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Dienstag, 16. März 2010

Interview mit Markus Zschaber

"Emerging Markets sind die Gewinner"

Markus Zschaber

Markus Zschaber

Markus Zschaber ist sich sicher: Der Aufschwung kommt. Als Gewinner werden die auftrebenden Volkswirtschaften aus der aktuellen Krise hervorgehen, wie der Vermögensverwalter betont. Im Interview erklärt er außerdem, worauf Anleger derzeit achten sollten.

Telebörse.de: Der Titel Ihres neuen Buches lautet: "Der Aufschwung" kommt. Eine gewagte These in diesen Zeiten. Was macht Sie so sicher?

Markus Zschaber: Hauptverantwortlich dafür, dass die Märkte wieder Auftrieb erhielten, waren vor allem die geldpolitischen, fiskalpolitischen und wirtschaftspolitischen Anreize und Maßnahmen, die weltweit entworfen und umgesetzt wurden. Hierdurch konnten weitere exogene Schocks, wie die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verhindert werden. Die vielen tausend Milliarden US-Dollar, die benötigt wurden, um das System vor einem Infarkt zu schützen und vor einem eventuellen weiteren Kollaps zu bewahren, stellen eine schier unvorstellbare Summe dar.

Die Stabilisatoren greifen und der ökonomische Mechanismus wird wieder nachhaltig funktionieren, so dass ich mir sehr sicher bin, dass in den kommenden Jahren ein zyklisierter Aufschwung die Folge sein wird. Die Prognosen für die Industrie suggerieren für das aktuelle Jahr eine positive Entwicklung von ungefähr +7 bis +10 Prozent im verarbeitenden Gewerbe der industrialisierten Nationen. Daraus resultiert, dass sich die Expansionsdynamik in gut 70 Prozent der industrialisierten Volkswirtschaften in ihrer Funktionalität wieder verbessert bzw. wiederhergestellt hat. Mit Blick auf die größte Volkswirtschaft der Erde, die USA, kann festgehalten werden, dass diese im dritten Quartal des Jahres 2009 um über 2 Prozent zulegen konnte. Technisch gesehen gilt somit die schwerste Rezession seit über 60 Jahren als beendet.

Ist die Weltwirtschaftskrise denn vorbei und wie muss man sich diesen Aufschwung vorstellen?

Wichtig ist jetzt, dass die globalen Ungleichgewichte, die nach meiner Auffassung für die Weltwirtschaftskrise mitverantwortlich waren, nicht noch einmal die Niveaus der Vergangenheit erreichen. Das bedeutet, dass sich gerade die weiterhin aufstrebenden Ökonomien, wie große Teile der asiatischen und lateinamerikanischen Volkswirtschaften, von ihrem früheren Erfolgsmodell abwenden sollten und sukzessive dem privaten Verbrauch höhere Priorität beimessen sollten, statt auf die Exportseite bzw. auf die Direktinvestitionen zu setzten.

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Nach meiner Überzeugung gelten vor allem die ökonomischen Strukturen Asiens nach wie vor als so flexibel, dass eine Wandelbarkeit der Volkswirtschaft in den kommenden Jahren realistisch erscheint. Betrachtet man in diesem Zusammenhang China, kann erkannt werden, dass derzeit vor allem das Importvolumen an Gütern kräftig ansteigt. Das bedeutet, dass die ökonomische Wertschöpfung ein neues Niveau erreicht hat und der private Wohlstand, durch die kräftigen Wachstumsphasen der Vergangenheit, ebenfalls deutlich zulegen konnte. Der Schwung ist zurück. Die Überschussliquidität, welche durch die weit geöffneten Schleusen der Notenbanken entstand, findet langsam den Weg in die Industrie.

Nach meiner Auffassung gilt es jetzt, "Qualität" in den verschiedenen Finanzmärkten selektiv herauszupicken und diese unter mittelfristiger Perspektive aufzubauen und somit die attraktiven Partizipationschancen auszunutzen. Vor allem gesunde Schlüsselindustrien mit niedriger Verschuldung und hoher Cash-Flow-Finanzierung werden die Hauptprofiteure stellen.

