Montag, 21. April 2008
1x1 der Charttechnik, Folge 6
Kurslücken geben wichtige Informationen
In Kapitel 4 meiner Serie haben wir das Thema Traden an Unterstützung und Widerstand diskutiert. Diesmal betrachten wir Kurslücken genauer, die ebenfalls für den Analysten wichtige Unterstützungs- beziehungsweise Widerstandsmarken liefern.
Eine Kurslücke im Aufwärtstrend entsteht, wenn der Eröffnungskurs des heutigen Tages höher liegt als der Höchstkurs des vorhergehenden Tages und diese Lücke im Laufe des heutigen Tages nicht geschlossen wird.
Eine Kurslücke im Abwärtstrend entsteht, wenn der Eröffnungskurs des heutigen Tages tiefer liegt als der Tiefkurs des vorhergehenden Tages und diese Lücke im Laufe des heutigen Tages nicht geschlossen wird.
Es werden folgende Arten von Kurslücken unterschieden: Diese sind in der folgenden Abbildung schematisch verdeutlicht.
Die Ausbruchslücke (Breakaway Gap)
Diese entsteht, wenn der Kurs mit einer Lücke durch ein Unterstützungs- oder Widerstandsniveau bricht. Bricht der Kurs durch eine Unterstützung nach unten durch, so ist der Eröffnungskurs des nächsten Tages tiefer als der Tiefkurs des vorherigen Tages. Bricht der Kurs durch einen Widerstand nach oben aus, so ist der Eröffnungskurs höher als der Hochkurs des Tages davor.
Die Fortsetzungslücke (Runaway Gap, Measuring Gap)
Diese tritt in der Mitte eines Trends auf. Es können mehrere dieser Lücken hintereinander auftreten. Fortsetzungslücken sind ein Anzeichen für einen intakten Trend. Diese Lücken können in einem Aufwärts- (Eröffnungskurs höher als Hochkurs des vorherigen Tages) oder Abwärtstrend (Eröffnungskurs tiefer als Tiefkurs des vorherigen Tages) auftreten.
Die Erschöpfungslücke (Exhaustion Gap)
Diese tritt am Ende eines starken Trendverlaufs auf, in einer Phase, in der die Kurse sozusagen „überschießen. Dies kann ebenfalls in einem Aufwärts- oder Abwärtstrend vorkommen.
Worauf Sie in der Praxis achten sollten:
W ährend ihrer Entstehung ist es noch nicht möglich zu entscheiden, ob es sich um eine Fortsetzungs- oder um eine Erschöpfungslücke handelt. Erst wenn sich der Kursverlauf danach umkehrt, wird die Erschöpfungslücke definiert. Diese ist dann aber eine wichtige Unterstützung; wenn der Kurs also unter die untere Grenze der Lücke fällt, ist dies ein deutliches Verkaufssignal.
Die verschiedenen Lücken, schematisch dargestellt am Beispiel des Aufwärtstrends. Die Hoch- und Tiefkurse der jeweiligen Perioden dürfen sich nicht überschneiden.
Die Inselumkehr
Eine interessante Umkehrformation in Verbindung mit Kurslücken ist die Inselumkehr. Diese besteht aus einer Erschöpfungslücke, einer oberen oder unteren Umkehr, und einer anschließenden Ausbruchslücke. Entsprechend werden also obere und untere Inselumkehr-Formationen unterschieden. Im Chart der Ixos Software sind eine Inselumkehr sowie eine weitere Ausbruchslücke zu erkennen.
So hätten Sie diese Situation handeln können: Aus dem Kursverlauf können Sie die Umkehrformation erkennen (im Oval markiert). Dies ist übrigens ein Bearish Engulfing Pattern. (Dieser Begriff stammt aus der Kerzenchart-Analyse, die ich Ihnen in einem der nächsten Kapitel genauer erläutern werde).
Beachten Sie, dass die lange schwarze Kerze bereits die Erschöpfungslücke des Aufwärtstrends geschlossen hat und der Schlusskurs dieser schwarzen Kerze sogar unterhalb dieser Lücke schießt. Dies ist ein eindeutiges Verkaufssignal. Kurze Zeit später fällt der Kurs drastisch und bildet eine Ausbruchslücke. Dies war das zweite Warnsignal des Charts. Spätestens dann hätten Sie verkaufen müssen. Die Lücke und die Ausbruchslinie sind im Chart markiert. In diesen Fall ist die Ausbruchslinie eine Unterstützung, da der Kurs sich dieser Linie von oben nähert. Die Ausbruchslinie im Aufwärtstrend war dagegen ein Widerstand, da der Kurs die Linie von unten kommend durchbrach.
Der Kurs von IXOS verläuft sehr volatil. Dies erkennt man auch an den Kurslücken, die nach jedem Bruch einer Trendlinie auftraten. Das Verkaufssignal wurde spätestens beim Bruch der Unterstützung durch die Ausbruchslücke in der Abwärtsbewegung erzeugt.
Dr. Gregor Bauer erklärt bei Telebörse.de alle 14 Tage die Grundlagen und Tricks der technischen Analyse. Er ist Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (www.vtad.de) und Mitglied im Vorstand des Weltverbands der technischen Analysten (www.ifta.org).