächlich auch mal hinter die Kulissen geschaut werden, wie - ich sage mal - z.B. Deutschland, Holland, Österreich gehen - wegen der Kapitalflucht schnellstmöglich - aus dem Euro heraus und gründen eine eigene, neue Währung. Sollen die Schlechten den Euro doch behalten. Dies hätte - im Vergleich zu dem Modell, dass die Nehmer-Länder aus dem Euro herausgehen - den Vorteil, dass die Angleichung der Kaufkraft an die Produktivität mittels Währungsabwertung schneller ginge. Es würde hier nämlich nichts bringen, die Konten vor dem Währungs-Cut leer zu räumen und sich den Euro unters Kopfkissen zu legen; denn der Euro wäre dann nicht mehr die stärkere Währung. - Doch wollen wir diese erste Alternative wirklich? Wollen wir uns wirklich wieder Barrieren aufbauen, die überwunden schienen? 2. Alternative: Der Euroverbund bleibt bestehen. Es muss die Devise durchgesetzt werden: Gehälter und Sozialleistungen in Nehmer-Ländern sollten im Allgemeinen nicht höher sein als in den Geber-Ländern. Die guten Länder geben den schlechten Ländern Hilfe zur Selbsthilfe und solange diese es nicht aus eigener Kraft schaffen, wird deren Kaufkraft durch die Guten weiterhin subventioniert. Dies muss als ein Beitrag dazu betrachtet werden, dass die Arbeitsplätze in den Geber-Ländern erhalten bleiben. Geld hat ja schließlich keinen Selbstzweck. Geld kann man nicht essen. Die Bürger der Nehmer-Länder kaufen damit z.B. bei Lidl ein. Oder sie kaufen sich einen Fernseher bei Mediamarkt. Oder sie kaufen sich einen VW oder einen BMW oder einen Mercedes. Oder man lässt den Athener Flughafen durch Hochtief bauen. Was ich damit sagen will, ist die Tatsache, dass ein Großteil der Gelder - wenn die Geber-Länder es schaffen, dass deren Produkte im internationalen Preis-Leistungs-Vergleich bestehen - ja wieder in Form von Konsum und Investitionen dahin zurückfließen. Genau hier liegt jedoch der Hase im Pfeffer. Wohin fließen diese Gelder zurück? Zum geringsten Teil an den kleinen Mann. Sicherlich, die Wahrscheinlichkeit, dass er seinen Arbeitsplatz behält, vergrößert sich etwas und er bekommt - wenn er Glück hat - jährlich 2 Lohnerhöhung. Der Großteil dieser Gelder fließt jedoch an die Unternehmen und deren Anteilseigner zurück. Der kleine Mann ist - zumindest momentan - jedoch derjenige, der dafür geschröpft wird, damit die Kaufkraft in den Nehmer-Ländern aufrecht erhalten wird. - Hier ist eindeutig die Politik der Geber-Länder gefordert. Nicht nur um den Bürgern reinen Wein einzuschenken und zu sagen, dass man die höheren Abgaben in welcher Form auch immer doch auch als eigene Investition in den eigenen Arbeitsplatz ansehen muss. Sondern auch um die Unternehmen und deren Eigner mit ins Boot zu nehmen, dass auch diese ihren Beitrag in Form höherer Abgaben leisten müssen. Und vielleicht wendet sich das Blatt ja auch in einigen Generationen. Die Schlechten werden im besser und helfen dann eines Tages den ehemals Gebenden. Weiß mans? Herzlicher Gruß Ihr Vassili Papalamprou


Stefan Wehmeier sagt:
04.07.2011 10:36

Auch ein Zinsfuß von nur drei Prozent zerstört jede Volkswirtschaft. Solange sie auf einer a priori fehlerhaften Geld- und Bodenordnung basiert, befindet sie sich dann bereits kurz vor der von Keynes beschriebenen Liquiditätsfalle. Wenn das Geld selbst fehlerhaft ist, gibt es keine wie auch immer geartete Finanz- oder Wirtschaftspolitik, um eine Volkswirtschaft auf Dauer stabil zu halten. Allen, die noch gar nichts von Makroökonomie verstehen dazu gehören vor allem studierte Volkswirtschaftler und Politiker, sei der Artikel Eine andere unsichtbare Hand des Marktes von dem Wirtschaftsmathematiker Prof. Dr. Jürgen Kremer empfohlen. Die Beherrschung der Grundrechenarten ist zum Verständnis ausreichend.


CrisisMaven sagt:
04.07.2011 10:44

Mein lieber Herr Brichta, was fuer die Privatwirtschaft so einfach klingt, funktioniert mit Staatsbetrieben nicht, jedenfalls schon gar nicht mit griechischen. Staatsbetriebe sind in aller Regel defizitaer, griechische jedenfalls ueberwiegend. Die Defizite werden nur verschleiert, z.B. durch Monopole oder bevorzugte Beruecksichtigung bei der Auftragsvergaba. Fallen Monopol und/oder Auftraege weg, steht ein solcher Betrieb vor dem Nichts, sehen Sie sich Telekom und Bundesbahn an. Deshalb lassen sie sich ja derzeit nicht verkaufen, wie man liest Bundesbahn bei uns nicht, unsere Telekom ohne Internetblase nicht, die wurde ja zum Ramschpreis von den geschorenen privaten Erstinvestoren zurueckgekauft und die griechischen sind noch schlechter aufgestellt. Das ist also kein gutes Pfand, GAR KEIN Pfand. Hinzu kommt, dass man gegen einen waffenstarrenden Staat in dessen Inland nicht vollstrecken kann. Erstrangige Sicherheiten sehen anders aus, die Grundschulden in deutschen Grundbuechern z.B. sind ohne Vorausklage vollstreckbar etc. So etwas laesst sich hier nicht auch nur im Ansatz darstellen. Diese Abschlaege fuer ungewisse Vollstreckungsaussichten betragen annaehernd 100! Wenn nun ein Wirtschaftspruefer eine due diligence machen wuerde, kaeme er zu der Frage, ob denn NACH Vollstreckung, die eine nachtraegliche Privatisierung erzwaenge, der bisher staatsmonopolistisch garantierte Markt noch vorhanden waere und kaeme zum Schluss: nein. Ohne Markt kein Gewinn, nicht mal Substanz. Sie kennen halt nur die Privatwirtschaft, wobei ich Ihnen schon recht geben muss: verscherbeln nuetzt auch nix - aber aus den eben genannten Gruenden in Analogie.


