Montag, 22. Februar 2010
Markus Zschaber, V.M.Z.
Die Korrelation der Märkte
Betrachtet man die letzten fünf bis zehn Jahren an den internationalen Finanzmärkten, so kann festgestellt werden, dass das globalisierte Wachstum der internationalen Volkswirtschaften insgesamt seinen Beitrag dafür geleistet hat, die großen Investorengruppen davon zu überzeugen, dass ihre Investitionen nachhaltig rentabel sein werden und eine attraktive Risikoprämie mit hoher Wahrscheinlichkeit einzustreichen ist.
Das bedeutet, dass der ausschlaggebende Multiplikator, welcher die Finanzmärkte vor der Weltwirtschaftskrise in diese überproportionalen Kurshöhen getrieben hat, die Liquidität war. Die Liquidität, die in dieser Zeit bereitgestellt wurde, wuchs expotenziell an, was soviel bedeutet wie, dass das investierte Volumen sich von Jahr zu Jahr steigerte. Aber: Wie konnte dieses Liquiditätswachstum entstehen?
Die Antwort ist relativ leicht zu finden: Als das Eigenkapital aufgebraucht wurde, wurden Fremdmittel, also Kredite, in allen nur erdenklichen Formen genutzt, um noch mehr Liquidität zu erzeugen. Die Problematik war allerdings, dass viele Märkte, wie beispielsweise der US–Immobilienmarkt, nicht nachhaltig in der Verfassung waren, diese Liquidität ökonomisch zu verarbeiten, weil diese in ihrer gesamten Struktur einfach als zu klein einzustufen sind. Resultierend daraus stiegen die Preise so stark an, dass diese größtenteils nichts mehr mit einer realistischen und fundamentalen Bewertung zu tun hatten.
Liquidität verändert den Charakter
Fakt ist, dass soviel Liquidität entstand, welche dann in den Finanzmarkt investiert wurde, dass sich der Charakter des gesamten Marktes wandelte. Wenn man einmal überlegt, dass Investmentbanken wie beispielsweise Goldman Sachs, die eine Bilanzsumme von über 884 Mrd. US-Dollar haben und eigentlich nur als ein großer „Hedgefonds“ an den Märkten agieren und ihre eigene Liquidität verwalten und investieren, dann gilt das meiner Ansicht nach als Symbolik dafür, wie viel Liquidität in den letzten Jahren entstanden ist.
Genau diese Liquidität hat dafür gesorgt, dass die meisten Anlageklassen, bis auf wenige Ausnahmen, einem neuen Muster unterliegen. Betrachtet man den Kursverlauf von Aktien auf der ganzen Welt, die gehandelten Rohstoffpreise oder die Devisenkurse, wird eines ganz deutlich – alle haben einen sehr identischen zyklisierten Verlauf. Diese „Primär–Korrelation“, wie ich diesen linearen Zusammenhang der großen Anlageklassen beschreibe, besteht, wie angesprochen, seit einigen Jahren und eigentlich wird diese Entwicklung durch die Marktteilnehmer akzeptiert.
Jetzt werden Investoren vielleicht sagen, dass das Grundprinzip des Marktes sich dadurch sehr vereinfacht hat, denn es muss sich jetzt nur noch die Frage gestellt werden, wann ich in den Finanzmarkt investiere und wann ich Cash halte. Dieses Prinzip widerspricht allerdings allen meinen marktwirtschaftlichen Kenntnissen, welche ich mir in den vergangenen 25 Jahren als Vermögensverwalter und Ökonom angeeignet habe. Wenn ich die angesprochene Verhaltensweise der Marktteilnehmer versuche zu rationalisieren, komme ich immer wieder zu dem Ergebnis, dass dieses Kauf- und Verkaufverhalten wohl rein aus der Emotion her kommt.
Ableitend aus den aufgeführten Aspekten bedeutet dies, dass zum einen die Liquidität nun einmal da ist und diesbezüglich gehandelt werden muss, zum anderen aber, dass die Impulsgebung für das Handeln auf einen Nenner heruntergebrochen nur die Inflation oder die Deflation zu sein scheint. Hieraus resultiert, dass wenn die Märkte Inflation befürchten, dann die Liquidität in Aktien, Rohstoffe, Währungen oder Gold investiert wird. Wenn jedoch Deflation erwartet wird, dann werden vermehrt Festgeld und Staatsanleihen gesucht.
Dies erklärt nach meiner Ansicht die hohe Korrelation innerhalb der risikoorientierten Märkte und innerhalb der risikoscheuen Märkte. Aufgrund der Schwere der vorhergegangenen Krise wird die vorhandene Liquidität derzeit in extremem Maß nur zwischen den besagten Segmenten hin und her geschoben. Bewerte ich aber die ökonomische Struktur der zurückliegenden Krise, so sollte die natürliche Reaktion auf den vorhergegangen inflationistischen Boom an den Finanzmärkten eine deflationäre Krise sein. Dies wurde aber durch die Reaktionen der Regierungen und Notenbanken weltweit insofern verhindert, indem diese einfach Tausende an Milliarden US–Dollar den Märkten bereitstellten, so dass ein normales Funktionieren des Marktes nicht möglich war. Dieser Eingriff sorgte maßgeblich dafür, dass sich die Finanzmärkte in diesem gleichlaufenden Muster befanden. Hätten die besagten Notenbanken und Staaten nicht in diesen Dimensionen eingegriffen, wären die Märkte an ihre Belastungsgrenzen gestoßen und die globale Wertschöpfung hätte sich noch tiefer und scherzhafter reduziert.
Insgesamt gilt somit dieses Verhalten als nachvollziehbar. Fakt ist allerdings, dass sie die Liquiditätsschleusen soweit öffnen mussten, wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das bedeutet, dass die bereits vorhandene Liquidität nochmals signifikant gesteigert wurde und diese Liquidität ebenfalls investiert werden muss. Aufgrund dieses gigantischen Liquiditätsvolumens wird sich das korrelative Marktverhalten in den risikoreicheren bzw. in den risikoärmeren Anlagesegmenten wohl sehr wahrscheinlich noch verstärken. Die marktrelevanten Trendrichtungen – Inflation oder Deflation - werden nach meinen Erkenntnissen die entscheidenden Einflussgrößen sein, die es detailgenau zu bewerten gilt.
Ihr Markus Zschaber
Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Nach seinem BWL-Studium ließ er sich in den USA bei der Chase Manhattan Bank zum Fondsmanager ausbilden und kehrte danach wieder zurück in seine Wahlstadt Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt als "Bester Fondsverwalter 2008"durch den "Handelsblatt-Elite-Report", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Zwei seiner Fachbücher konnten Leser bereits in den Bestseller-Listen finden, zuletzt das Buch "Der Börse voraus" als Gemeinschaftsproduktion mit dem Nachrichtensender n-tv.