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(Foto: REUTERS)

Kurseinbruch und Rubel-Schwäche: Russischer Markt ächzt unter Sanktionen

Die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland hat Experten zufolge nur begrenzte praktische Folgen. Doch die russische Wirtschaft dürfte sich vom Gedanken an eine Erholung endgültig verabschieden - entsprechend reagieren die Märkte.

Die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland zeigen an den russischen Finanzmärkten Wirkung. An den Börsen in Moskau geben die Kurse deutlich nach. Die USA und die Europäische Union haben angesichts der anhaltenden Gewalt in der Ukraine und der Rolle Russlands in dem Konflikt ihre Sanktionen verschärft.

Die neuen Strafmaßnahmen der USA zielen unter anderem auf russische Unternehmen aus den Bereichen Energie, Rüstung und Finanzen. Die EU-Maßnahmen nehmen dagegen vor allem die Unterstützer der prorussischen Separatisten in der Ostukraine ins Fadenkreuz. Am Vormittag verliert der Micex-Index 2,6 Prozent, der in US-Dollar denominierte RTS-Index gibt gar 4,2 Prozent ab. Der Rubel fällt auf den tiefsten Stand seit einem Monat. Der US-Dollar kostet aktuell 34,89 Rubel nach Wechselkursen um 34,39 im späten Vortagesgeschäft.

Moskau keilt zurück

Moskau bezeichnet die neuen US-Sanktionen gegen Russland indes als "primitiv". Es handele sich um einen "Versuch der Rache" dafür, dass sich die Ereignisse in der Ukraine nicht nach dem Willen Washingtons entwickelten, teilte das Außenministerium. Die USA wollten Russland die Schuld an dem Bürgerkrieg geben, der seine Ursache in einer tiefen innerukrainischen Krise habe. Die Strategie der USA und ihrer "Kiewer Klienten", die Lage mit Gewalt zu befrieden, sei gescheitert.

"Diejenigen, die sich auf die eigene Außergewöhnlichkeit berufen und sich das Recht herausnehmen, der übrigen Welt ihren Willen zu diktieren, werden zwangsläufig bitter enttäuscht", hieß es. "Erpressung werden wir nicht dulden und behalten uns das Recht auf Gegenmaßnahmen vor."

Kremlchef Wladimir Putin hatte vor einem "Bumerang"-Effekt der Sanktionen gewarnt, die am Ende auch US-Unternehmen schaden würden. Die Strafmaßnahmen treffen die von Rezession und Kapitalabfluss geplagte russische Wirtschaft hart. Unternehmen in Russland beklagen, dass Investitionen ausblieben und neue Projekte in einem Klima wirtschaftlicher Unsicherheit nicht angeschoben würden.

Begrenzte Folgen - Große Wirkung

Derweil messen Analysten der russischen Bank VTB Capital den frischen Strafmaßnahmen nur begrenzte praktische Folgen bei - gleichwohl werde das Sentiment an den russischen Märkten belastet. Die Experten der BHF-Bank sehen das ähnlich. Die betroffenen Unternehmen dürften keine länger als 90 Tage laufenden Kredite von US-Unternehmen in Anspruch nehmen, allerdings seien Geschäfte mit US-Unternehmen weiterhin möglich. "Die russische Volkswirtschaft hat bereits im ersten Halbjahr deutliche Zeichen der Schwäche gezeigt, und die nun deutlich verschärften Sanktionen dürften die Erwartungen an eine Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr zunichte machen", sagt Devisenanalyst Lee Hardman von Bank of Tokyo Mitsubishi UFJ.

Die Sanktionen der Vereinigten Staaten treffen unter anderem die beiden russischen Energieriesen Novatek und Rosneft, deren Aktien um 5,1 und 4,8 Prozent fallen und damit relative Schwäche gegenüber dem Gesamtmarkt zeigen. Analysten gehen davon aus, dass die Finanzierungskosten der beiden Konzerne kurzfristig steigen werden. Im Bankensektor sind in erster Linie Gazprombank und VEB betroffen, der Kurs letzterer gibt um 3,0 Prozent nach.

Nach Einschätzung der Nomura-Schwellenland-Analysten wird Rosneft darunter am meisten zu leiden haben, da hier im laufenden Jahr noch Schuldtitel über 13,6 Milliarden Dollar in harten Währungen fällig werden. Bei Gazprombank seien im Dezember eine Milliarde Dollar abzulösen. "Ausländische Banken in den USA und Banken in Europa werden sicher vorsichtiger was ihre Kredite an russische Unternehmen betrifft. Das wird die Finanzierungskosten nach oben treiben und in einigen Fällen werden Kredite auch verweigert werden", sagen die Experten weiter.

Anleihen geben nach - Renditen steigen

Aber nicht nur am Aktien- und Devisenmarkt ist die härtere Gangart des Westens spürbar. Russische Unternehmensanleihen geben nach, die Renditen steigen. Die Rendite der in US-Dollar denominierten Gazprombank-Anleihe mit Laufzeit bis 2021, die erst im Februar aufgelegt worden ist, rückt um 20 Basispunkte auf 3,53 Prozent vor.

Auch die Renditen bei nicht unmittelbar von den Sanktionen betroffenen Unternehmen ziehen an - die der Lukoil-Dollar-Schuldtitel mit Fälligkeit 2023 um 22 Basispunkte. Die Sanktionen stellten einen "seismischen Einschlag für Russland und die russischen Märkte dar", urteilt Analyst Tim Ash von Standard Bank. Die Analysten der Commerzbank stufen in der Folge russische Anleihen auf "Marketweight" von zuvor "Overweight" ab.

Quelle: n-tv.de

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