Bigazzi sagt:
04.07.2011 10:51

Hallo Herr Brichta, genialer Ansatz ! Wird aber aus meiner Sicht nicht all zu lange funktionieren können. Warum? die Altgläubiger greifen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei der Prolongation der Anleihen in die griechische Sicherheitskiste hinein. Ausser dieser alte Teil steht für seine Wagnisse ein. So kenne ich es zumindest aus meiner Bankzeit. Wer keine Sicherheiten hat und daneben liegt hat halt Pech.... der schreibt halt ab. An Rückführung der Verbindlichkeiten, ich glaube da sind wir uns einig, glaubt doch sowieso kein Mensch mehr. Bin immer noch verwundert, daß die Griechen soo im Mittelpunkt stehen. Mal in der Fussballsprache zu bleiben, die Griechen spielen doch noch immer auf einem Auscheplatz mit Dorfcharakter. Nur das Verhalten der Zuschauer, bei strittigen Entscheidungen, das wird Weltweit so ziemlich gleich ablaufen. Das sollte jeder im Hinterkopf behalten Das ganz große Spiel findet doch in Kürze in der FED Arena statt. Schade nur, daß die Amis ihren eigenen Schiedsrichter stellen mit selbstaufgestelltem Regelwerk. Mal sehen wann dort die Vorberichterstattung beginnt? PS: an der Immobilie Witehouse hätte ich Interesse. Könnt mir vorstellen, daß der Mietzins zwar nicht der beste ist, muss mich spätesten nach 10 Jahren nach einem neuen Mieter umsehen, gehe aber davon aus, daß dies keine großen Probleme darstellen wird. Wird sich rechnen... zumindest sieht die Hütte gut aus und hat eine gute Lage. Viele Grüße vom Hunsrück, da ist die Welt noch in Ordnung, Bigazzi


Peter sagt:
04.07.2011 10:56

...absolut berechtigter und sehr guter Gedanke! Allerdings ist bei der Wirtschaftsstruktur Griechenlands in keinsterweise wettbewerbsfähig und der zu erwartenden Primärdefizite Einnahmen minus Ausgaben ohne Zinsen der kommenden Jahre ein Verpfändung mit einem heutigen Verkauf nahezu gleichzusetzen. Vielleicht wissen/erahnen das Griechenlands Berater und kommen zu dem Schluss, dass eine privatwirtschaftliche Sanierung verkauften Staatsvermögens Griechenland wieder schneller in eine wettbewerbsfähige Position bring!?


gandalf94305 sagt:
04.07.2011 11:05

Lieber Herr Brichta, Sie sind mir zwar eher seit Jahren als Plaudertasche der Telebörse bekannt, aber mit diesem offenen Brief sprechen Sie in der Tat ein Thema an, das bisher nicht so in den Modellen für die Rettung von Griechenland vorkommt: die Nutzung der Assets des Staates für eine Umschuldung. Das ist sicher sinnvoll und auch eine gute, konstruktive Idee, aber man sollte dazu ein paar Punkte bedenken: - Wer sagt denn, daß diese Sachwerte frei von Schuldenbelastungen, d.h. nicht bereits Gegenstand von Besicherungen sind? - Während dies sicher für Immobilien gelten kann, würde dennoch eine Reduktion der Staatsbeteiligungen nicht schaden. Diese sollten zügig verkauft werden. - Das Weiterwirtschaften dürfte die größere Herausforderung darstellen, als die kurzfristige Lösung von Kreditklemmen aufgrund zu hoher Zinsen. Wo soll die Wirtschaft in Griechenland denn herkommen? Muss Coca-Cola seine Abfüllanlagen aufstocken? Daher: geben Sie Herrn Papandreou doch lieber einen konstruktiven Rat, wie die überflüssigen Pöstchen der Vetternwirtschaft, die Korruption, die hohen Gehälter und Bonuszahlungen der Staatsbediensteten und Angestellten von Staatsbetrieben in den Griff zu bekommen sind. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit ist von Griechenland selbst gefragt. Für die kurzfristigen Problemchen kann die EU ja ein Rettungspaket schnüren.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 11:05

Lieber Realist, gestatten Sie, dass ich Ihnen widerspreche. Ihr Problem ist doch ein rein juristisches. Natürlich müssten die Verträge so gestaltet werden, dass sie vor einem internationalen Gerichtshof auch durchsetzbar wären. Und wenn Sie nun einwenden, daran würde sich ein Staat im Ernstfall nicht halten, dann sollte man einem solchen Land sowieso kein Geld geben. Und noch ein Wort zur Zwangsversteigerung: Das wird doch nur gemacht, weil es der Bank zu mühsam ist, selbst einen Käufer zu suchen. Aber egal, wie Sie es nennen, auch eine Zwangsversteigerung ist ein Verkauf, dessen Erlös dem Gläubiger zugute kommt.


Thomas H. aus N. sagt:
04.07.2011 11:09

Hallo Herr Brichta, diese Vorgehensweise Tafelsilber zu verscherbeln gab es schonmal bei uns in Deutschland - bei einem der dynamischten Unternehmen der Nachkriegsgeschichte - bei der Nixdorf AG. Dort wurde auch alles verschleudert - bis nichts mehr zu verschleudern war. Dann schlug die Siemens AG zu. Was hat es gebracht - gar nichts. Ein Milliardengrab für die Siemens AG. Mittlerweile ist das Kerngeschäft wieder in die Wincor-Nixdorf AG erfolgreich selbstständig. Der Rest ist quasi unauffindbar. Warum dieser Vergleich? Weil man auch dort damals nicht die Ursachen bekämpft hat, das Unternehmen eines Pioniers wurde von den Leitenden von innen geplündert. Und dann meinte man ein Großer solventer würde das Ganze retten können. Nein - er konnte es nicht - er versenkte nur Geld und das reichlich. Und in Griechenland ist es ähnlich. Was sind das für Schulden - wofür wird massiv Geld ausgegeben? Wer sahnt alles ab - berechtigt oder unberechtig? Wo sind die ungenutzten Potetiale? Es wird aus meiner Sicht nicht reichen, nur Geld reinzupumpen. Das ist so ähnlich wie die Entwicklungshilfe für Afrika. Auch dort wird es nicht aufwärts gehen, wenn man die Menschen nicht ertüchtigt, vernünftig mit den Resourcen umzugehen und verkaufbare Alleinstellungsmerkmale zu schaffen. Ja und in Griechenland könnte das die Sonnenenergie sein und natürlich der bestehende Tourismus. Wir könnten mit Technik und Wissen helfen. Unsinn ist es jedoch, Milliarden von Euro dort reinzupunmpen und abstruse Forderungen zu stellen.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 11:31

