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Charttechnik

Montag, 12. Juli 2010

Chartprognose

Dax-Aktivisten an die Front

Rüdiger Born, Avantus Traders

Der Dax hat nach seinem Kursrutsch um rund 500 Punkte in der zweiten Junihälfte wieder rund die Hälfte nach oben aufgeholt. Viel Luft für eine anhaltende Besserung sieht Chartanalyst Rüdiger Born von Avantus Traders derzeit nicht. Er sieht bei der Marke von 6130 Zählern die Oberseite der nächsten Widerstandszone.

Rüdiger Born

Rüdiger Born

"Volle Kraft voraus", so sieht es aktuell beim DAX aus, wenn man sich das Chartbild der letzten Woche anschaut. Immerhin kletterte der Kurs binnen der letzten 5 Tage um rund 250 Zähler auf einen Wochenschlusskurs von 6031 Punkten. Selbst an Tagen, an denen der Leitindex aus Frankfurt nicht wirklich deutlich gelaufen ist, wie beispielsweise am Donnerstag und Freitag, wurden die täglichen Zugewinne durch Gaps erreicht, also mit Kurssprüngen zur morgendlichen Eröffnung.

Doch da war doch was! Denn noch am letzten Montag waren die Gesichter der DAX-Bullen sehr lang gewesen, hatte der Index doch binnen zweier Wochen mal eben eindrucksvoll mehr als 500 Punkte verloren. In diesem Kontext gesehen war der letztwöchige Sturm erstmal nur ein Ausgleichsversuch der vorangegangenen Verluste, die ziemlich exakt zur Hälfte wieder aufgeholt wurden.

Eine derart fortgeschrittene Bewegung schreit förmlich nach einer Pause. Diese nämlich hatten sich die wichtigsten Aktienmarktindices dies und jenseits des großen Teiches in der letzten Woche noch nicht gegönnt. Charttechnisch wäre zumindest eine kleine Korrektur ab dem 50 % Retracement sinnvoll, wenngleich auch ein weiterer Anstieg bis zur 61,8 % Fibonacci-Marke im grünen Bereich wäre. Dieses Niveau liegt bei 6130 Punkten und würde die Oberseite der nächsten Widerstandszone darstellen. Zusammengefasst sollte man also ab sofort bis spätestens etwa 6130 Indexzähler mit einer vorläufigen Top-Bildung rechnen. Allerdings stehen die Ampeln zum Wochenbeginn scheinbar zunächst weiter auf grün, weshalb der Wochenstart vermutlich zunächst noch einen weiteren Anstieg erwarten lässt. Trotzdem sollte der Hand am Auslöser bleiben, bzw. Stops durchaus offensiv gesetzt sein, denn eine baldige Konsolidierung scheint recht wahrscheinlich.

Doch wohin führt das Ganze? Geht es nun noch mal deutlich nach unten, ja oder nein? Im großen Gesamtbild sieht es tatsächlich danach aus, dass es nochmals kräftig nach unten gehen sollte, bevor die nächsten echten neuen Hochs in Angriff genommen werden können. Doch das aktuelle Chartbild lässt bis dahin zwei Wege zu, die bei vielen Marktteilnehmern noch für Verwirrung sorgen dürften. Nur wer mit dieser Doppeldeutigkeit des Marktes umgehen kann, dürfte in den nächsten Wochen Geld mit den Marktbewegungen verdienen.

Angesichts der Gradlinigkeit der letztwöchigen Aufwärtsbewegung wäre es nämlich nicht verwunderlich, wenn die Notierungen die diesjährigen Hochs nochmals angreifen oder sogar herausnehmen könnten. Zwar ist bei den US Pendants der Abstand noch sehr weit, aber eine Annährung dort würde beim DAX sicher schon ein Überschießen der jüngsten Hochmarke nach sich ziehen. Trotzdem sollte dies nur ein Bullensturm in einer übergeordneten Abwärtsphase sein, denn charttechnisch sollte das dicke Ende noch nicht gesehen worden sein.

Wer an der Börse eher die ruhige Kugel schieben und nicht mit Aufmerksamkeit am Ball bleiben möchte, ist gegenwärtig nicht sehr gut aufgehoben. Die nächsten Tage oder notfalls wenige Wochen werden hier vermutlich über die weitere Richtung entscheiden. Daher ist der gegenwärtige Markt eher das Spielfeld der Aktiven, die schnell reagieren können und nicht einer Handelsidee dauerhaft verhaftet sind.

Kurzfristige Aktivisten können voraussichtlich für die nächsten Stunden bis notfalls wenige Tage auf steigende Kurse hoffen, dann sollte aber eine Korrektur einsetzen, die zunächst am 6000er Niveau eine Unterstützung finden sollte. Sobald die 5800er Marke fällt, ist der Bullen-Zauber vorbei, vermutlich auch schon, sobald die 5900 Punktemarke unterschritten wurde. Der gegenwärtige Widerstandsbereich reicht noch bis 6130 Zähler hoch, dann wäre erst jenseits der 6300er Marke im Bereich der diesjährigen Hochs wieder mit Widerstand zu rechnen.

Euro - günstig einsteigen

Der Euro läuft und läuft und läuft, denn er hat viel Platz nach oben gut zu machen. Immerhin hatte der letzte Abwärtsschwung beim Euro gegenüber dem US Dollar ausgehend von rund 1.52 einen Abschlag von mehr als 3000 Pips bewirkt. Dagegen sieht auch der aktuelle 850 Pip Anstieg ausgehend vom Tief knapp unter 1,19 noch fipsig aus. Trotzdem bewegt sich das Währungspaar aktuell genau auf dem richtigen Weg. Nachdem die zweite Juni-Hälfte sinnvollerweise in einer angemessenen Zwischenkorrektur verbracht wurde, war der Juli bislang wieder klar von den Euro-Bullen beherrscht. Mehr als 550 Pips kletterte das Kursbarometer zwischenzeitlich und das mit gerade mal zwei roten Handelstagen, zuletzt allerdings gerade am Freitag. Entsprechend schloss das Währungspaar die alte Woche mit einem Stand von rund 1.2640.

Der nächste echte Widerstand liegt erst wieder bei 1.29 und rührt aus dem Zwischentief vom April letzten Jahres her. Doch auch wenn diese Marke den Vortrieb des Euro zwischenzeitlich bremsen sollte, die Aufwärtsrichtung dürfte dieses Niveau nicht stoppen. Das ist nämlich mit recht großer Wahrscheinlichkeit nicht vor der 1.31er Marke zu erwarten, wo die 38.2 % Fibonacci-Marke und kleine charttechnische Korrekturlevel aus der diesjährigen Abwärtsbewegung warten. Doch auch die 1.35er Marke hat durchaus gute Chancen, in Bälde gesehen zu werden.

Wer beim Euro aktiv werden möchte, sollte auf jeden Fall Käufe ins Kalkül ziehen. Potenzial ist jedenfalls noch reichlich vorhanden. Kurzfristig orientierte Marktaktivisten, können durchaus bei Rücksetzern auf vergünstigte Einstiege hoffen.

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