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Wer wird im Dax-Jahr die Nase vorn haben? Bulle oder Bär?
Wer wird im Dax-Jahr die Nase vorn haben? Bulle oder Bär?(Foto: REUTERS)

Extremniveaus werden getestet: 2014 birgt Überraschungen für den Dax

Von Franz-Georg Wenner

Das vergangene Jahr war noch einmal ganz nach dem Geschmack der Käufer. Zweifellos weist der Trend für den Dax eindeutig aufwärts. Aber der Blick unter die Oberfläche liefert Signale, die für Euphorie nicht ganz so viel Platz lassen.

Tägliche Analysen von Franz-Georg Wenner finden Sie unter www.chartanalysen-online.de.
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Um 1940 Punkte oder rund 25,5 Prozent kletterte der Dax 2013. Eine gute, aber keine überragende Performance. In seiner 26-jährigen Geschichte liegt der Index mit diesem Zuwachs nur an zehnter Stelle. Auf Basis des bisher noch sehr jungen Börsenjahres wäre es verfrüht, bereits auf eine Tendenz für das Gesamtjahr zu schließen. Statistische Zeitreihen liefern aber durchaus Signale, dass für die kommenden Monate keine ungebremste Kauflaune herrschen sollte. Als mahnender Taktgeber zählt der Präsidentschaftszyklus in den USA. Das Jahr 2014 ist ein Zwischenwahljahr und die erwiesen sich für die Wall Street in der Vergangenheit vielfach als herausfordernd. Prozentual zweistellige Kursverluste während des Jahres sind eher die Regel als die Ausnahme.

Kursziele erscheinen unrealistisch

Für den Dax erwarten die Analysten überwiegend eine moderate Fortsetzung der intakten Aufwärtsbewegung. Im Durchschnitt sehen die Banken den Index zum Jahresende bei rund 10.200 Punkten, was einer Jahresperformance von rund sieben Prozent entspricht und zugleich auch der durchschnittlichen Kursentwicklung der vergangenen Jahre. Mit dieser Vorhersage werden die Finanzprofis aber mit ziemlicher Sicherheit falsch liegen. In den zurückliegenden 20 Jahren lag die Performance des Deutschen Leitindex nur 1994, 1995, 2000 und 2004 mit jeweils rund sieben Prozent im Bereich des statistischen Durchschnitts (Abbildung 1). Der Regelfall sind hingegen Börsenjahre, in denen der Index  prozentual zweistellige Veränderungen zeigt. Darauf aufbauend sind somit Kurse oberhalb von 10.500 Punkten wesentlich wahrscheinlicher als das ausgegebene durchschnittliche Kursziel von 10.200 Zählern. Noch stärker gilt das Überraschungspotenzial auf der Unterseite. Kaum ein Stratege rechnet mit fallenden Notierungen.

 

 

Abbildung 1
Abbildung 1
Indexschwergewichte überzeugen noch nicht

Eine nachhaltige Aufwärtsbewegung ist aber auch nur dann wahrscheinlich, wenn auch die technische Verfassung der Indexmitglieder positiv ausfällt. Für den mittel- bis langfristigen Zeithorizont bietet sich die 200-Tage-Linie an. Aktuell fällt die Bilanz sehr stark aus, denn mit Lanxess notiert lediglich eine Aktie aus dem 30 Titel umfassenden Dax unter dem langfristigen Durchschnitt. Am anderen Ende sind Commerzbank, Continental und Deutsche Telekom zu finden, die um 50, 34 und 26 Prozent über der 200-Tage-Linie notieren und erste Anzeichen einer Überhitzung aufweisen.

Etwas durchwachsener fällt das Ergebnis im eher kurzfristigen Bereich aus. Mit Hilfe der Trendstärke-Matrix (Abbildung 2) ist eine schnelle Einschätzung der aktuellen Relativen Stärke aller 30 Dax-Aktien möglich. Jedes Indexmitglied wird über einen Balken repräsentiert, der Informationen über den mittelfristigen Trend liefert. Verläuft der Vier-Wochen-Durchschnitt (21-Tage-Linie) steigend, liegt ein kurz- bis mittelfristiger Aufwärtstrend vor, die Balkenfarbe ist entsprechend Grün. Bei Aktien mit einer seitwärts verlaufenden Signallinie ist der Balken grau. Weist der kurzfristige Durchschnitt hingegen abwärts, wird dies über rote Balken deutlich. Aktuell zählt die Matrix 16 grüne Balken, die Mehrzahl der 30 Indexwerte befindet sich somit in einem Aufwärtstrend. Papiere in einem Abwärtstrend sucht man vergeblich. Getrübt wird das Bild ein wenig durch die Situation bei den Indexschwergewichten. BASF, Bayer und SAP notieren derzeit noch nicht in einem Aufwärtstrend, bei Allianz, Daimler und Siemens ist die Balkenfarbe hingegen Grün. Die Indexgewichtung der Einzelwerte wird in der Matrix durch die Größe der schwarzen Punkte berücksichtigt. Je größer die Markierung, desto stärker der Einfluss der Aktie auf den Dax.

