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Markus Zschaber: Greenspan und seine Heuschrecken

Finanzmärkte haben die Macht eigene Realitäten zu schaffen. Das unterschätzten Regierungen viel zu oft, betont Markus Zschaber. Der Vermögensverwalter stellt fest, dass sich vor diesem Hintergrund auch Ex-Fed-Chef Greenspan gewaltig irrte.

Markus Zschaber
Markus Zschaber

Mit Blick auf Reaktionen an den Finanzmärkten in den vergangenen 30 Monaten, bleibt festzuhalten, dass die Grundaussage von Alan Greenspan, dass Märkte sich immer in einer effizienten Verfassung befinden, widerlegt ist. Gerade die Preise und Kurse am Bondmarkt, aber auch an den Aktien- und Währungsmärkten, wurden zuletzt primär von zwei Einflussinstanzen (Fiskalpolitik, Geldpolitik) in die eine oder andere Richtung beeinflusst. Hinzu kam in punkto Eurokrise der Politikfaktor hinzu, welcher geprägt war von Vielstimmigkeit und Uneinigkeit der unterschiedlichen Regierungen in der Eurozone, ja selbst innerhalb einer Regierung (Stichwort Deutschland) und sorgte somit dafür, dass lange keine einheitliche und vor allem nachhaltige Lösung für die Krise in der Eurozone glaubwürdig gefunden und vertreten wurde.

Dies war der Nährboden für offensive Spekulationen gegen den gesamten Kapitalmarkt der Eurozone und unterstreicht die Instabilität der Finanzmärkte. Am offensichtlichsten können die Refinanzierungssätze von Spanien, Italien & Co. für die spekulativen Angriffe herangezogen werden, welche massiv in die Höhe getrieben wurden und anschließend lange deutlich über einem fundamental gerechtfertigten Niveau verharrten. Ich bin davon überzeugt, dass ähnlich wie 1992 (Stichwort Angriff auf das EWS), auch in den letzten Monaten/Jahren Absprachen großer Marktteilnehmer u.a. von großen Hedgefonds (Wall Street & City of London) getroffen wurden, die Schwächen der Eurozone ausnutzen und offensive Spekulationen aufzufahren. Die Risikoprämien, welche teilweise für Refinanzierungen verlangt wurden, untermauern die Annahme, dass bereits Wechselkursschwankungen innerhalb der Währungsunion Eurozone durch den Markt taxiert wurden. Das bedeutet, dass der Markt angeführt von großen Marktteilnehmern mit hoher monetärer Potenz, davon ausgingen, dass die Eurozone zerbrechen würde und mit ihr auch der Euro.

Finanzmärkte haben die Macht eigene Realitäten zu schaffen, dass unterschätzten Regierungen viel zu oft. Lediglich die Notenbanken und jetzt auch die EZB haben verstanden, dass sie die letzte Instanz sind, welche die Möglichkeiten und die Kraft besitzen, ausufernden Finanzmärkten entgegenzuwirken und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Nach meiner Ansicht begründet sich diese Marktineffizienz durch die Tatsache, dass die Zentralbanken in den angelsächsischen Nationen, durch ihre bereits umgesetzte Politik, Staatsschulden immer und unter jeden Umständen mit der "Druckerpresse" zu bedienen, jegliche Form von effizienten und fundamental gerechtfertigten Refinanzierungszinsen unterminieren. Die Notenbanken sind in der Lage, Märkte in jene Bahnen zu lenken, die für das jeweilige Staatenwohl am besten sind. Die EZB hat in der Vergangenheit als einzige Instanz hiervon keinen nachhaltigen Gebrauch gemacht, da vor allem aus Deutschland immer wieder scharfe Kritik geübt wurde, dass Notenbanken keine Staatsanleihen aufkaufen dürfen.

Der Standpunkt Deutschlands ist richtig, allerdings haben wir eine Diskrepanz auf der Ebene der Notenbankpolitik, welche der Markt im negativen Sinne ausnutzt und den ganzen Staaten in Europa (Südeuropa) das Geld sukzessive, mit zunehmender Geschwindigkeit, entzogen hat. Aus diesem Grund war die Androhung Draghis, auf alle Eventualitäten zu reagieren, bzw. der jüngste Beschluss der EZB, Staatsanleihen auch unbegrenzt zu kaufen, ein wichtiges Signal. Dies suggerierte den Kapitalmärkten, dass die EZB alle Möglichkeiten hat, das Marktgefüge zu stabilisieren, sollte es sich nicht auf ein fundamental gerechtfertigtes Niveau zurückbewegen. Fakt ist, die Eurozone hat hinsichtlich Neuverschuldung, Gesamtverschuldung, Gesamtverschuldung des privaten Sektors und der Reformpolitik massive Fortschritte zu verzeichnen, während in den USA und Großbritannien noch nicht einmal Reformpläne umgesetzt wurden. Die EZB hat die Möglichkeiten, durch intelligente Interventionen den Fokus des Kapitalmarktes auf die fundamentalen Daten zu richten und dadurch Refinanzierungskonditionen zu erreichen, die makroökonomisch angemessen sind.

Der Nährboden für die offensiven Angriffe auf die Währungsunion wurde entzogen. Die Eurozone muss allerdings die Chance weiter nutzen, aktiv und stringent die geplanten und bereits angefangenen Reformprozesse trotz ökonomischer und gesellschaftlicher "Schmerzen", fortzusetzen. Intelligente Investitionen müssen ebenfalls folgen. Dann sehe ich gute Chancen, dass die Eurozone einer der interessantesten Investitionsstandorte der Zukunft für das internationale Kapital werden kann. Davon profitiert nicht zuletzt auch Deutschland.

Dr. Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt mit dem Prädikat "magna cum laude" durch den "Handelsblatt-Elite-Report 2011", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Gemeinsam mit dem Nachrichtensender n-tv veröffentlich sein Institut auch monatlich den "Welt-Index" (www.weltindex.com) und "Welt-Handelsindex (www.welthandelsindex.de)

Quelle: n-tv.de

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