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Fünf verrückte Vorhersagen: Was macht der Devisenmarkt?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

2016 war ein turbulentes Jahr am Währungsmarkt. Und das neue Jahr? Mit diesen fünf Währungsideen für 2017 schwimmen Sie gegen den Strom.

Stark, stärker, US-Dollar: Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro, Yen, britischem Pfund und Schweizer Franken abbildet, ist Ende 2016 auf das höchste Niveau seit 2002 nach oben geschossen. Neben der allmählichen Verschärfung der Geldpolitik der US-Notenbank ist dafür vor allem die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten verantwortlich. "Investoren setzen derzeit darauf, dass Trump mit einem massiven Konjunkturprogramm die Wirtschaft kräftig ankurbeln und damit die Inflation anheizen wird", sagt Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Daher schießen gleichzeitig die Zinsen nach oben, was wiederum den Dollar mit nach oben zieht, weil die Nachfrage nach US-Anleihen steigt, da sie viel höhere Zinsen abwerfen als deutsche, oder japanische Anleihen. Allerdings bezweifelt Bauknecht die Nachhaltigkeit der Trumpschen Pläne, weil die hohe Staatsverschuldung den fiskalischen Spielraum der Trump-Regierung begrenzt. Daher könnte es 2017 zu einer Trendwende kommen - auch aus anderen Gründen. Im Folgen zeigen wir Ihnen fünf verrückte Ideen für Anlagen am Devisenmarkt.

Kommt eine kräftige Erholung beim Euro?

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Der Euro ist klar im Abwärtstrend. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die Parität zum Dollar erreicht ist, ein Dollar also nur noch ein Euro wert wäre. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die unterschiedliche Geldpolitik. Während die US-Notenbank im Dezember zum zweiten Mal seit zehn Jahren die Zinsen angehoben und für 2017 drei Erhöhungen angekündigt hat, hat die EZB ihr Anleihenkaufprogramm nur minimal zurückgefahren. Zwar soll das monatliche Kaufprogramm ab April 2017 von 80 auf 60 Milliarden Euro gedrosselt werden. Allerdings will die EZB künftig alte, auslaufende Anleihen aus ihrem Bestand in neue Papiere umtauschen. Entsprechend dürfte die EZB künftig insgesamt rund 75 Milliarden Euro pro Monat drucken. EZB-Chef Mario Draghi hat zudem gesagt, dass er im Notfall das Programm jederzeit ausweiten oder verlängern wird. Vor dem Hintergrund scheint ein weiterer Rückgang des Euro ausgemachte Sache zu sein.

Vielleicht kommt es aber doch anders als viele Experten derzeit erwarten? Obwohl das italienische Verfassungsreferendum um 4. Dezember gescheitert ist, sind die Zinsen für italienische Anleihen nicht gestiegen, sondern sind eher leicht im Rückwärtsgang. Offensichtlich setzen Investoren darauf, dass Draghi die Lage am Anleihenmarkt der Euro-Zone weiter unter Kontrolle halten kann. Und auch die anhaltende Krise bei italienischen Banken sorgt kaum für Unruhe. Gleichzeitig bekommt die Wirtschaft der Euro-Zone durch den gesunkenen Euro zusehends Rückenwind. Dadurch verbessern sich die Exportperspektiven für Länder wie Italien, Frankreich, oder Spanien, deren Export vor allem von günstigen Preisen abhängt. Rückenwind könnte die Wirtschaft der Euro-Zone auch bekommen, wenn es Trump gelingen sollte, die US-Wirtschaft deutlich anzukurbeln. Denn in dem Umfeld dürfte die Nachfrage der Amerikaner nach Produkten aus der Euro-Zone zunehmen. Insgesamt könnten die Perspektiven für den Euro damit bei Weitem nicht so schlecht stehen, wie viele Experten derzeit erwarten, zumal die Staatsverschuldung der Länder der Euro-Zone mit 91,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung deutlich niedriger ist als die der USA mit 107 Prozent. Aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten könnte es sich daher durchaus lohnen, auf eine Gegenbewegung beim Euro zu setzen.

Ändert die japanische Notenbank ihre Geldpolitik?

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Ebenso wie ein weiterer Rückgang des Euro scheint für viele Experten auch eine weitere Yen-Schwäche eine ausgemachte Sache zu sein. Immerhin hat die japanische Notenbank nach der Sitzung am 20. Dezember angekündigt, dass sie den Zins für zehnjährige japanische Anleihen bei null Prozent halten werde und dazu "unbegrenzt" Geld drucken werde. Für eine Abkehr von diesem Ziel sei es noch zu früh. Diese Aussicht belastet den Yen enorm. Was wäre aber, wenn die weltweiten Investoren weiter zehnjährige japanische Anleihen verkaufen und den Zins weiter nach oben treiben würden? Möglicherweise würde die japanische Notenbank dann allmählich von ihrem Ziel abrücken, immerhin verbessern sich bei steigenden Zinsen die Perspektiven für die angeschlagenen japanischen Banken. Wenn die Zinsstrukturkurve steiler wird, also der Zinsaufschlag für länger laufende Anleihen im Vergleich zu kürzer laufenden zunimmt, verbessert sich die Zinsmarge für die Banken. Sollte die japanische Notenbank entgegen jüngster Beteuerungen tatsächlich von ihrem Ziel abrücken, würden die Zinsen für langfristige Anleihen steigen, womit der Yen überraschend Rückenwind bekäme. In diesem Umfeld könnte der Yen zu einer kräftigen Erholung ansetzen.