In Ihrem Buch gehen Sie davon aus, dass die Emerging Markets als Gewinner aus der Weltwirtschaftskrise hervorgehen werden. Nun wächst aber aktuell die Sorge, dass sich beispielsweise in China die nächste Blase bilden könnte. Die Inflation ist hier auf ein 16-Monatshoch gestiegen und Preistreiber waren die Immobilienpreise- ein bekanntes Szenario. Könnten sich die Emerging Markets nicht auch noch als Verlustbringer erweisen?

Zum ersten Mal in der Geschichte des marktwirtschaftlichen Geflechts stellen die Emerging Markets die Nationen dar, die selbst in der schwersten Krise seit 60 Jahren, eine sich dynamisierende Produktivität generieren, so dass man durchaus von einem gewissen Paradigmenwechsel sprechen könnte, vielleicht sogar sprechen muss.

Wenn ich in meiner Funktion als Vermögensverwalter das Marktgeschehen auf ökonomischen Sachverstand prüfe, bleibt festzuhalten, dass die Wachstumsprämien, welche an den Märkten für diese besagten Emerging Markets zu erzielen waren und zu erzielen sind, auch als gerechtfertigt einzustufen sind, denn die wirtschaftliche, finanzielle und potenzielle Gesamtstruktur dieser Volkswirtschaften gilt als gesund. Die Gewinner der aktuellen Krise sind die Emerging Markets.

Der Aufschwung kommt - in Kombination mit einem sich intensivierenden Paradigmenwechsel, einer zunehmenden Anpassung bzw. Umverteilung der Liquidität und einer neuen Wachstumsquelle. Bereits heute tragen die Emerging Markets einen mehr als 50-prozentigen Beitrag zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt und durch die Krise sind diese nicht gerade schwächer geworden. Im Gegenteil, häufig nutzen diese Nationen und ihre Unternehmen die aktuelle Situation aus, um sich Technologie-Know-How direkt im Westen einzukaufen, wie das Beispiel Volvo zeigt. Interessant ist, dass in diesen Volkswirtschaften die eigenen Absatzmärkte mittlerweile ein solches Potenzial mitbringen, dass die Interessenslagen der großen Schlüsselindustrien sich dahingehen verschoben haben, dass die westlichen Unternehmen diese für sich zunehmend stärker nutzen wollen und auch bereit sind, um Marktanteile im Westen dafür aufzugeben. Sehe ich dort eine Preisblase: Die Antwort ist unter ökonomischen Gesichtspunkten – eindeutig NEIN!

Blicken wir nach Europa: Haben Sie keine Angst vor Euroschwäche und den Problembergen in Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland?

Die Regierungen in der gesamten Währungsunion haben sich bereits dahingehend geäußert, dass wenn es hart auf hart kommt, sie den Griechen unter die Arme greifen werden. Als Ökonom hinterfrage ich diese Verhaltensweise auf das schärfste, denn genau dieses Vorhaben wird die Finanzmarktstabilität in Europa gefährden. Fakt ist zwar, dass es keine direkte Schuldenübernahme geben wird, dennoch werden Garantien und Bürgschaften die Folge sein, welche zur Unterstützung des griechischen Haushalts umgesetzt werden.

Aus meiner Perspektive wird durch dieses Handeln gegen das Gesetz verstoßen: Nach Artikel 125 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union heißt es: Die Union haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein, was besagt, dass die Regierungen ihre Haushaltsprobleme alleine und jeder für sich lösen müssen. Bedenkt man, dass zur damaligen Euroeinführung vor allem dieser Artikel angeführt wurde, um den großen Mitgliedstaaten wie Deutschland oder Frankreich den Euro schmackhaft zu machen, gilt diese jetzige Verhaltensweise nach meiner Auffassung als Farce. Die Bevölkerung, die Unternehmen, die Marktteilnehmer, einfach jeder, der aktiv in unserem System mitwirkt, braucht ein rechtliches Rahmenkonstrukt, nach dem er sich richtet und nach dem gehandelt wird.

