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In den USA werden die Fracking-Investitionen massiv gekürzt.
In den USA werden die Fracking-Investitionen massiv gekürzt.(Foto: picture alliance / dpa)

Ölwerte und Europa aussichtsreich: Wenn die große Korrektur kommt

Ein Gastbeitrag von Thomas Wukonigg

Nach dem Blitzstart der Aktienmärkte in diesem Jahr ist eine Korrektur überfällig. Wenn sie kommt, sollten Anleger ihre Aktienquote aufzustocken. Denn langfristig sind Dividendentitel weiter aussichtsreich.

Thomas Wukonigg, Portfoliomanagement Capital-Forum AG
Thomas Wukonigg, Portfoliomanagement Capital-Forum AG

Ein Plus von acht bis zehn Prozent hatte das Gros der Bankanalysten dem Dax in diesem Jahr zugetraut. Tatsächlich ist der Standardwerteindex bereits um 16 Prozent nach oben geschossen. Der deutsche, aber auch andere große Aktienmärkte sind zu schnell gestiegen und kurzfristig überkauft. Jederzeit ist eine Korrektur denkbar, beziehungsweise sogar wünschenswert. Denn je länger der Hausse ohne Konsolidierung läuft, desto größer dürften die absehbaren Rückschläge ausfallen.

Als Auslöser für eine Korrektur kommen eine Eskalation des Bürgerkriegs in der Ukraine oder des Streits zwischen der EU und Athen über die notwendigen Reformen in Betracht. Wahrscheinlich ist das aber nicht. Weder die Ukrainekrise noch ein möglicher Grexit haben bisher die Aktienrally spürbar gestört. Deutlich gefährlicher für die Aktienmärkte könnte es werden, wenn die amerikanische Fracking-Industrie aufgrund des gesunkenen Ölpreises dauerhaft in Schwierigkeiten gerät. Die boomende Ölförderung war in den USA schließlich das Zugpferd für die dortige Konjunkturerholung. Die Fracking-Produzenten investierten Hunderte Milliarden Dollar, in den Fördergebieten entstanden massenweise zum Teil sehr gut bezahlte Jobs und die günstigen Energiekosten sorgten für eine Reindustrialisierung der USA. Ein Kollaps der Branche würde das gesamte amerikanische Wirtschaftswachstum gefährden.

Die Zahl der Bohrtürme verminderte sich in den Vereinigten Staaten alleine im Dezember 2014 und Januar 2015 bereits um rund 20 Prozent. Die großen Ölmultis, Servicegesellschaften, aber auch kleinere Fracking-Produzenten kürzen massiv Investitionen und sparen Kosten. Tausende Mitarbeiter werden ihre Arbeit verlieren. Dazu kommt, dass von der amerikanischen Ölindustrie Anleihen in einem Umfang von circa 550 Milliarden Dollar ausstehen. Sollten diese im großen Stil ausfallen, droht im schlimmsten Fall ein Lehman-2.0.

Kein Kollaps der Fracking-Branche

Es gibt aber deutliche Zeichen der Entwarnung. Der Ölpreis der Sorte WTI ist nach seinem Tief Ende Januar wieder um mehr als neun Prozent gestiegen. Gleichzeitig gibt es bei den Fracking-Förderern enorme Produktivitätsfortschritte, was auch bei niedrigeren Preisen eine rentable Produktion ermöglicht. Ein „Massensterben“ der kleineren Ölförderer erwarten wir daher nicht. Wahrscheinlicher erscheint uns, dass die finanzstarken Ölkonzerne die noch immer schwierige Situation der Branche für Übernahmen nutzen. Der Ende 2014 angekündigte Kauf von Baker Hughes (WKN 872933) durch Halliburton (WKN 853986) könnte der Startschuss für eine Konsolidierungswelle gewesen sein. Die Aktie von Baker Hughes notiert heute mehr als ein Drittel höher als vor der Übernahmeofferte.

Außerhalb des Energiesektors wirkt sich der noch immer niedrige Ölpreis natürlich ausgesprochen positiv aus. Er kommt einem gigantischen Konjunkturprogramm gleich. Das gilt auch für die Vereinigten Staaten. Denn trotz des Fracking-Booms verbrauchen die USA noch immer in etwa doppelt so viel von dem schwarzen Gold wie sie fördern. Im an Öl armen Europa ist der Effekt noch größer. In der Eurozone profitieren die Unternehmen zusätzlich von der Abwertung der Gemeinschaftswährung. Der Wechselkurseffekt fängt jetzt erst richtig an, sich in den Gewinn- und Verlustrechnungen der Exporteure auszuwirken. Von Seiten der Konjunktur besteht somit nennenswertes Überraschungspotenzial. Erste Volkswirte haben ihre Wachstumsprognose für die Eurozone schon auf plus zwei Prozent nach oben revidiert. In Deutschland könnte die Konjunktur sogar noch stärker anziehen.

Steigender Anlagedruck

Neben dem positiven konjunkturellen Umfeld spricht auch der zunehmende Anlagedruck für Dividendentitel. Vor allem institutionelle Investoren werden in die Aktienmärkte gedrängt. Zum einen sind sie hier bislang noch unterinvestiert. Zum anderen neigt sich die rund 30-jährige Rally an den Rentenmärkten ihrem Ende. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in den vergangenen Wochen wieder über die Marke von zwei Prozent gestiegen. Die Verzinsung deutscher Bundesanleihen stagniert zumindest. Die entsprechenden Notierungen sind also leicht gefallen beziehungsweise seitwärts gelaufen. Wenn die Kurse der Anleihen nicht mehr steigen, ist angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus an den Rentenmärkten gar nichts mehr zu verdienen. Schließlich lässt die Statistik auf ein gutes Aktienjahr hoffen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die US-Börsen in den 5-er-Jahren fast immer überdurchschnittlich gut entwickelt. Dasselbe gilt für Vorwahljahre, also ebenfalls für 2015. Historisch betrachtet sind bei einer Kombination von 5-er- und Vorwahljahren die amerikanischen Aktienmärkte um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen.  

Die Vorzeichen für ein weiteres gutes Aktienjahr sehen also insgesamt positiv aus. Angesichts der (zu) schnellen Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen könnte es aber schon bald holprig werden. Im zurückliegenden Jahr hat sich die Strategie „Buy the Dips“ bewährt. Auch 2015 empfiehlt es sich, bei Rückschlägen Aktien zu kaufen. Aufgrund der gegenüber den USA niedrigeren Bewertungen halten wir vor allem die europäischen Aktienmärkte für aussichtsreich. Diese lassen sich am einfachsten und günstigsten als ETFs erwerben. Mit Blick auf die Branchen scheint uns insbesondere der Ölsektor interessant.

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Quelle: n-tv.de

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