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Das Sparbuch mutet derzeit an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten.
Das Sparbuch mutet derzeit an wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten.(Foto: dpa)

Sichere Zinsen waren gestern : Was tun mit dem Sparstrumpf?

Von Benjamin Feingold

Die Zinsmisere hält an: Sparer müssen aktuell nicht nur niedrige, sondern sogar negative Zinsen fürchten. Verschiedene Wertpapiere bieten eine attraktive Alternative – aber ohne Risiko geht es nicht.

Erst kürzlich wurde der Weltspartag gefeiert – mit Negativzinsen. Welche Bank so etwas macht? Eine Tochter der Volks- und Raiffeisenbanken zum Beispiel. Sie erhebt ab November Strafzinsen in Höhe von 0,25 Prozent. Und der Trend könnte Schule machen. Denn andere Institute zahlen nur Minimalzinsen, da ist der Weg zu Negativzinsen nicht mehr weit. "Traditionelle Renditequellen wie Tagesgeld- oder Festgeldkonten sind für Investoren unattraktiv geworden", erklärt Markus Pimpl, verantwortlich für den Listed Income Fonds der Partners Group. Selbst im Anleihesegment ist kaum noch Rendite zu holen. Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bieten rund 0,8 Prozent und Unternehmensanleihen von Dax-Unternehmen rentieren auch nicht viel höher. So offeriert BASF etwa 1,3 Prozent für einen 10-Jahresbond.

Mit Dividenden aus der Zinsfalle

Und so richtet sich der Blick nach Alternativen zu Zinserträgen auf Aktien, Fonds und Zertifikaten mit dem Schwerpunkt Dividende. Dividendenzahlungen werden gerne als Zinsersatz genommen, aber das Risiko ist in der Regel auch leicht höher. Ganz klassisch sind Dividendenfonds, allerdings besteht das Problem bei dividendenstarken Aktien darin, dass ihre Performance häufig etwas zu wünschen übrig lässt. Ein blindes Setzen auf dividendenstarke Aktien oder Fonds mit eben solchen Papieren, verspricht also noch keinen Erfolg.

Aktien mit einem nachhaltigen Dividendenwachstum sind hier vorzuziehen, die Ausschüttung sollte nicht an die Substanz gehen. Die Deutsche Telekom war hierfür jahrelang ein Negativbeispiel, weil sie ihre hohen Ausschüttungen beibehalten hat, obwohl das Unternehmen wirtschaftlich ins Straucheln kam. Anleger sollten bei Dividendenfonds oder dividendenstarken ETFs daher neben den Kosten und die Performance unbedingt auf die Zusammensetzung achten. Klassische Dividendenfonds sind zum Beispiel der DWS Top Dividendenrendite, der M&G Global Dividend Fund oder der iShares Stoxx Global Select Dividend. Ihre Dividendenrendite liegt zwischen rund 2,7 und 3,5 Prozent. Eine Alternative zu traditionellen Dividendenfonds sind sogenannte Income-Fonds, die auch zum Ziel haben, attraktive Dividenden auszuschütten.

BDCs als Renditechance

So berücksichtigt der eingangs erwähnte Listed Income Fonds Unternehmen, die im Bereich der Mittelstandsfinanzierung aktiv sind und höhere Ausschüttungen ermöglichen. Diese so genannten Business Development Companies (BDCs) haben eine Unternehmensform, die es nur in den USA gibt. Sie stellen Fremdkapitalfinanzierungen für kleine und mittelgroße Unternehmen zur Verfügung, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Sie zahlen auf Unternehmensebene keine Gewerbe- und Körperschaftssteuern, solange sie mindestens 90 Prozent des Gewinns in Form von Dividenden an die Anteilseigner ausschütten. Daher ist die Dividendenrendite des Listen Income Funds mit 6,2 Prozent vergleichsweise hoch und das Risiko, gemessen an der Schwankungsbreite niedrig. Die Volatilität ist mit rund 6,4 Prozent niedriger als bei den aufgeführten Dividendenfonds. Dafür haben der DWS Top Dividende und der iShares ETF in diesem Jahr eine bessere Kursentwicklung vorzuweisen.

Alternativen zu Fonds

Die Dividende ist also die Hoffnung vieler Anleger auf eine auskömmliche Rendite im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Außerdem dient sie auch als Sicherheitspuffer gegen fallende Kurse und kann nicht nur Fondsinvestments zu Gute kommen. Bei bestimmten Zinspapieren, die an den Aktienmarkt gebunden sind, können sie zur Finanzierung der Produkteigenschaften eingesetzt werden. Das ist zum Beispiel der Fall bei Aktienanleihen oder Memory Express-Zertifikaten. Hier wird die Dividende genutzt, um in stagnierenden oder leicht fallenden Märkten eine positive Rendite zu erzielen, die größer als die Dividendenrendite ausfällt. Der Nachteil: Die Chancen sind bei stark steigenden Kursen im Gegensatz zu einem Aktien- oder Indexengagement begrenzt und bei kräftigen Kurseinbrüchen sind die Verluste wie in der Aktie oder dem Index unbegrenzt – trotz Sicherheitspuffer. Bei einjährigen Aktienanleihen auf große Standardindizes können - wenn die Kurse stagnieren - grob Renditen von acht Prozent p.a. bei Puffern von etwa ebenfalls acht Prozent erzielt werden.

Auf ähnliche Werte sind bei Memory Express-Zertifikaten Renditen im mittleren einstelligen Bereich möglich, sollte der Kurs nicht dauerhaft stark fallen. Denn der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass die in Aussicht gestellten Zinskupons jederzeit nachgeholt werden können, wenn sich der Index oder die Aktie nach einem möglichen Kursrückgang wieder erholt. Sollte der Kurs jedoch stark fallen besteht wie bei Aktien oder Indizes ein Verlustrisiko.

Fazit

Auch wenn die beschriebenen Dividendenfonds und Zertifikate nicht vor starken Kurseinbrüchen schützen, bieten diese dividendengepufferten Papiere bei geringerem Aktienmarktrisiko die Chance, auf mittlere bis hohe einstellige Renditen pro Jahr. Bei Dividendenfonds kann außerdem an steigenden Kursen partizipiert werden. Allerdings sind die höheren Zinserträge in einer Welt der Niedrigzinsen nicht ganz risikolos zu erzielen.

Quelle: n-tv.de

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