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Einmaleins der Charttechnik
Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Mittwoch, 28. Mai 2008

1x1 der Charttechnik, Folge 8

Visuelle Chartformationen - Teil 2

Ein Trend besteht so lange bis er bricht, sagt eine alte Börsenregel. Genau an diesen Punkten treten Trendumkehrformationen auf. Darauf sollten Sie bei allen Umkehrformationen achten:

- Eine Umkehrformation kann nur am Ende eines Trends auftreten, daher muss ein solcher eindeutig bestimmt sein.
- Der Bruch einer wichtigen Trendlinie leitet oftmals eine Umkehrformation ein.
- Je länger sich eine Formation bildet und je größer ihre Ausmaße sind, desto größer ist das Ausmaß der nachfolgenden Bewegung.
- Obere Umkehrformationen bilden sich in der Regel schneller als untere, dabei ist aber kein genauer Wert zu bestimmen.
- Die Umsätze sollten am Tag des Ausbruchs aus der Formation und mindestens einen Tag danach deutlich steigen.

Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (Head-Shoulder; SKS) ist eine der bekanntesten Formationen, obwohl sie wesentlich seltener Auftritt als zum Beispiel ein Doppel-Top oder die V-Umkehr (siehe dazu später). Die Formation wird im Aufwärtstrend als SKS-Formation beziehungsweise als untere Umkehrformation als inverse SKS-Formation bezeichnet. Bei dieser sind die Schultern und der Kopf entsprechend als Tiefpunkte ausgebildet.

Auf diese Punkte müssen Sie bei der Interpretation der SKS-Formation achten:

1. Die Formation ist erst beendet, wenn der Kurs unter die Nackenlinie bricht (wie im Fall der inversen SKS) beziehungsweise über die Nackenlinie steigt (bei der "eigentlichen" SKS).

2. Besonders beachten sollten Sie das Volumen, das bei der Ausbildung der jeweiligen Formationsteile auftritt. Dabei sollte die Ausbildung der linken Schulter mit hohem Volumen einhergehen, die folgende Korrekturbewegung, also die Bewegung hin zur Ausbildung des Kopfes, mit niedrigem. Der Kopf selber, also das Hoch (obere SKS) beziehungsweise Tief (untere SKS) der Formation, wird bei hohen Umsätzen gebildet, die aber geringer sind als diejenigen bei Ausbildung der linken Schulter. Die rechte Schulter wird dann bei vergleichsweise geringen Umsätzen gebildet.

Besonders wichtig ist, dass die Umsätze beim Durchbruch durch die Nackenlinie stark steigen. Umso geringer ist dann nämlich die Gefahr eines Fehlausbruchs.

Die V-Formation als obere und untere Umkehr. Grafisch stellt die obere Umkehrformation ein umgekehrtes V dar, sie wird aber trotzdem als V-Formation bezeichnet.

Die V-Formation als obere und untere Umkehr. Grafisch stellt die obere Umkehrformation ein umgekehrtes V dar, sie wird aber trotzdem als V-Formation bezeichnet.

In der Grafik ist die Schulter-Kopf-Schulter-Formation als obere Umkehrformation abgebildet und die inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation als untere Umkehr. Das Kursziel der SKS wird durch Abtragen der Strecke a) nach dem Durchbruch nach unten bestimmt Das Kursziel der inversen SKS wird durch Abtragen der Strecke b) nach oben bestimmt. In der unteren Zeile der oberen Formation ist die Entwicklung des Volumens aufgetragen. Dies gilt genauso für die untere Umkehr der SKS.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen einmal die psychologischen Mechanismen erläutern, die hinter der Ausbildung einer solchen Formation stecken. Ich werde dies am Beispiel der inversen SKS-Formation konkretisieren. Natürlich gibt diese Interpretation eher eine tendenzielle psychologische Übersicht.

Stellen Sie sich vor, es kommt zu einem stärkeren Einbruch im Dax. Viele Anleger starren dann auf die fallenden Kurse - also ihre sinkenden Gewinne - wie das Kaninchen auf die Schlange.

1. Diejenigen Anleger, die bis dahin noch nicht verkauft haben denken sich: Ich verkaufe doch nicht mit Verlust! Einige verwegene Trader und Schnäppchenjäger beginnen jetzt bereits wieder zu kaufen. Es kommt also zu einer zunächst mäßigen, dann sich weiter beschleunigenden Aufwärtsbewegung. Folge: Die linke Schulter ist also der „erste Boden.