Hallo Thomas Fränkle, vermutlich rechnen Sie nicht tatsächlich damit, dass der liebe Herr Papandreou meinen Rat befolgt. Denn damit würde er ein ungeschriebenes Gesetz brechen, nach dem Staatskredite nicht besichert werden. Nicht nur Regierungen finden es nämlich gut, wie es derzeit läuft, Stichwort quasi grenzenlose Schuldenmacherei, sondern auch für die Banken ist das ein einträgliches Geschäft. Zumindest solange die Staatskredite brav bedient werden und den Banken keine größeren Abschreibungen drohen. Und falls Letzteres doch einmal passieren sollte und die Banken dadurch in die Bredouille kämen, würden sie die Regierungen schon wieder retten Scherz.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 11:36

Lieber Andrzej, Sie sprechen genau die beiden Hauptgründe dafür an, warum mein Vorschlag nicht umgesetzt werden wird. Aber trotzdem kann man ja mal das Undenkbare denken, oder?


T. Schmidt sagt:
04.07.2011 11:45

Warum macht die EZB nicht das gleiche wie die FED? Private Geldgeber in die Röhre schauen lassen und Griechenbonds direkt ankaufen? Die Griechen haben aber ein noch viel größeres Problem, sie haben ein riesen Leisungsbilanzdefizit und keine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Dazu habe ich noch keine konkreten Vorschläge gehört, außer dem typischen Ökonomengeschwurbel wie Wir müssen Wachstumsimpulse setzen. Mit dem Tafelsilber haben sie natürlich recht, Notverkäufe erzielen immer schlechte Preise. Außerdem fehlt in Zukunft dem Staat der Cashflow. MfG


BringFrieden sagt:
04.07.2011 11:56

Danke Herr Brichta, dass sie die Kommentare auch zum Teil beantworten, was einige ihrer Kollegen nicht machen. Muß auch mal gesagt werden.


BringFrieden sagt:
04.07.2011 12:07

Nach lange Ringen mit mir selbst, habe ich mich entschieden nun doch mich dazu zu äußeren, warum Griechenland in einem Debakel steckt, welches aus historischen Erfahrungen zur Hyperinflation in Deutschland führte und diese Ängste verbirken sich mit hinter Griechenland und den Folgen für den Euro. 1921 beschloss die Weimarer Republik die Steuern um 30 zu erhöhen, während auf der anderen Seite von den Arbeitgebern die Löhne um 30 gesenkt wurden. Griechenland befindet sich in einer ähnlichen Spirale. Die Angst sitzt daher Tiefer als man so denkt.


Landeskenner sagt:
04.07.2011 12:38

Die Frage ist nur, ob die maroden Staatsbetriebe überhaupt einen Wert darstellen. Wer schon einmal ein Griechenland war, wird berechtigte Zweifel anmelden. Die genannten 50 Mrd Privatisierungserlöse sind reine Augenwischerei. a Sind die Werte nicht vorhanden und b werden die Preise spätestens mit der Pleite des Landes weiter sinken. Warum also jetzt gute Euro nach Athen pumpen?


theo sagt:
04.07.2011 12:53

Sicherheiten für neue Kredite anzubieten ist eine Möglichkeit - die Auslandschulden zu Inlandsschulden zu machen eine andere. Wenn der Bürger mit seinen Steuern für die Schulden des Staates bürgt und auf dem Kapitalmärkten aktuell ein Zins von über 20 für griechische Anleihen gehandelt wird, wäre es doch das Beste, wenn die griechischen Steuerzahler zu diesen Konditionen die Schuldpapieren aufkaufen würde. So würde weniger Geld aus dem Inland ins Ausland abfließen. Der Staat könnte einen Teil der Beamtengehälter statt mit Euro mit Staatspapieren bezahlen und der Bürger müsse das Recht bekommen, die Hälfte seiner Steuerschuld mit abgelaufenen Staatspapieren zu verrechnen. Auf diese Weise hätten die Griechen wieder einen Anreiz, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Langfristig sehe ich aber trotzdem im Austritt Griechenlands aus der Eurozone die einzig haltbare Option.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 12:59

Lieber Tom, genau dies ist meine Stoßrichtung. Der Zusammenbruch kommt sowieso und lässt sich nicht mehr verhindern. Deshalb halte ich es für angebracht, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, was man danach anders machen könnte. Mein Vorschlag ist auch als Anregung dafür zu verstehen.


webmax sagt:
04.07.2011 13:50

Super-Idee und auch naheliegend, weil historisch auch bei uns durchgeführt. Auch der griechische Goldschatz stünde, falls nicht schon anderweitig vergeben, so zur Verfügung. Und wie wäre es mit einer Zwangsanleihe auf das griechische Auslands-Vermögen in der Schweit mit 280 Mrd.Euro? Bei Weigerung Expatriierung!


Jörg F. sagt:
04.07.2011 13:53

Lieber Raimund Brichta, sie haben vollkommen recht, einen finanziell am Boden liegenden Staat mit Strafzinsen den Todesstoss zu versetzen ist so ziemlich das dümmste, was man machen kann. Statt einer Reduzierung des Zinssatzes sollte man aber die Kredite für eine Periode von zehn Jahren zinsfrei stellen und stattdesen eine Tilgung von 5 pro Jahr vereinbaren. Dann hätten die Griechen nach zehn Jahren bereits 50 ihrer Schulden zurückgezahlt. An einer Veräußerung von Teilen des Staatsvermögens kommt in Griechenland aber niemand vorbei. Aufgrund des über die Jahre gewachsenen Wildwuchses in der Lohnpolitik 18 Monatsgehälter oder Grundlöhne, die 3 x höher liegen als im Privatsektor könnten es private Investoren mit neuen Arbeitsverträgen sicherlich besser machen. So würden dem Staat nach dem Verkauf des vermeintlichen Tafelsilbers über die besteuerten Gewinne der Privatinvestoren vermutlich sogar höhere Einnahmen zufliesen, als er sie jemals selbst erwirtschaften könnte. Die Probleme der Griechen liegen aber auf einem ganz anderen Gebiet. Durch Vetternwirtschaft, Korruption, Misssmanagement und die fehlende Bereitschaft Steuern zu zahlen bzw. anfallende Steuern einzutreiben im Rahmen der allgemeinen Sparbemühungen wurden gerade hunderte qualifizierter Finanzbeamte entlassen entgehen dem Staat Jahr für Jahr Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe. Solange diese schwarzen Löcher nicht gestopft werden, geht jede Finanzhilfe ins Leere. Dann diskutieren wir an dieser Stelle schon in ein paar Jahren über ein neues Hilfspaket im Gesamtvolumen von 500 Milliarden.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 14:04

