Montag, 14. November 2011
Anlegen mit mehr Schutz
Auf der Volatilitätswelle surfen
von Dominik Auricht, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen der HypoVereinsbank onemarkets
Das Meer tost, das Wasser schäumt. Auf seinem Brett liegend, paddelt der Surfer hinauf auf die Wellenspitze. Gerade als sich die Welle bricht, springt er aufs Board und reitet am Wellenkamm entlang über das Wasser. Surfer lieben das. Je höher die Welle, desto größer der Spaß. Zugleich müssen die Wellenreiter genau wissen, was sie tun. Denn mit der Größe der Welle steigt auch die Gefahr, ins Wasser gerissen zu werden.
Ähnlich verhält es sich an der Börse in Zeiten hoher Kursausschläge. Mit der richtigen Strategie können Anleger die Schwankungswellen meistern und sogar von ihnen profitieren. Zugleich gilt aber auch hier: Je größer die Welle, desto größer ist das Risiko. Wer hohe Wellen mag, findet derzeit an der Börse gute Bedingungen vor – denn starke Kursschwankungen gehören mittlerweile zum Alltag.
Wie umtost der Markt ist, zeigt beispielsweise der von der Deutschen Börse berechnete DAX-Volatilitätsindex VDAX-New. Der auch als „Angstbarometer“ bezeichnete Index drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des DAX für die kommenden 30 Tage aus. Je höher er liegt, desto unruhiger sind die Märkte. Noch am 26. Juli 2011 stand der Index bei 20 Prozent, bis Anfang September schoss er auf 50 Prozent in die Höhe und lag am 9. November 2011 bei rund 41 Prozent - ein extrem hohes Niveau.
Doch woran liegt das? Ein starker Anstieg der Volatilität ist häufig bei fallenden Märkten zu beobachten, während sie bei steigenden Märkten tendenziell sinkt. Hintergrund: Kurskorrekturen und Börseneinbrüche verlaufen heftiger und schneller als Kursanstiege – und bei Kursrückgängen steigt die Angst vor weiteren Verlusten deutlich an.
Der Blick auf die historische Wertentwicklung des DAX und des VDAX-New in den beiden vergangenen Dekaden belegt dies: Immer wenn der DAX-Kurs einbrach, erhöhte sich der Wert des VDAX-New. In Erholungsphasen wie etwa 2010 ging der Volatilitätsindex hingegen zurück (siehe Grafik 1)
Spätestens seit diesem Sommer stehen die Zeichen wieder auf Sturm. Der DAX und andere wichtige Börsenbarometer verloren massiv an Wert. Noch am 26. Juli 2011 notierte das deutsche Aktienbarometer bei 7.400 Punkten. Bis Anfang September verlor es innerhalb von 29 Handelstagen rund 2.500 Punkte.
Das rasante Tempo kam für viele Marktbeobachter völlig überraschend – so schnell hatten selbst der 11. September 2001 und die Lehman-Pleite 2008 den DAX nicht nach unten gezogen. Er erreichte im September ein ähnlich niedriges Niveau wie vor drei Jahren – obwohl dieses Mal keine systemrelevante Bank wie Lehman Brothers zusammengebrochen war. Anlass für den jüngsten Einbruch ist insbesondere die Eurokrise und die Befürchtung vieler Marktteilnehmer, dass die Wirtschaft dadurch weltweit an Schwung verliert. Vor allem die exportorientierten deutschen Unternehmen wären davon betroffen.
Viele Experten sind sich einig: Anleger müssen sich auch weiterhin auf eine unruhige Börsensee einstellen. Klare Tendenzen sind immer weniger erkennbar. Krisenereignisse können innerhalb kurzer Zeit für starke Kursschwankungen und -einbrüche sorgen und einen langfristigen Aufwärtstrend an den Aktienmärkten verhindern. Beispiele sind das Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende, die Terroranschläge des 11. September 2001, die Finanzkrise 2008/2009 oder die aktuelle Staatsschuldenkrise in den USA und in Europa.
Doch Anleger können die hohen Wellen für sich nutzen. Statt auf langfristige Aufwärtsbewegungen an den Börsen zu hoffen, bieten sich Strategien und Produkte an, mit denen sie in kürzeren Börsenphasen Geld verdienen können – zum Beispiel Aktienanleihen.
Lukrative Kupons in Aussicht
Im Grundsatz gilt: Je höher die Börsenwellen, umso höher die Kupons von Aktienanleihen. Wie ist zu erklären, dass bei Aktienanleihen die zunehmende Volatilität die Kuponhöhen steigen lässt? Dies liegt an der hinterlegten Optionsstruktur der Papiere. Mit dem Kauf einer Aktienanleihe verkauft der Anleger implizit eine Put-Option auf den Basiswert der Anleihe. Dieses Termingeschäft tätigt die Emittentin für den Käufer. Den Verkaufserlös gibt die Emittentin als Kupon an den Anleger weiter.
Hat nun die Volatilität des Basiswertes zugenommen, ist auch der Wert der Put-Option höher. Denn mit der Volatilität steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Put-Option Gewinne erzielen wird. Die Prämie für diese verkaufte Option erhält der Anleger in Form des Kupons. Je höher also die erwartete Schwankungsbreite der unterlegten Aktie, desto lukrativer der Kupon der Aktienanleihe. Allerdings erhöht sich bei einer hohen Volatilität auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger am Ende der Laufzeit nicht den Nominalbetrag erhält, sondern eine vorab festgelegte Zahl an Aktien. Dies ist der Fall, wenn zum Laufzeitende der Kurs des Basiswertes unterhalb der festgelegten Sicherheitsschwelle liegt.
Investoren sollten jedoch bedenken: Aktienanleihen sind Inhaberschuldverschreibungen. Bei Insolvenz der Emittentin drohen hohe Verluste bis hin zum Totalverlustrisiko.
Weitere Informationen im onemarkets Magazin der HypoVereinsbank unter: www.onemarkets.de/magazin