Freitag, 29. August 2008
1x1 der Charttechnik, Folge 11
So analysieren Sie Kerzencharts
Der größte Vorteil, den Kerzencharts bieten, ist zweifellos der, dass sie die Marktpsychologie transparent machen, also Stimmungen verdeutlichen. Besonders gut sind dabei Stimmungsumschwünge zu beobachten. Diese treten natürlich hauptsächlich in Umkehrphasen auf und so ist es nicht verwunderlich, dass die weitaus größere Anzahl der Kerzenformationen eine Trendumkehr signalisiert. Die am häufigsten vorkommenden Kerzenformationen bestehen in der Regel aus einer bis drei Kerzen. Es gibt aber auch Formationen, die aus fünf und mehr Kerzen bestehen und sich über Wochen und Monate ausbilden können. Diese werden nicht durch die einzelnen Kerzen, sondern durch die Gesamtform der Formation bestimmt.
Hinweis:
Alle der nachfolgend beschriebenen Formationen haben nur dann ihre Gültigkeit, wenn sie wirklich am Ende eines Trends auftreten. Dies bedeutet, dass Sie die vollständige Ausbildung der jeweiligen Formation abwarten sollten. Es gilt auch hier: Bitte versuchen Sie nicht, die Formationen zu erahnen, bevor sie vollständig gebildet wurden.
Was Sie besonders beachten sollten
Beachten Sie bitte auch den folgenden wichtigen Punkt: Eine Formation ist vollständig, wenn sich alle zur Formation gehörenden Kerzen entsprechend den Regeln ausgebildet haben. Damit ist sie aber noch nicht bestätigt! Das bedeutet: Eine weitere Kerze muss sich nach Vollendung der Formation in die neue Trendrichtung entwickeln, um den neuen Trend zu bestätigen.
Kerzen bilden sich mit schwarzen oder weißen Körpern. Die Anordnung der Farbe der Kerzenkörper in einer Formation gibt Ihnen ebenfalls wichtige Hinweise auf die Signifikanz der Signale.
Hammer / Hanging Man - das sagen Ihnen Umkehrformationen
Diese Kerzen werden, wenn sie als Tagesperioden erstellt sind, auch Intraday-Reversal genannt. Sie bestehen aus der gleichen Kerze. Der Unterschied in der Interpretation ergibt sich aus der Lage im Chart: Der Hammer kommt als untere Umkehrformation vor, also als Umkehr eines Abwärtstrends. Der Hanging Man ist das Pendant als obere Umkehr eines Aufwärtstrends. Beide Formationen können weiße oder schwarze Körper haben. Sie kommen sehr häufig vor und sind oft Bestandteil von Formationen, die aus mehreren Kerzen bestehen.
Kriterien
- Der untere Schatten sollte mindestens zweimal so lang sein wie der Körper
- Je länger der untere Schatten, desto signifikanter das Signal
- Es sollte keinen oder nur einen kleinen oberen Schatten geben
Das Signal wird erst durch eine weiße Kerze am nächsten Tag - beim Hammer - beziehungsweise eine schwarze Kerze am nächsten Tag - beim Hanging Man - bestätigt.
- Die Farbe des Körpers spielt eine untergeordnete Rolle. Ein weißer Körper im Hammer beziehungsweise ein schwarzer Körper des Hanging Man sollte aber die Signifikanz des Signals erhöhen.
Das können Sie aus der Psychologie der Formation herauslesen
Der Hammer signalisiert eine extrem bearische Stimmung am Ende eines Abwärtstrends. Verkäufe überwiegen bei weitem das Angebot. Dann gewinnen die Bullen an Einfluss und bringen den Kurs wieder in die Nähe des Eröffnungskurses oder auch darüber hinaus. Es entsteht ein schmaler Körper mit einem langen Schatten.
Der Hanging Man bildet sich am Ende eines Aufwärtstrends. Die Kurse fallen nach der Eröffnung schnell, aber es finden sich noch genug Käufer, um die Eröffnungskurse wieder zu erreichen. Trotzdem, es ist ein erstes Warnsignal, die Bullen könnten bald weniger Kraft haben und die Verkäufer den Markt endgültig umkehren.
Worauf Sie in der Praxis achten sollten:
Besonders signifikant ist diese Kerze, wenn sie
- jeweils nach einer entsprechenden Kurslücke auftritt
- ein hohes Volumen an diesem Tag hat
- je länger der Körper der Bestätigungskerze am nächsten Tag ist
Hinweis: Die Bestätigungskerze am nächsten Tag muss über dem Hoch des Hammers beziehungsweise unterhalb des Tiefs des Hanging Man schließen.
Sie sollten vorsichtig sein, wenn der Körper der Bestätigungskerze nicht oder nur knapp oberhalb des Schlusskurses des Hammers liegt beziehungsweise nicht oder nur knapp unterhalb des Schlusskurses des Hanging Man. Die Gefahr eines Fehlsignals ist dann noch hoch. Warten Sie besser eine weitere bestätigende Kerze ab.
In der nächsten Folge meiner Serie werden wir uns mit weiteren Trendumkehrformationen aus einer Kerze beschäftigen:
Dr. Gregor Bauer erklärt bei Telebörse.de alle 14 Tage die Grundlagen und Tricks der technischen Analyse. Er ist unabhängiger Portfolio Manager für Privatkunden (www.drbauer-consult.de), sowie Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (www.vtad.de) und Mitglied im Vorstand des Weltverbands der technischen Analysten (www.ifta.org).