Leitet den G20-Ausschuss für Finanzstabilität: Großbritanniens oberster Währungshüter Mark Carney.
Leitet den G20-Ausschuss für Finanzstabilität: Großbritanniens oberster Währungshüter Mark Carney.(Foto: dpa)

Unerklärliche Kursausschläge: BIZ-Experten sollen Pfund-Crash prüfen

Der Vorfall ist mysteriös: Am Tag nach den dramatischen Bewegungen des britischen Pfund sind die Währungshüter in London noch in heller Aufruhr. In einer ersten Reaktion bittet London unabhängige Experten um eine Untersuchung.

Der rätselhafte Kurssturz einer Leitwährung des Weltwährungssystems wirft ernste Fragen auf: Die Bank of England bat die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer ersten Reaktion, eine offizielle Untersuchung des starken Einbruchs beim Pfund Sterling einzuleiten. Das bestätigte der Gouverneur der britischen Notenbank, Mark Carney, am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Washington.

Hintergrund des Ersuchens, das sich an den Marktausschuss der BIZ richtet, ist der 6-prozentige Absturz des britischen Pfunds beim Übergang des US-Handels zum asiatischen Geschäft. Dabei war das Pfund bis auf ein 31-Jahrestief bei 1,1841 Dollar abgerutscht, hatte sich aber binnen Minuten wieder auf ein Niveau über 1,24 Dollar erholt.

Peinlicher Fehler oder Attacke?

Für Carney besonders unangenehm: Die heftigen Instabilitäten betreffen ausgerechnet die Währung, für die der Brite als Notenbankchef verantwortlich zeichnet. Carney leitet auf der Ebene der G20 den Ausschuss für Finanzstabilität.

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Die Vorgänge rund um den Pfund-Absturz drohen, das Vertrauen in eine der wichtigsten Währungen der Welt nachhaltig zu erschüttern. Zwar sprechen Marktteilnehmer längst von einem sogenannten Flash Crash der britischen Währung, der allem Anschein nach einem Eingabefehler geschuldet gewesen sein dürfte. Dafür spreche schon die prompte Erholung nach dem heftigen Kursausschlag nach unten.

Pfund noch immer unter Druck

Ganz erholt hat sich der Devisenkurs jedoch auch am Tag nach dem Absturz noch nicht: Kurz vor dem Wochenende notiert das britische Pfund bei 1,2458 Dollar und damit immer noch mehr als ein Prozent schwächer als am Vortag. Für eine Währung einer starken Industrienation gelten solche scharfen Bewegungen als höchst ungewöhnlich.

Einige Händler glauben in den Ausschlägen daher auch fundamentale Beweggründe zu erkennen. Auslöser könnten Kommentare des französischen Präsidenten Francois Hollande gewesen sein, heißt es, der zuletzt harte Verhandlungen mit Großbritannien über den Brexit forderte. Großbritannien wolle raus aus der EU, ohne die Vorteile des EU-Binnenmarkts aufzugeben. Das sei unmöglich, hatte Hollande erklärt. Schwache britische Konjunkturdaten sorgen zusätzlich für weiteren Druck auf das Pfund.

Das Pfund stand allerdings bereits die ganze Woche über unter Druck, nachdem die britische Premierministerin Theresa May am vergangenen Wochenende angekündigt hatte, dass das Land spätestens Ende März 2017 den offiziellen EU-Austrittsantrag stellen werde. Dabei stellte sie eine Begrenzung der Migration über einen ungehinderten Zugang zum EU-Binnenmarkt und befeuerte die Spekulationen über einen "harten Brexit".

Quelle: n-tv.de

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