Dieser rechtliche Rahmen sorgt für einen ordnungsgemäßen Ablauf innerhalb unserer gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten. Nur die Gesetzgeber selbst müssen sich scheinbar nicht an bestehende Gesetze halten, die aus ökonomischer Sicht nicht nur sinnvoll sind, sondern auch zweckgemäß. Wird dieses Gesetz gebrochen, wird zukünftig die Währung Euro höheren Schwankungen ausgesetzt sein, als jemals zuvor, denn ab diesem Zeitpunkt weiß jeder Marktteilnehmer auf der ganzen Welt, dass die europäischen Währungsunion nicht mehr aus vielen nationalen Bonitäten besteht, sondern nur noch aus einer einzigen. Wenn alle Staaten einmal für die Schulden eines Landes aufgekommen sind, wird dies auch in Zukunft immer wieder umgesetzt werden. Außerdem stellt sich die Frage, warum hoch verschuldete Staaten wie Irland, Portugal oder Spanien jetzt noch eine harte und schmerzhafte Sparpolitik in ihrer unbedingten Notwendigkeit umsetzen werden, wenn sie wissen, dass im Notfall die Union einschreitet. Vor allem wenn man bedenkt, dass in diesen Ländern die Arbeitslosigkeit bereits auf einem sehr hohen Niveau ist und eigentlich staatlich finanzierte Maßnahmen von Nöten wären, um diesen Trend zu stabilisieren.

Ein weiterer ganz entscheidender Aspekt, der gegen eine Schuldenübernahme von Griechenland spricht, ist die Tatsache, dass ab diesem Zeitpunkt die wirtschaftsstarken Nationen nicht nur für die Schulden der anderen haftbar sind, sondern auch deren eigene Refinanzierung deutlich teuerer werden wird. Denn wenn der Markt diese Rettungsmaßnahmen verarbeitet hat, wird die Konsequenz sein, dass auch Deutschland oder Frankreich mittelfristig höhere Zinsen für Staatsanleihen zu bezahlen haben, denn die Marktteilnehmer wissen ab diesem Zeitpunkt, dass diese die Schulden der anderen Staaten mittragen müssen und werden Risikoprämien verlangen. Das bedeutet wiederum, dass aus ökonomischer Sicht in der Politik wieder einmal der Hang zu undurchdachten Handlungen besteht, um die Lage kurzfristig zu beruhigen, aber keinerlei gesamtwirtschaftliches Verständnis vorherrscht.

Angesichts der aktuellen Probleme in Europa und nach den bitteren Erfahrungen der letzten zwei Jahre sind viele Anleger mehr als vorsichtig gestimmt. Ist diese Zurückhaltung nicht angebracht?

Im Grunde genommen, sollten Privatanleger immer mit einer gewissen Vorsicht an die Kapitalmärkte herantreten, denn die Komplexität sich innerhalb dieser nachhaltig erfolgreich zu bewegen gilt als sehr hoch und zeitaufwendig. Daraus erschließt sich meiner Ansicht nach, dass der Privatanleger die Aktienmärkte nur selektiv als bevorzugte Asset-Klasse ansehen sollte bzw. eine aktive Steuerung der Aktienquoten unbedingt umzusetzen. Darüber hinaus können in volatilen Phasen Absicherungspositionen ein sehr interessantes Instrument sein, um die Schwankungsintensität positiv auszunutzen. Nicht zu leugnen ist aber, dass absolute Perlen an den Aktienmärkten zu finden sind. Kriterien, welche ich bei der aktuellen Auswahl besonders betrachten, sind: Solide ertragskräftige Unternehmen mit niedrigem Verschuldungsrad und einer hohen Cash-Flow-orientierten Produktivität und ganz besonders Dividendenstrategien, also Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und günstigen Buchwerten.

