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Charttechnik
Stefan Salomon: Gold - wann endet der Trend?

(Foto: REUTERS)

Mittwoch, 23. Juni 2010

Stefan Salomon

Gold - wann endet der Trend?

Liebe Leserin, lieber Leser, Gold glänzt heller denn je – zumindest als Buchgewinn in vielen Depots deutscher Anleger. Die Nachfrage nach sowohl physischem Gold als auch Gold-Derivaten ist ungebrochen und erlebte gar in den letzten Monaten nochmals eine Auffrischung und nahm die Züge einer Bubble an.

In den Geschäftsräumen von Goldverkaufsstellen gaben sich die Kunden die Klinke in die Hand, und die Server von Online-Gold-Shops brachen zeitweise unter dem Ansturm der Käufer zusammen. Rekordumsätze erlebte auch in den letzten Monaten "Xetra-Gold". Eher bescheiden waren hingegen die Zuwächse aus charttechnischer Sicht. Im Mai 2010 konnte der Goldpreis zwar ansteigen, die Dynamik hinkte jedoch der allgemeinen Gold-Euphorie hinterher und auch im laufenden Monat zeigen sich derzeit eher fehlende Anschlusskäufe, nachdem der Goldpreis in US-Dolllar ein neues Hoch in der langfristigen Aufwärtsbewegung erreicht hat.

Auch wenn das Sentiment damit einige Warnsignale liefert - charttechnisch ist trotzdem derzeit von steigenden Kursen auszugehen. Hierzu ein Rückblick: Vor rund einer Dekade erreichte der Goldpreis Tiefs im Bereich 252 US-Dollar – und startete seitdem eine langfristige Aufwärtsbewegung, die sich aus charttechnischer Sicht ab dem Jahre 2005 noch beschleunigte in Form eines steilen, aber sehr breiten und somit schwankungsintensiven Aufwärtstrendkanals.

Monatskerzen Gold

Monatskerzen Gold

Die obere Begrenzung dieses Trendkanals notiert gegenwärtig bei ca. 1400 Dollar und die untere Aufwärtstrendlinie des Trendkanals verläuft aktuell bei ca. 820 Dollar. Mit einem neuen Hoch in der Aufwärtsbewegung stellt die obere Begrenzung des breiten Aufwärtstrendkanals das Kursziel dar, mithin kann auch im Zeitablauf ein Kursziel von ca. 1500 Dollar abgeleitet werden.

Kreuzwiderstand

Zudem kann innerhalb des seit 2005 verlaufenden langfristigen Aufwärtstrendkanals ein weiterer, engerer Aufwärtstrendkanal seit Oktober 2008 konstruiert werden. Die Kreuzung dieser zwei Aufwärtstrendkanäle stellt aus Sicht der Chartanalyse ein weiteres Indiz für steigende Kurse dar, da in der Regel entsprechende "Kreuzwiderstände" in intakten übergeordneten Aufwärtstrendkanälen die Kurse nach oben ziehen. Damit wären mit Break des letzten Hochs vom Dezember 2009 bei 1225 Dollar auch dynamisch ansteigende Kurse eigentlich wahrscheinlich gewesen.

Was derzeit allerdings fehlt, um vollkommen euphorisch in Gold zu investieren, ist eben gerade die mangelnde Aufwärtsdynamik im Mai und Juni 2010, nachdem das Dezember-Hoch überschritten wurde. Auch zur Vorsicht mahnt, dass trotz der vielfachen Empfehlungen von Goldkäufen und der vermeintlichen Inflationsgefahren der Goldpreis nur moderat ansteigen konnte und in den letzten Tagen nach Break eines Widerstandsniveaus bei ca. 1250 Dollar keine weiteren Anschlusskäufe einsetzten. Bestehende Longpositionen sind daher strikt abzusichern.

Tageskerzen Gold

Tageskerzen Gold

Die Tageskerzen zeigen in Dollar einen Fehlstart über den letzten Widerstand bei 1250 USD. Ein erstes Warnsignal, denn der abgeschlagene Ausbruchsversuch auch aus einem ansteigenden Dreieck könnte sich nun als deutliches Fehlsignal entpuppen. Insbesondere ein Break der 1225 und nachfolgend dann der runden 1200er Marke wären zumindest kurzfristige Verkaufssignale, Ziel wäre dann der seit Februar 2010 konstruierte Aufwärtstrend.

Jeder Trend endet

Ungeachtet der fundamentalen Rahmenbedingungen und des aktuellen Sentiments lautet die erste Börsenregel stets: The trend is your friend. Und in einem intakten Aufwärtstrend sind Rücksetzer zu kaufen als auch neue Hochs als Kaufsignal anzunehmen. Denn letztlich weiß niemand, wie lange ein Trend anhält. Doch ebenso sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass jeder Trend einmal zu Ende geht.

Ein Trend ist allerdings erst dann definitiv zu Ende, sofern auch der zugrundeliegende Aufwärtstrend verlassen wird. Da im Goldpreis in Dollar derzeit zwei langfristige Aufwärtstrends vorliegen, sind langfristige Longpositionen gestaffelt abzusichern. Ein erstes Verkaufssignal aus langfristiger Perspektive ergäbe sich bei einem Fall unter ca. 1145 Dollar – in diesem Szenario würde der seit 2008 bestehende Trend gebrochen. Weitere Verkaufssignale ergeben sich bei einem Break der runden 1000er Marke als wichtige psychologische Orientierungsmarke sowie letztlich bei einem Break des seit 2005 verlaufenden Aufwärtstrends, der gegenwärtig bei ca. 820 Dollar notiert.

Abschließend noch ein Wort zu den Inflationsaussichten, die gern als Argument für Goldkäufe betrachtet werden. Die aktuelle Geldpolitik der Notenbanken beeinflusst eher die Geldmenge – ein Anstieg der Geldmenge führt aber nicht zwangsläufig zu Inflation. Nur Warenknappheit in Verbindung mit ansteigender Geldmenge ist inflationsfördernd – Gold dagegen dürfte eher verlieren, sofern sich die Angst vor Inflation und Staatspleiten abmildert. Und dies dürfte bei einer fortgesetzten Wachstumsstabilisierung eintreten.

Fazit

Charttechnisch sind die langfristigen Aufwärtstrends im Goldpreis intakt und am bisherigen Kursziel von ca. 1500 Dollar bis Ende 2010 kann festgehalten werden. Zur Vorsicht mahnt jedoch das Sentiment und die mangelnde Aufwärtsdynamik nach Break der Dezember-Hochs im Mai und Juni sowie der potentielle Fehlausbruch aus einem Dreieck in den Tageskerzen. Kurzfristig negativ wäre daher ein Fall unter 1225 und die runde 1200 Marke. Ein entsprechender kurzfristiger Rücksetzer könnte dann am seit Februar bestehenden Aufwärtstrend jedoch aufgefangen werden. Kritisch wäre vor allem ein Fall unter ca. 1145 Dollar, da dies dann ein Verkaufssignal aus langfristiger Sicht darstellen würde und daher zu ersten Verkäufen von langfristigen Longpositionen führen sollte.

Ihr Stefan Salomon

Anmerkung: Die Analysen dienen nicht als konkrete Handelsempfehlung. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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