Dienstag, 10. November 2009
Markus Zschaber, V.M.Z.
Asien - der Stabilisator des Westens
In diesem Jahr zeigte die asiatische Wirtschaft mit Beginn des Frühlings erneut ihre hohe Widerstandskraft gegenüber einer Weltwirtschaftsrezession, die eigentlich nur in den industrialisierten Volkwirtschaften wirklich zu spüren ist. Nach meinen analytischen Recherchen konnten sich die asiatischen Nationen aufgrund der Schwere dieser Rezession nicht komplett entziehen, jedoch schafften sie am zeitnahesten den sogenannten Return.
Interessant ist meiner Meinung nach, dass die Wandelbarkeit dieser Volkswirtschaften, vor allem aufgrund des durch die Regierungen eindeutig formulierten Wachstumspfads sehr ausgeprägt ist. Als der Welthandel durch den Schockzustand an den Finanzmärkten massiv einbrach, wurde das sehr exportorientierte Bruttoinlandsprodukt zeitnah auf asiatisches Binnenwachstum umgestellt. Diese Reaktion konnte auch in der Industrieproduktion der asiatischen Volkwirtschaften erkannt werden, die, wie in nahezu allen Nationen der Erde, überproportional einbüßte, allerdings anders als in den westlichen Ländern seit Anfang dieses Jahres wieder zulegte. Ähnlich wie in den USA oder auch in Europa wurden weitreichende monetäre Aktivitäten durch die asiatischen Notenbanken sowie seitens der Regierungen ergriffen, um die Konjunktur zu stützen. Diese Maßnahmen kamen direkt und ohne Verzögerung bei den entsprechenden Schlüsselindustrien an, was auch daran lag, dass der Bankensektor nahezu keine Investitionen in US – amerikanische Subprime – Wertpapiere umgesetzt hatte. Außerdem konnte festgestellt werden, dass die asiatischen Nationen durch die zum Erliegen gebrachten Liquiditätsströme im Gegensatz zu anderen Schwellenländern nicht wirklich betroffen waren, da die Leistungsbilanzüberschüsse ein sehr robustes Polster aufwiesen.
In erster Linie gilt China als der Wachstumsträger der Region, welcher auch hauptverantwortlich für die Binnenwachstumsdynamik ist. Nach meinen ökonomischen Analysen wird die Wertschöpfungskette Chinas insbesondere durch die zyklische Industrie, welche seit dem 2. Quartal wieder kräftige Zuwächse generiert, beeinflusst. Hier kamen vor allem die umfangreichen Investitionsprogramme zum Tragen, da diese nicht wie in den USA erstmal in die Bilanzen von Goldman Sachs & Co investiert werden mussten, sondern direkt für Infrastrukturprojekte in den Bereichen öffentliche Verwaltung, Straßenbau, Schienenverkehr und Gesundheit eingesetzt wurden.
Darüber hinaus wurden staatliche Investitionsprogramme geschaffen, die Anreize schaffen sollten, das Konsumgüterwachstum erst wieder zu stabilisieren und anschließend weiter zu beschleunigen. Zusätzlich wurde der Bevölkerung durch die staatlichen Medien suggeriert, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Kredite aufzunehmen, um sich Konsumwünsche zu erfüllen. Diese Vorgehensweise kritisiere ich sehr scharf, da dadurch in der Zukunft auch hohe Belastungen und Überhitzungen entstehen können. Durch diese Aufforderung, das Kreditmengenwachstum im privaten Sektor zu steigern, erhöhte sich das chinesische Kreditvolumen alleine bis Sommer 2009 um über 30 Prozent. Da diese Kreditwelle nachhaltig inflationistische Entwicklungen befürchten lässt, hat die chinesische Regierung verlauten lassen, jetzt die Inanspruchnahme von Krediten durch die Bevölkerung zu drosseln. Mit Blick auf die kommenden Monate bewerten wir allerdings das inflationistische Risiko auch in China als unwahrscheinlich, da auch hier die Kapazitäten noch nicht zu alten Auslastungswerten zurück gefunden haben. Mittelfristig, eventuell schon ab Winter 2010 könnten aber die Inflationsraten sprunghaft ansteigen, was wir als durchaus Gefährlich einstufen. Die Regierung in China prognostiziert eine BIP – Expansion von acht Prozent in diesem Jahr, was auch nach Aktualisierung meiner Bewertungsmodelle unter Berücksichtigung des gesamten Wachstumsmodells Chinas als realistisch einzustufen ist.
Insgesamt kann der asiatischen Ökonomie sicherlich ein hoher Dynamikfaktor zugesprochen werden, auch wenn die Öffnung der Kapitalmärkte sowie der Produktionszyklen für Investoren immer noch nicht ansatzweise die Standards erreichen wie in den westlichen Nationen. Dennoch zeigen die Binnenzyklen des asiatischen Handels eine zunehmende Öffnung, was eine merkliche Dynamik der nationalen Leistungsbilanzen der asiatischen Volkswirtschaften mit sich brachte. Betrachtet man die Aussagen der asiatischen Politiker gilt aber nach wie vor das nationale Interesse als höchstes Gut, so dass mit einer sich nachhaltig deutlich ausweitenden Belebung des asiatischen Binnenmarktes nur begrenzt zu rechnen ist.
Interessanterweise wurden die am weitesten geöffneten Volkswirtschaften, wie z. B. Taiwan und die beiden Handelszentren Hongkong und Singapur, getroffen, während die Rezession in größeren Ländern wie Südkorea oder Indonesien ein merklich milderes Ausmaß verzeichnete. Bis dato kann aber erkannt werden, dass in nahezu allen asiatischen Staaten durch die regierungspolitischen Stimulationen und der starken Güternachfrage Chinas wieder eine Stabilisation des expansiven Prozesses stattfindet. Bewertet man das konjunkturelle Gerüst der asiatischen Schwellenländer neben dem volkswirtschaftlichen Riesen China, kann meiner Meinung nach festgehalten werden, dass vor allem die ökonomische Verfassung der ostasiatischen Nationen eng mit dem Welthandel korreliert. Dies wird wiederum dazu beitragen, dass mittelfristig auch die westlichen Kapazitäten innerhalb der Industrie wiederum nachhaltig steigende Aufträge verzeichnen werden, was vor allem den Exportintensiven Nationen wie beispielsweise Deutschland zu Gute kommen sollte. Dennoch steht für uns fest, dass sich ein kräftiger Aufschwung nur entwickeln kann, wenn auch die Nachfrage aus den großen Industrieländern wieder stärker anzieht.
Ihr Markus Zschaber
Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Nach seinem BWL-Studium ließ er sich in den USA bei der Chase Manhattan Bank zum Fondsmanager ausbilden und kehrte danach wieder zurück in seine Wahlstadt Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt als "Bester Fondsverwalter 2008"durch den "Handelsblatt-Elite-Report", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Zwei seiner Fachbücher konnten Leser bereits in den Bestseller-Listen finden, zuletzt das Buch "Der Börse voraus" als Gemeinschaftsproduktion mit dem Nachrichtensender n-tv.