Freitag, 18. Februar 2011
Frank Meyer
Bernanke ist der größte Spekulant
von Frank Meyer
Die Preise für Agrarrohstoffe schießen in den Himmel und geben den Verbraucherpreisen weltweit einen kräftigen Anschub. Auf politischer Ebene sind die Schuldigen längst benannt: Die Spekulanten. Den Rohstoff zum Spekulieren, nämlich billiges Geld, liefert dabei die US-Notenbank.
Wenn Baumwolle so teuer ist wie seit 150 Jahren nicht mehr, gibt das kreischende Schlagzeilen. Wenn der Ölpreis mehr als 100 US-Dollar kostet, klappen Laufbänder auf rot um und die Fragen nach dem Warum tauchen auf. In einem Meer von Experten finden sich die schnellen Antworten: Aufschwung, Nachfrage, Spekulanten. Doch die Hauptschuldigen bleiben ungenannt.
Dass es immer mehr Menschen zu ernähren gilt, ist eine Binsenweisheit. Dass sich zudem die Essgewohnheiten geändert haben, ist auch nichts Neues. Und dass der Trend bei den Chinesen zum Zweit-T-Shirt geht, ist Tatsache. Ja, der Chinese braucht zu viel, heißt es oft. Erinnern Sie sich, als die Milchpreise stark gestiegen waren, wurde auch der Chinese dafür verantwortlich gemacht. Dabei verträgt die Mehrheit der Leute im Reich der Mitte gar keine Milch. Doch in Argumentationsketten spielt das keine Rolle.
Binnen eines Jahres wurde Baumwolle um 165 Prozent teurer. Die Preise für Mais und Kaffee haben sich verdoppelt, ebenso liegen die Kurse für Silber und Palladium beim Doppelten dessen, was vor einem Jahr ausgerufen wurde. Öl klettert. Hafer sprintet. Sojabohnen springen. Es wirft die Frage auf, wer eigentlich die Preise wirklich antreibt.
Hühner ohne Fuchs
Darum geht es auf dem aktuellen Treffen der G-20 in Paris. Schon im Vorfeld ist man sich einig: Es sind die Spekulanten. Kampf ihnen! Dieser bösen Brut will man das Handwerk legen. Nein, erwarten Sie nicht viel von diesem Treffen. In den kleineren Runden in den letzten Monaten konnte man sich auch schon auf nichts einigen, nur auf warme und dünne Worte. Wieso sollten 20 gackernde Hühner mehr erreichen als sieben davon? Solange dort kein Fuchs auftaucht, bleibt es einfach nur laut und stickig.
Zurück zu den Spekulanten: Es stellt sich doch die Frage, wer diesen "Zockern" das "Zocken" ermöglicht. Wer gibt ihnen Zugang zum billigen Kredit, so dass sie zig-fach gehebelt im Weizenmarkt oder auch wahlweise in Mais, Kakao oder Reis toben können?
Soweit in Erfahrung zu bringen war, sind die Notenbanken dafür zuständig. Sie bestimmen den Preis des Geldes. Und sie drücken ihn künstlich unter Wasser, so dass sich die Großbanken leicht bedienen können. Diese geben ein Vielfaches auf dieser Basis als Kredit wieder heraus. Doch an wen? Wieso sollten sie Kredite an wen auch immer vergeben, wenn vor allem in den Industriestaaten mehr und mehr "Wirtschaftssubjekte" überschuldet sind? Dann doch lieber gleich selbst auf die Suche nach "Rendite" gehen. Auf diese Weise können auch die noch im Keller schlummernden und nicht in den Bilanzen auftauchenden Giftwässer mit Gewinnen aus den Spekulationen verdünnt werden.
Weizen-Wahnsinn
Sie haben sicherlich auch gehört, dass Sachwerte in Zeiten von Teuerung in Mode kommen. Auch das Essen ist Sachwert und gehört in die Rubrik. Der Begriff "Inflationsschutz" eignet sich hervorragend als Verkaufsargument für ETFs, ETCs, Zertifikate & Co. Steigende Preise ziehen Anleger an. "Seien Sie dabei!" steht verklausuliert auf hoch glänzenden Broschüren, von denen glückliche Menschen lächeln. Rein in die Weizenkonstrukte mit und ohne Währungssicherung! Ab an die Terminmärkte! Das ist schick! Dabei gehörten Weizen und Mais in den Mund - und schon gar nicht in den Tank. Doch sagen Sie das mal den Politikern, die den Wahnsinn mit der Versprittung von Nahrungsmitteln auch noch subventionieren.
