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Montag, 23. August 2010

Gottfried Urban

Strategie statt Timing!

Wann soll ich in Aktien investieren – und wann wieder aussteigen? Diese Fragen stellen sich Anleger immer wieder. Und liegen damit ziemlich falsch! Denn das Timen des Marktes ist in aller Regel ein Glücksspiel.

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Tatsache ist: Es gibt bis heute kein universell gültiges Prognose­modell, das dauerhaft und zuverlässig sagen kann, wann Sie in Aktien investieren sollten und wann nicht. Und es ist auch keines in Sicht. Daher ist es besser, sich für eine fundierte Anlagestrategie zu entscheiden, die nachweislich gute Ergebnisse liefert, und diese trotz aller Schwankungen an den Märkten beizubehalten.

Zwei Faktoren machen den Markttimern das Leben schwer. Erstens legen die Aktienmärkte lang­fristig stärker an Wert zu als Zinsanlagen, da Erträge aus Produktivkapital langfristig immer über den Zinskosten liegen müssen. Auch wird die weltweite Zahl der Konsumenten wegen des Wachstums in den aufstrebenden Märkten in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen.

Markttimer verpassen oft Wiedereinstieg in den Markt

Zweitens stellt sich Markttimern nach einem schnellen Kursrutsch, in dem sie verkauft haben, regelmäßig das Problem des Wiedereinstiegs. Insbesondere in diesem Jahr wurden sie mehrmals auf dem falschen Fuß erwischt. So ging der Markt wegen der großen Unsicherheit über die Entwicklung der Staatshaushalte auf Tauchstation, was massive Verkaufsaufträge auslöste. Doch ein paar Tage später waren die Kurse schon wieder deutlich höher – meistens ohne die Markttimer. Ohnehin gilt: Wer an der Seitenlinie auf günstige Kurse wartet, muss schon rein rechnerisch in sieben von zehn Fällen mit seinen Prognosen richtig liegen, um langfristig auf die Rendite des Aktien­markts zu kommen. Das dürfte allenfalls Genies gelingen.

Die Antwort der Kapitalmarktforschung auf dieses Thema ist eindeutig: Wer sich eisern an einen Ansatz hält, der langfristig vom Markt belohnt wurde, vermeidet spontane und kostspielige Entscheidungen. Anleger, die auf lang­fristige Basistrends und eindeutige Kennzahlen setzen, fahren daher in aller Regel besser als Markttimer. Gute Aussichten auf Gewinne bieten Unternehmen mit niedriger Bewertung und relativer Stärke gegenüber dem Markt. Aktien allein wegen ihrer vermeintlich tollen „Story“ zu kaufen oder weil aktuell die Konjunktur gut läuft, ist hingegen ein ziemlich sicherer Weg, um Geld zu verlieren.

Übrigens: Selbst ein Guru wie Warren Buffett hält sich nicht für fähig, den Markt vorherzusagen und vertraut daher nur auf langfristige Strategien. Dass dazu auch das genaue Studium der Unternehmenskennzahlen gehört, ist bekannt. Warum sollten es Privatanleger anders machen?

Der Autor Gottfried Urban ist bankunabhängiger Vermögensverwalter bei Neue Vermögen und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.

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