Lieber Helmut, auch für Ihren Einwand habe ich eine Lösung schon angedeutet: Alte Schulden nicht oder nur teilweise zurückzahlen, und Sicherheiten nur für neue Kredite geben. Damit bürgt niemand für die riesigen alten Schuldenberge, was ohnehin nicht möglich ist, wie Sie richtig bemerken.


Raimund Bricha sagt:
04.07.2011 14:06

Lieber Hugo, auch Ihr Einwand ist nicht überzeugend. Wenn Sie generell von Lynchjustiz ausgehen, sprechen Sie nicht über zivilisierte Gesellschaften. Und einem solchen System gibt man sowieso keinen Kredit. Denn das Wort Kredit bedeutet Vertrauen. Abgesehen davon, dass auch die Troika vorschlägt zu verkaufen. Nach Ihren Vorstellunge müssten dann auch diese Verkäufer gelyncht werden. Ich sage dagegen, ein Verkauf darf nur die letzte aller Möglichkeiten sein und wird höchstwahrscheinlich gar nicht nötig werden, weil das Land durch die Sicherheiten stets zahlungsfähig bleibt. Auch die von Ihnen angesprochenen Inseln lassen sich übrigens hervorragend als Sicherheiten einsetzen. Auch sie sollte man also tunlichst nicht verscherbeln.


Rüdiger Braun sagt:
04.07.2011 14:07

Es lohnt eigentlich kaum, auf diesen Vorschlag einzugehen, dem eine Ursachenanalyse gänzlich fehlt. Ohne eine Beseitigung der durch die Rettungspakete der Troika nur noch akzelerierenden Verschuldungsdynamik Griechenlands und anderer Länder wird auch die Verwertung der Sicherheiten zur Gewissheit. Zudem wird verkannt, dass der Berg von CDS auf griechische Staatsschulden letztlich die Renditen in die Höhe treibt. Und niemand weiss, auch die BIZ nicht, wie stark die Interessen an einer Griechenland-Pleite an welcher Stelle des internationalen Finanzsystems sind. Die Griechen sollten ihre Eigentumsrechte an ihrer Infrastruktur mit Zähnen und Klauen verteidigen und sie weder verscherbeln noch als Sicherheiten hinterlegen. Zur Lösung ihre Krise sind völlig andere Mittel vonnöten als die hier vorgeschlagenen.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 14:08

Lieber majkusz, Sie sprechen mir aus der Seele.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 14:09

Lieber Vassili Papalamprou! Sie irren leider wenn Sie annehmen, dass Staatskedite aus frischen erwirtschafteten Mitteln zurückgezahlt werden. Staatskredite werden auschließlich mit jenem Geld zurückgezahlt, das man sich neu ausleiht. Und von Rückführung des geliehenen Betrages, wie Sie schreiben, kann schon gar keine Rede sein. Alle Staaten müssen sich nämlich immer mehr Geld neu ausleihen, als sie gleichzeitig tilgen. Dies verbirgt sich hinter der Begrif Nettoneuverschuldung. Davon abgesehen sage ich schon seit Jahren voraus, dass der Euro früher oder später auseinanderbrechen wird, wie Sie das in Ihren Alternativen erwähnen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mein o.g. Vorschlag, der ja sowieso nicht umgesetzt wird, hätte die Lebenszeit des Euro allenfalls etwas verlängern können.


CarlosA sagt:
04.07.2011 14:51

Der Vorschlag von Herrn Brichta klingt auf den Blick logisch und sinnvoll. Aber der Vergleich mit einem Privatwohnhaus hingt. In der Regel liegt hier ein Tilgungsplan vor, der die Schulden entsprechend über die Jahre permanent verringert. Ein Staat im Kapitalismus dagegen muss sich permanent neu verschulden, verweigert er dies, wird die Wirtschaft abgewürgt und es droht eine Deflation. Ebenso sicher endet dies - in der Regel nach ca. 2 Generationen - in der Insolvenz. Staatsschulden werden dann nie zurückbezahlt. Jede Rettung von Griechenland verzögert deren Staatsbankrott und beschleunigt den Staatsbankrott der anderen Euro-Länder. Verpfändung oder Verkauf von Staatseigentum bringt nur kurzfristige Effekte z.B. bis zur nächsten Wahl.


MichaelA sagt:
04.07.2011 15:56

Eine Stellung von Sicherheiten wäre grundsätzlich eine charmante Möglichkeit flüssig zu bleiben, hat aber den Nachteil, dass die Sicherheiten die Kreditsumme um ein Vielfaches übersteigen müßten, da die potenziellen Geldgeber der privaten Wirtschaft die Sicherheiten teils nur mit 30 oder gar weniger bewerten. Auch das kennt man aus dem privaten Hausbau. Die reine Gier und das Vertrauen darauf, dass der Steuerzahler von der Politik schon eingesprungen wird hat private Investoren in griechische Staatsanleihen zu den extrem hohen Zinsen gelockt. Argentinien hat auch einen Bankrott hinter sich und überlebt. Wenn ein paar Banken sich dann verzockt haben ist es ok wenn die mit absaufen. Finanzieller Darwinismus ist ja sowieso deren Sprache.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 16:10

Lieber Stefan Wehmeier, über die generelle Problematik des Zinses habe ich oben natürlich überhaupt nichts geschrieben. Dies hätte den Rahmen dieser Kolume gesprengt. Sie werden dazu aber einiges in meinem Buch DIE WAHRHEIT ÜBER GELD lesen, das Ihnen sogar im Vergleich zu Herrn Kremers Ausführungrn noch neue Erkenntnisse bringen könnte. Allerdings wird es noch dauern, bis es erscheint. Gut Ding braucht eben Weile. Wer mir eine E-Mail an info@brichta.de schickt, wird auf den Verteiler gesetzt und darüber informiert, wenn es erscheint.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 16:36

