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Heute fiel der Euro am Morgen das erste Mal seit fast zwölf Jahren unter die Marke von 1,08 Dollar.
Heute fiel der Euro am Morgen das erste Mal seit fast zwölf Jahren unter die Marke von 1,08 Dollar.(Foto: picture alliance / dpa)

Wann kommt die Dollar-Parität?: Euro fällt auf tiefsten Stand seit 12 Jahren

Es geht weiter bergab mit dem Euro: Der starke US-Dollar und die Politik der Zentralbanken setzen seinem Kurs weiter zu. Die Parität zum Dollar rückt immer näher. Ein Euro-Austritt Griechenlands könnte der Sache aber noch einen anderen Dreh geben.

In die Zange genommen wird der Kurs von Europas Gemeinschaftswährung derzeit von der Politik der mächtigen Zentralbanken beiderseits des Atlantiks. Heute fiel der Euro am Morgen das erste Mal seit fast zwölf Jahren unter die Marke von 1,08 US-Dollar. Auch der nächsten Barriere von 1,07 Dollar kam er zwischenzeitlich bedrohlich nahe. Gegen Mittag kostete ein Euro etwa 1,0757 Dollar. Die Gemeinschaftswährung nähert sich also immer mehr der Parität zum US-Dollar.

Die Ursachen: In den USA wird auf baldige Zinserhöhung der Notenbank Fed spekuliert. In seiner letzten Rede als Chef der Dallas-Fed warb Richard Fisher für ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik in den USA. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA treibt Investoren in Dollar-Anlagen - zumal in der Eurozone nur Minirenditen oder gar negative Zinsen winken.

Griechenland-Debatte lastet weiter auf dem Euro

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Zudem lasten auf dem Euro die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), welche die Finanzmärkte mit Euro flutet. Ob dies den Euro noch weiter schwäche, dürfte vor allem davon abhängen, wie stark die Käufe der EZB letztlich die Renditen am europäischen Bondmarkt drücken, schrieb Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar. "Je stärker diese unter Druck kommen, desto eher dürften sich Investoren, die ihre Papiere an die EZB abgegeben haben, dazu entschließen, außerhalb der Eurozone zu investieren. Und dazu müssten sie zunächst den Euro verkaufen." Bundesanleihen bauen die Kursgewinne vom Vortag derweil aus.

Auch die neuerliche Diskussion um die griechischen Staatsfinanzen beschleunigen den Kursverfall. "Der Athener Regierung scheinen die Mittel schneller auszugehen als erwartet. Darüber hinaus glänzen griechische Spitzenpolitiker nicht mit Reform- und Kooperationsvorschlägen. Vor diesem Hintergrund dürfte der Euro bis auf Weiteres in der Defensive bleiben", sagt Ralf Umlauf von der Helaba.

Handelsverband rechnet mit baldigem Euro-Dollar-Gleichstand

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hält eine Parität zwischen Euro und Dollar angesichts der EZB-Politik schon bald für möglich. "Das kann in relativ kurzer Zeit erfolgen", sagte BGA-Präsident Anton Börner. So wie die Europäische Zentralbank agiere, sei eine solche Entwicklung "nur eine Frage der Zeit", sagte er mit Blick auf die lockere Geldpolitik.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone hielte Börner für verkraftbar. "Wir sehen das nicht so, dass, wenn Griechenland aus dem Euro austreten würde, die Welt zusammenbrechen würde", sagte Börner. "Dann würde ich eher auf ein Erstarken des Euro tippen als das Gegenteil", ergänzte er. Wenn man alles zusammen betrachte, dann müsse man sich fragen, ob ein Verbleib des Landes im Währungsraum mit immer neuen Hilfsprogrammen realistisch sei. Deutschland könnte sich das finanziell leisten, viele andere Euro-Länder aber nicht.

Quelle: n-tv.de

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