Zeit der Niedrigzinsen könnte bald enden: Drohen Anleihen Verluste?
Etliche Rentenfonds haben in der Krise ordentliche Renditen eingefahren. Doch damit könnte es in Kürze vorbei sein. Denn die Kurse sicherer Staatsanleihen könnten infolge von Rating-Verschlechterungen bald deutlich nachgeben. Die Folge wären höhere Zinsen - und Verluste bei diesen Anleihen.
Unbeschwert in Urlaub zu fahren fällt dem anlagesuchenden Investor derzeit schwer. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat Europa in den "Ground Zero" der Staatsschulden verwandelt. Um die europäische Währung zu retten, wird ein Rettungspaket auf das nächste gestapelt. Doch alle Maßnahmen, die die EZB beschließen könnte, um den Euro zu retten, laufen darauf hinaus, zusätzliches Geld in Umlauf zu bringen – und das legt die Saat für eine höhere Inflation. Ob und wann diese aufgehen wird, bleibt abzuwarten.
US-Bonds und Bundesanleihen profitierten
Von der Krise der GIPS-Länder haben insbesondere Berlin und Washington profitiert. In die Anleihemärkte der als sicher erachteten Länder Deutschland und USA strömte in der Krise viel Kapital. Diese große Nachfrage drückte die Renditen der Bonds erheblich und ließ spiegelbildlich deren Kurse steigen – ideal für die Besitzer von Staatsanleihen dieser Länder und für die Käufer solcher (Index)Fonds. Sie sitzen auf hübschen Kursgewinnen oder haben diese schon realisiert.
Stehen jetzt deutliche Kursverluste bevor?
Kein Trend aber währt ewig. So sind derzeit erhebliche Divergenzen zwischen den Kursen dieser Staatsanleihen und wichtigen technischen Indikatoren auf einer langfristigen Ebene (Wochenchart) zu beobachten - sowohl in den USA als auch in Deutschland. Während die Kurse ein neues Hoch erklommen haben, schwächeln die Indikatoren im Vergleich zum letzten Anstieg - und kündigen zumindest eine längere Verschnaufpause und Verluste bei diesen Staatsanleihen an. Die Folge: Deutschland und die USA müssten höhere Zinsen zahlen; auch die Hypothekenzinsen würden steigen.
Werthaltige Investments mit Zukunft
Für Anleger ist es daher wichtig, die eigenen Vermögenswerte kritisch auf deren langfristige Werthaltigkeit zu prüfen. Staatsanleihen mit nachlassender Bonität lassen diese Eigenschaft seit geraumer Zeit vermissen. Für alle, die es nicht glauben wollen, sei angemerkt, dass Frankreich in seiner Geschichte neun Mal in die Pleite rutschte, Spanien sogar dreizehn Mal.
In Deutschland und den USA hingegen ist eine Werthaltigkeit aufgrund einer negativen Realverzinsung auch nicht mehr gegeben. Geldmarkt- und Rentenfonds mit Fokus auf diesen Ländern werden daher künftig keine Renditen mehr für Anleger erzielen können, weil die laufenden Kosten in aller Regel die erwirtschafteten Erträge übersteigen werden.
Lieber Eigentümer als Gläubiger
Grundsätzlich gilt für uns die Devise, dass Sachwerte in den nächsten Jahren Geldwerte schlagen werden, getreu dem Motto "lieber Eigentümer einer Sache sein als Gläubiger einer Geldforderung". Der dafür fällige Preis ist, dass Anleger höhere Schwankungen ihrer Vermögenswerte ertragen müssen und häufiger in Anlageentscheidungen eingreifen müssen als zuvor. Damit wird die Frage nach der persönlichen Risikotoleranz und dem Anteil des Vermögens, der solchen Schwankungen ausgesetzt werden kann, dringender als je zuvor.
Der Autor Friedrich Huber ist geschäftsführender Gesellschafter der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.
Quelle: n-tv.de