Lieber CrisisMaven, ihr Argument zieht leider überhaupt nicht. Denn erstens habe ich nicht nur von Staats-BETRIEBEN geredet, sondern von jeglichem Staatsbesitz, und zweitens hat selbst ein schlecht geführter Betrieb einen Wert. Den gilt es zu ermitteln, und entsprechend hoch ist eben die Sicherheit. So einfach ist das, mein lieber CrisiMaven! Im übrigen steht nirgends geschrieben, dass ein Betrieb marode sein muss, nur weil er ganz oder teilweise dem Staat gehört. Denkbar wäre zum Beispel, dass der liebe Herr Papandreou damit beginnt, all seine Betriebe auf Vordermann zu bringen, damit das Pfand beim nächsten Kredit einen höheren Wert hat. Sie denken einfach in viel zu eingefahrenen Bahnen. Seien Sie doch einmal kreativ! Auf Ihr waffenstarrendes Argument bin ich oben an anderer Stelle schon eingegangen. Es zieht nicht, wenn man überhaupt Kredite zu vergeben will. Sonst muss man es nämlich gleich lassen.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 17:41

Lieber Bigazzi, die Altgläubiger KÖNNEN gar nicht in die Sicherheitskiste hineingreifen, und darauf basiert ja mein Vorschlag: Griechenland entschuldet sich mittels Nicht-Rückzahlung, bleibt aber gleichzeitig kreditwürdig, weil neue Kredite nun besichert werden. Die Altgläubiger haben eben Pech gehabt. Deshalb darf sich Herr Papandreou auf keinen Fall dazu überreden lassen, Altkredite gegen Sicherheiten zu prolongieren. Ihrem Hinweis auf das Weiße Haus stimme ich voll und ganz zu. Dort wird früher oder später das gleiche passieren wie in Athen. Und auch Berlin ist irgendwann dran.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 17:43

Lieber Peter, wie kommen Sie darauf, dass eine Verpfändung mit dem heutigen Verkauf gleichzusetzen ist? Ich habe doch erklärt, warum er das nicht ist. Die Griechen könnten künftig gar nicht so weiter nachen wie bisher, weil sie nur noch im Rahmen ihrer Sicherheitenstellung kreditwürdig wären. Der Charme ist aber, dass sie für dieTilgung kein neues Geld mehr aufnehmen müssten, sondern jede neu aufgenommene Drachme - die wird es hoffentlich bald wieder geben - tatsächlich für staatliche Aufgaben ausgegeben werden könnte.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 17:50

Lieber gandalf94305, die Plaudertasche finde ich herrlich! Manchmal kann man eben auch beim Plaudern Substanzielles von sich geben. Dass die staatlichen Besitztümer frei von Schuldenbelastungen sind, steht hundertprozentig fest. Denn wie ich schon sagte, wird kein Staatskredit der Welt besichert. Das ist ja der Grund, warum die öffentliche Verschuldung so aus dem Ruder läuft. Und es ist auch ein Grund dafür, dass mein Vorschlag kein Gehör finden wird.


Bernd van Straelen sagt:
04.07.2011 17:52

... Lieber Giorgos Papandreou! ... Genau so fängt man an, wenn man den Angesprochenen nicht wirklich für voll nimmt! Der nächste Schritt besteht dann darin, den lieben Papandreou qausi vom Regen in die Raufe zu führen mittels unzureichender Ratschläge, die im Endergebnis auch nur auf das Gleiche hinauslaufen, nämlich das Griechenland seine staatliche Souveränität über seinen letztendlichen Totalausverkauf ganz verlieren wird. Da die Ursache sämtlicher Schuldenproblematiken, einschließlich der aktuellen griechischen, nicht dem Finanzsystem auch wenn das sehr viele glauben, sondern dem Geldsystem geschuldet ist, gibt es auch nur eine Lösung das Symptom Überschuldung zu überwinden, nämlich die entprechende Ursache abzustellen, welche in der Möglichkeit liegt, privaterseits Geld dem Geldkreislauf ohne nennenswerte eigene Verluste zu entziehen und damit in Folge einen dauerhaft positiven Kapitalmarktzinssatz zu erzielen bzw. erhalten, welcher wiederum nichts anderes bedeutet wie eine dauerhafte Geldvermögensumverteilung von der Arbeit Beschäftigter sowie Selbstständiger zum Besitz auf Geld-, Sach-, sowie Naturresourcen-Kapital wie z.B. Grund & Boden. Deswegen liegt die einzige nachhaltige Lösung auch dieses Überschuldungsproblems Griechenlands in der sofortigen Einführung eines konstruktiv umlaufgesicherten Euros sowie der Entprivatisierung natürlicher Ressourcen, statt z.B. die Inseln Griechenlands letztlich an französische und deutsche Banken zu verhökern, zur Freude deren privaten Sparern.


Hugo sagt:
04.07.2011 18:13

Lieber Herr Brichta, ob eine Insel oder meinetwegen eine große Natobasis als Sicherheit für Kredite dient oder verkauft wird, das ist ein großer Unterschied. Ersteres ändert de facto nichts an der Verschuldung. Der Verkauf bei Einnahme von 50-100 Mr Euro aber schon. Warum sollte es nicht so eine Art Territorialpfand für alle Verbindlichkeiten zwischen EU-Staaten geben, wie beim Flaschendrehen, wer verliert, muß etwas hergeben? Damit es nicht nach Neokolonialismus aussieht, könnte man einen Begriff des europäischen Eigentums definieren, der behandelt wird, wie ein zusätzliches Mitgliedsland Europa.


