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Montag, 25. Januar 2010

Markus Zschaber, V.M.Z.

Das Risiko und die Blase

Markus Zschaber, VMZ Vermögensverwaltung

Markus Zschaber, VMZ Vermögensverwaltung

Der Risikoappetit der Banken ist nach meiner Auffassung viel zu hoch. Gerade das aktuelle Momentum der Zinsmärkte ist gefährlich, da die Zinskurve als sehr steil einzustufen ist. Dies hat, in Kombination mit niedrigen Refinanzierungs-/Kreditzinsen in der Vergangenheit, die Banken dazu veranlasst, höhere Risiken einzugehen. Nach meiner Auffassung besteht die Gefahr darin, dass bei Zinsanpassungen entsprechende Kursverluste entstehen werden.

Was droht genau?

Die Wertpapiere, die sich mittlerweile im hohen Umfang in den Bankbilanzen befinden, sind unter dem Strich eine Wette, dass die Zinsen in den USA sowie in Europa niedrig bleiben. Insgesamt kann man den Eigenhandel der Banken derzeit als großen Carry – Trade bezeichnen, da sich die Banken zu günstigen Konditionen Geld leihen und dieses Kapital in höher verzinste Anlagen, wie beispielsweise Staatsanleihen, investieren. Vergleicht man die derzeitige Situation an den Anleihemärkten mit 1994, als die US – Notenbank in kurzer Zeit die Zinsen in sieben Schritten um insgesamt 3 Prozentpunkte erhöhte, könnten stürmische Zeiten bevor stehen. Mit den Zinsanhebungen stürzten damals die Anleihenkurse auf der ganzen Welt nahezu ins Bodenlose. Betrachtet man die Renditestruktur von 10 – jährigen Treasuries, so stieg diese um nahezu 2,5 Prozentpunkte an.

Fakt ist, dass nach meiner Auffassung das Marktmomentum zeigen wird, wie schwerwiegend die Kurskorrektur bei den Anleihen ausfallen wird. Die Historie hat bewiesen, dass die Gefahr hoher Haushaltsdefizite in Kombination mit öffentlicher Verschuldung den Markt sehr schnell zu der Auffassung bewegen könnte, dass die Erwartungen schlechter ausfallen als sie eigentlich sind. Die Gefahr, dass Kurskorrekturen von bis zu - 15 Prozent im Segment der Staatsanleihen mit Investmentgrade bestehen, sehe ich somit durchaus gegeben, da einfach die zusätzlich und künstlich angeheizte Nachfrage nach diesen Assets zu groß war und ist. Im Non – Investmentgrade können sogar noch höhere Kurskorrekturen erwartet werden. Darüber hinaus bewerte ich die Märkte generell als durchaus gefährlich, da sie sich, aufgrund der horrenden Milliardensummen, welche in den Marktmechanismus eingedrungen sind, in einem gewissen Zyklus der Ineffizienz bewegen. Die marktwirtschaftliche Gesetzgebung ist meiner Ansicht nach zumindest partiell gestört. Betrachtet man den besagten Kursverlauf bei Staatsanleihen, so kann dieser in den vergangenen Wochen und Monaten als ungebrochen stark eingestuft werden. Auf der anderen Seite steigt der Goldpreis von einem Hoch zum nächsten. Für dieses Marktverhalten fehlt nach meiner Einschätzung eine rationale bzw. ökonomische Begründung. Denn entweder steigt die Inflation in einigen Jahren, was zur Konsequenz hätte, dass Staatsanleihen heute als viel zu teuer einzustufen wären, oder die Inflation steigt nicht, dann gilt meiner Ansicht nach der Goldpreis als viel zu hoch. Nach meinem Grundverständnis findet eine parallele Wertsteigerung keine Relevanz und kann somit nur durch irrationale Gründe erfolgen.

Ein weiterer Aspekt, welchen ich kritisch betrachte, ist das immense Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen der europäischen und US – amerikanischen Industrieunternehmen im letzten Jahr und die bereits angekündigten in diesem Jahr. Alleine im letzten Jahr wurden seitens der europäischen Unternehmen über 400 Mrd. Euro an neuen Unternehmensanleihen emittiert und fanden, auch aufgrund der niedrigen Zinsmärkte, einen reißenden Absatz. Die Unternehmen suchten sich also getreu der Marktwirtschaft neue Refinanzierungswege, da aufgrund der Kreditklemme die Banken keine wirklichen Anstalten machten, den Kapitalstock der Unternehmen zu erhöhen. Problematisch ist allerdings, dass diese besagten Unternehmensanleihen größtenteils mittelfristige Laufzeiten haben, was bedeutet, dass diese ab dem Jahr 2013 sukzessive auslaufen und neue Finanzierungen durch Neuemissionen benötigt werden. Gleichzeitig müssen allerdings, aufgrund der Krise 2000 bis 2003, aber viele Staatsanleihen ebenfalls zu diesem Zeitraum refinanziert werden, so dass allein 2012 die Bankenbranche weltweit 7000 Mrd. US-Dollar an Krediten umschulden muss. Die kommenden Jahre werden also eine echte Belastungsprobe für den internationalen Rentenmarkt darstellen. Denn wenn die Befürchtungen von Staatspleiten weiterhin anhalten und sich dadurch die Nachfrage nach Anleihen, bei einem sich gleichzeitig deutlich ausweitenden Angebot, reduziert, gibt es nur eine mögliche Reaktion an den Bondmärkten – eine Konsolidierung. 

Ihr Markus Zschaber

Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Nach seinem BWL-Studium ließ er sich in den USA bei der Chase Manhattan Bank zum Fondsmanager ausbilden und kehrte danach wieder zurück in seine Wahlstadt Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt als "Bester Fondsverwalter 2008"durch den "Handelsblatt-Elite-Report", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Zwei seiner Fachbücher konnten Leser bereits in den Bestseller-Listen finden, zuletzt das Buch "Der Börse voraus" als Gemeinschaftsproduktion mit dem Nachrichtensender n-tv.

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