Weltweit wurden im letzten Jahr 1,8 Milliarden Tonnen Getreide geerntet. 142 Millionen Tonnen wurden in Treibstoff umgewandelt. Sollten demnächst die Rapsfelder wieder blühen, erinnern Sie sich daran, dass zwischen Stuttgart und Hamburg 668 Kilometer liegen. Ein Auto mit Biodiesel benötigt für den Weg 47,4 Liter. Die entsprechende Menge Raps wächst auf 445 Quadratmetern oder zwei Schrebergärten. Ach, wir fahren ja künftig mit Bio-Ethanol…
Ja, den Spekulanten gehört das Handwerk gelegt, vor allem denen, die ihnen das Geld dafür leihen. Und in diesem Falle ist es Oberspekulant Ben Bernanke und auch seine Kollegen.
Herr Meyer, wie immer bringen Sie es auf den Punkt. Vielen Dank für immer wieder erfrischend realistische Kommentare und selten gewordenen unabhängigen Journalismus!
Vielen Dank Herr Meyer, Sie sind einer der Lichtblicke in der aktuellen, nennen wir es mal wohlwollend Journalistenszene. Ich lese regelmäßig Ihre Kommentare, freue mich immer wieder auf die herzerfrischenden Interviews mit Nobby Walter, dem Sie richtig auf den Zahn fühlen. Schade, dass es nicht mehr von Ihrer Sorte gibt. Bitte machen Sie weiter so, die Wahrheit muss ans Licht der schlafenden Öffentlichkeit..-DANKE!
Herr Meyer: Auf den Punkt getroffen! Ein AAA aus dem Norden an Sie! Ein PS hätte ich aber noch: Die Herren der Zentralbanken wiederum handeln seit Jahren verstärkt bis ausschließlich auf politischen Druck hin. Kommen Ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nach; sollen sie ja auch nicht. Unsere lieben Politiker sind also letztendlich die Schuldigen, zeigen aber wie immer mit nackten Fingern auf andere. Ich sehe zwar eine recht düstere Zukunft für unser System, für uns alle, freue mich aber auf die Ablösung hoffentlich Auflösung der momentanen Politikerkaste mit all ihren Handlangern und Verbündeten in den großen Banken dieser Welt.
... und auch vielen Dank an N-TV, die so einen unabhängigen Journalismus auch veröffentlichen. Soll ja nicht mehr allzu häufig ein ...
Herr Meyer, wie üblich pointiert und auf den Punkt gebracht - vielen Dank ! Biosprit kann nicht funktionieren und ist angesichts des Hungers in der Welt unverantwortlich. Was das billige Geld angeht, so war dies doch meinte ich, der Grund für die letzte Krise ?! Welche Krise ?? war da was ?? könnte man meinen, wenn man den Anstieg der Börsenkurse und Boni bzw. die wegen Vorschriften der Gesetzgeber ersatzweise angehobenen Festgehälter der Bänker sieht. Derzeit wird allenthalben freudig fusioniert, ein paar 1000 gestrichene Arbeitsplätze hier und da sind unbedeutende Kollateral-Schäden. Wann fällt das Kartenhaus zusammen ?
Lob an Herrn Meyer:Abseits von Politik und Ideologie, wo unter dem Vorwand wissenschaftliche Erkenntnis Schönfärberei und auch Angst ver-breitet wird, hat sich Herr Meyer zu den kritisch-sachlich denkenden gesellt: Herrn Friedh. Busch, Herrn Henkel, Herrn Bandulet, Prof.Starbatty u. weitere. Wir brauchen noch viele solche kritischen Köpfe. Heinrich Seibert, Worms
Warum nur erkennen so viele Kommentatoren die Situation, schreien es heraus, - doch die Karawane zieht weiter, bis zum bitteren Ende. Ohne Ethik wird es nie gehen. Doch unsere Politik unterstützt zur Aufrechterhaltung unserer wirtschaftlichen Standarts jeden Diktator. Wann gehen bei uns die Leute wieder auf die Straße?
Recht haben sie, Herr Meyer, aber ändern wird sich leider nichts; denn die Politik/Notenbanken sind in den Händen der Finanzindustrie und die will diese Spiele.
@ fp: Das Kartenhaus fällt in den kommenden Jahren. Das Ignorieren, vor allem aber Verschweigen und listige Vertuschen der Zinseszinsentwicklung hinsichtlich der Schulden und Zahlungsverpflichtungen auf der einen Seite und die kommenden, stetigen Preissteigerungen auf der anderen Seite, werden das Kartenhaus in die Knie zwingen ... ähm ... eher zertrümmern. Leider liegen dann wir unter den Trümmern und nicht nur die Verursacher.
