Montag, 02. August 2010
Chartprognose
Wall Street richtet über Dax-Schicksal
Rüdiger Born, Avantus Traders
Der Dax hat in der vergangenen Woche zwar unter dem Strich verloren, doch der "grüne Freitag" lässt auf ein Wendezeichen hin zu weiter steigenden Kursen hoffen. Wer jedoch wissen möchte, ob es am deutschen Aktienmarkt aufwärts geht, sollte den Blick an die US-Börsen richten.
Rüdiger Born
Wirklich überzeugen konnte der DAX in der letzten Woche
nicht. Zwar war die erste Wochenhälfte durchaus noch mit höheren Notierungen gesegnet,
doch die roten Tageskerzen zeugen von täglichen Verlusten, mit einer Ausnahme: der
Freitag war – ohne echte Stärke heraufzubeschwören – immerhin positiv, wenngleich
auch hier nur ein moderater Tagesgewinn von etwas mehr als 20 Punkten zu verzeichnen
war. Doch letztlich war von Freitag auf Freitag gerechnet in der vergangenen Woche
ein Wochenminus von 20 Indexzählern das Maß aller Dinge.
Wie man nun den "grünen Freitag" bewerten möchte,
bleibt wohl jedem selbst überlassen. Fakt ist aber, dass der Kurs bis zum Nachmittag
sein Tief knapp oberhalb der 6060er Marke gefunden hat und sich anschließend tapfer
den Weg gen Norden bis kurz vor die 6150 Punkte erkämpft hat. Mit Blick auf die
Tageskerze hat sich dadurch eine lange Lunte auf der Unterseite des Kerzenkörpers
gebildet, was charttechnisch gerne als ein Wendezeichen mit Hoffnung auf zumindest
vorläufig weiter steigende Notierungen gewertet wird.
Doch wer gegenwärtig auf den DAX blickt, muss auf jeden
Fall auch einmal über den großen Teich schauen. Dort nämlich hatten sich die global
wohl meist beachteten Indices, der Dow Jones und auch der marktbreitere S&P500,
im Vergleich zum hiesigen Leitindex in den vergangenen Wochen viel dezenter entwickelt.
Während Deutschlands Lieblingsindex bereits wieder in Schlagdistanz zum Jahreshoch
um neue Käufer buhlte, waren in den USA die Hochmarken des aktuellen Jahres noch
gefühlte Kilometer entfernt. Entsprechend drehten die US-Indices bereits an ihrem
Sommerzwischenhoch ab, ohne das gesamte Potenzial bis zum Widerstand Nummer 1, der
Jahreshochmarke nämlich, voll ausgereizt zu haben.
Sollte dem US-Markt allerdings der Ausbruch über das Zwischenniveau
gelingen, wären auch für den DAX vorläufig alle Schleusen geöffnet. Dann könnten
die Bullen ernsthaft darauf hoffen, dass die Woge der Begeisterung auch den Frankfurter
Index nach oben spülen wird, wobei das bisherige Jahreshoch im DAX keine echte Behinderung
darstellen dürfte. Ausflüge auch über die 6350er Marke wären dann keine Überraschung.
Trotzdem sollten wirklich langfristig orientierte Marktteilnehmer noch nicht vor
Begeisterung schwitzige Hände bekommen, denn auch dieser Ausbruch wäre alles andere
als ein Beweis für das Überwinden aller Gefahren.
Vielmehr bleiben die aktiveren Trader wohl Könige im Markt,
denn die Richtungswechsel verlaufen derzeit mitunter recht zügig. Sollte der Leitindex
allerdings erneut unter die 6000er Marke fallen und dabei auch noch das letzte Zwischentief
nach unten durchstoßen, dürften die Alarmglocken bei vielen Marktteilnehmern in
schrillsten Tönen anschlagen. Dann sollte man auch für weitere, weitaus deutlichere
Kursverluste offen sein.
Euro
- Potenzial schwindet
Tapfer, was der Euro in den letzten knapp zwei Monaten
gegenüber dem US Dollar geleistet hat. Was die Marktbeobachter hier gesehen haben,
war eine Erholung par excellence. Auch wenn sich mancher hier die Augen gerieben
haben dürfte, die letzten rund 1200 Pips in diesem Währungspaar waren nur die erste
38.2 % Fibonacci-Korrektur nach dem deutlichen Rücksetzer, der im Dezember letzten
Jahres begonnen hatte. Immerhin konnte der Kurs Ende letzter Woche sogar die 1.31er
Marke übersteigen und in etwa auf diesem Niveau verharren.
Damit hat sich das weltweit wichtigste Währungspaar aber
auch schon in einen Bereich gehangelt, der langsam aber sicher für eine Konsolidierung
der Zwischengewinne gut wäre. Denn der Ansturm seit dem Juni-Tief war bisher nur
mit kleinen Korrekturen verlaufen. Allerdings muss man zugestehen, dass der Widerstandsbereich,
der den Euro gegen den Greenback in eine Pause führen sollte, durchaus breit ist.
Mit dem Erreichen der 1.31er Marke ist lediglich die Unterseite dieser Zone erreicht,
die allerdings locker bis 1.33 oder aber sogar bis zur 50 % Retracement-Marke bei
rund 1.35 reicht.
Marktaktivisten sollten sich also vorschnelle Richtungswechsel bei ihren Aktivitäten verkneifen, denn weitere 400 Pips Kursgewinn für die Gemeinschaftswährung sind ohne Weiteres noch drin. Allerdings wird auch klar, dass das Potenzial für die Euro-Bullen immer begrenzter wird, weshalb etwaige neue Kaufpositionen immer enger abgesichert werden sollten. Andersrum: wer die Gemeinschaftswährung noch kauft, sollte seine Gewinnziele entsprechend der genannten Marken setzen. Sollte der Markt schon jetzt drehen, wäre die Zone um die 1.26er Marke ein erstes sinnvolles charttechnisches Ziel, welches sich aus Fibonacci und ehemaligen Marken herleiten ließe.