Frankreich: Hier lauert die Gefahr für Europa
Eigentlich müsste Nicolas Sarkozy erneut eine kriegerischeAuseinandersetzung suchen, um seine Landsleute von binnenwirtschaftlichenProblemen abzulenken. Doch das Thema Libyen ist weitgehend passé, und ein neuesnapoleonisches Betätigungsfeld erscheint nicht in Sicht.
Der Blick auf den französischen Aktienleitindex CAC40 offeriert ein Bilddes Jammers. Der französische Aktien-Leitindex wird seit 14 Jahren von der3.000-Punkte-Marke magisch angezogen.
Nach 1998, 2002/03 und 2008/09 ist aktuell die 3.000-Punkte-Marke erneuterreicht. Im Gegensatz dazu schafft es der - in jüngerer Zeit so schwache -DAX, eine Distanz von etwa 1.500 Punkten zu seinem März-2009-Tief zu halten.
Der CAC 40 kommt dem spanischen Leitindex IBEX (nächster Chart) in seinemVerlauf recht nahe.
Der Zins-Spread zwischen französischen und deutschen Staatsanleihenweitet sich aus. Mit 0,75 Punkten befindet er sich auf dem höchsten Niveau dervergangenen Jahre.
Zwar sind die Spreads zwischen den Renditen der Bundesanleihen und denfranzösischen Anleihen im Vergleich zu italienischen oder spanischen Renditenvergleichsweise gering.
Und tatsächlich ahmt die französische Rendite den Verlauf der Renditedeutscher Bundesanleihen nach, wenn auch in letzter Zeit mit immer wenigerErfolg.
Es fällt auf, dass die Rendite französischer Staatsanleihen (blaue Linieobiger Chart) das Tief vom Sommer 2010 - im Gegensatz zur Rendite deutscherStaatsanleihen - bisher nicht unterschritten hat. Dies könnte man als einerstes Anzeichen dafür deuten, dass die französischen Rendite der spanischenund italienischen Rendite nachzueifern beginnt.
Deutschland und Frankreich sind die großen europäischen Kernstaaten.Frankreich ist durch die höhere Arbeitslosenquote (9,9%), ein vergleichsweiseschwächeres Wirtschaftswachstum sowie durch den hohen Bestand französischerBanken an Staatsanleihen der europäischen Peripherie für das spekulative Geldeinfacher anzugreifen als Deutschland. Fiele der CAC40 unter die3.000-Punkte-Marke und stiege gleichzeitig der Spread zwischen der Renditefranzösischer und deutscher Staatsanleihen weiter an, so würde Frankreich voneinem Rettungsschirm-Geberland zu einem Nehmerland mutieren. In diesem Fallwäre der Versuch, einen europäischen Rettungsschirm aufzubauen, gescheitert.
Bliebe die Europäische Zentralbank als „Lender of last resort“. Sie kann- theoretisch unbegrenzt - spanische, italienische und natürlich auchfranzösische Staatsanleihen kaufen. Papiere, die am Markt nicht mehrlosgeschlagen werden können, werden von der EZB akzeptiert. Der „Moral Hazard“ist mit dem Ankauf griechischer, portugiesischer, irischer, spanischer unditalienischer Staatsanleihen längst erfolgt.
Ein Abstecher in die USA: Die amerikanische FED haben eine Zeitlang –während QE2 – nahezu die gesamte Neuverschuldung der USA Monat für Monataufgekauft. Die FED hat bisher auf diese Weise deutlich mehr Geld gedruckt alsdie EZB. Und sie dürfte – sollte sich die wirtschaftliche Lage in den USAweiter verschlechtern – neue Programme installieren, durch die der Kauf vonStaatsanleihen wieder forciert wird.
Der Inflationsdruck lässt – anders als 2008 – bisher nicht nach. DieUS-Geldmengen steigen deutlich (folgender Chart). Dies ist möglicherweisebereits eine Folge der expansiven Geldpolitik.
Das Europa der Zukunftwird nicht mehr so sein wie bisher. Ich bin davon überzeugt, dass aus derErfahrung dieser Finanzkrise heraus eine „fiskalpolitischeMonsterkraken-Behörde“ in Brüssel entstehen wird, die umfangreicheKontrollmechanismen installieren wird. Eine solche Behörde wird ohne Zweifeldie nationale Souveränität der Mitgliedsstaaten beschneiden. Ähnlich wie in denUSA dürfte der weitere Kauf von europäischen Staatsanleihen den Hang zurInflation stützen – und das trotz deflationärer wirtschaftlicher Tendenzen. AlsFolge dürfte der Realzins negativ bleiben – was wiederum dem Goldpreis zu Gutekommt
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Quelle: n-tv.de