Also eines ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Auf politischen Druck reagiert nicht eine einzige Nationalbank auf diesem Planeten! Wie man an Merkels ich will mich nie wieder von Banken erpressen lassen leicht erkennen kann, ist wohl eher das Gegenteil der Fall!
Im übrigen sollten Autoren, die sich mit Finanzen auskennen, die Verwendung von Begriffen wie: Finanzindustrie, tunlichst vermeiden. Damit wird ja suggeriert, dieser Zweig unserer Wirtschaft würde etwas produzieren oder herstellen, was natürlich überhaupt nicht der Fall ist. Ob sie es nun CDFs, EFTs oder Lebensversicherung nennen, dass Geschäft dieser Finanzwirtschaft beruht immer und ausschließlich auf zwei Dingen: Einlagen & Krediten oder Guthaben & Schulden. Alles andere ist nur Augenwischerei und der Versuch, die Abnehmer solcher Produkte zu einer Finanzinnovation zu verhelfen. Guthaben & Schulden, nicht mehr und nicht weniger!
Hola Herr Meyer, jetzt aber im Schweinsgalopp über die Motocrosstrecke. Ich habe ja Verständnis dafür das Ihr Beitrag überschaubar und bergrenzt sein muss. Den von Ihnen angerissenen Themen werden Sie aber leider in nicht einem einzigen Punkt gerecht! Im Gegenteil-das ist mit Verlaub-ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt.Glauben Sie wirklich das die Hedgefonds, Banken und Trader dieser Welt günstige Kredite benötigen um auf den Terminmärkten Kontrakte zu handeln? Auch von der Situation im Biokraftstoffsektor scheinen Sie, schon wieder mit Verlaub,nur über unzureichende Informationen zu verfügen.Nun gut,man kann halt nicht immer den richtigen Ton treffen wenn man ins Horn bläst.Persönlich würde ich mir wünschen, dass Sie sich diesen großen Themen nochmals annehmen, nachdem Sie sich mit den nötigen Informationen aus verschiedenen Quellen auseinandergesetzt haben. Liebe Grüße
@AnSm: Entschuldigung aber weil eine Frau Merkel gerne opportunistisch etwas verlautbaren laesst steigert dies nicht die Verlaesslichkeit ihrer Aussagen. Fakt ist das die Banken schon lange den Staaten diktieren und die Politiker nur noch den verschiedenen Lobbies dienen. Je eher man dies akzeptiert umso besser fuer jeden von uns. Ich finde es erschreckend wenn muendige Buerger immer noch den Worten von Politikern glauben schenken. Uebrigens ein guter Artikel der on-the-spot geschrieben ist. Danke!
Wie treiben eigentlich die bösen Spekulanten den Weizenpreis nach oben ? Jeder der einen Future kauft, aber keine Lieferung haben will, muss den Future vor Fälligkeit auch wieder verkaufen. Damit heben sich Kauf und Verkauf der Spekulanten auf !!!
Sehr geehrter Herr Mayer, sehr treffend und auf den Punkt gebracht. Endlich mal jemand der ausspricht was er denkt. Jemand der nicht immer alles auf die bösen Chinesen schiebt. Ich lebe schon seit vielen Jahren in China Shanghai und verfolge ihre Sendung schon seit Jahren. Ich sehe nur, wie der Westen immer über die Chinesen ein schlechtes Licht abgibt, aber selbst den größten Haufen Mist vor der Türe liegen hat. Ich will ja nicht sagen, dass die Regierung hie ohne Fehler ist, aber sie ist berechenbar und jeder weiss wie weit er gehen kann ohne in Konflikt zu kommen. Und wenn man die Sache genau betrachtet, wer eigentlich Wirtschaftliche Probleme hat, ist es ja Europa und USA und genau da sind die Spekulanten zu suchen und zu finden. Die Deutschen können froh sein, dass die Chinesen ihnen wohlgesinnt sind, ansonsten wäre Deutschland auch unter den Pigs zu suchen. Also Deutschland, die Nase nicht zu hoch nehmen. Zuerst vor der eigenen Türe Kehren!!. Hier werden die deutschen Politiker sowieso nur als Marionetten angesehen und man lässt ihnen das Gesicht bewahren wenn sie zu Besuch kommen. Denkt denn nur einer, wenn Merkel oder Westerwelle nach China kommt sie könnten was ausrichten in diesem Land?. Merkel mit ihrem Führungslosem Stil kann nicht einmal 90Mil. Bürger leiten und will einem Land mit 1.3Mrd. Leuten sagen was sie zu tun haben?!. Lächerlich kann ich nur sagen. Die Deutsche Regierung sollte endlich anfangen zu regieren und den Saustall mit den Banken und Spekulanten aufräumen und mehr Gerechtigkeit unter das Volk zu bringen. Leider ist Frau Merkel und Anhang nicht fähig, diesen Gaunern das Handwerk zu legen!. Schade, aber es stehen ja die Wahlen vor der Türe und da muss man den Frieden im Hause bewahren. Man möchte ja nicht die Macht abgeben und es ist eben schön wenn man den Bürgern von oben auf den Kopf s** kann....
