Samstag, 03. Juli 2010
Wolfgang Weber, Taurus Investors
Gold im Sommerloch
Wie im letzten Edelmetallreport prognostiziert, arbeitete der Goldkurs nach seinem fast vierwöchigen Versuch, die Marke von 1250 US-Dollar pro Unze zu knacken, die Kurse 1220 bis 1190 nach unten ab. Allerdings erfolgte der Rückgang am vergangenen Donnerstag innerhalb eines Tages um satte 3,6 Prozent oder 43 Dollar die Unze und verschonte die "Gold-Bugs" zumindest von einem zähen Ringen um die Unterstützungsmarken.
Der Kurs von 1190 Dollar sollte jetzt erst einmal halten, denn sonst werden rasant die 1160 und 1100 Dollar getestet. Somit treten wahrscheinlich schon zeitnah die Schnäppchenjäger auf und kaufen kurzfristig Gold auf diesem günstigen Niveau.
Wolfgang Weber
Es muss sich die kommenden Wochen erweisen, ob der Goldkurs die Kraft hat, seinen unmittelbaren (und dann ungesunden) Aufwärtstrend wieder aufzunehmen, oder ob eine Korrektur, die auch durchaus unter 1000 Dollar die Unze führen kann, das gelbe Metall durch den Sommer führt. Ganz coole Profis platzieren Kauflimits gestaffelt von 800 (!) bis 1160 Dollar die Unze, um im Durchschnitt im Bereich der 1000er-Marke das Edelmetall zu kaufen. Das sind immerhin 25 Prozent unter den Spitzenkursen vom Juni 2010.
Solange der Goldkurs nicht von seinen klassischen Faktoren wie Produktionsmengen, Förderkosten, Abnahme der Schmuckindustrie, Händlerverhalten in Indien, China, Süd-Ost-Asien und den arabischen Golfstaaten geprägt wird, ist ein vernünftiges, kurzfristiges Handeln nicht möglich. Der scharfe Rückgang vom vergangenen Donnerstag ist ausschließlich auf schlechte US-Zahlen und daraus resultierende sinkende Aktienmärkte zurück zu führen.
Der Euro legte gegen den US Dollar fast um drei Cent zu, und der Goldkurs fällt wie ein Stein. Verkehrte Welt, denn ein schwacher Dollar ist ja gerade ein Kaufsignal für Gold! Auch sinkende Aktienmärkte wären vermeintlich gut für Gold und müssten dessen Kurs treiben, aber das Gegenteil tritt ein, weil kurzfristige Spekulationsgelder sehr schnell erst einmal aus fast allen Anlageklassen gezogen werden, um vor weiterem Ungemach sicher zu sein. Die "zittrigen Hände" lassen also auch Gold schnell fallen, wenn dieses nur ein weiteres Spekulationsspielzeug war, und realisieren Verluste von 5,7 Prozent an einem Tag, sofern man den Goldkurs in Euro rechnet.
Unzweifelhaft dürften sich der Gold- und Silberkurs in der laufenden Dekade noch deutlich erhöhen, aber doch bitte stabil mit jährlichen fünf bis zehn Prozent Preissteigerungen und nicht 20 bis 30 Prozent in wenigen Quartalen, welche Millionen von Zocker anlocken und die vergleichsweise kleinen Edelmetallmärkte heiß laufen lassen und deren fundamentale Komponenten außer Kraft setzen. Wie schon sehr oft an dieser Stelle erwähnt, sollte man immer sehr vorsichtig werden, wenn der indische und arabische Markt plötzlich aufhören, Gold in den gewohnten Mengen aufzunehmen und zu verarbeiten oder für Investmentzwecke zu horten.
Dann ist den Herrschaften der Rohstoff zu teuer, und diese Händler hören im Goldmarkt nun mal das Gras wachsen und sind langfristig zuverlässige Indikatoren. Man sollte sich also vom aktuellen Goldrausch nicht anstecken lassen, sondern vernünftig und ruhig bei interessanten Kursen (siehe oben) Gold zukaufen und einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren bei diesem Investment berücksichtigen, denn dann spielt Gold seine volle Stärke als Absicherung und immerwährendes Zahlungsmittel als stabilste Währung der Welt richtig aus.
Deutlich warnen muss man derzeit auch vor Edelmetallaktien, und der HUI-Goldminen-Index (NYSE) sollte engmaschig überwacht werden. Wenn die allgemeinen Aktienmärkte wieder krachen sollten, so bleiben die Minenwerte davon nicht verschont! Ein deutliches Unterschreiten der Marke von 450 dürfte den Index ganz schnell um hundert Punkte oder 25 Prozent fallen lassen. Das muss man ja nicht unbedingt "aussitzen" wollen.