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(Foto: REUTERS)

Zentralbank greift ein: Türkische Lira gerät in Abwärtsstrudel

Rekordtief um Rekordtief schraubt sich der Kurs der türkischen Landeswährung nach unten. Dazu bei trägt das Zögern der Zentralbank vor weiteren Zinserhöhungen. Aber auch die Politik hat ihren Anteil.

Turbulent geht es weiterhin bei der türkischen Lira zu. Die Währung setzt ihre Talfahrt fort und verlor am Vormittag bis zu 1,8 Prozent an Wert. Ein US-Dollar kostete gegen Mittag 3,7789 Lira und damit so viel wie nie zuvor. Nach einem Einschreiten der türkischen Notenbank erholte sich der Kurs am Nachmittag jedoch wieder.

Seit geraumer Zeit ist die Lira vor allem wegen der Terroranschläge und der politischen Unsicherheit unter Druck, da Anleger ihr Geld aus der Türkei abziehen.

Devisenanalyst Tatha Ghose von der Commerzbank sieht trotz der jüngsten Rekordtiefs der türkischen Lira keine Bodenbildung. Alle relevanten Fundamentaldaten deuteten auf einen stetigen Abwertungstrend der Währung hin. Dieser sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die türkische Zentralbank trotz der erneuten Inflationsbeschleunigung auf Zinserhöhungen verzichte und so die altbekannte Inflations-Wechselkurs-Spirale in Gang bringe.

Zentralbank-Maßnahme trägt Früchte

Die Situation dürfte andauern, bis die Zentralbank zu einer Erhöhung der Zinsen gezwungen sei, glaubt Ghose. Der Experte rechnet in diesem Monat mit einer weiteren Zinserhöhung um 50 Basispunkte. Allerdings sei mehr erforderlich, wenn die Zentralbank dem Abwertungstrend wirklich etwas entgegensetzen wolle.

Zunächst hat die Notenbank in Ankara jedoch andere Maßnahmen ergriffen und die Bestimmungen für die Banken zur Höhe der ausländischen Währungsreserven gelockert, wie sie mitteilte. Damit stehe dem Finanzsystem rund 1,5 Milliarden Dollar (1,42 Milliarden Euro) zusätzlich zur Verfügung. Die Lira gewann nach der Ankündigung umgehend an Wert und stand am Nachmittag bei 3,75 Lira zum Dollar.

Devisen-Experte Ghose sieht aber auch in den politischen Entwicklungen des Landes Ursachen für die Abwertungsspirale der Lira. Das Parlament habe die Debatte über den Gesetzesentwurf zur Änderung der Verfassung begonnen. Angesichts eines derart signifikanten politischen Wechsels, der bevorstehen könnte, und des bereits bestehenden Ausnahmezustands, sei es keine Überraschung, dass die Märkte einen höheren Risikoaufschlag bei der Lira verlangen.

Quelle: n-tv.de

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