ich habe hierzu eine andere meinung. die resourcen sind knapp, die verwendung verschwenderisch und die umsetzung in geldliche werte unter berücksichtigung der umschlaggeschwindigkeit der währungen sowie der teilweise sträflich behandelten kursverhältnisse haben möglicherweise auch zu der einen oder anderen schieflage geführt. digitale geschwindigkeiten rund um den globus sind von alten ackergäulen einfach nicht zu überbieten.
Frank Meyer und seine Kommentare geben ungeschminkt die Realität wieder.Der beschränkte IQ unserer Politiker verstellt ihnen diese Sicht. Schade für uns alle da wir die Rechnung für das ungezügelte Treiben der Banker bezahlen müssen.
Eine große Ursache für unsere weltweiten Schwierigkeiten liegen in einem auf dem Zins basierenden Geldsystem. Das ist mathematisch bewiesen. Es ist die einfache Zinseszinsformel welche eine exponentielle Verzinsung von Kapital gewährt. Dem gegenüber steht ein lineares Wirtschaftswachstum von prognostiziert 2-3 . Wenn es nicht so traurig wäre könnte man darüber lachen. Man sollte sich tieferliegende Gedanken darüber machen was ist Geld, was ist Zins und Zinsesszins. Was bewirken diese Dinge? Und dann kommt man zu dem Ergebnis, dass das vorherrschende Geldsystem nur zum Nachteil der breiten Masse ist und schnellstens geändert werden muss. Sollte dies nicht geschehen wird das Kartenhaus in kürze zusammen brechen. *mfg*
Guten Tag Herr Meyer Danke sehr für Ihren Beitrag. Weiter so. Offensichtlich haben Sie das Buch Das Silber Komplott gelesen und verstanden. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass es mir möglich war mit EUR 350 innerhalb 30 Minuten EUR Mio 1,56 an Derivaten zu kaufen. Ganz legal bei der Dresdner Bank. heute Commerzbank Und raten Sie mal wie es weiterging! Genau. Die Bank hat die Scheine mit Verlust ins eigene Depot gebucht, anschliessend mit Gewinn verkauft und mich auf Schadensersatz verklagt. Herzlichst, Ihr Stefan Bender
Dass Ben Bernanke und die US-Notenbank, gemeinsam mit anderen Notenbanken, eine verantwortungslose Geldpolitik betreibt, die Inflation und ein Stolpern von einer Krise in die andere geradezu provozieren, da stimme ich mit Frank Meyer auch überein. Die Rohstoffhausse hat aus meiner Sicht aber auch viele realwirtschaftliche Hintergründe. Tatsache ist, dass Rohstoffe trotz ihrer Knappheit jahrzehntelang viel zu billig waren. Alle Preise und Löhne weltweit waren der Inflation ausgesetzt, nur an den Rohstoffen schien das Phänomen der Geldentwertung spurlos vorüber zu gehen. Was wir heute sehen, ist doch bloß ein Aufholprozess. Beispiel Öl: Millionen von Jahren hat es benötigt, bis es entstanden ist, nach knapp mehr als 100 Jahren industrieller Nutzung stehen wir vor der Leerung der letzten Reserven. Dass Öl jahrzehntelang so billig war, war aus meiner Sicht Marktversagen. Beispiel Lebensmittel: Erstens sind viele Agrarrohstoffe - nüchtern betrachtet - Substitute für Brennmaterialien. D.h. der Preis für Lebensmittel dürfte niemals unter seinem Heizwert sein. Zweitens sind die Preise für Agrarrohstoffe nur deshalb so lange so tief gewesen, weil man in vielen Teilen der Welt Hunger in Kauf genommen hat. Die Globalisierung, so sehr sie auch bekämpft wird - sorgt am Ende dafür, dass mehr Menschen mehr essen können. Das steigert wiederum die Nachfrage.