Freitag, 15. August 2008
1x1 der Charttechnik, Folge 10
So analysieren Sie Kerzencharts
Die Candlestick (Kerzenchart) -Technik ist eine Analysemethode, die ihren Ursprung bereits im Japan des 16. Jahrhunderts hat. Berühmt wurde in Japan in diesem Zusammenhang Munehisa Homma (1724- 1803), der durch Anwendung dieser Methode beim Reishandel ein legendäres Vermögen anhäufte. Homma stellte erstmals 160 überlieferte Regeln zur Candlestick-Analyse auf, die bis heute die Grundlagen der Kerzenanalyse darstellen. Hommas Methoden sind zudem die ersten bekannten Arbeiten über die Technik der Formationserkennung, etwa 150 Jahre vor den Untersuchungen von Charles Dow und Richard Schabacker. Die Konstruktionsweise der Kerzen habe ich schon in Folge 1 beschrieben, hier nur zur Erinnerung:
So verlässlich sind Candlestick-Formationen
Diese Formationen haben teilweise eine Trefferquote von bis zu 60 bis 70 Prozent. Diese Werte liegen weit über dem statistischen Zufall. Genaue Werte sind dabei schwierig zu bestimmen, da die Formationen nicht exakt in mathematisch fassbare Formeln zu bringen sind. Hierin unterscheiden sich deshalb auch die Tests verschiedener Analysten. Es wird immer Grenzfälle, also nicht idealtypisch ausgebildete Formationen geben. Es kommt zudem auf die Gesamtsituation des Marktes an und auch auf die Erfahrung des Analysten. Mit ein wenig Übung werden Sie bald selbst ein Gefühl für die Formationen bekommen.
Das müssen Sie aber beachten:
Die Formationen haben einen gewissen Prognosezeitraum, der ungefähr der zwei bis dreifachen Periodenlänge entspricht. Beispiel: Eine Formation aus Tageskerzen bestimmt, nachdem sie bestätigt wurde, maximal den Kursverlauf für etwa drei Tagen, eine Formation aus Wochenkerzen entsprechend für drei Wochen.
Zunächst stelle ich ihnen die wichtigsten Einzelkerzen vor:
Die Unsicherheit des Marktes:
a) Der Doji
Eine wichtige und sehr häufig vorkommende Figur ist der Doji. Ich stelle ihn den Formationen, die ich in den nächsten Folgen dieser Serie erläutern werde voran, weil er auch in den verschiedenen Formationen selbst immer wieder auftritt. Der Doji verdeutlicht besonders gut die Unsicherheit im Markt. Der Doji ist immer ein Signal, das zur Vorsicht mahnt. In einem Trend signalisiert er eine Phase der Unsicherheit, also das klassische Patt zwischen Bullen und Bären. Charakterisiert ist der Doji dadurch, dass Eröffnungs- und Schlusskurs einer Periode gleich sind. Der Doji kommt als allein stehende Kerze, aber auch in bestimmten Formationen vor. Man unterscheidet in Abhängigkeit der Länge der Schatten verschiedene Ausprägungen eines Doji. Die folgende Abbildung zeigt die möglichen Varianten.
b) Spinning Tops - High Wave Candles
Wenn ein Doji einen Körper ausbildet, so entstehen Spinning Tops. Diese Kerzen treten als „Stars beispielsweise im Morning und Evening Star auf (siehe dazu in einer späteren Folge). Die kleinen Körper signalisieren nach wie vor die Unsicherheit des Marktes, der Körper gibt aber hier schon eine Richtung vor - er ist weiß oder schwarz.
Die Länge der Schatten spielt bei einem Spinning Top keine Rolle.
Ein Spinning Top, das einen sehr langen oberen und unteren Schatten hat, wird High Wave Candle genannt. Dabei ist die exakte Länge des Schattens nicht definiert. Die „Wellen schlagen hoch - oberer und unterer Schatten -, aber schließlich beruhigt sich die Situation, und der Schlusskurs liegt in der Nähe des Eröffnungskurses - ein kleiner Körper. High Wave Candles drücken also besonders anschaulich den Kampf zwischen Bullen und Bären aus, der im Unterschied zum Doji aber nicht unentschieden ausgeht.
In der nächsten Folge meiner Serie werden wir uns mit Trendumkehrformationen aus einer Kerze beschäftigen - und wie diese schon als einfachstes Handelssystem effektiv funktionieren, denn die Kerzen geben uns Einstiegs- und Stopp-Marken.
Dr. Gregor Bauer erklärt bei Telebörse.de alle 14 Tage die Grundlagen und Tricks der technischen Analyse. Er ist unabhängiger Portfolio Manager für Privatkunden (www.drbauer-consult.de), sowie Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (www.vtad.de) und Mitglied im Vorstand des Weltverbands der technischen Analysten (www.ifta.org).