Wie geht es weiter beim britischen Pfund?

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Der völlig überraschende Ausgang des Brexit-Referendums war für das britische Pfund ein harter Schlag. In den Monaten nach dem Referendum war das Pfund eingebrochen und auf Rekordtiefs gegenüber dem Dollar gesunken. Investoren befürchten, dass sich die Perspektiven für die britische Wirtschaft deutlich eintrüben, weshalb die Notenbank ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen um 60 Milliarden Pfund (74,4 Mrd. Dollar) aufgestockt hat. Zudem will Notenbankchef Mark Carney für 10 Milliarden Pfund Unternehmensanleihen kaufen und den Banken zusätzlich 100 Milliarden Pfund zur Verfügung stellen, um die Kreditvergabe an britische Unternehmen anzukurbeln. Premierministerin Theresa May will bis Ende März 2017 das Austrittsgesuch stellen. Bis Oktober 2018 sollen die Verhandlungen mit der Europäischen Kommission abgeschlossen sein. Je nach der Nachrichtenlage aus Brüssel, gibt es Ausschläge beim Pfund. Fordern die Kontinentaleuropäer einen "harten Austritt", wonach Großbritannien nur einen stark erschwerten Zugang zum europäischen Binnenmarkt bekäme, gibt das Pfund deutlich nach. Entgegen den Beteuerungen vieler Politiker könnte es möglicherweise aber gar keinen "harten Austritt" geben, dazu ist Großbritannien viel zu wichtig für den Export Kontinentaleuropas. Er ist doppelt so hoch wie der Export nach China. Daher können es sich die europäischen Politiker kaum erlauben, hart gegen Britannien vorzugehen, weil die Briten zurückschlagen würden und sich die Exportchancen für die Volkswirtschaften des Kontinents deutlich eintrüben würden. Daher könnte es vielmehr zu einem "weichen Brexit" kommen und das wiederum könnte für eine kräftige Erholung des Pfund gegenüber dem Dollar sprechen.

Druckt die Schweizer Notenbank massiv Geld?

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Ähnlich wie gegenüber dem Euro und dem Yen hat der Dollar in den vergangenen Monaten auch gegenüber dem Schweizer Frankreich zusehends aufgewertet. Verantwortlich dafür ist vor allem, dass die Schweizerische Notenbank die Zinsen weiterhin bei minus 0,75 Prozent hält, um eine Aufwertung des Franken vor allem gegenüber dem Euro zu verhindern, weil der Franken laut den Aussagen von Notenbankchef Thomas Jordan überbewertet sei. Daher gehen viele Investoren davon aus, dass der Dollar gegenüber dem Franken weiter steigen wird. Möglicherweise kommt es aber doch anders als erwartet. Zwar stagnierte die Wirtschaftsleistung der Schweiz im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal. Das lag aber vor allem an den gesunkenen Staatsausgaben und dem schwächelnden Export. Hingegen zeigen sich der private Konsum und die Investitionen der Unternehmen weiterhin robust. Daher könnte sich die Wirtschaft in den nächsten Quartalen wieder erholen, was es der Notenbank erlauben könnte, in den nächsten Monaten ein bisschen vom Gas zu gehen, zumal die Bilanzsumme der Notenbank mit mehr als 720 Milliarden Franken inzwischen auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung nach oben geschossen ist. Zum Vergleich: die Bilanzsumme der EZB liegt bei "nur" 35 Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Sollte Jordan in den nächsten Monaten nicht mehr ganz so kräftig Geld drucken, könnte der Franken zu einer deutlichen Gegenbewegung gegenüber dem Dollar ansetzen.

Wie geht es in Australien weiter?

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Der Rückgang des australischen Dollar gegenüber dem US-Dollar seit dem Wahlsieg von Donald Trump dürfte viele Investoren überrascht haben. Immerhin beflügelt üblicherweise ein Anstieg der Rohstoffpreise, wie von Kupfer, auch die Rohstoffwährungen, wie den Austral-Dollar, zumal das Außenhandelsdefizit Australiens seit Jahresanfang zusehends sinkt. Zuletzt hat aber der Kupferpreis wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Zudem machen sich Investoren Sorge, dass die Blase am australischen Immobilienmarkt geplatzt sein könnte, nachdem die Baugenehmigungen eingebrochen waren. Das wäre eine enorme Belastung für die privaten Haushalte, nachdem deren Schulden in den vergangenen Jahren auf den Rekordwert von mehr als 180 Prozent des Haushaltseinkommens gestiegen sind. Die Regierung steuert dagegen, und hat die Anforderungen für den Kauf von Häusern durch Ausländer gelockert und versucht damit den Markt zu stabilisieren. Gleichzeitig hat die Notenbank die Zinsen im Jahresverlauf auf das Rekordtief von 1,5 Prozent gesenkt. Notenbankchef Philip Lowe geht daher davon aus, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres 2017 beleben wird. Im Zweifelsfall hat er noch Munition im Köcher, um die Zinsen noch weiter nach unten zu schleusen, wenngleich das die Risiken am Häusermarkt erhöhen würde. Sollte sich allerdings die Wirtschaft nach der Zinssenkung erholen, könnte dies den Austral-Dollar stützen und er allmählich wieder nach oben drehen.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Devisen oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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