Papa Andreaäou sagt:
04.07.2011 18:52

Sehr geehrte Mitleser und - Autoren, in einem hat Raimund gewiss Recht: die Zinslasten sind irrwitzig hoch 7 derzeit? und das ist den armen Griechen gegenüber unfair. Es wäre schweinisch sie in ihrer Wehrlosigkeit zu fleddern. Mir schwebt aber, brichtaergänzend eine andere Lösung vor: Warum haben nur Banken das Privilig auf billiges Zentralbankgeld ? Damit bekommt eine versippte Interessensgruppe ein Monopol das sie heute gegen Griechenland morgen gegen Italien, übermorgen gegen uns ausspielen können. Grosse Banken können gern ein wenig Einschränkung vertragen Meine Alternative: Im Konkursfall werden -unter strengen Auflagen, Einschränkung der Souveränität etc.inklusive mit billigem Zentztalbankgeld ausstehende Schulden zu 80 bedient, oder aber eben nur nominal d.h. ohne aufgelaufene Verzinsung zurückgezahlt. Ist doch besser als nix und irgenwie gerecht im salomonischen Sinne. Gleichzeitig werden alle nötigen Massnahmen zur Gesundung der Finanzen umgesetzt. Da nun die griechische Zinslast nur noch 1/4 beträgt können die Griechen sogar mit 2 p.a. tilgen und sinnvolle Investitionen tätigen! Eine echte Chance, oder ? aber damit das Zenralbankgeld nicht zu paradiesisch wird und damit zum Regelfall muss es auch mit Sanktionen verbunden sein.


DM sagt:
04.07.2011 19:26

Hallo Hr. Brichta, mir geht es langsam sonst wohin, wir Steuerzahler dürfen für alles und sinnloses zahlen. Warum ist keiner hier, der Stopp schreit und wirft die Griechen, diese Schmarotzer endlich aus der EU raus!! Ein Faß ohne Boden und wir Deutschen sind am Schluß wieder die dummen! Macht endlich Schluß mit den Almosen für die stolzen Griechen!


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 19:26

Sehr richtig, Lieber Thomas H. aus N., sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, ist ein guter Ansatz. Und der viele Sonnenschein gehört zweifellos zu den Stärken Griechenlands. Da trifft es sich gut, dass man gerade jetzt mit der Sonnenkraft auch gutes Geld verdienen kann. Allein aus diesem Grund dürfte griechischer Grund und Boden, auch staatlicher, etwas wert sein, oder?


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 19:35

Sehr richtig, Lieber Thomas H. aus N., sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren, ist ein guter Ansatz. Und der viele Sonnenschein gehört zweifellos zu den Stärken Griechenlands. Da trifft es sich gut, dass man gerade jetzt mit der Sonnenkraft auch gutes Geld verdienen kann. Allein aus diesem Grund dürfte griechischer Grund und Boden, auch staatlicher, etwas wert sein, oder?


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 19:46

Lieber T. Schmidt, leider kann ich in einen Kommentar nicht die ganze Welt hineinpacken, auch nicht die griechische. Deshalb habe ich mich auf einen Aspekt konzentriert, der mir wichtig ist und der noch von niemandem sonst in die Diskussion eingebracht wurde. Was sich in Griechenland generell ändern müstste, ist sicher mehr als ein abendfüllendes Thema. Die von Thomas H. aus N. angesprochene Sonnenenergie ist dabei vermutlich ein Ansatz, der in die richtige Richtung geht.


Raimund Brichta sagt:
04.07.2011 19:46

Lieber T. Schmidt, leider kann ich in einen Kommentar nicht die ganze Welt hineinpacken, auch nicht die griechische. Deshalb habe ich mich auf einen Aspekt konzentriert, der mir wichtig ist und der noch von niemandem sonst in die Diskussion eingebracht wurde. Was sich in Griechenland generell ändern müstste, ist sicher mehr als ein abendfüllendes Thema. Die von Thomas H. aus N. angesprochene Sonnenenergie ist dabei vermutlich ein Ansatz, der in die richtige Richtung geht.


Richard Vötter sagt:
04.07.2011 23:13

Lieber Herr Brichta, vielen Dank für diesen sehr interessanten Denkanstoß, den Sie mit Ihrem Beitrag geliefert haben. Das Lesen der vielen gescheiten und facettenreichen Kommentare hat mir bisher sehr große Freude bereitet. Ihre Vorschlag hat Dank seiner unkonventionellen Denkrichtung nicht nur viele weiteren Anregungen bei den Leser hervorgebracht, er unterscheidet sich damit in äußerst angenehmer Weise von der gebetsmühlenhaften alternativlos Argumentationskette. Welch ein Chaos im Kopf eines Politikers Machtmenschen muss das auslösen, diese Angst vor den nicht beherrschbaren Folgen eines Zusammenbruchs ? Eine Frage möchte ich aber noch in die Diskussion werfen. Kann mir hier irgendjemand erklären, warum all das viele Geld, das neu in den Kreislauf gebracht wurde noch nicht seine inflationäre Wirkung zeigt ? Und wenn doch Stichwort Rohstoffmärkte, wie diese Inflation in sinnvoller Weise zur Rückführung der Staatsverschuldungskriesen genutzt werden könnte ?


D.L. sagt:
05.07.2011 00:20

Sehr geehrter Herr Brichta! Meiner Meinung nach reicht Ihr unterschwelliger Ton um die Qualität ihrer Vorschläge aber auch die Souveränität ihres pseudo-wirtschafts-Journalismus, pardon Populismus zu bewerten! Besonders deswegen weil Sie sich angeblich an einen Staatsoberhaupt wenden der von knapp 3.000.000 Bürger gewählt wird. Da wahrscheinlich ihre Bekanntheit als wirtschafts-experte niedriger als die von Daniella Katzenberger ist denn in dieser Liga stufe ich sie ein wäre ein bisschen mehr Respekt und ein bisschen weniger Zynismus angebracht! Mit freundlichen Grüßen D.L.


Martin Stephan sagt:
05.07.2011 01:19

Lieber Raimund, sowohl diese als auch die Merkel-Kolumne haben mir sehr gut gefallen. Doch was hilft das alles, mir geht inzwischen der Spaß an der Beschäftigung mit den Finanzmärkten verloren. Angesichts überforderter Polit-Entscheider und radikal trendfolgenden Anlegern geht es doch schon lange nicht mehr um die alten Dauer-Fragen „Was macht der DAX“ oder „wie tief sinkt der Dollar“ – so wie uns das noch während unserer gemeinsamen Zeit bei n-tv und Gatrixx beschäftigt hat. Aktuell ist es doch eher so, dass es zwar vordergründig um die Überlebensfähigkeit von Staaten oder generell „Schuldnern“ geht, in Wirklichkeit aber um die Anpassungs- und damit auch Überlebensfähigkeit unseres Gesellschaftssystems – das wiederum über eine Art „front end“ die Kurse und Preise veröffentlicht , die an den Weltfinanzmärkten zustande kommen. DAX und Dow rücken dann in den Hintergrund – und kommen vermutlich sogar unter massiven Abgabedruck – wenn es zu einem Zerfall der Strukturen im täglichen Leben kommt. Vermutlich steht in den kommenden wenigen! Jahren die gesamte Abwicklung unseres kapitalistischen Schuldgeld-Systems bevor – und der Zerfall hat definitiv bereits begonnen. Beste Grüße, Martin.