Sie sind seit 16 Jahren Vermögensverwalter und haben den Crash der New Economy, den Aufschwung danach und die Subprime-Krise hautnah miterlebt. Was raten Sie Anlegern, die nach dem Auf- und Ab der vergangenen Jahre das Vertrauen in den Aktienhandel verloren haben?

Auf diese Frage würde ich gern die Worte des Campus Verlags über mich verwenden: "Bereits Ende der 1990er Jahre zeichnete sich der Vermögensverwalter und Fondsmanager Markus C. Zschaber durch präzise Aussagen und Analysen aus. Sein Bekanntheitsgrad erhöhte sich schlagartig, als er Anfang 2000 den Anlegern riet, aus dem Aktienmarkt auszusteigen, und den Crash der New Economy vorhersagte. Doch er sagte nicht nur dieses Marktszenario vorher, er handelte selbst auch danach, was seinen Kunden den Vermögenserhalt sicherte. Seine Investmentexpertise und seine auf intensivem Research basierenden Strategien machten ihn zu einer führenden Persönlichkeit im Kreis der deutschen Vermögensverwalter. Wenn man von treffenden Prognosen sprechen kann, dann wohl bei Zschabers Analysen. Als einer der ersten Marktteilnehmer riet er 2007 wiederum, den Aktienanteil stark abzubauen. Damals sprach er die Subprime-Krise in den USA ganz deutlich an, nachdem er sich in den USA mehrfach persönlich ein Bild gemacht hatte."

Ganz eindeutig, die Anleger sollten ihr Vertrauen in die Märkte zurück finden, denn die Voraussetzungen in einzelnen Volkswirtschaften, Regionen und Sektoren sind so günstig wie seit vielen Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten nicht mehr.

Wenn ich auch an den Aufschwung glaube – wie kann ich persönlich daran teilhaben? Was kann ich als Anleger tun?

Wichtig ist die Erkenntnis, dass der Aufschwung nicht von heute auf morgen in allen bekannten Schlüsselindustrien auf der ganzen Welt vorhanden sein wird. Die Anleger müssen sich auf die Suche begeben nach Industrien bzw. Sektoren, die an der Wandelbarkeit der Emerging Markets partizipieren. Das bedeutet, es gilt die Unternehmen zu finden, die an den Trends wie It – Infrastruktur und Infrastruktur (allgemein), Nahrungsmittelherstellung, Gesundheit, Pharmazie, Versorger, Energietechnologie, ertragsstarke Ölservice – bzw. Öldienstleistungsunternehmen, etc. einen hohen strukturellen Partizipationsanteil generieren. Dort ist bereits heute der Aufschwung spürbar zu quantifizieren.

Sie betreuen in Ihrer Vermögensverwaltung eine Vielzahl von Privat- und institutionellen Anlegern. Wir sind einmal neugierig und würden gerne einen Blick hinter die Kulissen werfen – können Sie uns einige Namen nennen?

Zu gern würde ich dieses machen, aber unser Haus hat die kleine Bankenlizenz, so nenne ich es einmal und absolute Verschwiegenheit. Kein Vermögender liest sicherlich gern über sich, wenn wir etwas preisgeben. Lassen sie mich nur soviel dazu anmerken, in den vergangenen 16 Jahren haben wir ein Klientel von mehr als 5.000 Kunden aufgebaut, die aus den verschiedensten Bereichen kommen. Diese haben sich von unseren Leistungen überzeigen lassen und kommen sowohl von der Privatanlegerseite als auch von der institutionellen Anlegerseite. Das dabei auch das ein oder andere bekannte Gesicht aus den Medien dabei ist stimmt, ich denke da an Fußball, Boxen und Formel 1. Da ich u.a. bei n-tv bereits seit mittlerweile im 13. ten Jahr zu Börsengeschehnissen Aussagen treffe und auch in anderen Medien häufig zitiert werde, ist das sicherlich kein Wunder.

Das Buch "Der Aufschwung kommt" können Sie im n-tv Shop bestellen.

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