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Sicherer Hafen?
Sicherer Hafen?(Foto: REUTERS)

US-Schulden wachsen ungebremst: Dollar wird zum Problem

Ein Gastbeitrag von Martin Mack und Herwig Weise

Der Dollar hat spürbar aufgewertet. Da die amerikanische Schuldenorgie aber ungehemmt weitergeht, dürfte der Greenback absehbar unter Druck geraten. Denn in den USA werden Schulden mit der Druckerpresse beglichen.

Im Vergleich zu Europa stehen die USA zurzeit blendend da – zumindest auf den ersten Blick. Nach offiziellen Verlautbarungen wächst die Wirtschaft im laufenden Jahr um voraussichtlich knapp drei Prozent, die Arbeitslosenquote ist in den Bereich von sechs Prozent gesunken und die amerikanische Notenbank Fed ist willens, ihre ultralockere Geldpolitik nach fast genau sechs Jahren Nullzins-Politik und Gelddrucken zu straffen. All das macht den Dollar kurzfristig attraktiv. Seit Mai hat er gegenüber dem Euro rund neun Prozent aufgewertet.

Offenbar spricht einiges für den Dollar. Doch ein ernsthafter Blick auf den Zustand der US-Finanzen relativiert vieles – insbesondere das stets vorgetragene Mantra, der Dollar wäre ein sicherer Hafen. Es ist gerade einmal ein Jahr her, da drohte den USA eine technische Zahlungsunfähigkeit. Die Schuldenobergrenze, die seit Krisenbeginn im Jahr 2007 um 7429 Milliarden Dollar angehoben wurde, war wieder mal erreicht. Die Vereinigten Staaten sahen sich mit einem 14-tägigen Government Shutdown konfrontiert. Erst in letzter Sekunde einigten sich die Parteien im US-Kongress und beschlossen, die leidige Schuldenobergrenze, die die Schulden sowieso nicht begrenzen konnte, einfach zu "suspendieren"!

Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat.
Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat.(Foto: Bodo Dretzke / Mack & Weise)

Die Obama-Administration verlor die letzten verbliebenen Skrupel und produzierte – Schuldenkrise hin oder her - seit dem 16. Oktober 2013 bis Mitte Oktober 2014 unglaubliche 1152 Milliarden Dollar neue Schulden. Bleibt das Tempo unverändert, könnte die US-Verschuldung noch in diesem Jahr die 18 Billionen-Dollar-Schallmauer durchbrechen. Damit wird sich auch die Verschuldungsquote trotz aller Wachstumsverheißungen weiter verfestigen. Obwohl die USA seit Monaten eine sinkende Arbeitslosenquote verkündigen, zeichnet ein und derselbe Arbeitsmarkt-Bericht ein völlig anderes Bild vom Zustand der US-Wirtschaft: Rund 102 Millionen Amerikaner - und damit 41 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung - erzielen kein Erwerbseinkommen mehr. Die USA müssen das Paradies sein.

Exponentielles Schulden-Wachstum

Zwischen 1976 und 2001 haben noch fünf US-Präsidenten gemeinsam 25 Jahre benötigt, um 5000 Milliarden Dollar Schulden zu machen. George W. Busch genügten gerade einmal acht Jahre um dasselbe Ergebnis vorzuweisen. Dessen Amtsnachfolger Obama hingegen brauchte nicht einmal mehr volle vier Jahre, um ebenfalls 5000 Milliarden Dollar Miese aufzutürmen. Damit hat das amerikanische Schuldenwachstum eine (nicht aufrecht erhaltbare) exponentielle Beschleunigung erfahren. Die amerikanischen Staatsschulden werden gemäß der jüngsten Prognose des Congressional Budget Office (CBO) in den kommenden Jahren noch "signifikant" weiter wachsen. Da bekommt das Versprechen: "In god we trust", das die Dollarnoten ziert, eine ganz neue Bedeutung.

Dieser hemmungslose Schuldenwahn bleibt nicht ohne Konsequenzen. Immer mehr Staaten misstrauen dem Zahlungsversprechen der USA. Zwar können die Vereinigten Staaten dank ihrer (elektronischen) Druckerpresse unbegrenzt viele Dollar drucken und damit jeden noch so aberwitzigen Schuldenberg theoretisch zurückzahlen. Mit Blick auf die beispiellose Geldvermehrung in den USA kann es aber kaum verwundern, dass insbesondere China zunehmend das Interesse verliert, den Amerikanern immer neue Kredite zu gewähren. Seit mehr als einem Jahr hält der größte Auslandsgläubiger der Vereinigten Staaten seine US-Staatsschulden-Investments nahezu konstant. Gleichzeitig reduzierte die Volksrepublik im dritten Quartal 2014 ihre Währungsreserven um 60 Milliarden auf 3890 Milliarden Dollar. So stark war der Rückgang noch nie in einem einzelnen Quartal.