Jürgen Kob sagt:
05.07.2011 09:01

Ein wirklich interessanter Ansatz. Nun müsste man nur errechnen können, mit welchem Wert die Sicherheiten zu Buche schlagen. Wie schon einige hier geschrieben haben, ist es unumgänglich zu erfahren, über welchen Sicherheitsbetrag hier gesprochen wird. Und vorallem: Sind diese Sicherheiten im Falle eines Konkurses und damit bei deren Veräusserung auch diesen Betrag wert. Denn wenn DAS nicht garantiert ist, geht die Spirale wieder von vorne los......


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 10:01

Lieber Landeskenner, Ihrem Einwand habe ich weiter oben schon widersprochen. Und wenn die Preise nach einer Pleite sinken sollten, legt man eben die gesunkenen Preise zugrunde. Denn sinnvoll wäre es sowieso, zuerst die Altschulden zu streichen und danach erst die neuen Kredite gegen Sicherheiten aufzunehmen. Wo liegt also das Problem? Zudem werden die Preise auch wieder steigen, wenn sich die Wirtschaft nach der Bereinigung erholt.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 10:09

Vollkommen richtig, lieber theo, der Austritt Griechenlands aus dem Euro wird sowieso kommen. Und dann bekommen die griechischen Euro-Anleihen für die griechischen Bürger tatsächlich ihren Reiz. In Argentinien war es vor 10 Jahren zum Beispiel so, dass die Dollar-Anleihen zwar auch für Argentinier an Dollarwert verloren, dass dies aber durch die gleichzeitige Abwertung der eigenen Währung wieder aufgefangen wurde. Das heißt, in argentinischer Währung behielten diese Anleihen in etwa ihren Wert. So könnte es den Griechen auch gehen.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 10:13

Lieber webmax, danke für Ihren Hinweis. Er bestätigt, dass selbst Griechenland mehr an Sicherheiten zu bieten hat, als viele denken.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 10:26

Lieber Jörg F., ich muss Ihnen widersprechen, der Rat zum Verkauf des Staatsvermögens gleicht im Prinzip der Forderung deutscher Politiker, die Bundesbank möge ihren Goldschatz verscherbeln. Und das tut sie aus sehr guten Gründen nicht. Er ist eine Sicherheit für den Fall der Fälle. Denn welchen Rat würden Sie in, sagen wir, hundert Jahren geben, wenn Griechenland wieder einmal im Schlamassel wäre? Dann gäbe es nix mehr zum Verscherbeln und das Land stünde mit vollkommen leeren Händen da. Nein, der liebe Herr Papandreou ist definitiv besser beraten, meinem Rat zu folgen und lieber daran zu arbeiten, seine Staatsbetriebe auf Vordermann zu bringen.


Novaris sagt:
05.07.2011 10:42

Das vorgestellte Modell hat einen gewissen Charme, aber es fehlt zuvor etwas : Der Schuldenschnitt von ca. 50, verbunden mit einer vernünftigen Restlaufzeit der Altschulden und deren niedrigen Verzinsung. Die Gelder aus den Privatisierungen oder eben aus dem vorgestellten Modell sollten zu einer Anschubfinanzierung n a c h einer Sanierung der Staatsfinanzen verwendet werden. Daß der griechische Staat und die Wirtschaft dringend reformiert werden müssen, steht auf einem anderen Blatt. mindestens 10 Jahre Die bisherigen Finanzierungsmodelle der EU, des IWF, sind eine Katastrophe für Griechenland und haben erkennbar u.a. nur den Zweck, Privatgläubiger freizukaufen; den Staatsbankrott hinauszuschieben, zu Lasten der Steuerzahler. Meine Empfehlung an Herrn Papandreou : Machen sie im Interesse Griechenlands Schluß mit der Hängepartie - evtl. nach dem argentinischen Modell, bevor das Militär Herr Barroso sprach schon davon sich genötigt sehen sollte, den Gordischen Knoten zu durchschlagen. Auch andere, strategisch im Mittelmeerraum interessierte Finanziers, werden sich allemal finden lassen.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 11:32

Lieber Rüdiger Braun, ihr Beitrag zeigt mir, und die anderen Beiträge hier auch, dass es sich offenbar schon lohnt, auf meinen Vorschlag einzugehen. Sie fordern eine # Beseitigung der akzelierenden Verschuldungdynamik # ? Gerne! Mit der von mir vorgeschlagenen Begrenzung der Verschuldung auf den Wert der vorhandenen Sicherheiten würde ein Beitrag dazu geleistet. Das heißt, im Vorschlag selbst ist ein Automatismus enthalten, der es UNWAHRSCHEINLICHER werden lässt, dass die Sicherheiten überhaupt verwertet weren können. Dies haben Sie offenbar noch gar nicht erkannt. Interessant finde ich dann noch ihre Platitüde am Ende, die da lautet: # Zur Lösung ihre Krise sind völlig andere Mittel vonnöten als die hier vorgeschlagenen. # Ich bin tief beeindruckt von diesem substanzstarken Beitrag.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 11:36

Lieber CarlosA, mein Vorschlag ist nicht dazu gedacht, die ganze Welt zu verändern, sondern soll den Griechen einen Weg aus dem augenblicklichen Dilemma der hohen Zinsen zeigen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Im Übrigen scheinen Sie das derzeitige Schuldenverhalten der Staaten für unveränderbar zu halten. Aber da dieses Verhalten unweigerlich nach etwa 2 Generationen in die Pleite führt, wie Sie richtig schreiben, und das immer und immer wieder, halte ich es für angebracht, einmal darüber nachzudenken, ob es Alternativen gibt, die nachhaltiger sind. Das heißt, ob nicht auch Staaten es schaffen können, Schulden irgendwann einmal zu tilgen und nicht immer nur auf neue Rechnung vorzutragen. Mein Vorschlag mit den Sicherheiten würde für solche Überlegungen die Zeit geben.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 11:45

Hallo MichaelA, klar werden die Kreditgeber darauf achten müssen, dass die Sicherheit ihre Forderungen im Notfall auch deckt. Aber das ist ihr tägliches Geschäft.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 12:59

LIEBER BERND VAN STRAELEN, auch Ihnen sei noch einmal gesagt, dass mein Vorschlag nur auf das akute Problem der hohen Griechenzinsen abzielt und nicht darauf, die gesamte Welt des Geldes zu verbessern. Außerdem haben unsere beiden Vorschläge eine Gemeinsamkeit: Ihrer wird genauso wenig umgesetzt werden wie meiner. Wetten, dass?


