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Montag, 21. November 2011
Burkhard Wagner
Aktien sind Krisenschutz
Auf der Suche nach Schutz vor der drohenden Inflation und dem Ende des Euro setzen Anleger auf Wohnungseigentum und Gold. Dabei bieten Aktien einen ebenso guten Krisenschutz.
Die Gelddruckmaschinen laufen warm - die Gefahr einer weiter anziehenden Inflationsrate ist existent. In Europa beträgt die Inflation bereits drei Prozent, in England sind es über fünf Prozent. Kein Wunder, dass sich Investoren um relativ risikoarme Sachwertinvestments bemühen. Vor allem Immobilien stehen ganz oben auf der Wunschliste. Besonders Eigentumswohnungen in Top-Lagen sind bereits sehr teuer geworden und haben die Mietrenditen auf ein historisch niedriges Niveau abschmelzen lassen. Immobilienexperten sprechen mittlerweile von einer ausgewachsenen Preisblase. Auch die Preise für Silber und Gold – klassische Inflationsschützer – haben sich vervielfacht und sind seit Jahren in Hausse-Laune.
Angst vor der Währungsreform
Bei Aktien
verhält sich das anders. Aktienkurse sind – vor allem in Deutschland – stark
gefallen und derzeit sehr günstig bewertet. Die Konjunktur ist in Deutschland
noch sehr robust. Der Konsum brummt, wohl auch deswegen, weil viele Deutsche
den zukünftigen Geldwert des Euro stark infrage stellen. Die Angst vor einer
ansteigenden Inflation geht um; sogar eine Währungsreform wird mancherorts befürchtet.
Hier hilft
ein Blick in die Geschichte: Aktienbesitzer haben die Inflation 1923 und auch
den Zusammenbruch nach 1945 im Vergleich zu Käufern vermeintlich sicherer
Staatsanleihen und anderer Gläubigerpapiere relativ unbeschadet überstanden.
Während der großen Inflation zwischen 1919 und 1923 verlor der damalige
Aktienkurs-Index zwar zeitweise über 90 Prozent seines Wertes, erholte sich
dann aber wieder zügig. Es verblieb beim Aktienanleger in dieser Zeit ein
Verlust von rund 20 Prozent, der Staatsgläubiger verlor praktisch alles.
Schutz vor Diktatur, Krieg und
Inflation
Im April
1927 erreichten die Kurse wieder historische Höchststände. Der
Sachwert-Charakter der Aktie schützte den Anleger – wie auch heute – vor den
Gefahren der Geldentwertung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden durch die
Währungsreform 1948 die Reichsmarkguthaben im Verhältnis 100 RM zu 6,5 DM
reduziert. Natürlich erlitten auch Aktienbesitzer schwere Verluste. Ausgehend
von einem Indexstand aus dem Jahr 1933 verloren Aktionäre etwa die Hälfte ihres
Vermögens, Anleihebesitzer verfügten allerdings nur noch über 14 Prozent ihres
anfänglichen Guthabens. Nachdem Siemens-Aktionäre bereits 1923 ihr Vermögen vor
der Inflation gerettet hatten, zahlte die Siemens AG bereits 1954 als erstes deutsches
Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland wieder eine Dividende an seine
Anteilseigner. Mit ausgesuchten Standardaktien konnte man somit historisch
größere Vermögensteile vor Diktatur, Krieg und Inflation retten als mit
Sparanlagen.
Leider lassen sich nicht viele Deutsche von diesen Vorteilen begeistern. Statistisch gesehen hat jeder Bundesbürger mehr als eine Lebensversicherungspolice. Nur rund sieben Prozent der Deutschen investieren in Aktien. Doch vor allem Lebensversicherer legen ihr Geld sehr anleiheorientiert an.
Fazit
Der „Sachwert-Gedanke“ hat im Gegensatz zu Wohnungseigentum und Goldanlagen bei ausgesuchten Aktien noch nicht zu einer Inflationierung der Preise geführt. Im Gegenteil – durch die (noch) ungeklärten Probleme in Europa und USA sind die Aktienkurse abgestürzt und entsprechend günstig. Der Langfristanleger findet derzeit attraktive Möglichkeiten in ausgesuchten Standardaktien. Die Höhe des jeweiligen Anteils sollte jedoch im Einklang mit der Risikopräferenz des Anlegers stehen.
Der Autor Burkhard Wagner ist Vorstand der Partners Vermögensmanagement in München und Experte des Internetportals Vermögensprofis.de.