2. Im Verlauf der erneuten Aufwärtsbewegung steigen dann die wieder aus, die in der Nähe des Bodens eingestiegen sind und jetzt bereits schon wieder im Gewinn sind. Der Verkaufsdruck führt jetzt dazu, dass die Kurse wieder fallen. Das Tief der linken Schulter ist jetzt eine signifikante Unterstützungsmarke. Wird diese nach unten durchbrochen, etwa weil hier viel Ihre Stopps gelegt habe - fallen die Kurse zunächst darunter. Das weitere Schicksal der Formation entscheidet sich jetzt: Treten Käufer in den Markt und die Kurse steigen wieder, bildet sich der Kopf der Formation. Folge: Wenn der erste Boden nach unten durchbrochen wird, bildet sich der Kopf.

3. Am Hochpunkt nach der Kopfbildung verkaufen viele Trader wieder. Auch diejenigen steigen nun aus, die schon vor dem Absturz zum Kopf verkaufen wollten aber immer noch drin sind. Sie haben nun eine Gegenbewegung ungenutzt vorbeigelassen und noch weitere schmerzhafte Kursverluste hinnehmen müssen - der Mensch lernt: also steigen sie bei dieser Gegenbewegung aus. Die Bullen aber warten zunächst auf einen nachhaltigen Bruch dieser Chartmarke, um weitere Positionen einzugehen. Die Folge: Die Kurse schwächeln wieder. Der Markt kann diese Marke beim ersten Anlauf nicht überwinden und sackt wieder ab und erreicht das Niveau des ersten Bodens. Hier entscheidet sich jetzt dann endgültig, ob diese Formation insgesamt eine untere Umkehrformation wird, oder ob es weiter abwärts geht. Folge: Wenn der erste Boden nicht unterschritten wird, bildet sich die rechte Schulter.

4. Es kommen neue Bullen in den Markt, die es schaffen, den Markt über die Nackenlinie zu bringen Dies wird dann wird das Zutrauen der Anleger steigen. Sofern keine störenden Nachrichten kommen, kann der Markt weiter und weiter steigen. Die rechte Schulter ist vollendet. Folge: Die SKS wird durch den Durchbruch der Nackenlinie bestätigt.

Das ist natürlich ein idealtypischer Verlauf, der aber das grundsätzliche Prinzip einer Bodenbildung deutlich macht und auch auf andere untere Umkehrformationen übertragen werden kann.

Die V-Formation tritt sehr häufig auf, als obere und untere Umkehrformation. Sie ist hauptsächlich nach steilen Trendverläufen anzutreffen, nach denen sich der Trend ebenso unvermittelt umkehrt. Der eigentliche Wendepunkt wird häufig durch einen einzigen Tag, einen so genannten Intraday Reversal., oder durch eine Zwei-Tages-Umkehrformation eingeleitet (Näheres dazu siehe Kapitel 5). Die V-Formation wird als solche auch bezeichnet, wenn sie als obere Umkehr auftritt, also grafisch ein umgekehrtes V darstellt.

Das Doppel-Hoch

Das Doppel-Hoch

Das Doppel-Hoch und das Doppel-Tief (Double Top, Double Bottom, auch M-Formation beziehungsweise W-Formation genannt) kommen sehr häufig vor. In der Praxis sind jedoch die beiden Spitzen nicht immer auf exakt der gleichen Höhe. Die Abbildung zeigt schematisch die obere Umkehr, das Doppel-Hoch, und die untere Umkehr, das Doppel Tief. Hier ist ebenfalls eine Kurszielbestimmung möglich, wie in der Abbildung dargestellt.

Worauf Sie in der Praxis achten sollten:

Alle Formationen in den obigen Abbildungen sind idealtypisch dargestellt, also so, wie sie nach der klassischen Chartlehre interpretiert werden sollten. In der Praxis müssen Sie aber Vorsicht walten lassen. Insbesondere sind die Angaben zu der Volumenentwicklung idealtypisch (etwa bei der SKS) und in der Praxis in dieser „Schönheit eher selten anzutreffen. „Richtige Volumina erhöhen aber sicherlich die Erfolgsquote der Formation.

Das Doppel-Hoch als obere Umkehrformation, auch M-Formation genannt. Als untere Umkehr wird sie als Doppel-Tief, als W-Formation, bezeichnet.

Das Doppel-Hoch als obere Umkehrformation, auch M-Formation genannt. Als untere Umkehr wird sie als Doppel-Tief, als W-Formation, bezeichnet.

Dr. Gregor Bauer erklärt bei Telebörse.de alle 14 Tage die Grundlagen und Tricks der technischen Analyse. Er ist Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (www.vtad.de) und Mitglied im Vorstand des Weltverbands der technischen Analysten (www.ifta.org).

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