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 13:00

Lieber Hugo, ehrlich gesagt weiß ich nicht so richtig, worauf Sie hinaus wollen mit Ihrem Flaschendreh-Vorschlag. Können Sie das bitte präzisieren?


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 13:02

Lieber Papa Andreaäou, die ... versippte Interessengruppe ... , wie Sie schreiben, kommt aber nur dann an Zentralbankgeld, wenn Sie ... Achtung! ... Staatsanleihen als Sicherheit dafür hinterlegt. Allein das sollte Ihnen am Fall Griechenland klarmachen, wie wenig werthaltig selbst Zentralbankgeld im Ernstfall sein kann.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 13:04

Liebe DM, gegen Ihre Wiedereinführung hätte ich überhaupt nichts einzuwenden. Allerdings sollten Sie die Griechen nicht als Schmarotzer bezeichnen. Die Griechen haben jetzt nämlich unter dem Schlendrian der Vergangenheit zu leiden, so wie es sich gehört.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 13:22

Lieber Richard Vötter, Ihre Frage, warum das viele Geld noch nicht zu Inflation geführt hat, habe ich in meiner Kolumne ... Die Inflation ist da! ... beantwortet. Lesen Sie hier einfach mal nach: http://www.teleboerse.de/kolumnen/kolumnen_brichta/Die-Inflation-ist-da-article2107571.html


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 13:22

Lieber Richard Vötter, Ihre Frage, warum das viele Geld noch nicht zu Inflation geführt hat, habe ich in meiner Kolumne ... Die Inflation ist da! ... beantwortet. Lesen Sie hier einfach mal nach: http://www.teleboerse.de/kolumnen/kolumnen_brichta/Die-Inflation-ist-da-article2107571.html


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 14:47

Sehr gut erkannt, Lieber D.L.! Ich vermute, dass mein Bekanntheitsgrad sogar deutlich niedriger ist als der von Daniella Katzenberger. Ein Name, der mir nicht bekannt war, bis ihn Sigmar Gabriel neulich einmal erwähnte. Aber was sagt uns das? Messen Sie die Substanz von Äußerungen am Bekanntheitsgrad der Person, die sich äußert? Wie wäre denn nach dieser Logik Ihre Äußerung einzuschätzen, wo Sie doch vermutlich noch weniger bekannt sind als ich, der ... sagen wir ... D-Promi? Oder messen Sie den Gehalt von Äußerungen an der Zahl der Leute, die diese Person gewählt haben? Adolf Hitler zum Beispiel wurde einmal von noch mehr Leuten gewählt als Georgis Papandreou. Nein, ich messe den Gehalt einzig und allein am Inhalt des Geäußerten. Und da, lieber D.L., muss ich zugeben, schneidet Ihr Beitrag nicht sonderlich gut ab. Aber immerhin scheinen Sie erkannt zu haben, das mein Text süffisante und zynische Passagen enthält. Bravo!


CarlosA sagt:
05.07.2011 14:54

Lieber Herr Brichta, vielen Dank für Ihre Antwort. Trotzdem finde ich Ihren Vorschlag nicht durchführbar. Ein Pfand muss auch einlösbar sein. Bei einer Immobilien-Hypothek ist das leicht möglich, die Bank schnappt sich einfach die Immobilie - mit Hilfe des Staates. Im Falle Griechenland müssten Sie dann schon einmarschieren, wenigstens um ein Exempel zu statuieren. So wurden die früheren Schuldenkrisen in der Vergangenheit leider viel zu oft gelöst. Heute und im vereinten Europa : Undenkbar zum Glück !


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 15:19

Lieber Martin Stephan, zuallererst freut es mich, auf diese Weise wieder einmal etwas von einem guten alten Kollegen ... im besten Sinne des Wortes ... zu hören. In der Analyse bin ich allerdings weniger pessimistisch als Du. Denn selbst nach einem ... wie immer gearteten ... Systemzusammenbruch wird es anschließend weitergehen. Entweder genauso wie vorher bis zum nächsten Reset oder mit einem anderen System. Wichtig ist nur, davon nicht überrascht zu werden, also darauf gefasst zu sein. Seitdem ich darauf gefasst bin, habe ich zum Beispiel auch keine Angst davor, zumal ich es eh nicht verhindern kann. Ich begehe aber auch nicht den Fehler, hundertprozentig davon auszugehen, dass es schon in den nächsten Jahren passiert. Denn das System kann m. E. auch noch eine lange Zeit überleben, länger als man denkt.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 15:30

Ein sehr guter Vorschlag, lieber Jürgen Kob. Man müsste sich zunächst einmal an die Arbeit machen, alle Sicherheiten zu erfassen und zu bewerten, wie ich geschrieben habe. Das hat noch niemand gemacht, und es wird leider aufgrund der beschriebenen Interessenlage wahrscheinlich auch niemand machen.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 15:36

Vollkommen richtig, lieber Novaris, der Schuldenschnitt fehlt in meinen Überlegungen keineswegs. Er ist ein Bestandteil ... siehe weiter oben.


Raimund Brichta sagt:
05.07.2011 17:46

Einspruch, lieber CarlosA! Ein Vertrag wird schließlich dafür geschlossen, dass sich beide Seiten an ihn halten. Wenn Sie von vornherein davon ausgehen, dass sich die Gegenseite nicht daran halten wird und man im Notfall schon einmarschieren müsste, wie Sie schreiben, dann fehlt diesem Vertrag von Anfang an die Grundlage. Mit einem solchen Partner machen Sie besser gar keine Verträge … egal ob mit oder ohne Pfand. Dann nützt aber auch der von IWF und Co vorgeschlagene Verkauf nix. Denn dann müsste man damit rechnen, dass sich der Staat das Gekaufte früher oder später wieder aneignet, wenn es ihm passt, per Enteignung.