Fed ist größter Gläubiger des Staates

Mit 2455 Milliarden Dollar schuldet der amerikanische Staat mittlerweile das meiste Geld der eigenen Notenbank. Diese rigorose Finanzierung des Staates durch die heimische Druckerpresse sorgte unter anderem mit dafür, dass sich die Bilanzsumme der Fed in den zurückliegenden Jahren von 900 Milliarden Dollar vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 auf nunmehr knapp 4500 Milliarden Dollar aufblähte.

Zwar hilft das Drucken von Geld kurzfristig staatliche Haushaltslöcher zu stopfen, langfristig schafft es aber ernsthafte Probleme. Schließlich werden immer weniger Gläubiger außerhalb der Vereinigten Staaten bereit sein, den USA Geld zu leihen, wenn die Rückzahlung reale Verluste garantiert. Zurzeit schulden die Vereinigten Staaten dem Ausland bereits rund 6000 Milliarden Dollar. Schon heute ist klar, dass die auf bedingungslosen Konsum und Kredit setzenden USA nicht die Fähigkeit haben (werden), ihre Schulden jemals auf „normalem Wege“ zurückzahlen. Dass jemals überhaupt ein Wille bestand, darf bezweifelt werden. Erklärte doch der Ex-Fed-Chef Ben Bernanke 2002, wie die USA ihre Schulden zu bezahlen gedenken: "Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse, die es ihr gestattet, ohne Kosten so viele US-Dollar zu produzieren, wie sie will."

Eigentlich müssen die Zinsen steigen, um die Attraktivität des Dollars zu erhöhen. Das wiederum kann sich der hoch verschuldete Staat nicht leisten, engt doch die stetig wachsende Staatsverschuldung den Spielraum der Regierung immer weiter ein. Zwar wird seitens der Mainstream-Ökonomen gerne die Wirtschaftsleistung eines Staates betrachtet, um dessen Solvenz zu beurteilen. Doch bezahlt kein noch so großes oder kleines Bruttoinlandsprodukt (BIP) irgendwelche Schulden. Diese werden ausschließlich über Steuereinnahmen des Staates finanziert.

Im jüngst abgelaufenen Fiskaljahr 2014 konnten die USA ihre Steuereinnahmen zwar auf rund 3000 Milliarden Dollar steigern. Doch diese stehen der amerikanischen Regierung nicht in voller Höhe zur Verfügung. Rund ein Drittel der Steuereinnahmen entfällt auf sofort wieder abfließende Renten- und Sozialversicherungseinnahmen, die für Zinszahlungen - gesetzlich geregelt - nicht verwendet werden dürfen. Unter dem Strich mussten die Vereinigten Staaten im letzten Fiskaljahr rund 22 Prozent der tatsächlich frei verfügbaren Steuereinnahmen für den Schuldendienst verwenden. In seiner Prognose bis 2024 geht das Budgetbüro des US-Kongresses (CBO) davon aus, dass sich das US-Zinsniveau in absehbarer Zeit wieder auf 3,75 Prozent normalisiert. Dies entspricht auch dem erklärten Ziel der Fed. Erstaunlicherweise erfahren Staatseinnahmen in der Prognose aber keine positive Steigerung. Auf Basis der aktuellen Zahlen bedeutet dies, dass bereits 2017 rund ein Drittel der frei verfügbaren Steuereinnahmen durch den Schuldendienst fest gebunden wären.

Wirkung lässt nach

In den USA wird die Schuldenentwicklung immer bedrohlicher. Das hängt auch damit zusammen, dass jeder neue Schuldendollar immer weniger stimulierend auf die Wirtschaft wirkt. Von 1970 bis 1983 sorgte laut Fed ein Dollar Neuverschuldung noch für 0,69 Dollar Wirtschaftswachstum. Zwischen 1999 und 2013 schrumpfte der Stimulus-Beitrag auf nur noch 17 US-Cent. Es ist deutlich sichtbar, dass die kreditabhängige Wirtschaft über die Zufuhr von noch mehr Kredit im wahrsten Sinne zu Tode kreditiert wird.

Letztlich steuern die USA auf eine finanzielle Katastrophe zu, und müssen, um diese nicht sofort eintreten zu lassen, das Verschuldungstempo immer weiter erhöhen. Darunter wird der Dollar absehbar leiden – und mit ihm auch jenes Dollar-zentrierte Kreditgeldsystem, welches die USA im Zuge ihrer Bankrotterklärung im August 1971 ausgerufen haben. "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem", versicherte seinerzeit der damalige Finanzminister J. Connally der Welt. Heute ist der Dollar ein Problem für alle – für die Welt und für die USA!

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Quelle: n-tv.de

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