Mit der Trendstärke-Matrix ist auch eine noch kurzfristigere Einschätzung möglich. Die durchgezogene Mittellinie repräsentiert den Vier-Wochen-Durchschnitt. Liegt der schwarze Punkt darüber, notiert die Aktie über ihrer kurzfristigen Signallinie. Nach den kräftigen Gewinnen der vergangenen Tage notiert nur noch die Aktie von Linde unter ihrem Vier-Wochen-Durchschnitt, Bayer, Münchener Rück und SAP eroberten die Signallinie am Mittwoch zurück. Die Position der schwarzen und grauen Markierungen wird mit Hilfe der Relativen Stärke berechnet. Je höher die Relative Stärke einer Aktie ist, desto weiter rückt der schwarze Punkte in den oberen Bereich der Grafik. Auf einen Blick können somit trendstarke Aktien identifiziert werden. Zur besseren Vergleichbarkeit mit historischen Werten stellen die obere und untere Begrenzung der Grafik die Extremwerte der Relativen Stärke in den vergangenen zwei Jahren dar. Die grauen Punkte zeigen jeweils die Trendstärke für die entsprechende Aktie in der Vorwoche und erlauben so eine schnelle Einschätzung, ob die Schwungkraft zu- oder abnimmt.

Abbildung 2
Abbildung 2

Eine auch historisch bereits hohe Relative Stärke weisen aktuell die Deutsche Bank, K+S sowie die Lufthansa auf. Die aktuelle Trendstärke und somit die schwarzen Markierungen für diese Papiere liegen an der oberen Grenze der Spanne. Auch die Dynamik ist weiterhin hoch, denn bei den genannten Werten liegt die aktuelle Relative Stärke (dargestellt mit dem schwarzen Punkt) deutlich über dem grauen Vorwochenniveau. Weitere Aktien, die kurzfristig ein hohes Momentum aufweisen, sind Beiersdorf, E.ON, K+S, Münchener Rück, RWE und ThyssenKrupp. Mit Blick auf die richtungsweisenden Indexschwergewichte ist der Kampf zwischen Bullen und Bären noch nicht entschieden. Lediglich bei Allianz, Daimler und Siemens nimmt die Relative Stärke derzeit zu. BASF, Bayer und vor allem SAP leiden hingegen unter Kapitalabflüssen. Sollte diese Underperformance nachlassen, besteht natürlich viel Potenzial auf der Oberseite, was wiederum die Aufwärtsbewegung beim Dax begünstigen würde. Den Index selbst finden Sie ganz links in der Grafik. Derzeit ist die Balkenfarbe Grün, der mittelfristige Trend somit aufwärts gerichtet. Zudem steigt die Relative Stärke.

Fazit:

Der aktuell mit rund 96 Prozent sehr hohe Anteil an Aktien im Dax über dem 200-Tage-Durchschnitt war in den vergangenen Jahren vielfach ein Hinweis auf eine Übertreibung. Erfahrungsgemäß setzt bereits ab einer Quote von 90 Prozent eine Konsolidierung in Form einer Kurskorrektur oder Seitwärtsbewegung ein. Als Faustregel gilt: Je länger und weiter der Dax auf der Oberseite übertreibt, desto heftiger der anschließende Rücksetzer. Im kurz- bis mittelfristigen Bereich wird der jüngste Aufwärtsimpuls vor allem von den Indexschwergewichten noch nicht mitgetragen. Sollten auch diese Werte gekauft werden, dürfte noch einmal ein deutlicher Aufwärtsschub einsetzen. Bankaktien und Versorger-Werte sind die Favoriten der Stunde, weisen allerdings nur einen geringen Einfluss auf den Dax auf. Weitere  Rekordhochs im Index sind noch möglich, ganz allmählich wird die Luft aber dünn. Denn die Differenz des Leitindex zur 200-Tage-Linie erreicht mit aktuell gut 14 Prozent ein kritisches Niveau.

Quelle: n-tv.de

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