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(Foto: picture alliance / dpa)

Bewusst investieren: Anleger reißen sich um grüne Anleihen

Von Benjamin Feingold

Grüne Anleihen gelten als Trumpf im Kampf gegen den Klimawandel. Trotz des rasanten Wachstums ist der Markt allerdings weiterhin in einer Nische. Doch das könnte sich bald ändern.

Es ist fünf vor zwölf: Soll die weltweite Erderwärmung auf zwei Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad begrenzt werden, ist schnelles Handeln erforderlich - und eine Menge Geld. Den Vereinten Nationen zufolge werden in den nächsten 15 Jahren dafür rund 90 Billionen Dollar benötigt. Für Menschen wie Mark Carney, dem Chef der englischen Notenbank, werden dabei sogenannte grüne Anleihen (Green Bonds) eine wichtige Rolle spielen, um zumindest einen Teil der dringend benötigten Mittel im Kampf gegen den Klimawandel einzusammeln.

Mit der Begebung grüner Anleihen beschaffen sich Emittenten Gelder für Umwelt- und Sozialprojekte, vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Wasser-Reinhaltung. Durch die Zweckbindung der Emissionserlöse können Anleger ihr Geld bewusst in grüne Projekte stecken. Die Papiere wurden früher hauptsächlich von multilateralen Organisationen wie etwa der Weltbank oder der Europäischen Investment Bank (EIB) ausgegeben. 2016 waren allerdings Unternehmen und Banken die mit weitem Abstand größten Emittenten. Da es keine klare Definition des Begriffs gibt, haben sich 2014 zahlreiche Emittenten auf die Green Bond Principles geeinigt.

Sie sollen die Integrität und die Transparenz der Anleihen sicherstellen und regeln, was finanziert werden darf, wie die Mittel verwendet und wie die Emittenten darüber berichten müssen. Die Verzinsung von grünen Anleihen ist genauso hoch oder niedrig wie bei klassischen Anleihen, hängen die Zinsen doch hauptsächlich von der Bonität des Emittenten ab. "Die Neuemissionsprämien von Green Bonds sind vergleichbar mit denen klassischer Anleihen. Die Unterschiede liegen im nicht-messbaren Bereich. Auch die Performance ist sehr ähnlich", sagt Doris Kramer, Leiterin Investmentstrategien und Nachhaltigkeit bei der KfW.

Markt für Green Bonds boomt

"Obwohl Investoren für grüne Anleihen keinen Zinsaufschlag bekommen, wächst der Markt rasant, weil Investoren ein steigendes Bewusstsein dafür haben, worin sie ihr Geld investieren wollen", sagt Chris Wigley, Fondsmanager bei der französischen Fondsgesellschaft Mirova und Spezialist für grüne Anleihen. Laut dem Branchenverband Climate Bonds Initiative (CBI) sind 2016 weltweit Papiere im Volumen von 81 Milliarden Dollar emittiert worden – das war ein Sprung um 92 Prozent. Damit hat sich der Boom der Vorjahre nahtlos fortgesetzt. 27 Prozent des Marktvolumens entfielen auf China, womit das Land die weltweite Nummer eins war, knapp vor Europa.

Für Aufsehen hatte im Februar der US-Technologiekonzern Apple gesorgt, als er einen Green Bond von 1,5 Milliarden Dollar mit einer Laufzieht von sieben Jahren begeben hatte. Zum Jahresauftakt 2017 hat sich die kräftige Expansion des weltweiten Marktes fortgesetzt, beläuft sich das Emissionsvolumen doch bereits auf 19 Milliarden Dollar seit Jahresanfang. Einen kräftigen Beitrag hierzu liefert Frankreich, nachdem das Land im Januar für sieben Milliarden Euro eine grüne Anleihe mit einer Laufzeit von 22 Jahren ausgegeben hat. Frankreich war damit das erste Land aus der Euro-Zone, das einen Green Bond emittiert hat. Das Papier war mehr als dreifach überzeichnet, hatten Investoren doch Gebote von 23 Milliarden Euro abgegeben.

"Mit dem Schwung aus dem Klimaabkommen von Paris und einer steigenden Nachfrage von Investoren wird der Markt für Green Bonds 2017 einen neuen Meilenstein erreichen", schreiben die Analysten der Ratingagentur Moody’s in einer Studie. Demnach soll sich der Markt im laufenden Jahr mehr als verdoppeln auf gut 200 Milliarden Dollar. Trotz der rasanten Expansion ist der Markt für grüne Anleihen weiterhin nur ein Nischenmarkt. Laut Moody’s machte er 2016 nur 1,4 Prozent des Emissionsvolumens des gesamten Anleihenmarkts aus.

Was macht Trump?

Gespannt schauen Investoren, wie sich die Politik von US-Präsident Donald Trump auf den Mark für grüne Anleihen auswirken wird, immerhin bezeichnet Trump den Klimawandel als Schwindel und will daher verstärkt auf fossile Energieträger, wie Kohle und Erdöl setzen. Das könnte den Markt für grüne Anleihen in den USA zumindest kurzfristig etwas dämpfen, wenngleich viele Unternehmen und Banken weiterhin kräftig derartige Papiere emittieren dürften, zumal die Nachfrage von Investoren weiter steigt.

Gleichzeitig sollte der Markt gerade in China rapide wachsen, muss das Land angesichts der starken Umweltverschmutzung doch in den nächsten Jahren massiv in grüne Technologien investieren. In grüne Anleihen können Anleger seit neuestem ebenfalls via ETFs investieren, denn Lyxor legt nun weltweit den ersten Green Bond-ETF auf. Das Papier bildet den Solactive Greend Bond Index ab, der aus Green Bonds in Euro und USD mit einem Investment Grade-Rating besteht. Die Anleihen müssen den Standards der Climate Bond Initiative entsprechen, eine Restlaufzeit von mindestens zwölf Monaten sowie ein Marktvolumen von mindestens 300 Millionen Euro oder US-Dollar aufweisen.

Trump könnte zwar das Wachstum des Marktes für Green Bonds in den USA kurzfristig etwas dämpfen. Dennoch sollte der weltweite Markt weiter kräftig expandieren, gerade in Europa. Ebenso wie bei klassischen Anleihen sollten sich Anleger allerdings auch bei grünen Anleihen die Bonität des Emittenten genau anschauen. Nur so lässt sich verhindern, dass Anleger ihr blaues Wunder erleben.

Quelle: n-tv.de

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